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KOMMENTAR ZUR IAA 2017

Rückkehr in die Realität

Neue SUVs und Sportmodelle dominieren die IAA. Kein einziges neues Serien-Elektroauto wurde vorgestellt. Trotzdem ist das Thema omnipräsent.
Das mediale Sommerloch haben in diesem Jahr die E-Auto-Visionäre gefüllt. Politiker, Parteien und ganze Regierungen haben darüber phantasiert, in welchem Jahr sie den Verbrennungsmotor verbieten wollen. 2040? 2030? Oder doch lieber schon 2025? Die Diskussion im Stil sozialistischer Planwirtschaft wurde bewusst ohne die einzige Gruppe geführt, die dazu wirklich etwas zu sagen hätte – den Ingenieuren. Bevor aber vor lauter Visionen noch der Arzt ausrücken hätte müssen (alte Empfehlung von Helmut Schmidt), war der Sommer doch vorbei.
 
Die Frankfurter Automobilausstellung IAA, trotz Absagen von einigen kleineren Herstellern immer noch der wichtigste Automesse der Welt, ist da eine angenehme Rückkehr in die Realität – und die zeigt drei Trends.

Technisch gesehen stehen beim E-Auto alle Marken auf dem gleichen Stand beziehungsweise vor den gleichen Problemen, auch Tesla
 
Erster klarer IAA-Trend: In welchem Tempo es mit der Elektromobilität weitergeht, lässt sich nach wie vor nur vermuten. Auf der IAA wurde jedenfalls kein einziges neues Serien-Elektroauto vorgestellt. Zahlreiche Hersteller nennen inzwischen aber ein konkretes Datum für den Einstieg: Skoda, VW, Audi, Seat, Mercedes, Jaguar, Mini und BMW kommen zwischen 2018 und 2021 mit neuen Elektroautos auf den Markt, auf der IAA waren Ankündigungen in Form von Studien im Mittelpunkt der Messeauftritte. Der Startschuss zu dieser Elektroauto-Welle kommt übrigens aus Österreich, der Jaguar iPace läuft bei Magna-Steyr in Graz vom Band und wird ab Mitte 2018 ausgeliefert.
Skoda ist eine der Marken, die zwischen 2018 und 2021 in die Elektromobilität einsteigen. Auf der IAA gab es konkrete Ausblicke auf das Design sowie Einblicke ins Cockpit.Skoda ist eine der Marken, die zwischen 2018 und 2021 in die Elektromobilität einsteigen. Auf der IAA gab es konkrete Ausblicke auf das Design sowie Einblicke ins Cockpit.
Technisch gesehen stehen freilich alle Marken auf dem gleichen Stand beziehungsweise vor den gleichen Problemen (das gilt auch für Tesla, das auf der IAA fehlt): Die Reichweite der Elektroautos ist nach wie vor gering. Wer sie steigern will, muss mehr Batterien ins Auto packen und treibt damit den Preis in Premium-Regionen zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Ladestationen sind überall noch Mangelware, weil vor allem die Schnelllader sehr viel kosten, ein einheitliches Steckersystem ist nicht vorhanden. Viele Ladestationen auf einem Fleck stellen wiederum die Stromanbieter vor Kapazitätsprobleme. Und wo kommt der Strom eigentlich her? In Österreich zwar vorwiegend aus der Wasserkraft, aber bereits in Deutschland zu einem großen Teil aus Braunkohle. Von der Energiebilanz bei der Batterieherstellung, der Rohstoffgewinnung in politisch heiklen Weltregionen und umweltgerechter Batterie-Entsorgung am Lebensende sprechen wir da noch garnicht.
 
Vor diesem Hintergrund ist es vollkommen offen, ob die Absatzprognosen der Hersteller eintreffen (meist ist von 25 Prozent Elektroauto-Anteil im Jahr 2025 die Rede). Alles wird eben von den Ingenieuren abhängen. Die bekommen jedenfalls viel Geld für ihre Entwicklungsarbeit, allein VW investiert in den kommenden Jahren 20 Milliarden Euro in das Thema E-Auto.

In der Gegenwart wollen die Kunden leistbare SUVs und die Hersteller bauen sie fleißig
 
Zweiter Trend der IAA: In der Gegenwart will die Mehrheit der Kunden weiterhin SUVs und die Hersteller bauen sie fleißig. In Frankfurt wurden mit Skoda Karoq, Seat Arona, VW T-Roc, Opel Grandland X, Kia Stonic, Hyundai Kona und Jaguar E-Pace zahlreiche neue SUVs vorgestellt die keinen direkten Vorgänger haben – alle sind in der leistbaren Kompaktklasse angesiedelt und werden bald das Straßenbild prägen. Dabei werden sie auch mit Dieselmotoren unterwegs sein, denn sobald die Diskussionen um Fahrverbote abgeschlossen sind, werden auch die Verkaufszahlen (moderner) Selbstzünder wieder anziehen.
Der neue VW T-Roc: In Frankfurt wurden zahlreiche neue SUVs vorgestellt, die keinen direkten Vorgänger haben. Sie werden bald das Straßenbild prägen.Der neue VW T-Roc: In Frankfurt wurden zahlreiche neue SUVs vorgestellt, die keinen direkten Vorgänger haben. Sie werden bald das Straßenbild prägen.
Sportler aller PS- und Preisklassen sind unverändert im Trend

Dritter IAA-Trend sind die Sportmodelle, ohne die praktisch keine Marke durchkommt. Sogar zwischenzeitlich abstinente Marken wie Honda und Toyota sporteln inzwischen wieder fleißig. In Frankfurt waren mit Renault Megane RS (280 PS), Leon Cupra R (310 PS), Hyundai i30 N (275 PS), Jaguar XJR (575 PS), Ferrari Portofino (600 PS), Bentley Conntinental GT (635 PS), BMW M5 (600 PS), Audi RS4 Avant (450 PS), Mercedes Project One (1035 PS) und Porsche 911 GT2 RS (700 PS) viele neue Spaßmacher am Start. Was ja wiederum den Kreis zu den Elektroautos schließt: Jeder, der schon eines gefahren ist, weiß wieviel Fahrspaß in ihnen steckt. Nur wann sie richtig loslegen, bleibt die Frage …
Sportler aller Preisklassen dominieren die IAA: Ganz oben angesiedelt ist der Mercedes Project One mit 1035 PS. Serienfertigung fix.Sportler aller Preisklassen dominieren die IAA: Ganz oben angesiedelt ist der Mercedes Project One mit 1035 PS. Serienfertigung fix.
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