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INTENSIVTEST: DS 7 CROSSBACK HDi 180

Für alle, die lieber in Paris einkaufen

Nach England bietet jetzt auch Frankreich eine Alternative zu BMW und Audi. Das erste echte Aufeinandertreffen findet bei den Kompakt-SUV statt: Der französische Stil des DS 7 soll X1/X3 und Q3/Q5 ein bisschen banal aussehen lassen. Kann das gelingen?
Die Engländer haben mit Land Rover gezeigt, wie man deutschen Premiummarken in die Parade fahren kann. Die Schweden sind mit Volvo auf einem guten Weg. Jetzt wollen also auch die Franzosen mitmischen?
Genau, im PSA-Konzern haben sie dafür vor einigen Jahren mit DS eine dritte Marke neben Citroen und Peugeot geschaffen. DS Automobiles, so der offizielle Name, wird eigenständig geführt und hat auch im Autohaus separate Bereiche.
Das Ziel ist klar: So wie Land Rover einen englischen Stil entwickelt hat und Volvo mit schwedisch reduziertem Design punktet, so soll sich auch DS durch seine französischen Art abheben.

Was heißt das für den DS 7 konkret?
Dass er stark auf französischen Luxus setzt, also versucht, möglichst soviel Design und edles Material reinzupacken, dass die Konkurrenz daneben etwas herkömmlich aussieht. In diesem Fall ist die Konkurrenz nicht irgendwer, sondern heißt BMW X1 und Audi Q3, wobei der DS 7 rund zehn Zentimeter länger als der BMW und rund 16 Zentimeter länger als der Audi ist. Ebenfalls im Konkurrenzumfeld: Range Rover Evoque, Volvo XC40, Jaguar E-Pace. Etwas größer als der DS 7, aber ebenfalls vergleichbar: BMW X3, Audi Q5, Jaguar F-PACE.
 
Wie geht es der Marke DS?
Sie steht am Anfang. Im PSA-Konzern sehen sie das Projekt mit einem Horizont von 20 Jahren. Der DS 7 ist nicht das erste Modell der Marke, aber der erste echte Meilenstein. Mittelfristig setzt DS stark auf Strom, bis 2025 werden alle Modelle Hybride oder Elektroautos sein. Passend dazu tritt DS auch in der Formel E an.
Etwas länger als X1 und Q3. Der DS 7 überragt die Konkurrenz bei Länge und Radstand leicht.Etwas länger als X1 und Q3. Der DS 7 überragt die Konkurrenz bei Länge und Radstand leicht.
Welche Basis-Technik verwendet DS?
Der DS 7 baut auf die EMP2-Plattform des PSA- Konzerns auf, die verwendet zum Beispiel auch Peugeot der 3008. Nicht das schlechteste Ausgangsmaterial, der 3008 ist völlig zurecht Auto des Jahres geworden.
Und natürlich bekommt DS eine technische Sonderbehandlung im Premium-Stil, zum Beispiel bei Aufhängung (andere Hinterachse, adaptive Dämpfung mit vorrauschauender Kamera), Features (größere Bildschirme und Nachtsichtgerät aus der Luxusklasse) und Antrieb (neue 8-Gang-Automatik aus dem Konzernregal).
 
Der Auftritt des DS 7 ist nicht extravagant, wirkt auf den ersten Blick fast schlicht. Wie sieht das Designkonzept der Franzosen aus und geht es auf?
Extravaganz ist im Gegensatz zu 1955 heute nicht mehr das Konzept eines DS, das geben die Marktgesetzte vor: Avantgardistisches Design mag Beifall bekommen, gekauft wird es aber kaum – gerade die Franzosen haben diese Erfahrung auch in jüngerer Vergangenheit zur Genüge gemacht, siehe Avantime, Vel Satis, 2002er-Megane, C6, DS 5.
Der Designansatz des DS 7 ist deshalb eindeutig Audi-artig: Schlichtes Grunddesign, das nicht aneckt und zugleich edle Highlights besonders hervortreten lässt – und bei diesen Highlights hat sich DS sehr ins Zeug gelegt: Der große Klavierlack-Kühlergrill wird durch zugespitzte Chrom-Spangen hervorgehoben und von mächtigen Tagfahrlichtern im Stile eines Elefantenzahns flankiert. Die Frontlichter selbst enthalten je drei Eiswürfel-artige Blöcke, die beim Starten des Fahrzeugs 180 Grad schwenken. Spektakel! Und auch hinten bekommen die Lichter eine üppige Chromfassung und eine Musterung, wie sie auch Rolls-Royce nicht aufwändiger machen würde.
Designfazit außen: Das Besondere sind die außergewöhnlichen, sehr edlen Details.
Rücklichter mit edlem Muster.Rücklichter mit edlem Muster.
180 Grad schwenkende Frontlichter.180 Grad schwenkende Frontlichter.
Chromspange und LED-Elefantenzähne.Chromspange und LED-Elefantenzähne.
Wie stark hebt sich der DS 7 im Innenraum von der Konkurrenz ab?
Deutlich.
Den ohnehin schon großzügigen 12-Zoll-Touchscreen (das sind immerhin 30 Zentimeter) macht DS per Designkniff – großer, edel ausgeführter Rahmen – noch präsenter. Das wirkt oberklassig. On top sind auch die Armaturen als hochauflösender 12-Zoll-Screen ausgeführt. Einen Kontrast setzt die klassische Uhr von B.R.M., einer französische Edelmarke, die sich mit ihren Chronographen in Preisregion von 5000 bis 10.000 Euro bewegt.
Digital auf den Bildschirmen, aber auch analog auf vielen Oberflächen, wird konsequent das Kristallmuster zitiert. Für Schalter und Drehregler werden Alu- und Glasartige Materialien eingesetzt. Kaum ein Bedienelement, das nicht DS-spezifisch designt wurde.
Dann kommt noch das Thema Leder, dem DS in mehrfacher Hinsicht besondere Beachtung schenkt: Erstens mengenmäßig, das Leder wird nicht nur auf den Sitzen und am Lenkrad eingesetzt, sondern auch auf Armaturenbrett, Lenkradnabe Türenverkleidungen und Mittelarmlehne– auch diese Großzügigkeit hat oberklassige Züge. Zweitens qualitativ, in der Opera-Version des Testwagens sind die Stühle mit Nappaleder bezogen, dass spürbar weicher als herkömmliches Leder ist. Drittens verarbeitungstechnisch, das aufwendige Bracelet–Finish ist ebenfalls ein Highlight.
Spektakulär sind auch Beleuchtungstricks wie die in neun Farben einstellbare Kristallmuster-Beleuchtung im Türgriff.
Weiches Leder, edles Finish, große Screens. Innen kommt der französische Luxus durch, das Gefühl, in Paris eingegekauft zu haben.Weiches Leder, edles Finish, große Screens. Innen kommt der französische Luxus durch, das Gefühl, in Paris eingegekauft zu haben.
Gibt es diesen Luxus nur für viel Geld? Welche Rolle spielt es für das Innenraum-Ambiente, ob man eine niedrige oder hohe Ausstattung gewählt hat?
Für die Inneinrichtung gibt es vier Themen. Schon die Basisvariante Bastille mit bronzefarbenem Stoff ist nicht fad. Richtig edel wird es in der Version Rivoli (3000 Euro Aufpreis) mit kristallförmig gestepptem schwarzem Leder bis hinauf zum Armaturenbrett. Ähnlich fein, aber auf sportliche Art, ist die Performance mit großflächigem schwarzen Alcantara.
Die Opera-Version des Testwagens ist dann etwas für echte Connoisseure – nicht nötig, aber eben doch schön zu haben: Dort gibt es das flauschige Nappaleder mit aufwändig genähtem Uhrband-Muster und die Farbwahl zwischen schwarzer und brauner Tierhaut. Stolze 5800 Euro muss man für die Opera-Variante auslegen, es sind aber zusätzlich zum Edelleder auch elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung, Sitzkühlung, Massagefunktion und das beste Navi dabei. 
Viel Design, hochwertige Oberflächen.Viel Design, hochwertige Oberflächen.
Großer Screen mit edlem Rahmen.Großer Screen mit edlem Rahmen.
Uhr von der Edelmarke B.R.M..Uhr von der Edelmarke B.R.M..
Wie schneidet der DS 7 beim Bedienkomfort ab?
Klar ist: Die technischen Voraussetzungen sind mit zwei hochauflösenden 12-Zoll-Screens sehr modern und gut. Klar ist auch: Der DS ist auch ein Designer-Auto, er lässt also den Kreativen manchmal den Vortritt. Zum Beispiel greift die Display-Programmierung immer wieder auf spektakuläre Art das Kristall-Thema auf, was stellenweise auf Kosten der Übersicht geht. Daran sollte man aber nicht verzweifeln, nach einer Eingewöhnungszeit wird alles gut, wie unser Test gezeigt hat.
Im Detail bleiben kleinere Hindernisse bestehen, zum Beispiel kommt man mit dem Unterarm manchmal versehentlich am Park-Knopf des Automatikhebels an. Schlimm? Nur für Paragrafenreiter.
Belederte Lenkradnabe mit DS-Logo.Belederte Lenkradnabe mit DS-Logo.
Weiches Leder mit schickem Muster.Weiches Leder mit schickem Muster.
Aufwändig bearbeitete Oberflächen.Aufwändig bearbeitete Oberflächen.
Beim Innendesign kann sich DS also abheben, gelingt das auch technisch? Gibt es Highlights unter den Features?
Speziell ein Feature gibt es bei der direkten Konkurrenz nicht: das Nachtsichtgerät. In der Oberklasse bieten Volvo und Mercedes so etwas, aber dieses Nachtsichtgerät funktioniert besser. Fußgänger und Tiere werden per Infrarotkamera erfasst und im Armaturendisplay gelb markiert. Wenn Gefahr droht, wechselt die Markierung auf Rot und ein Warnton erklingt. Funktioniert sehr gut, zur absoluten Perfektionierung fehlt noch ein Head-up-Display.
Spurhalteassistent und adaptiver Tempomat ergeben im Verbund eine Vorstufe zum Autopiloten, der den DS 7 sogar auf kurvigen Autobahnen steuert. Wegschauen darf man trotzdem nicht.
Nicht unerwähnt bleiben soll die gute Qualität des Soundsystems mit 14 Lautsprechern.
Digitale Armaturen mit Navi-Integration.Digitale Armaturen mit Navi-Integration.
Nachtsichtgerät mit Personen-Kennzeichnung.Nachtsichtgerät mit Personen-Kennzeichnung.
Lichtmuster mit neun Farben zur Wahl.Lichtmuster mit neun Farben zur Wahl.
Thema Platzangebot – ist der DS 7 ein vollwertiges Familienauto?
Ja, er hat einen etwas längeren Radstand als die Konkurrenz, das wirkt sich im Fond aus, wo es etwas mehr Beinfreiheit gibt als in der Klasse üblich. Das Kofferraumvolumen und die Variabilität – mit einem nahezu flachen Ladeboden bei umgelegten Sitzen – sind tadellos. Die Heckklappe ist schon etwas wuchtig in der Praxis, aber wir wollen jetzt bitte nicht zu pragmatisch werden – das umlaufende Design ermöglicht ja die schönen Lichter.
Längerer Radstand, luftigerer Innenraum.Längerer Radstand, luftigerer Innenraum.
Nahezu flacher Laderaumboden.Nahezu flacher Laderaumboden.
Der Testwagen war mit 180 PS starkem Diesel und 8-Gang-Automatik unterwegs – eine gute Kombination?
Die Franzosen können Diesel gut, keine Frage. Auch der DS mit HDi 180 ist sparsam und angenehm. Er lässt sich nur in zwei Fällen aus der Ruhe bringen: Bei einigen zu motivierten Gangwechseln der Automatik ruckelt er kurz und bei sehr hohen Drehzahlen wird er lauter. Der Testverbrauch lag stets unter sieben Liter.
Persönlich würden wir zum 180 PS starken Benziner mit Automatik greifen, weil der nur noch wenig mehr verbraucht als der Diesel (plus 1,5 Liter in der Praxis), aber mehrere Vorteile hat: Klangtechnisch ist der PureTech-Benziner souveräner, beim Handling und beim Beschleunigen ist die Benzinvariante ebenfalls etwas besser, weil das Auto 100 Kilo leichter ist. Und man spart sich knapp 2000 Euro beim Kauf, das ermöglicht zum Beispiel einen feinen Trip in die Heimat des Autos, nach Paris. Sogar inklusive Shopping.
 
Thema Fahrverhalten. Komfortabel oder sportlich – was für ein Typ ist der DS 7?
Der DS ist klar komfortorientiert. Dazu gehört, dass im von uns bevorzugten Komfort-Modus sogar durch eine Kamera in der Windschutzscheibe die Straße überwacht wird, damit die Dämpfer sich bei Unebenheiten entsprechend anpassen können. So schaffen die Franzosen auch mit 19-Zöllern einen wirklich beachtlichen Komfort (wobei man sich trotzdem 18-Zöller überlegen könnte, die schauen auch gut aus und steigern den Komfort dann sicher von Gut auf Sehr gut.). Leichte Karosseriebewegungen begleiten das Technikspektakel bei niedrigem Tempo, fallen aber nicht weiter auf. Bei höherem Tempo sitzt alles fest. Der komfortable DS 7 nimmt Kurven gekonnt.
Die Sport-Taste bliebt in der Praxis weitgehend unberührt, sie führt zu einem vom Soundgenerator erzeugten Röhren aus dem Auspuff und einer schwergängigen Lenkung.
Also Finger weg von Sport, immer auf Komfort bleiben, denn der DS 7 ist durch und durch auf Komfort gepolt. Die entspannte Art gehört zu den besonderen Stärken des Autos, sie hebt ihn von vielen Konkurrenten ab, die sich nicht so gut entspannen können!
 
Und das Fazit? Wie schneidet der Neuling DS 7 unterm Strich beim ersten Auftritt ab?
Er kann sich außen mit einigen Details (speziell die tollen Lichter) und Innen mit vielen Details (fantastisches Leder, aufwändiges Design, große Screens) von der Konkurrenz abheben – hier kommt der französische Luxus durch, das gute Gefühl, in Paris eingekauft zu haben, der stilvolle Unterschied zur Konkurrenz.
Auch bei den Features gelingen DS einige Highlights (Nachsichtgerät, Dämpferverstellung per Kameraüberwachung). Fahrerisch ist der Komfort eine starkes Argument, diese altfranzösische Art sich zu entspannen ist so manchem Konkurrenten überlegen.
Die Preise sind für das Gebotene gut, die noch offene Frage ist der Werterhalt, die Akzeptanz der Marke DS. Die PSA-Bank hält mit guten Leasingangeboten dagegen, die Händler mit einem Hol-Bring-Service bei Werkstataufenthalten (gibt es bei der Konkurrenz nicht).
Viel wird für die Entwicklung der Marke DS vom langen Atem abhängen, der kontinuierlichen und konsequenten Markenentwicklung durch die PSA-Manager.
Der DS 7 leistet jedenfalls einmal seinen Beitrag und legt einen guten Start hin.
Fahrerisch dominiert altfranzösischer Komfort, der DS 7 kann sich besser entspannten als so mancher Konkurrent. Der Benziner schlägt den getesteten Diesel argumentativ. Wichtigster Unterschied zur Konkurrenz bleibt der französische Designerluxus: Der DS 7 kann sich außen mit einigen Details (speziell die tollen Lichter) und Innen mit vielen Details (fantastisches Leder, aufwändiges Design, große Screens) von der Konkurrenz abheben.Fahrerisch dominiert altfranzösischer Komfort, der DS 7 kann sich besser entspannten als so mancher Konkurrent. Der Benziner schlägt den getesteten Diesel argumentativ. Wichtigster Unterschied zur Konkurrenz bleibt der französische Designerluxus: Der DS 7 kann sich außen mit einigen Details (speziell die tollen Lichter) und Innen mit vielen Details (fantastisches Leder, aufwändiges Design, große Screens) von der Konkurrenz abheben.

DATEN & FAKTEN

INTENSIVTEST: DS 7 CROSSBACK HDi 180

(Mai 2018)

Preis

Ab 42.690 Euro. Testwagen inkl. Opera-Inspiration 58.769 Euro. Einstiegspreis DS 7 36.190 Euro.

Antrieb

4-Zylinder-Diesel, 1997 ccm, 180 PS, 400 Nm, 8-Gang-Automatik, Frontantrieb

Abmessungen

Länge x Breite (mit Aussenspiegeln) x Höhe 4.573 x 2.098 x 1.625 mm

Gewicht

Eigengewicht 1.627 kg, Gesamtgewicht 2.135 kg

Fahrwerte

Vmax 215 km/h, 0-100 in 10,8 sec

Testverbrauch

6,6 Liter

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

5 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

7 Punkte

Empfehlenswerte Extras

Performance Line oder Rivoli-Insiration oder Opera-Insiration. Haben alle das gewisse Etwas.

Das taugt uns

Französische Stil und Luxus, das gibt es bei der Konkurrenz so nicht.

Bitte nachbessern

Bei der Bedienung kann man teilweise noch nachbessern. 

Unser Extra-Tipp

Der 180-PS-Benziner ist ein heißer Tipp. Und: es kommen noch günstigere Einstiegsvarianten (130 PS als Benziner und Diesel) sowie ein Allrad-Hybrid nach.
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