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MOTORSPORT: JO GARTNER

Warum erinnern wir uns gerade jetzt an Jo Gartner?

Bei uns stand er im Schatten von Niki Lauda und Gerhard Berger, in der internationalen Motorsport-Szene war er hoch angesehen. Es sind genau 30 Jahre vergangen, seit Josef "Jo" Gartner in Le Mans tödlich verunglückt ist.
Wer war Jo Gartner?
Einer der schnellsten Rennfahrer Österreichs und - ähnlich wie später Alex Wurz - ein technisch extrem versierter Pilot. Er stand aber im Schatten des populäreren und jüngeren Gerhard Berger, der schneller in die Formel 1 kam und dem die Herzen zuflogen. Gartner war der stillere der beiden, der, der mehr grübelte und der weniger Talent hatte, sich gut zu vernetzen. Während Berger in nur vier Jahren vom Alfasud-Cup bis in die Formel 1 stürmte, hatte der Weg Gartners viele Umwege: Er begann als Konstrukteur bei der Firma von Kurt Bergmann, probierte sich nebenbei selbst als Pilot. Erst 1976 debütierte er als Fahrer, da war er schon 22 Jahre alt. Mühsam kämpfte er sich in den folgenden Jahren über Formel Vau, die Formel 3, die Formel 2 und die Procar-Serie (bei Dr. Helmut Marko) Richtung Formel 1.
 
Wie verlief seine Formel-1-Zeit?
1984, mit 30, schaffte er endlich den Sprung in den Grand-Prix-Sport, leider nur im hoffnungslos unterlegenem Team von Osella. Er konnte vor der Premiere in Imola nur 30 Runden testen, der Alfa-Motor war seit vier Jahren nicht mehr weiterentwickelt worden. Die Batterie war mit einem Lederriemen am Getriebe festgezurrt. Bernie Ecclestone gab Jo keine Tickets für die Familie. Und es schien unmöglich, sich mit dieser "alten Gurke" (copyright: Zeitzeuge Helmut Zwickl) zu qualifizieren. Doch dann blieb ein gewisser Ayrton Senna mit seinem Toleman auf der Strecke liegen und plötzlich war Jo unter den 26 Qualifizierten. Ausgerechnet Senna - zehn Jahre, bevor er genau hier sterben sollte. Gartner schied in Runde 47 aus, als 16., mit Getriebedefekt.
 
Was war der Höhepunkt seiner Formel-1-Karriere?
Eindeutig Monza 1984. Niki Lauda gewann, Gerhard Berger wurde Sechster und Jo Gartner Fünfter. Gartner ging dafür durch die Hölle: erst brach der fünfte Gang am Osella, dann ging in der Schlussrunde in der Parabolica der Sprit aus - irgendwie keuchte der Alfa Motor noch einmal auf und Jo kam über die Ziellinie: "Vor Freude konnte ich die ganze Nacht nicht schlafen." Die zwei Punkte, die er für die WM erobert hatte, wurden später gestrichen, sie scheinen in keiner WM-Liste aus. Er war nicht am Saisonstart als Pilot eingetragen gewesen, und so einer durfte nicht in die Wertung. Nach Estoril 1984, dem Rennen bei dem Lauda zum WM-Titel fuhr, war es vorbei mit der Formel 1. Gartner verlor den Kampf um das Arrows-Cockpit gegen Berger, der wurde zum Shooting Star.
 
Wie waren Gartner letzte eineinhalb Jahre?
Enttäuscht vom Formel-1-Aus wechselte er in die Sportwagen-Szene und er wurde glücklich. Bei Porsche gab es gutes Geld zu verdienen und er zahlte alles mit Leistung zurück. 1986 gewann er den 12-Stunden-Klassiker von Sebring im Porsche 962C.
 
Wie kam es zum tödlichen Unfall?
Als Alex Wurz 2009 im Peugeot in Le Mans zum zweiten Sieg raste, da sagte er danach: "Ich hab heute oft an den Jo Gartner denken müssen." Der war am 1. Juni 1986 um kurz nach 3 Uhr in der Früh auf der damals rund sieben Kilometer langen Hunudieres-Geraden verunglückt, bei etwas mehr als 290 km/h war die Aufhängung des Porsches mit der Nummer 10 gebrochen. Jo war sofort tot.
 
Was blieb von Jo?
Seine Schwester sagt manchmal, zartbitter: "Durch seinen frühen Tod bleibt sein Gesicht für uns immer jung, er ist immer 33." Einmal im Jahr treffen sich seine Freunde in Wien auf ein Eis, im zweiten Bezirk, dort wo Jo mit seinem Vater eine Kfz-Werkstatt betrieben hatte. Sein Manager David Gulda wechselte später zu Gerhard Berger, sein enger Freund Michael Glöckner, ein Fotograf, gründete gemeinsam mit Helmut Zwickl, die Ennstal Classic. Der Vater starb 2003, die Mutter im Herbst 2015, mit 96 Jahren. Sein Pressesprecher Willy Dienstl feierte später mit Richard Lietz Siege in Le Mans - und Jo´s Freundin Doris, die er einst als Journalistin des "Rennbahn Express" bei einem Interview kennengelernt hatte, die arbeitet nun als Medizinerin.
Das englische Fachmagazin "Autosport" widmete ihm vor einigen Jahren eine ganz große Story - ein weiteres Zeichen dafür, dass Jo im Ausland berühmter und angesehener war als in Österreich, wo er zu sehr im Schatten von Niki Lauda und Gerhard Berger stand.

Buchempfehlung: Jo Gartner – Ein Leben fürs Rennfahren

Das Buch wurde von Gartners engem Freund Michael Glöckner, einem Fotografen, und seinem Manager David Gulda herausgegeben. Zu den Autoren zählen Gerhard Kuntschik, Gerhard Nöhrer, Hans-Joachim Stuck, Christoph Wikus, Helmut Zwickl, Thomas M. Imhof. 
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