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INTENSIVTEST: JAGUAR F-PACE 30d

Das coolste SUV weit und breit?

Neben den Range-Rover- und Discovery-Familien ärgert jetzt auch Jaguar die deutschen SUV: Kann Cool Britannia mit dem F-PACE wieder zuschlagen?
Warum kommt Jaguar so spät mit einem SUV?
Ein bisschen Reaktionszeit darf man einer Traditionsmarke schon zugestehen. Vor zehn Jahren haben sich viele beim Gedanken an ein Jaguar-SUV noch an die Stirn getippt. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit. Der wahre Grund für den späteren Einstieg ist aber: Im Konzern hat man sich zunächst auf die hochprofitable Schwesternmarke Land Rover konzentriert und stürzt sich jetzt mit einer Modelloffensive auf Jaguar.

Gegen wen tritt der F-Pace an?
Er stößt geschickt in eine Lücke: Mit 4,73 Metern Länge hält er Abstand zu Riesen wie Audi Q7 und ist auch kompakter als Mercedes GLE oder BMW X5. Gleichzeitig ist der F-PACE aber größer als BMW X3 oder Porsche Macan.

SUV-Kaufentscheidungen werden besonders oft emotional gefällt – wie wirkt das Jaguar-Design auf der Straße?
Der F-PACE fällt im Straßenbild sofort auf. Jaguar kombiniert riesige Räder mit einer eher geduckten Haltung und auch ein SUV-Heck hat man selten so sportlich gesehen (wozu braucht man da eigentlich noch ein SUV-Coupé?). Die Front ist klassischer proportioniert, hat aber den schönen Vorteil des Jaguar-Gesichts: man hat es einfach noch nicht so oft gesehen wie das von Audi, BMW und Mercedes. Schon die Range-Rover- und-Discovery-Familien gelten zu recht als besonders schick, jetzt zeigt auch Jaguar: Coole SUVs kommen derzeit sehr oft aus Großbritannien. Unser Tipp: Mit helleren Farben kommen die Linien des F-PACE noch besser zur Geltung als beim dunklen Testwagen, wir würden uns daher für einen der Silber- oder Grautöne entscheiden.
Vorteil des Jaguar-Gesichts: man hat es einfach noch nicht so oft gesehen wie das von Audi, BMW und Mercedes.Vorteil des Jaguar-Gesichts: man hat es einfach noch nicht so oft gesehen wie das von Audi, BMW und Mercedes.
Die teilweise ausgefallen Leder-Farben ziehen die Blicke ebenso auf sich wie der große Multimedia-Bildschirm.Die teilweise ausgefallen Leder-Farben ziehen die Blicke ebenso auf sich wie der große Multimedia-Bildschirm.
Und Innen? Empfängt einen die volle Jaguar-Pracht?
Der Innenraum fällt überraschend schlicht aus, da erwartet man sich bei Design und Materialanmutung etwas mehr, zumal in der Diesel-Topversion mit starkem Sechszylinder-Motoren. Atmosphärisch ist das aber nicht weiter schlimm: die schönen, teilweise ausgefallen Leder-Farben ziehen die Blicke ebenso auf sich wie der große Multimedia-Bildschirm mit moderner Graphik.
 
Hat Jaguar im Multimedia-Bereich zu den deutschen Topmarken aufgeschlossen?
Bei den Funktionen und der Graphik auf jeden Fall, da besteht kein Unterschied zu den besten Systemen der Branche. Bei der Bedienung gibt es noch Verbesserungspotenzial im Detail, einige Bedienfelder am Touchscreen könnten größer sein, einige Abläufe direkter. Insgesamt ist das neue System aber ein riesen Schritt und war uns sehr sympathisch.
 
Wie sieht es mit dem Platzangebot aus?
Sehr, sehr gut. Vorne und hinten haben die Passagiere reichlich Platz. Ein echter Hit ist der Kofferraum: 650 Liter Basisvolumen sind enorm, zudem ist die Öffnung breit und die Ladekante nieder. Auch die 1.740 Liter Maximalvolumen sind erstaunlich, wenn man das sportliche Heck bedenkt. Die ziemlich schmale Heckscheibe und die damit verbunden eingeschränkte Übersicht kann man monieren, mit Blick auf das Design aber verstehen (und gerne akzeptieren).
Ein SUV-Heck hat man selten so sportlich gesehen.Ein SUV-Heck hat man selten so sportlich gesehen.
Das Design des F-PACE verlangt nach großen Rädern.Das Design des F-PACE verlangt nach großen Rädern.
Jaguar macht mit dem neuen Multimedia-System einen riesigen Schritt.Jaguar macht mit dem neuen Multimedia-System einen riesigen Schritt.
Der Testwagen hatte den 3,0-Liter-Sechszylinder mit 300 PS unter der Haube. Macht der stärkste Diesel aus dem Portfolio Sinn?
Kein Frage, ja! Dabei kommt es nicht auf die Fahrleistungen an, die sind mit den Vierzylinder-Motoren auch gut. Entscheidend ist die souveräne Leistungsentfaltung, und da kann sich der Dreiliter-Sechszylinder des 30d auf 700 Newtonmeter und acht Automatik-Gänge verlassen, sodass man eigentlich immer den Eindruck hat, locker noch Tempo zulegen zu können (während man im Vierzylinder schon mal ausquetschen muss). Auffallend: Im Vergleich zum neuen XF 30d tritt die (gleiche) Motor-Getriebe-Kombination im F-PACE bei forschem Tritt aufs Gas schon mal etwas aggressiver an als die Limousine, das liegt wohl auch am höheren Gewicht des SUV. Der Testverbrauch lag im großen Schnitt bei 8,7 Litern, mit entspannter Fahrweise schafft man auch den Siebener vor dem Komma. Der Sechszylinder-Klang ist unvergleichlich, das extrem zurückhaltende, geschmeidige Grummeln kriegt ein Vierzylinder so natürlich nicht hin. Fazit: Entspannten Fahrern, dies selten Hochdrehen, wird der Vierzylinder reichen. Wer es kompromisslos sportlich und souverän mag, greift zum Sechszylinder.
 
Sport oder Komfort – in welche Richtung geht Jaguar bei der Abstimmung?
Der F-PACE ist zunächst ein sehr gutes Reiseauto. Auf der Autobahn brilliert der Brite mit sehr niedrigen Innengeräuschen, Federungskomfort und den guten Sitzen. Man kommt auch nach vielen, vielen Kilometern wunderbar entspannt an. In der Stadt und auf schlechteren Landstraßen merkt man mitunter die 20-Zoll-Räder und die insgesamt sportive Auslegung – der F-Pace ist straff, aber nicht in einem anstrengenden Maß. Das sich Jaguar heute wieder ganz stark als Sportmarke definiert, merkt man aber nicht nur im Sportmodus: Speziell die direkte Lenkung vermittelt generell ein dynamisches Fahrgefühl. Das Gewicht setzt der Kurvenhatz dann zwar irgendwann Grenzen, man kann aber schon Spaß haben mit diesem F-PACE.
 
Wie schaut es preislich aus? Was sagt der Blick in die Liste?
Schnäppchen ist der F-PACE keines, speziell im Sechszylinder-Bereich. Da steht Jaguar den deutschen Marken um nichts nach.

Bildergalerie: Jaguar F-PACE 30d

 

DATEN & FAKTEN

Jaguar F-PACE 30d AWD Porfolio

(November 2016)

Preis

Grundpreis 30d AWD Portfolio 73.900 Euro. Testwagen-Preis 94.933 Euro. Einstiegspreis Jaguar F-PACE 20d RWD Pure 45.950 Euro.

Antrieb

Sechszylinder-Diesel , 2993 ccm, 300 PS (221 kW) bei 4000/min, max. Drehmoment 700 Nm bei 2000/min, Achtgang-Automatik, Allradantrieb

Abmessungen

L/B/H 4731/1936/1651 mm mm, Radstand 2.874 mm, Wendekreis 11,8 m, Kofferraumvolumen 650–1.740 l.

Gewicht

Leergewicht 1.884 kg, zul. Gesamtgewicht 2.570 kg.

Fahrwerte

Vmax 241 km/h, 0–100 km/h 6,2 sec.

Testverbrauch

8,7 Liter/100 km.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

8 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

7 Punkte

Empfehlenswerte Extras

Helle Lackierung, um die Designlinien optimal zur Geltung zu bringen. Schicke Leder-Farben, um das Interieur aufzupeppen. Die beste verfügbare Einparkhilfe, wie bei jedem großen SUV.

Das taugt uns

Sehr guter Langstreckenkomfort UND sportliches Feeling. Sehr sportliche Karosserie UND viel Platz. Jaguar hat bei seinem ersten SUV sehr viel sehr gut gemacht.

Bitte nachbessern

Bei Design und Materialanmutung im Innenraum ist wirklich Luft nach oben. Das Schutzschild für die Kamera im Kühlergrill stört uns immer noch – entfällt, wenn man den adaptiven Tempomaten nicht bestellt.

Unser Extra-Tipp

Den eigenen Horizont ruhig einmal über die deutsche Autolandschaft hinaus erweitern, denn die coolen SUVs kommen inzwischen sehr oft aus Großbritannien.

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