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F1-TEAMS IM CHECK (3): TORO ROSSO

Eine Wette auf Honda

Toro Rosso ist eines der spannendsten Teams der Saison. Mit Red Bulls italienischem Kindergarten will Honda zeigen, sie doch an die legendären Erfolge der 80ern und 90ern anschließen können. Wir glauben: Das könnte mittelfristig besser gelingen, als man es bei Hondas Ex-Partner McLaren wahrhaben will.
Wer fährt?
Toro Rossos Fahrerbesatzung verkörpert heuer den primären Unternehmenszweck. Mit Pierre Gasly und Brendon Hartley hat man das mit Abstand unerfahrenste Piloten-Paar der Formel 1. Beide kamen erst im vergangenen Herbst zu ihrem Formel-1-Debüt und sammelten im Lauf der Saison kaum Kilometer, weil es zum einen große Haltbarkeitsprobleme vor allem beim Renault-Motor gab und zum anderen viele Teile bereits aufgebraucht waren und gespart werden mussten, zudem hatte Hartley fast in jedem Rennen „geerbte“ Startplatz-Rückversetzungen aufgrund von Materialwechseln. Doch beide Fahrer zeigten immer wieder ihr Talent auf, auch wenn sie bislang sicher nicht in einer Linie mit früheren Team-Wunderkindern wie Vettel, Ricciardo, Sainz oder Verstappen genannt werden können. Aber vor allem auf Hartley, der bei im LMP1-Team von Porsche zwei Mal Weltmeister und ein Mal Le-Mans-Sieger geworden ist, ist man gespannt. Der Neuseeländer ist eine sehr erfrischende Erscheinung – und der erste Red Bull Junior, der nach seinem Rauswurf wieder zurück geholt wurde.
Hartly: Zwei WM-Titel, ein Le-Mans-Sieg mit Porsche.Hartly: Zwei WM-Titel, ein Le-Mans-Sieg mit Porsche.
Gasly: Kam im Herbst 2017 in die F1, zeigte sein Talent auf.Gasly: Kam im Herbst 2017 in die F1, zeigte sein Talent auf.
Wer schafft an?
Die Zukunft des Teams liegt in den Händen von Didi Mateschitz und der Frage, ob er sich langfristig ein zweites Formel-1-Team leisten will. Verkaufsgerüchte gibt es schon seit circa 2008, am Ende blieb der Rennstall bislang aber immer wieder doch in österreichischem Besitz. Intern ist Franz Tost seit Beginn der unumstrittene Teamchef, der das Vertrauen von Mateschitz und auch von Dr. Helmut Marko besitzt.
Wie ist die Lage?
Man muss differenzieren. Was die Rolle von Toro Rosso als Talente-Fabrik betrifft, gibt es gar keine Diskussion: die Vorgaben von Red Bull wurden übererfüllt. Alleine die Tatsache, dass man wegen der Option Toro Rosso Max Verstappen einst an Red Bull binden konnte, rechtfertigt die Existenz des Teams. Dazu kommen noch Vettel und Ricciardo und wahrscheinlich hat auch Renault-Pilot Carlos Sainz (der ja nur verliehen ist) Weltmeister-Potenzial. Das Förderprogramm passt, auch wenn im Moment die Jahrhundert-Talente fehlen.
Sportlich sieht die Bilanz bescheidener aus. Irgendwie hängt man seit Jahren im Mittelfeld fest, selbst Platz 5 scheint kaum erreichbar. Es fehlen Glanzlichter wie sie Force India etwa regelmäßig setzt. Angesichts eines Top-Technik-Masterminds wie James Key enttäuscht das etwas. Freilich leidet man auch unter den vielen Motorenwechseln der vergangenen Jahre.
Nun aber beginnt mit Honda ein spannendes Projekt, erstmals ist man der Nummer-1-Kunde (zugleich der einzige) eines Werks. Und Honda ist hochmotiviert. Hat man mit Toro Rosso Erfolg, ist die Schmach mit McLaren Geschichte und im Rückblick würde man erkennen, dass nicht Honda Schuld am Desaster war, sondern der Partner. Zugleich hat Honda die Chance, bei Fortschritten am Motor 2019 das Top-Team Red Bull Racing zu bekommen. Entsprechend motiviert ist man.
Schon in einigen Monaten könnte der Motor klar stärker und Toro Rosso zu einer echten Überraschung werden.Schon in einigen Monaten könnte der Motor klar stärker und Toro Rosso zu einer echten Überraschung werden.
Wie ist die Aussicht?
Seit Monaten machen sie Internet-Memes lustig über Toro Rosso, weil die freiwillig auf Honda setzen. Das Lachen könnte vielen vergehen. Am Prüfstand und am ersten Testtag waren die Aggregate erstaunlich haltbar, und man sah auch schon im Herbst 2017, dass Honda besser wird. In den ersten Monaten wird man sich heuer weiter mit dem Thema Standfestigkeit beschäftigen, PS-Explosionen sind nicht zu erwarten, Toro Rosso wird sich schwer tun. Doch schon in einigen Monaten könnte der Motor dann auch klar stärker werden und Toro Rosso zu einer echten Überraschung werden. Wer den Stolz der Japaner kennt, weiß: Sie sind bis in die Zehenspitzen motiviert, zu zeigen, dass sie fähig sind wieder – so wie in den 80ern und 90ern – die technologische Vorherrschaft in der Formel 1 zu erobern. Toro Rosso, das austro-italienische Team, könnte dabei der große Gewinner sein.
Honda will die technologische Vorherrschaft in der Formel 1 – so wie bei den legendären Siegesserien in den 80ern und 90ern.Honda will die technologische Vorherrschaft in der Formel 1 – so wie bei den legendären Siegesserien in den 80ern und 90ern.
Wer die Japaner kennt, weiß: Sie sind bis in die Zehenspitzen motiviert. Schon im Herbst zeigte die Leistungskurve nach oben.Wer die Japaner kennt, weiß: Sie sind bis in die Zehenspitzen motiviert. Schon im Herbst zeigte die Leistungskurve nach oben.
Unumstrittener Teamchef: Franz Tost hat das Vertrauen von Mateschitz und Marko.Unumstrittener Teamchef: Franz Tost hat das Vertrauen von Mateschitz und Marko.
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