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ERSTER TEST: RANGE ROVER P400e

Elektrisch nach Kollektivvertrag

Bei Einhaltung geregelter Arbeitszeiten bewegen sich diese zwei Range Rover schon als Elektroautos durch den Alltag. Überstunden und Überholmanöver übernimmt mehrheitlich der Benziner. Wie souverän sind die neuen Hybridvarianten und für welchen Fahrertyp lohnen sie sich? Der Test klärt auf.
Worum geht es?
Um eine Kulturrevolution. Einen Vierzylinder in seinem Range Rover hätte der Besitzer bisher ähnlich aufgenommen wie einen Einbrecher in seiner Villa. Aber inzwischen hat das Elektrozeitalter begonnen und da sind Dogmen keine Dogmen mehr. Land Rover kombiniert in seinen zwei elitärsten Modellen – Range Rover und Range Rover Sport – nun einen 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 300 PS und einen 116 PS starken Elektromotor. Gemeinsam erzeugen die Triebwerke 404 PS Systemleistung und bilden als Plug-in-Hybrid-Motorvariante „P400e“ eine Alternative zu den Diesel- und Benzinmotoren.
Mit rund 40 Kilometer realer elektrischer Reichweite kann man kalkulieren, genug für emissionsfreie Alltagsfahrten.Mit rund 40 Kilometer realer elektrischer Reichweite kann man kalkulieren, genug für emissionsfreie Alltagsfahrten.
Wie viel voll-elektrische Fahrzeit schaffen die hybridisierten Range Rover?
Lustig, die vielen Freiberufler und Wirtschaftskapitäne unter den Range-Rover-Fahrern erwerben quasi ein gewerkschaftlich organisiertes Auto: Wenn geregelte Arbeitszeiten eingehalten werden, können sich die „P400e“ rein elektrisch durch den Alltag bewegen. Der Kollektivvertrag sieht 51 Kilometer elektrische Reichweite vor. Auch wenn es in der Realität wohl eher 40 Kilometer sein werden, reicht das vielen Menschen locker für ihr tägliches Pensum zwischen Haus, Kindergarten, Arbeitsplatz und Co.; sie fahren dann de facto mit einem elektrischen Range Rover durch ihren Alltag. Voraussetzung ist natürlich die regelmäßige Lademöglichkeit vor allem in der heimischen Garage. Die komplette Aufladung der Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie mit 13 kWh Kapazität dauert mit einer „Wall Box“ mit 32A-Sicherung zwei Stunden und 45 Minuten. An einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose sind es siebeneinhalb Stunden.
Range Rover sucht Steckdose. Nur mit Lademöglichkeit in der eigenen Garage macht der „P400eRange Rover sucht Steckdose. Nur mit Lademöglichkeit in der eigenen Garage macht der „P400e" Sinn, dann aber viel Sinn.
Wie fühlt sich der elektrische Modus an?
Wer hätte gedacht, dass ein Range Rover im Alltag nicht mehr PS braucht als ein Golf. Wird der EV-Knopf für den rein elektrischen Betrieb gewählt, fährt man mit 116 PS, soviel hat der elektrische Part des Antriebs. Erstaunlich: Im normalen Verkehr genügt das auch dem großen Range Rover, selbst für das Anfahren an der Ampel. Man kann sich wie im Elektroauto fühlen, solange man halt durch die Stadt cruist oder Überland mit dem Verkehr mitschwimmt. Leise wie ein Elektroauto ist der Range Rover dann natürlich auch – wobei das besonders beim großen Modell im Gegensatz zu den meisten anderen Autos kein so starkes Argument ist, denn der war davor eben schon leise wie (fast nur) ein Range Rover.
Selbst das übliche Autobahntempo geht übrigens rein elektrisch, Norbert Hofers 140er-Teststrecke mal ausgenommen, bei 136 km/h kommt der Benziner hinzu. Setzt man im EV-Modus zu Sprints oder Überholmanövern an, schaltet sich der Benziner natürlich trotzdem blitzartig dazu, um die gewohnte Souveränität von 400PS+ herzustellen.
Im EV-Modus ist der Range Range Rover reines Elektroauto – solange man cruist und mit dem Verkehr mitschwimmt.Im EV-Modus ist der Range Range Rover reines Elektroauto – solange man cruist und mit dem Verkehr mitschwimmt.
Mit reduzierter Leistung mitzugleiten geht natürlich nicht immer –wie fühlt sich der „P400e“ im normalen Modus an, als Hybrid mit beiden Motoren?
Zuerst muss man wissen: Der Hybridmodus ist in der Regel immer verfügbar, denn durch die Bremsenergierückgewinnung wird die Batterie unabhängig vom Laden an der Steckdose immer ein wenig nachgefüllt.
Im kombinierten Antrieb wird der Turbo-Vierzylinder vom E-Motor so mit Drehmoment unterfüttert, dass man in der Regel nicht wirklich merkt, einen Vierzylinder zu fahren. Die Range-Rover-Souveränität, im Datenblatt durch 640 Newtonmeter ausgedrückt, ist also auch real gegeben. 
Vorteile kann der Diesel in zwei Teilbereichen für sich verbuchen: Erstens bei Vollgas, da ist er etwas souveräner als der Hybrid. Nicht bei der Leistung, wo der Hybrid sogar Vorteile hat, aber bei Klang und Beschleunigungsgefühl. Zweitens beim Autobahnverbrauch, wo sich der Diesel bei acht bis neun Litern bewegen wird, der Hybrid eher bei zehn bis elf Liter. Kurzum: Echte Vielfahrer und Sportfahrer werden beim Diesel bleiben.
Eher virtuell ist der Diesel-Vorteil beim Ladevolumen (80 bis 100 Liter höher als beim Hybrid), denn Platz gibt es in beiden Range Rover-Varianten reichlich.
Graphische Darstellung des Energieflusses und Reichweitenangabe. Mit „Stand haltenGraphische Darstellung des Energieflusses und Reichweitenangabe. Mit „Stand halten" spart man Strom für die nächste Stadtfahrt.
Für welchen Fahrertyp passt der neue Hybrid am besten?
Zunächst einmal für Österreicher im Allgemeinen. Durch die verbrauchsbezogene NoVA-Besteuerung (Sie dürfen auch Luxussteuer sagen), ist es bei uns besonders günstig, den Hybrid zu fahren. Weil der „P400e“ durch die 51 elektrischen Kilometer im offiziellen 100-Kilometer-Zyklus auf bis zu 3,1 Liter Normverbrauch runterkommt, entfällt die Verbrauchssteuer. Dadurch ist im Range Rover das Hybridmodell fast 11.000 Euro günstiger als das gleich ausgestattete V6-Dieselmodell mit 129 PS weniger (404 PS zu 275 PS bzw. 121.000 Euro zu 131.700 Euro in der Vouge-Ausstattung). Beim Range Rover Sport allerdings ist der schwächere der beiden V6-Diesel knapp 2000 Euro günstiger als der gleich ausgestattete Hybrid (404 PS zu 249 PS bzw. 88.700 Euro zu 86.800 Euro in der SE-Variante). Noch ein finanzieller Aspekt: Ein Tipp ist der Hybrid auch für Dienstwagenfahrer, die in den Genuss eines Range Rover kommen, sie zahlen nur 1,5 statt 2,0 Prozent Sachbezug.
Grundsätzlich kann man sagen: Der Hybrid ist perfekt für Fahrer, die das Auto am Abend zuhause laden können und oft die üblichen Wohnung-Schule-Kindergarten-Arbeit-Distanzen von bis zu 50 Kilometer machen – ihr Range Rover fährt im Alltag dann schon weitgehend als Elektroauto, während für die Langstrecke rund 700 Kilometer Benziner-Reichweite zur Verfügung stehen.
Ideal für das Alpenland: Mit Plug-in-Hybridantrieb haben Range Rover (li.) und Range Rover Sport (re.) in Österreich deutliche Steuervorteile.Ideal für das Alpenland: Mit Plug-in-Hybridantrieb haben Range Rover (li.) und Range Rover Sport (re.) in Österreich deutliche Steuervorteile.

DATEN & FAKTEN

RANGE ROVER P400e & RANGE ROVER SPORT P400e

(November 2018)

Preis

Range Rover Sport ab 88.700 Euro. Range Rover ab 121.000 Euro.

Antrieb

Hybridantrieb mit 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner (300 PS) und Elektromotor (116 PS). System-Gesamtleistung 404 PS bei 5.500 u/min, 640 Nm bei 1500 – 3500 U/min. 8-Gang-Automatikgetriebe. Allradantrieb.

Abmessungen

Range Rover Sport: Länge/Breite/Höhe 4879/2073/1803 mm, Kofferraumvolumen 700 – 1620 Liter. Range Rover: Länge/Breite/Höhe 5000–5200/2073/1869–1886 mm, Kofferraumvolumen ca. 800 – 2041 Liter.

Gewicht

Range Rover Sport: Gewicht 2471 kg, Gesamtgewicht 3200 kg. Range Rover: Gewicht 2577 k – 2671 kg, Gesamtgewicht 3210 – 3250 kg.

Fahrwerte

Range Rover Sport: Vmax 220 km/h, 0-100 in 6,7 sec. Range Rover: Vmax 220 km/h, 0-100 in 6,8 –6,9 sec.

Testverbrauch

Folgt im Intensivtest. Klar ist: der Verbrauch hängt stark vom den gefahrenen Strecken und dem Ladezustand ab, wer immer viel lädt und kurze Strecken fährt, braucht fast kein Benzin. Auf der Langstrecke mit Autobahn sind zehn bis elf Liter zu erwarten.
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