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INTENSIVTEST: LAND ROVER DISCOVERY 2.0l Sd4 HSE

Ist der Riese ein Familienfreund?

Dieser Engländer kultiviert seine Unsportlichkeit und vereint zwei Werte, die sich allzu oft ausschließen: Nur wenige Autos bieten so viel Platz und Prestige zugleich.
Der Discovery hat nur sehr wenige direkte Konkurrenten. Wie kommt’s?
Wenn man sehr, sehr viel Platz braucht, aber zugleich nicht auf einen prestigeträchtigen Auftritt verzichten will, schränkt sich das Angebot ziemlich ein. In Frage kommen dann aktuell eigentlich nur Audi Q7, Mercedes GLS, Range Rover – und jetzt eben der neue Discovery.
 
In den schicken Metropolen rund um die Welt ist der Range Rover klare Nummer eins, da haben Audi und Mercedes aktuell keine Chance. Wo ordnet sich der neue Discovery in diese Konstellation ein?
Der Range Rover bleibt unangetastet in seiner eigenen Liga. Kein anderes Auto schafft es, über 2000 Liter Kofferraumvolumen bereit zu halten und dabei cooler auszusehen als alle Luxuslimousinen und so mancher Sportwagen. Eine Sonderstellung, die sich freilich auch in über 30.000 Euro Preisabstand zu Discovery und Q7 ausdrückt, der GLS liegt dazwischen. Klar ist: der neue „Disco“ hat es auf die Riesen von Audi und Mercedes abgesehen.
 
Wo kann der Discovery dem Q7 und dem GLS weh tun?
Vor allem beim Image, denn das profitiert auf der Design-Seite von den Range-Rover-Erfolgen und auf der Utility-Seite von der Land-Rover-Historie. Da kommen die Deutschen in beiden Fällen nicht heran. Die Designer haben beide Themen in ihren Entwurf einfließen lassen. Der Discovery spricht von vorne und schrägt vorne gesehen die aktuelle Land-Rover-Designsprache, mit der man in jedem Nobelort gut dasteht. In der Silhouette und am Heck kommt dann der Nutzwert-Charakter durch – man zeigt mit dem Discovery, dass man viel zu tun hat: zum Beispiel als Sportler, Grundbesitzer, Pferdenarr oder Mutter.
Der Discovery spricht die aktuelle Land-Rover-Designsprache, mit der man in jedem Nobelort gut dasteht, er zeigt aber auch, dass der Besitzer viel zu tun hat: zum Beispiel als Sportler, Grundbesitzer, Pferdenarr oder Mutter.Der Discovery spricht die aktuelle Land-Rover-Designsprache, mit der man in jedem Nobelort gut dasteht, er zeigt aber auch, dass der Besitzer viel zu tun hat: zum Beispiel als Sportler, Grundbesitzer, Pferdenarr oder Mutter.
Aber fällt das Heck nicht doch ziemlich groß und eigenwillig aus?
Stimmt beides. Aus machen Perspektiven wirkt der Laderaum schon riesig und es gibt auch Betrachter, die das nach links versetzte Kennzeichen am Heck unbedingt in die Mitte rücken wollen. Das muss jeder für sich entscheiden, Hauptsache es gibt noch Individualisten im Autogeschäft.

Individuell ist auch der Fahrstil des Discovery. Denn im Gegensatz zum SUV-Mainstream will er gar kein Sportler sein …
Um es klarzustellen: Der Discovery fährt gar nicht schlecht um die Kurve, im Vergleich zum viel schwereren Vorgänger sogar recht flott. Trotzdem ist er alles andere als ein Sportler. Ja, er kultiviert seine Unsportlichkeit geradezu: Kompromisslos ist er in allen Bereichen auf Komfort gepolt.
 
Wie drückt sich diese Komfort-Strategie aus?
Durch ein Fahrwerk, das wirklich soft ist und eine Lenkung, die wirklich entspannt ist. Indem viel für die Geräuschdämmung getan wurde und die Sitze durch ihre Armlehnen gemütlicher sind als alle anderen Stühle in der Branche. Summa summarum ist der Discovery ein herausragend angenehmes Reiseauto.
Auch in der dritten Reihe vollwertige Sitze, beim Zusteigen muss man etwas klettern.Auch in der dritten Reihe vollwertige Sitze, beim Zusteigen muss man etwas klettern.
Über 2.400 Liter Ladevolumen, das Umlegen aller Sitze funktioniert per Knopfdruck.Über 2.400 Liter Ladevolumen, das Umlegen aller Sitze funktioniert per Knopfdruck.
Passt der Vierzylinder des Testwagens zu diesem gehobenen Komfortanspruch?
Jein. Die Fahrleistungen des 240-PS-Dieselmotors sind über jeden Zweifel erhaben und das Geräusch des Motors ist so gut weggedämmt, dass man ihn kaum als Diesel wahrnimmt. Sehr gut gemacht! Aber man muss sagen, dass die Automatik des Discovery beim kräftigeren Beschleunigen manchmal etwas ruckartig reagiert, um das Turboloch zu überwinden – nach etwas Eingewöhnung ist das unproblematisch und kann durch richtiges Gasgeben überspielt werden, aber wer es beim Beschleunigen gerne richtig elegant hat, muss schon weiterhin zum Sechszylinder greifen.  

Wie sieht es beim Verbrauch aus?
Für einen Riesen wie den Discovery ist der Verbrauch erstaunlich niedrig, wir sind auf der Autobahn mit Sieben-Liter-Werten unterwegs gewesen und hatten im Gesamtschnitt einen Achter vor dem Komma. Bei ordentlicher Auslastung des Siebensitzers ergibt das eine CO2-Bilanz, die sogar Zugfahrern Tränen in die Augen treiben muss.

Wie fährt sich der fast fünf Meter lange Riese eigentlich in der Stadt?
Fünf Meter bleiben beim Parken fünf Meter. Aber durch die extrem hohe und etwas nach außen versetzte Sitzpostion ist der Discovery der Handling- und Einpark-Champ unter den Riesen. Da punkten die Offroad-Eigenschaften mitten in der City. 
 
Was heißt es eigentlich konkret, wenn wir von sehr viel Platz im Discovery sprechen?
Bis zu sieben Sitze in drei Reihen und bis zu 2.406 Liter Laderaumvolumen. Letzteres ist Q7 (knapp 2.000 Liter) und GLS (2.300 Liter) leicht überlegen. Beim ersten Einsteigen fühlt man sich wie einer Zweitwohnung, so ausladend ist das Raumgefühl.
Bei entsprechender Ausstattung sehr edler Innenraum, Multimedia im Smartphone-Stil.Bei entsprechender Ausstattung sehr edler Innenraum, Multimedia im Smartphone-Stil.
Armlehnen machen die Stühle in Reihe eins zu den bequemsten der Branche.Armlehnen machen die Stühle in Reihe eins zu den bequemsten der Branche.
Wie wirkt sich das auf den Passagierkomfort aus?
In Reihe eins sitzt man so weit vom Nachbarn weg, dass man ihn nicht mehr bemerkt, das hat First-Class-Niveau. In Reihe zwei hat man viel Platz nach vorne und nach oben, größere Passagiere müssen aber die Beine etwas anwinkeln. Um Reihe drei zu erreichen muss man etwas klettern, der Sitzkomfort ist dort aber gar nicht schlecht.

Das Umlegen und Aufstellen der Sitze wird nun elektronisch per Knopfdruck gemacht – Fluch oder Segen?
Man braucht einige Zeit, um sich an die Abläufe zu gewöhnen, aber wenn man sie einmal intus hat, kommen einem manuelle Sitzsysteme schnell anstrengend vor. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier.

Wie luxuriös ist der Innenraum? Wie schlägt sich das Multimedia-System?
Wenn man den Innenraum entsprechend ausstattet – Stichwort Windsor-Leder aus Sitzpaket 4 – wirkt er sehr edel, hält aber Abstand zum Range-Rover-Luxus. Das Multimedia-System erinnert mit seinen Wischfunktionen und Graphiken an moderne Smartphones, bei der Benutzerfreundlichkeit gibt es da und dort noch Verbesserungspotenzial.

Kommen wir zum Fazit: Wie fällt das Gesamturteil aus?
Ein sanfter Riese, der sich von den wenigen Konkurrenten auf sehr sympathische Art abhebt.

Auto Bildergalerie: Wie gut passt der sanfte [BR]Riese in die Familie?

Wenn man sehr, sehr viel Platz braucht, aber zugleich nicht auf einen prestigeträchtigen Auftritt verzichten will, schränkt sich das Angebot ziemlich ein. 

DATEN & FAKTEN

Land Rover Discovery 2.0l Sd4 HSE

(September 2017)

Preis

74.200 Euro, Testwagen 84.246 Euro.

Antrieb

2,0-Liter-Vierzylinder-Diesel, 240 PS, 500 Nm. 8-Gang-Automatikgetriebe. Allradantrieb mit Offroad-Programmen.

Abmessungen

Länge 4.970 mm, Breite 2.073 mm, Höhe 1.888 mm

Gewicht

Leergewicht 2.184 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 3.130 kg.

Fahrwerte

Vmax 207 km/h, 0-100 km/h in 8,3 sec.

Testverbrauch

8,3 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

8 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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