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INTENSIVTEST: KIA SPORTAGE 2,0 CRDi AWD AUT.

Muss man für Schönheit leiden?

Power-Diesel, Automatik, Allrad aus Österreich und ein bekannt stimmiges Design: Ist die vierte Generation des koreanischen SUV-Bestsellers wirklich fehlerlos? Wir bitten die Topversion zum Intensivtest.

Kann die vierte Generation an den Erfolg des Vorgängers anschließen?
Absolut. Die Verkäufe laufen prächtig, was auch kein Wunder ist. Zum einen ist der Zuspruch zum SUV-Segment generell ungebrochen, zum anderen macht der Sportage alles richtig: Er hat eine ideale Größe, eine gute Preispositionierung und sieht – finden zumindest wir – äußerst pfiffig aus. Mit seiner stämmigen Spur und der flachen Dachlinie wirkt er weniger kistenartig als viele Konkurrenten und der entschlossene Gesichtsausdruck verfehlt seine Wirkung ebenfalls nicht.

Was sind die größten Unterschiede zur dritten Generation?
Es ist kein Umbruch, eher eine Evolution. Praktisch jeder Bereich wurde auf die nächste Stufe gehoben, das beginnt bei der Materialanmutung im Innenraum, geht über das Angebot an elektronischen Assistenten und reicht bis zur Auswahl an Motoren/Getrieben, die ebenfalls breiter geworden ist. Wenn man von Generation Zwei auf Drei upgraden will, wird man sich sofort zuhause fühlen.

Kia Sportage im Jahr 2017: Das Gesicht hat Charakter und hebt sich von der mitunter gleichförmigen SUV-Menge deutlich ab.Kia Sportage im Jahr 2017: Das Gesicht hat Charakter und hebt sich von der mitunter gleichförmigen SUV-Menge deutlich ab.

Was unterscheidet den Sportage von anderen SUV in diesem Segment? VW Tiguan, Ford Kuga, Mitsubishi Outlander & Co?
Um ehrlich zu sein: Diese Klasse trifft sich mittlerweile auf einem hohen, durchwegs vergleichbaren Niveau. Die Unterschiede sind marginal und oft an den persönlichen Geschmack geknüpft. Klingt hart, ist aber so. Was den Sportage dann doch abhebt ist das mutigere, gleichzeitig aber stimmige Karosseriedesign und der gediegene Innenraum.

Kommen wir zur Version des Testautos. Wie gut ist der neue, starke Diesel?
185 PS sind ein stolzes Ausrufezeichen und verhelfen dem Sportage zu sehr souveränen Fahrleistungen. Das angenehme Fahren wird in Kombination mit dem Sechsgang-Automatikgetriebe nochmals komfortabler, diese Kombination ist absolut empfehlenwert. Allerdings sollte man nicht allzu sportlich-forsche Performance erwarten; die Bestimmung dieser Konfiguration ist fahrerische Behaglichkeit. Ein kleines Handicap müssen wir aber leider auch vermelden: Richtig sparsam ist das Paket nicht. Selbst bei moderater Fahrweise sind wir nur auf 7,9 Liter/100 Kilometer gekommen – ein Tribut an die große Stirnfläche eines SUV (Aerodynamik!), das doch hohe Gewicht (1784 Kilo) und die klassische Wandlerautomatik.

Wie sieht das Raumangebot aus?
Bewegt sich im Klassenschnitt und ist damit ziemlich grandios. Vorne gibt’s sowieso kleine Klagen, auch der Raum im Fond ist für Erwachsene fernreisetauglich; hier findet man auch Annehmlichkeiten wie eine verstellbare Lehne sowie 12V- und USB-Anschlüsse. Der Kofferraum (mit elektrischer Heckklappe) ist mit knapp 500 Liter kein Riese, aber der Gesamtlänge des Fahrzeugs mit kompakten 4,48 Meter angemessen. Nach Umklappen der Lehnen sind es übrigens knapp 1,5 Kubikmeter.

Der Instrumententräger des Kia Sportage suggeriert Breite – nicht zu unrecht.Der Instrumententräger des Kia Sportage suggeriert Breite – nicht zu unrecht.
Auch der Kofferraum des Kia Sportage muss sich nicht verstecken – sondern darf sich strecken.Auch der Kofferraum des Kia Sportage muss sich nicht verstecken – sondern darf sich strecken.
Einladendes Ambiente und großzügige Platzverhältnisse für die Fondpassagiere im Kia Sportage.Einladendes Ambiente und großzügige Platzverhältnisse für die Fondpassagiere im Kia Sportage.

Bleiben wir noch kurz beim Fahren: Wie gibt sich das Fahrwerk, wie das Geräuschniveau?
Die Souveränität des Antriebs wird vom Fahrwerk nicht ganz erreicht. Der Sportage ist in unserer Version sehr straff abgestimmt und reicht kleine Stöße dann doch an die Passagiere weiter. Das mag zu einem Teil auch an den 19-Zoll-Felgen samt Niederquerschnittreifen der Topversion „Platin“ liegen. Wir können es nur noch einmal betonen: Den zugegebenermaßen coolen Look erkauft man sich mit starken Einbußen im Komfort. Kommen dann noch unkomfortable Winterreifen dazu (Bridgestone Blizzak, eine Zumutung!), dann werden die Zugeständnisse immer größer – auch in punkto Abrollgeräusche, die doch stark wahrnehmbar sind. Unser Tipp: sich mit den 17-Zöllern der Ausstattungsstufe „Gold“ bescheiden oder wenigstens bei den Winterrädern die kleinere Schuhgröße bevorzugen.

Und der Allradantrieb? Braucht man den überhaupt?
Zum einen hat man keine Wahl, will man den starken Dieselmotor. Und zum anderen sind wir doch Fans von vier angetriebenen Rädern. Nichts peinlicher als ein SUV, das in den ersten Schneemassen stecken bleibt. Wir haben den Sportage übrigens im tiefsten Winter und auf ungeräumten Strecken getestet und können unsere Ansicht nur bestätigen: Der Allrad ist wirklich fein! Und er kommt, wie bei modernen SUV üblich, fast völlig ohne Nachteile (Versteifungen, Einschränkungen im Raumangebot) daher. Fast? Rund 60 Kilo wiegt die Allradtechnik aus Österreich – das ist auch schon egal.

Du hast zuvor die Ausstattung „Platin“ erwähnt. Empfehlenswert?
Die Topausstattung beinhält ziemlich viel Luxus, der einem rund 4000 Euro Aufpreis auf die auch schon edel ausstaffierte Version „Gold“ wert sein muss: etwa Vollledersitze, die nicht nur beheizbar, sondern auch belüftet sind. Spielt Geld keine allzu große Rolle, dann wird man sich dagegen nicht verspreizen, sonst wäre „Gold“ auch eine strahlende Möglichkeit. Was uns dort fehlen würde: der Smart Key und die hübschen LED-Heckleuchten.

Kia Sportage: edler, klar gegliederter Arbeitsplatz für den Fahrer.Kia Sportage: edler, klar gegliederter Arbeitsplatz für den Fahrer.
Fast 50 Knöpfe, trotzdem mangelt es nicht an Übersicht. Allein fünf Knöpfe dienen dem Temperieren von Vordersitzen und Lenkrad.Fast 50 Knöpfe, trotzdem mangelt es nicht an Übersicht. Allein fünf Knöpfe dienen dem Temperieren von Vordersitzen und Lenkrad.
Schalter auch für die Fahrhilfen, etwa das Sperren des Mittel-Differenzials und der Aktivierung der Bergabfahrhilfe.Schalter auch für die Fahrhilfen, etwa das Sperren des Mittel-Differenzials und der Aktivierung der Bergabfahrhilfe.

Das Infotainmentsystem wäre schon bei „Gold“ an Bord. Wie funktioniert’s, wie ist die Bedienbarkeit?
Zuerst einmal ein großes Kompliment: Der riesige Touchscreen wurde ganz elegant in die Mittelkonsole intarsiert. Ist sicher eine Geschmacksache, aber uns gefällt ein integrierter Schirm einfach besser als eine aufgesetzte, abstehende Lösung. Zur Bedienbarkeit: Wir haben spaßhalber nachgezählt und kommen in unseren Testauto auf 49 Knöpfe/Schalter plus vier Drehregler, die vor dem Fahrer zu finden sind – jene, die in der Tür oder überkopf angeordnet sind, noch gar nicht mitgerechnet. Daraus könnte man auf Oldschool-Philosophie oder eine gewisse Unübersichtlichkeit schließen – was aber völlig falsch wäre! Die Bedienung ist klar und exzellent, alles wurde dort platziert, wo man es erwartet oder schnell findet. Auch die Darstellung am Bildschirm ist modern, glasklar und logisch. Chapeau!

Das Resümee?
Der neue Sportage erfindet das Segment nicht neu, trägt aber viele Bereiche auf die nächste Stufe. Der Antrieb versprüht Premium-Flair, den man sich allerdings mit leicht erhöhten Verbrauchswerten erkaufen muss. Kleine Handicaps sind das etwas zu straffe Fahrwerk und der zu hohe Geräuschpegel im Innenraum; beides sollte durch schlaue Rad-Reifen-Wahl zu entschärfen sein. Sehr fein: Allrad, Ausstattung, Infotainment und – wie immer bei Kia, seit Peter Schreyer den Zeichenstift schwingt – das wirklich gelungene Design. 

Auto Bildergalerie: Kia Sportage

 

DATEN & FAKTEN

Kia Sportage 2,0 CRDi AWD Aut. Platin

(Jänner 2017)

Preis

42.790 Euro

Antrieb

Vierzylinder-Dieselmotor mit Turbo, DOHC und 16V; 1995 ccm, 135 kW (185 PS)/4000, 400 Nm/1750–2750, 6-Gang-Automatik, Allradantrieb.

Abmessungen

(L/B/H) 4480/1855/1645 mm, Radstand 2670 mm, Tankinhalt 62 l, Kofferraum 491–1480 l.

Gewicht

Leergewicht 1784 kg, Zuladung 466 kg, Anhängelast gebremst/ungebremst 1900/750 kg.

Fahrwerte

Vmax 201 km/h, 0–100 in 7,7 s, Normverbrauch 7,9/5,3/6,3 l. CO2 166 g/km.

Testverbrauch

7,9 l/100 km

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

7 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

7 Punkte

Empfehlenswerte Extras

Für alle, die sich dabei schwer tun: der Smart Parking Assist zirkelt selbsttätig in die Parklücken. Kommt in Verbundung mit dem Totwinkelassistent und dem ebenfalls sehr nützlichen Querverkehrsassistent (checkt beim Längs-Ausparken ob sich jemand von der Seite nähert!) um gesamt 1200 Euro.

Das taugt uns

Natürlich das Design, aber auch die Wendigkeit und die Souveränität des Antriebs.

Bitte nachbessern

Etwas zu straff abgestimmt, die Geräuschdämmung könnte besser und der Verbrauch etwas niedriger sein.

Unser Extra-Tipp

Keine Eskapaden bei den Felgengrößen! 19 Zoll sehen scharf aus, gehen aber auf Kosten des Federungskomforts!
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