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FABIAN STEINER

Das absurde Ende des (normalen) smart

Dass es ausgerechnet das sinnvollste aller Stadtautos bald nur noch zum doppelten Preis gibt, ist nicht die Schuld von Mercedes, sondern ein Armutszeugnis für Europa.
Wer heute auf der Homepage von smart vorbeischaut, dem wird das günstigste Modell um 11.280 Euro angeboten. Das kann sich aber jeden Tag ändern, und zwar deutlich: In Kürze werden für einen smart mindestens 23.070 Euro fällig sein. Hintergrund des doch etwas unüblichen Preisanstiegs: Die Benzinversion des smart wird im Sommer eingestellt, nur noch die mehr als doppelt so teure Elektrovariante läuft danach weiter vom Band.
 
Diese Entscheidung ist Teil des Deals, den Mercedes nun mit dem Autohersteller Geely abgeschlossen hat. Die Chinesen, die sich auch schon zehn Prozent von Daimler und 100 Prozent von Volvo einverleibt haben, kaufen 50 Prozent von smart und wollen daraus eine große Elektroauto-Marke für den Weltmarkt – aber speziell für Chinas Megacitys – machen.
 
Mal abgesehen davon dass die großen Einkaufstouren der Chinesen nach wir vor den starken Beigeschmack von Staatsdoping haben, ist die neue Entwicklung für Mercedes selbst eine gute Nachricht. Bisher war smart ein verlustreiches Sorgenkind. Nun hat man zumindest die Chance, dass smart über China durchstartet, und wäre dann mit 50 Prozent an Bord.
 
Dass es ausgerechnet das sinnvollste aller Stadtautos bald nur noch zum doppelten Preis gibt, ist allerdings ein Armutszeugnis für Europa.
 
Mercedes trifft keine Schuld. Im Gegenteil, die Stuttgarter haben den smart über 20 Jahre kräftig alimentiert und hätten ab 2020 sogar für jeden Benziner-smart eine CO2- Pönale an die EU zahlen müssen, was kleine Autos noch unwirtschaftlicher werden lässt.
 
Unter normalen Bedienungen hatte der smart nie die Chance, zum Massenauto zu werden: Er kostet konzeptbedingt gleich viel wie Autos der Polo-Klasse, die aber drei Sitzplätze mehr und dazu noch Langstreckeneigenschaften haben. Wer pragmatisch kaufen muss, kauft also meistens nicht smart. Den smart fahren wohlhabende Menschen, die sich zwei Autos leisten können oder ein Firmenauto haben.
 
Das hätte man leicht ändern können, indem man den historischen Beitrag des smart zur urbanen Mobilität auch gewürdigt hätte. Der smart ist die wohl genialste automobile Erfindung der letzten 25 Jahre, weil er mit Abstand am wenigsten von dem Ort beansprucht, an dem uns der Platz ausgeht: unseren Städten. Dass er zugleich sparsam im Verbrauch, kostengünstig im Unterhalt und ein großes Parkplatzvergnügen für den Fahrer ist, versteht sich eigentlich von selbst.

Wir fördern Elektrifizierung und autonomes Fahren trotz langfristiger Problemstellen (Lademöglichkeiten) und unsozialer Komponenten (Jobverluste) mit Milliarden, aber dass der smart im Schnitt zwei Meter kleiner ist als jedes andere Auto, war niemandem in Europa bisher einen Cent wert. Dabei wäre diese Form der Effizienz eigentlich sinnvoller als die beiden anderen.
 
Stattdessen wird es nun noch einmal deutlich elitärer, ein richtig kleines Auto zu fahren. Was nicht heißt dass das günstige Mini-Stadtauto nicht wieder zurückkommt, zum Beispiel so.
Die genialste automobile Erfindung der letzten 25 Jahre: Der smart beansprucht mit Abstand am wenigsten von dem Ort, an dem uns der Platz ausgeht – unseren Städten.Die genialste automobile Erfindung der letzten 25 Jahre: Der smart beansprucht mit Abstand am wenigsten von dem Ort, an dem uns der Platz ausgeht – unseren Städten.
Lieber U-Bahn fahren? Leider wird es nun noch einmal deutlich elitärer, ein richtig kleines Auto zu fahren, denn…Lieber U-Bahn fahren? Leider wird es nun noch einmal deutlich elitärer, ein richtig kleines Auto zu fahren, denn…
…ausgerechnet das sinnvollste aller Stadtautos gibt es bald nur noch zum doppelten Preis.…ausgerechnet das sinnvollste aller Stadtautos gibt es bald nur noch zum doppelten Preis.
Die erste Generation des smart war sensationelle 2,50 Meter kurz, dann erzwangen neue Sicherheitsbestimmungen (Chrashtest, Fußgängerschutz) eine Erweiterung auf 2,75 Meter. Dabei ist es bis heute geblieben.Die erste Generation des smart war sensationelle 2,50 Meter kurz, dann erzwangen neue Sicherheitsbestimmungen (Chrashtest, Fußgängerschutz) eine Erweiterung auf 2,75 Meter. Dabei ist es bis heute geblieben.
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