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GERALD ENZINGER

Toto Wolffs Kettensäge

Der neue Halo-Schutz ist ein Flop, der das fundamentale Problem der Formel 1 auf den Punkt bringt. Auch Toto Wolff hat sich offen und ehrlich geäußert.
Vor dieser Woche hatten Formel-1-Puristen seit Jahren gezittert. Nun ist es passiert, die Vorhänge sind gefallen: Die Formel-1-Teams haben die ersten Autos aus der Zukunft präsentiert – einer Zukunft im Zeichen des Heiligenscheins „Halo“ - oder wie gefühlt 95 Prozent aller Fans sagen: der Scheinheiligkeit.
 
Der Kopfschutz Halo ist hässlich, er zerstört die Ideolgie des „freien“ Formel-1-Boliden im Gegensatz etwa zu einem Le-Mans-Auto oder einen Tourenwagen und es ist alles andere als geklärt, ob er im Fall einer Unfalls nicht mehr Risiken als Rettungsalternativen bietet. Was etwa, wenn ein Fahrer in einem brennenden Auto eingeklemmt ist?
 
Natürlich ist es der Job der FIA, sich Gedanken über die aktuell wohl größte Gefahr für Rennfahrer zu machen – Gegenstände, die auf den Kopf fallen. Man denke an Tragödie wie jene Henry Surtees, dem ein Reifen eines weit entfernten Autos in tödlicher Weise auf den Kopf fiel.

Doch das Justament-Durchziehen des alles andere als gelungen Halo-Konzeptes ist übereilt und undurchdacht. Indycar und einzelne Formel-1-Teams haben schon längst wesentlich formschönere Lösungen gezeigt. Trotzdem hat man auf den Fremdkörper Halo gesetzt.
 
Warum? Der Motorsport ist längst ein Gefangener der Versicherungsmoderne. In diesem Millionengeschäft wird auch mit der Tragödie verdammt viel verdient. Obwohl man weiss, dass Jules Bianchi vor seinem Unfall die doppelt gelbe Flagge völlig ignoriert hat und so schnell wie nie zuvor an dieser Stelle gefahren ist, laufen Millionenklagen seiner Familie. Es wird darauf hinausführen, dass künftig die FIA bei jedem ähnlichen Unfall mit Kopfverletzungen in irgendeinem Formel-Boliden haftbar gemacht werden kann, wenn sie nicht nachweisen kann, das Maximum an Sicherheit in den Regeln vorgeschrieben zu haben. Das wollen die Funktionäre in Paris nicht riskieren. Und so werden die Anwälte die Abenteurer besiegen und zähmen und dem Sport einen wesentlichen Teil seines selbstgewählten Risikos nehmen. Gegen den Willen der Akteure. Wer mit den Fahrern off records redet, weiß: 95 Prozent wollen selbst nichts von Halo wissen.

Wie sehen nun die Lösungen an den Autos aus? Einigen Teams wie Red Bull und Renault ist gelungen, Halo durch ihr Farbkonzept halbwegs unkenntlich zu machen. Andere sehen aus wie Autocross-Rennschleudern.

Und man fühlt mit Toto Wolff, der selbst offen und ehrlich sagt: „Wenn man mir eine Kettensäge geben würde, würde ich das hässliche Ding abschneiden.“
Gegen den Willen der Akteure: Wer mit den Fahrern off records redet, weiß: 95 Prozent wollen selbst nichts von Halo wissen.Gegen den Willen der Akteure: Wer mit den Fahrern off records redet, weiß: 95 Prozent wollen selbst nichts von Halo wissen.
Einigen Teams wie Red Bull und Renault (Bild) ist gelungen, Halo durch ihr Farbkonzept halbwegs unkenntlich zu machen. Andere sehen aus wie Autocross-Rennschleudern.Einigen Teams wie Red Bull und Renault (Bild) ist gelungen, Halo durch ihr Farbkonzept halbwegs unkenntlich zu machen. Andere sehen aus wie Autocross-Rennschleudern.
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