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FABIAN STEINER

Ghosn: Absturz eines Überfliegers

Carlos Goshn droht der Rauswurf, der Spitzenmanager soll Gelder veruntreut haben. Es wäre der Absturz eines Überfliegers: Goshn hat die Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi an die Spitze geführt, dabei zeitweise sogar VW und Toyota überholt. Auch bei den Elektroautos ist er der Konkurrenz deutlich enteilt. Nur das Sparen fiel ihm anscheinend allzu leicht. Hintergrund der Affäre könnte auch eine Palastrevolution sein. Ein Kommentar.
Über 15 Jahre ist es her, aber ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch auf der Tokyo Motorshow. Wie ein Sonnenkönig wurde Carlos Goshn am Nissan-Stand empfangen, soviel Aufmerksamkeit von der Presse bekam nicht einmal der Boss von Japans ewiger Nummer eins, Toyota.
 
Der in Brasilien geborene Franzose mit libanesischer Abstammung war in Japan hoch angesehen, weil er ab 2001 den damals angeschlagenen Nissan-Konzern zu neuen Erfolgen führte.
 
Jetzt droht Carlos Goshn der Rauswurf, der Spitzenmanager soll Gelder veruntreut haben. Es wäre der Absturz eines echten Überfliegers: Goshn hat die Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi an die Spitze geführt, dabei zeitweise sogar VW und Toyota als größter Autobauer der Welt überholt.
 
Auch bei den Elektroautos ging die Strategie von Goshn auf, Renault und Nissan sind der Konkurrenz deutlich enteilt: Nissan Leaf (seit 2010; jetzt bereits in zweiter Generation) und Renault Zoe (seit 2013) haben einen Frühstart in die Zukunft hingelegt und bilden bei den kleinen, leistbar(er)en Elektroautos weiterhin die Spitze.

In der Formel 1 erhöhte Goshn das Renault-Budget deutlich, um den ersehnten Weltmeister-Titel bald wieder nach Frankreich zu holen. Insgesamt ist „Le Cost Killer“, wie sie ihn in Frankreich auch nennen, aber ein Sparefroh, der Renault effizienter und besser gemacht hat.
 
Etwas zu viel gespart dürfte Goshn freilich auch selbst haben, er soll unter anderem Unternehmensgeld für persönliche Zwecke ausgegeben haben.

Hintergrund der Affäre könnte auch eine Palastrevolution sein: Dass die Franzosen bei Nissan – das nach Goshn Sanierung hochprofitabel ist und mehr verdient als Renault – stärker (oder vollkommen) das Kommando übernehmen wollten, war der japanischen Seite vielleicht zu viel des Guten.

Die Fußstapfen von Carlos Goshn sind in jedem Fall riesig und es steht viel auf dem Spiel: Die erfolgreiche und für alle Beteiligten enorm wichtigte Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi war bisher stark mit seiner Person verknüpft.
Goshn (links) nimmt 2011 den Preis für das „Auto des JahresGoshn (links) nimmt 2011 den Preis für das „Auto des Jahres" entgegen. Unter seiner Regie haben Nissan Leaf und Renault Zoe einen Frühstart in die Zukunft hingelegt – und sie bilden bei den kleinen, leistbar(er)en Elektroautos weiterhin die Spitze.
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