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FABIAN STEINER

Denn Sie wissen nicht, was sie tun

Klingt absurd, ist aber so: Wenn im nächsten Jahr die neuen Abgasregeln in Kraft treten, sind die kleinen, günstigen Autos vom Aussterben bedroht. Ausgerechnet die sinnvollste aller Fahrzeugklassen könnte in ihrer jetzigen Form verschwinden.
Streiten, bis der Arzt kommt…durch die öffentliche Intervention von über 100 Lungenärzten scheinen die Deutschen gerade ihren Diesel-Mumpitz besser in den Griff zu bekommen. Es besteht die Hoffnung, dass eine grotesk unverhältnismäßig geführte Diskussion zu Ende geht. Außer den Deutschen diskutiert ja auch keiner, muss man fairerweise sagen. Die Österreicher hören nur unfreiwillig mit.
 
In zwei, drei Jahren hat sich die Diskussion dann ohnehin ganz erledigt, denn die Feinstaubbelastung geht seit Jahren zurück. Die des Verkehrs mit Abstand am stärksten, in Österreich haben sich die entsprechenden Emissionen (PM-10, PM-2,5) des Verkehrs in den letzten 15 Jahren halbiert. Gesamtanteil des Verkehrs am Feinstaub in der österreichischen Luft übrigens: 15 Prozent.

Derweil kommt eine andere Problematik auf uns zu: Durch strengeren, ab 2020 geltenden, Abgasregeln für Neuwagen sind ausgerechnet die kleinen und günstigen Autos vom Aussterben bedroht.
 
Hintergrund: Ab dem nächsten Jahr dürfen neue Autos nur noch eine CO2-Emission von 95 Gramm pro Kilometer haben. Wenn ein Wagen die Grenze nicht einhält, darf er zwar noch verkauft werden, aber der Hersteller muss dafür Pönale zahlen.
 
Das wird bei großen Autos natürlich den Gewinn mindern. Ärgerlich, aber verschmerzbar. Bei kleineren Autos ist der Gewinn aber schon jetzt sehr klein, mit der CO2-Pönale verwandelt er sich in einen Verlust.
 
Nun ist der Autohersteller aber ein Unternehmer. Warum sollte er 2000 Euro draufzahlen, wenn er ein Auto verkauft?
 
Ausgerechnet die mit Abstand sinnvollste und europaweit beliebteste Fahrzeugklasse könnte dadurch in ihrer jetzigen Form verschwinden – jene um Clio, Polo, Fabia, Fiesta, 208, Ibiza und Co.; diese Autos haben sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt und bieten heute genug Komfort, um eine Fernreise zu machen, gleichzeitig sind sie nur rund vier Meter lang, sehr sparsam und kosten nicht mehr als 15.000 Euro. Vernünftige Mobilität wie aus dem Bilderbuch.

Aber nicht mehr lange, denn für Polo und Co. gibt es mittelfristig nur zwei Szenarien: 1.) Diese Autos nicht mehr bauen. 2.) Auf Hybrid und vor allem Plug-in-Hybrid umstellen, aber dann kostet der Polo nicht mehr 15.000 Euro, sondern schnell einmal 22.000 Euro.

Die Alternative dazu heißt Elektroauto und wird noch etwas teurer sein. Hier wird das Angebot massiv anwachsen, denn die Stromer werden generell mit ihrer lokalen C02-Emission eingestuft, also null Gramm pro Kilometer, die Emissionen für die Stromproduktion bleiben unberücksichtigt. Völlig absurd.
 
Dass es keine günstigen Neuwagen mehr geben wird, ist ein sozialer Einschnitt, dessen Auswirkungen nicht zu unterschätzen sein werden (Stichwort Gelbwesten). Aber es ist auch keine gute Nachricht für das Klima, denn die Alternative heißt Gebrauchtwagen und ist eines ganz sicher: weniger sauber.
Hat sich seit 1975 unglaublich weiterentwickelt: Der VW Polo und die ganze, oft auch nach ihm benannte, Klasse.Hat sich seit 1975 unglaublich weiterentwickelt: Der VW Polo und die ganze, oft auch nach ihm benannte, Klasse.
Demokratische und sinnvolle Entwicklung seit 1984: Autos wie der Seat Ibiza haben heute Reisekomfort fast wie die Großen, verbrauchen nur noch die Hälfte und kosten in Relation zum Durchschnittsverdienst viel weniger als früher.Demokratische und sinnvolle Entwicklung seit 1984: Autos wie der Seat Ibiza haben heute Reisekomfort fast wie die Großen, verbrauchen nur noch die Hälfte und kosten in Relation zum Durchschnittsverdienst viel weniger als früher.
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