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FABIAN STEINER

FABIAN STEINER

Kuriose Preiserhöhung

Ab September 2018 müssen Autokäufer mehr zahlen, ab 2020 noch etwas mehr – das Geld geht aber an der Staat, nicht an die Autofirmen. Schuld ist eine kuriose österreichische Steuer, die leider trotzdem nicht abgeschafft wird.
Wer in Österreich einen Regenschirm, ein Handy oder irgendetwas anderes erwirbt, zahlt mit seinem Kauf automatisch 20 Prozent Mehrwertsteuer an den Staat. Soweit, so normal.
 
Wer in Österreich aber ein Auto erwirbt, zahlt zusätzlich zu den 20 Prozent Mehrwertsteuer eine weitere Steuer, die nur auf Autos eingehoben wird.
 
Das ist nicht normal, sondern ein rein österreichisches Kuriosum, mit dem der Staat dem Autofahrer seit 1992 auf der Tasche liegt. Davor hieß die Steuer übrigens Luxussteuer, aber das für viele Menschen notwendige Auto als Luxus zu bezeichnen, zielte dann doch irgendwann zu weit an der Realität vorbei.

Die Rede ist von der Normverbrauchsabgabe NoVA. Sie berechnet sich nach dem Verbrauch der Fahrzeuge und liegt bei durchschnittlichen Fahrzeugen meistens im Bereich von drei bis fünf Prozent – das klingt harmlos, bedeutet aber, dass der Österreicher schnell einmal einen Euro-Tausender mehr für sein Auto zahlt als zum Beispiel der Deutsche.


In den letzten zehn, fünfzehn Jahren hat die EU mit drastischen Vorgaben Druck auf die Autohersteller ausgeübt, damit sie den Verbrauch ihrer Fahrzeuge senken. Das freut die Umwelt und die Politiker, nur nicht den jeweiligen österreichischen Finanzminister: Dem sind durch die Verbrauchssenkung viele NoVA-Millionen entgangen, zuletzt war sogar von einem kleinen NoVA-Budgetloch die Rede, weil die Hersteller den Verbrauch stärker gesenkt haben als vom Finanzministerium angenommen.


Ab September allerdings klingelt die NoVA-Kasse wieder kräftiger – und das ganz unerwartet. Was passiert ist? Die EU hat sich eine neue, realistischere Berechnungsmethode für den Fahrzeugverbrauch ausgedacht, um dem Konsumenten etwas Gutes zu tun. Das freut die Autokäufer eigentlich, nur nicht den österreichischen Autokäufer: Der zahlt ab September 2018 mehr für seinen Neuen, weil durch die neue Berechnungsmethode (WLTP- statt NEFZ-Zyklus) der offizielle Verbrauch steigt.


Wie viel die Kunden mehr zahlen werden, hängt vom jeweiligen Modell und Motor ab. Manchmal gibt es keine Preissteigerung, manchmal sind es 2000 Euro und mehr. Bei einem BMW 320d (im Bild oben) erhöht sich die NoVA zum Beispiel von drei auf sechs Prozent, gute 1000 Euro mehr also.


Ab 2020, wenn die bisherige Verbrauchsberechnungsmethode NEFZ dann komplett durch WLTP ersetzt wird, werden es noch einmal ein oder zwei Prozent Preissteigerung sein.


Höchst ärgerlich finden Sie das? Hochgradig unfair sogar? Ist es auch. So gesehen wäre jetzt wieder einmal genau der richtige Zeitpunkt, diese kuriose österreichische Steuer abzuschaffen. Passieren wird es wohl eher nicht.

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