loading...

INTENSIVTEST: DACIA DUSTER DCI 4WD

Blockhütte mit Concierge

Die zweite Auflage des Überraschungserfolgs bleibt ein Gegenentwurf zur restlichen SUV-Flotte: Dacia hat den Charme des Rustikalen aber professionalisiert (und sogar mit einem Trick aus der Oberklasse garniert). Spannend für die vielen Fans ist, wie sich die Neuheiten auf Budget, Alltagskomfort und Klettereigenschaften auswirken? Der Intensivtest klärt auf.
Dass spartanische Autos – wenn Sie so günstig und praktisch sind – zu Bestsellern werden können, hat niemand so recht für möglich gehalten, außer eben Renault. Aushängeschild der Low-Buget-Marke ist der Duster, daher blicken Fans und Konkurrenten gespannt auf die zweite Generation: Wie entwickelt Dacia sein Erfolgsmodell weiter?
Pragmatisch, wie es zur Marke passt. Die Erfolgsfaktoren werden nicht angetastet: Der neue Duster basiert nicht zuletzt aus Kostengrüden auf der gleichen Plattform wie bisher und ist daher auch nahezu unverändert lang. Der beliebten Designlinie bleibt er in den Grundzügen ebenfalls treu…

…obwohl der Neue moderner, und auch größer, aussieht…
Ja, die meisten Karosserieteile wurden neu geformt (Ausnahme sind die Türen, die sich der Duster ganz effizient mit dem Sandero teilt). Das Design ist deutlich bulliger geworden –  der neue Duster hat mehr Präsenz, ohne aber mehr Platz einzunehmen. Schaut super aus, auch weil Details wie der markante Kühlergrill, die schmalen Frontlichter und die quadratischen Hecklichter (erinnern an Jeep) allesamt gut gelungen sind.

Größere Veränderungen gibt es im Innenraum, oder?
Dacia hat den Charme des Rustikalen bewahrt, diesen aber professionalisiert. Das neue Interieur ist viel wohnlicher, was mehrere Gründe hat: Die Materialen, die zwar nicht nobel, aber durchaus angenehm sind. Das Design, das bewusst robust geblieben, aber eben auch moderner geworden ist. Und die Ausstattung, die umfangreicher ist.
Der Duster bleibt seiner Designlinie treu, er ist aber deutlich bulliger geworden. Das gibt ihm mehr Präsenz, ohne dass er mehr Platz einnimmt.Der Duster bleibt seiner Designlinie treu, er ist aber deutlich bulliger geworden. Das gibt ihm mehr Präsenz, ohne dass er mehr Platz einnimmt.
Markanter neuer Grill, moderne schmale Lichter.Markanter neuer Grill, moderne schmale Lichter.
Den Charme des Rustikalen kultiviert.Den Charme des Rustikalen kultiviert.
Spannende Details, etwa die quadratischen Rücklichter.Spannende Details, etwa die quadratischen Rücklichter.
Gutes Stichwort. Wie schaute es mit der Ausstattung beim neuen Modell konkret aus? Gibt es neue Features, welche Ausstattungsstufe sollte man nehmen und wie viel bekommt man für sein Geld?
Die Situation ist relativ klar: Ausstattungsstufe 1 (Access) ist eher theoretischer Natur, weil die Klimaanlage fehlt. Stufe 2 (Essential) ist die spartanische Variante, denkbar wenn man den Duster als (4x4-)Arbeitstier nutzt.
Stufe 3 (Comfort) muss es in den allermeisten Fällen mindestens sein, denn hier sind die wichtigen Justierungsmöglichkeiten (Fahrersitz höhenverstellbar, Lenkrad in Höhe und Tiefe einstellbar) sowie Radio und Bluetooth-Freisprecheinrichtung inklusive. Die gute Nachricht: Mit 15.090 Euro ist das günstigste Comfort-Modell (Benziner mit Frontantrieb) immer noch höchst wohlfeil!
Der Sprung zu Stufe 4 (Prestige) beträgt dann happige 3600 Euro und ist dementsprechend schon als Luxus einzustufen. Hier sorgen schicke Alufelgen und Chromelemente für einen besonderen Auftritt, auch das große Multimedia-Navigationssystem mit Rückfahrkamera ist schon dabei.
Feinheiten wie Klimaautomatik, 360-Grad-Multi-View-Kamera und Sitzheizung sind extra zu bezahlen – aber man merkt, dass der Duster in der neuen Generation keine Wünsche unerfüllt lassen will.
 
Ein Ausstattungsfeature sticht ganz heraus…
Ja, das schlüssellose Zugangssystem (Aufpreis 250 Euro) ist ein Gesprächsthema. Mit seinem Design mag der Duster rustikalen Blockhütten-Charme kultivieren, aber Empfang und Verabschiedung sind zuvorkommend wie beim feinen Appartementhaus mit Concierge: Schon wenn sich der Fahrer dem Auto nähert, erkennt ihn der elektronische Mitarbeiter und öffnet die Türen (nicht erst bei Berühren der Türschnallen wie bei anderen Systemen). Das gleiche Spiel bei der Verabschiedung: Hat sich der Fahrer ein paar Meter entfernt, werden die Türen hinter ihm automatisch geschlossen (das Berühren der Türschnalle wie bei anderen Systemen ist nicht nötig). Begleitet wird das Türservice von einem dezenten Begrüßungston und freundlichem Blinken. Nobel, nobel.
Das neue Interieur ist viel wohnlicher, was diverse Gründe hat: der Duster legt bei Materialien, Design und Ausstattung zu.Das neue Interieur ist viel wohnlicher, was diverse Gründe hat: der Duster legt bei Materialien, Design und Ausstattung zu.
Sicherheits-Assistenten wie City-Notbremssystem und Spurerverlassens-Warner sind aber nicht erhältlich?
Ja stimmt, und das ist der Hauptgrund, warum der Duster beim Crashtest nicht die volle Punktzahl bekommt, denn früher erhielten Autos mit dieser Plattform regelmäßig die fünf Sterne.
 
Bedienung, Funktionalität, Wohlfühlfaktor – wie gut ist der neue Innenraum generell?
Das hochwertigere Ambiente macht den Aufenthalt angenehm, so weit weg ist der Duster atmosphärisch von den teureren Konkurrenten nicht mehr entfernt. Die Bedienelemente stammen vielfach aus älteren Renault-Modellen, sie sind altbewährt – und funktionieren. Das Duster-Interieur ist durchwegs logisch und einfach bedienbar.
Das Multimedia-System könnte natürlich höher oben positioniert sein, viele werden aber ohnehin darauf verzichten und das Handy als Gratis-Navi einsetzen. Noch immer unschlagbar gut ist die Renault-Lenkradfernbedienung, für die Radiosteuerung.
Das Platzangebot für die Passagiere geht in Ordnung, ist aber aufgrund der älteren Plattform nicht riesig, auch die Sitzflächen könnten etwas länger sein – große Fahrer müssen also checken, ob ihnen der Innenraum liegt.
Der quadratisch-praktische Laderaum: 467 Liter Ladevolumen in der 4WD-Version…Der quadratisch-praktische Laderaum: 467 Liter Ladevolumen in der 4WD-Version…
…erweiterbar auf rund 1.600 Liter bei umgelegten Fondlehnen. Zwei Mountainbikes willkommen.…erweiterbar auf rund 1.600 Liter bei umgelegten Fondlehnen. Zwei Mountainbikes willkommen.
Wie großzügig und praktisch ist der Laderaum?
Der quadratisch-praktische Laderaum zählt unverändert zu den Stärken des Autos, auch wenn er, wie bei den SUVs üblich, natürlich etwas höher liegt. 478 Liter beträgt das Kofferraumvolumen in der Variante mit Frontantrieb, ein super Wert in der Kompaktklasse. Die Mehrlenker-Hinterachse des Allradmodells zwickt bloß elf Liter weg, solange man sich statt dem Reserverad mit einem Tire-Fit-System (Reifen-Dichtmittel) begnügt. Mit Reserverad beträgt das Ladevolumen beim Allradler 414 Liter.
Bei umgelegten Fondlehnen ist der Laderaum nahezu eben und mit rund 1600 Litern richtig großzügig – perfekt für den Kinderwagen oder auch zwei Mountainbikes.
 
Der Duster ist eines der wenigen Autos, die noch Wert auf überdurchschnittliche Geländekompetenzen legen. Was hat er offroad zu bieten?
Etwas höhere Bodenfreiheit als andere Kompakt-SUVs, einen ziemlich kurz übersetzten ersten Gang und ein Allradsystem mit Lock-Funktion – das genügt, um abseits befestigter Straßen oder im Winter weiter zu kommen als der Rest.
Kein Wachstum, zum Glück: Auch wenn er größer aussieht, mit 4,34 Metern Länge behält der Duster sein praktisches, urbanes Format.Kein Wachstum, zum Glück: Auch wenn er größer aussieht, mit 4,34 Metern Länge behält der Duster sein praktisches, urbanes Format.
Kernig oder komfortabel – wie fährt sich das kompakte Dacia-SUV auf der Straße?
Die Fahrwerksabstimmung ist soft, sportlich wird es also in Kurven nicht. Die Lenkung ist leichtgängig, aber zielgenauer als bisher. Der neue Duster lenkt zudem flotter ein, wirkt etwas agiler. Insgesamt bleibt er aber ein gemütlicher Typ für entspannte Fahrer. Wind- und Abrollgeräusche treten mitunter schon stärker hervor, ohne zu dominant zu werden.
 
Wie schlägt sich der Dieselmotor?
Der bei Renault millionenfach bewährte 1,5-Liter-Diesel (den sogar Mercedes bei der letzten A-Klasse verwendete) hatte im Test noch 110 PS. Inzwischen hat er 115 PS und erfüllt dank AdBlue-Tank die strengste EURO6d-Temp-Abgasnorm, kostet freilich auch 500 Euro mehr. Das Drehmoment und damit auch die Fahrleistungen und Fahrgefühl sind nahezu unverändert.
Durch den kurz übersetzten ersten Gang muss man nach dem Losfahren zügig hochschalten und auch zwischendurch etwas öfter schalten – aber im richtigen Drehzahlbereich tritt der Duster dann auch beherzt an. Lauter wird der Diesel nur beim Ausdrehen, das ist aber im Alltag nicht so oft nötig.
Die Verbrauchswerte sind beeindruckend, im Test mit dem Allrad-Duster waren es nur sechs Liter (hier zeigt der Diesel wieder, was wir an ihm haben).
 
Wichtiger Punkt: Die Finanzen. Ist der Duster weiterhin günstig?
Die Konkurrenz kostet mit Frontantrieb schon deutlich mehr als das Testmodell mit Allrad. Wer auf Diesel und 4x4 verzichtet, was absolut eine Option ist, hat schon um 15.000 Euro alles dabei, was er braucht. Mit Diesel, Allrad und Topausstattung wie beim Testmodell liegt man bei rund 20.000 Euro.
 
Wie fällt das Duster-Fazit unterm Strich aus?
Der Duster optimiert sein Erfolgsrezept: Er bleibt das praktische und unschlagbar günstige SUV, professionalisiert aber den Charme des Rustikalen mit gezielten Verbesserungen bei Design, Innenraum und Ausstattung.

 

Günstig, günstig: Wer auf Diesel und 4x4 verzichtet (was absolut eine Option ist) hat schon um 15.000 Euro alles, was er braucht. Mit Diesel, Allrad und Topausstattung, wie beim Testmodell im Bild, liegt man bei rund 20.000 Euro.Günstig, günstig: Wer auf Diesel und 4x4 verzichtet (was absolut eine Option ist) hat schon um 15.000 Euro alles, was er braucht. Mit Diesel, Allrad und Topausstattung, wie beim Testmodell im Bild, liegt man bei rund 20.000 Euro.

DATEN & FAKTEN

Dacia Duster dCi 115 4WD Prestige

(Oktober 2018)

Preis

Testmodell 20.590 Euro. Einstiegspreis Dacia Duster 11.990 Euro.

Antrieb

• 1,5-Liter-4-Zylinder-Turbo-Diesel, 115 PS, 260 Nm
• 6-Gang-Schaltgetriebe
• Allradantrieb mit Lock-Funktion

Abmessungen

Länge 4.341 mm, Breite 1.804 mm, Höhe 1.691 mm, Radstand 2.676 mm. Kofferraumvolumen 467 – 1.614 Liter

Gewicht

Eigengewicht ab 1.405 kg, Gesamtgewicht 1.933 kg

Fahrwerte

Vmax 175 km/h, 0-100 km/h in 12,1 sec

Testverbrauch

6,1 Liter (noch vor der Umstellung auf WLTP in der Motorversion mit 109 PS erzielt)

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

6 Punkte

Vernunft

10 Punkte

Preis-Leistung

10 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT