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ERSTER TEST: JAGUAR XE/XF 20D AWD

Gelingt Jaguar der Angriff auf BMW?

Ab sofort bietet Jaguar in seinen Business-Limousinen den „kleinen“ Diesel auch mit Allrad an – eine weitere, klare Kampfansage an die Konkurrenz aus Deutschland.

Entwickelt sich Jaguar zum direkten Konkurrenten von BMW und Audi?
Sieht so aus, zumindest in einigen Segmenten. Der britische Aufsteiger greift die Deutschen mit seinen neuen Modellen jetzt direkt an und legen dabei in den letzten zwölf Monaten ein erstaunliches Tempo vor: Zuerst den XE als Gegner für 3er und A4 aufgestellt, dann den XF als 5er- und A6-Konkurrent nachgereicht, schließlich mit dem F-Pace in das SUV-Geschäft eingestiegen. Und kaum sind die Kernmodelle platziert, folgen wichtige Derivate wie jetzt die Diesel-Allrad-Kombination.

Warum ist Jaguar plötzlich so stark?
Geld und Know-how sind vorhanden. Die Schwestermarke Land Rover floriert, nun wollen die Engländer diesen Erfolg bei Jaguar wiederholen und investieren dafür kräftig.Seit vielen Jahren wird Jaguar Land Rover von Ralf Speth geführt. Der Deutsche hat eine langjährige BMW-Vergangenheit und einige seiner früheren Kollegen nach England geholt. Die Führungsebene hat den richtigen Mix aus Benzin im Blut und wirtschaftlichen Weitblick.


Welche deutschen Modelle greifen die neuen britischen Allradler an?
Im Visier sind die beliebtesten Allradler der deutschen Business Class, die Duelle lauten: Zum einen XE 20d AWD gegen 320d xDrive und A4 2,0 TDI Quattro. Zum anderen XF 20d AWD gegen 520d xDrive und A6 2,0 TDI Quattro. Alle sechs Limousinen haben einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel unter Haube – bei Jaguar mit 180 PS, bei den Deutschen mit 10 PS mehr. Alternativ zum „kleinen" Diesel hat Jaguar im XF auch einen 30d mit 300 PS starkem Sechszylinder-Selbstzünder im Programm, den gibt es aber nicht mit Allradantrieb.

Der XE ist sogar etwas agiler als der 3er-BMW ist. Auch in der Allradversion bleibt die Fahrdynamik voll erhalten.Der XE ist sogar etwas agiler als der 3er-BMW ist. Auch in der Allradversion bleibt die Fahrdynamik voll erhalten.
Ist die Jaguar-Allradtechnologie modern?
Ja. Im Normalbetrieb wird die gesamte Leistung auf die Hinterräder geschickt, bei Bedarf wird ein Teil des Drehmoments auf die Vorderräder geleitet. Das System reagiert innerhalb von 165 Millisekunden und ist so fein abgestimmt, das man von der Kraft-Umverteilung in der Praxis praktisch nichts mitbekommt.

Zuerst zum Kleinen – wie gut ist der XE 20d AWD unterwegs?
Dass der XE sogar etwas agiler als der 3er-BMW ist, hat Jaguar bei der Premiere schon viel Respekt eingebracht. Auch in der Allradversion bleibt die Fahrdynamik voll erhalten: Der XE lenkt leichtfüßig ein und hat sehr viel Grip in der Kurve, das Untersteuern setzt extrem spät ein. Ein Fahrspaß-Auto, dass aber auch gute Langstreckenqualitäten hat – ganz nach BMW-Tradition. Der Verbrauch des 180 PS starken Dieselmotors ist so niedrig wie bei den Deutschen und liegt stets bei fünf, sechs Litern. Die Diesel- und Abroll-Geräusche sind etwas höher als beim großen XF, aber dieser Klassenunterschied besteht bei der Konkurrenz auch.

Und der Große – wie ist der erste XF-Test im 180-PS-Diesel-Allrad-Trimm gelaufen?
Der deutlich größere XF hat einen anderen Charakter als der XE. Beim Sport untersteuert er früher als der XE und am Kurvenausgang fehlt ihm mitunter ein wenig der Punch. Da spürt man das größere Auto mit knapp 4,95 Metern Länge. Dennoch ist der XF flott durch die Kurven unterwegs – in Summe aber mehr ein entspannter, edler Reisebegleiter mit Mini-Verbrauch. Beim Dahingleiten lagen wir bei fünf Litern, nach sportlichen Einlagen auch nur knapp über sechs Liter.
Der größere XF hat einen anderen Charakter als der XE. Er ist mehr der entspannte, edle Reisebegleiter.Der größere XF hat einen anderen Charakter als der XE. Er ist mehr der entspannte, edle Reisebegleiter.
Wie teuer ist Jaguar?
Nicht teurer als BMW und Audi, aber auch nicht billiger. Der XE 20d AWD startet bei 43.950 Euro, der XF 20d AWD bei 50.550 Euro, die tolle 8-Gang-Automatik jeweils schon inklusive. Wobei der Allrad nicht ganz billig ist: das heckgetriebene 20d-Modell mit Automatik kostet 3.400 Euro (XE) beziehungsweise 3.900 Euro (XF) weniger. Bei allen XE und XF serienmäßig ist „Jaguar Care“– im Paket ist neben 3 Jahren Fahrzeug- und Mobilitäts-Garantie auch drei Jahre Wartung inklusive, alles ohne Kilometer-Begrenzung.
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