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GERALD ENZINGER ÜBER:

Toto Wolffs Meisterwerk

Toto Wolff führt Mercedes gerade zum fünften WM-Titel in Serie, bei Fahrern und in der Konstrukteurs-WM. Damit überholt er Red Bull Racing und Christian Horner - und zeigt, dass er einer der größten Teamchefs aller Zeiten ist. Denn: 2018 war sein Meisterstück.
Im Fußball ist er das Thema der Stunde: der Trainer, der Coach, der Manager. Oder wie immer man den "Chef" nennt.
Bei Real Madrid, bei Bayern München, bei Manchester United. Überall dort wird über die Führungsqualitäten jener Männer diskutiert, die Weltstars dirigieren müssen und über den Wert von Milliarden-Konzernen mitentscheiden.

In der Formel 1 ist das nicht anders. Selten zuvor aber war es so auffällig wie in den vergangenen Wochen: Man kann 300 Millionen und mehr Euro in ein Formel-1-Jahr investieren, wenn die Kommandozentrale falsch besetzt ist, nützt das gar nichts.

Ferrari ging heuer mit einem besseren Auto und einem besseren Motor in die Saison - und Weltmeister wird trotzdem Mercedes. Der Unterschied? Toto Wolff. Er ist, und dafür braucht man keine rot-weiß-rote Brille, einfach der bessere Teamchef in diesem Duell.

Klar. Spätestens seit dem Wochenende in Suzuka kann und muss man auch sagen, dass Mercedes den aktuell besseren und fehlerfreieren Nummer-1-Piloten hat - aber dass Lewis Hamilton in der Form seines Lebens ist, hat auch mit dem Mann zu tun, der sein Chef ist.

Und der nun wohl zum fünften Mal in Serie Weltmeister wird, in der Konstrukteurs-WM und mit einem seiner Piloten in der Fahrer-WM. Das ist um je einmal öfter, als es Christian Horner bzw. Red Bull Racing in Serie gelungen ist.
Was Wolff sicher besonders freut. Und es ist genau so oft wie es dem bislang erfolgreichsten Serientäter, Jean Todt bei Ferrari (2000 bis 2004) gelungen ist.

Kein Ron Dennis, kein Frank Williams, kein Colin Chapman und kein Enzo Ferrari hat erreicht, was ein Toto Wolff erreicht hat. Und die Chancen, dass er 2019 auch noch Jean Todt überholt, stehen gut.

Fünf schnelle Gründe, warum dieser Titel besonders wertvoll für Wolff ist:

1. Wegen der erwähnten Konstellation, dass er damit Red Bull bzw. Horner überholt.

2. Weil selbst seine größten Feinde längst nicht mehr behaupten können, dass die Mercedes-Titel jetzt noch eine Folge der Aufbauarbeit von Ross Brawn wären. Im Gegenteil: Brawn hat die Flop-Jahre 2010 bis 2012 zu verantworten. Und das seine Intimfeindschaft mit Bernie Ecclestone Mercedes auch lähmte. Alles besser wurde bereits 2013 und damit vor dem Wechsel auf die Hybrid-Motoren. Und warum? Weil Wolff und Niki Lauda Linie in das Team brachten. Und weil sie dem Konzern die Wahrheit sagten: es braucht mehr Geld.

3. Nie zuvor war es so wichtig, eine klare Linie zu haben wie heuer. Ferrari begann bärenstark und Vettel dominierte die Anfangsphase der WM. Wolff blieb in dieser Situation ruhig, es rollten keine Köpfe und er konnte der Diva Hamilton immer wieder neue Richtung geben, und Energie und das, was Hamilton am meisten braucht: Klarheit. Kein Teamchef würde Hamilton diese Freiheiten geben, die er bei Mercedes hat. Keiner würde sich so konsequent für einen Valtteri Bottas als Nummer 2 einsetzen. Doch Wolff weiss: Der Finne ist loyal, schnell - aber nicht so schnell und vor allem nicht so ein subtiler Psychologe wie es Nico Rosberg war, der Hamilton völlig entnerven konnte. Es mag sein, dass Rosberg um einen Tick schneller und konstanter ist als Bottas - aber im Gegensatz zu Rosberg sorgt Bottas nie dafür, dass Hamilton langsamer gemacht wird. Im Gegenteil: seine Loyalität macht Lewis schneller und das ist es, was für das Team am Ende der Meisterschaft zählt.


4. Während er in der Niederlage ruhig blieb, zeigt sich der "Naturpessimist" (Eigendefinition) Wolff im Erfolgsfall geerdet und kritisch. Und als Antreiber.

5. Viele Kritiker hatten nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Niki Lauda nur mehr darauf gewartet, dass bei Mercedes die Krise ausbricht und man behaupten kann, dass Wolff eben ohne Lauda verloren sei. Das Gegenteil war der Fall: Wolff, der selbst unter dieser gefühlten Bringschuld litt, führte das Team hochprofessionell weiter.
Und mit klaren Entscheidungen. Etwa der unpopulären, Bottas in Russland zurückzupfeifen. Schön war das nicht. Der Racer Wolff, der grösster aller Bottas-Förderer und auch sein Entdecker, litt am meisten darunter.
Aber: es war richtig, es wurde offen kommuniziert - und: es war das glatte Gegenteil des Ferrari-Theaters. Dort musste Vettel absurderweise noch in Monza Räikkönen im Qualifying Windschatten geben.

Für Toto Wolff werden es in Austin oder spätestens in Mexiko wohl die Titel 9 und 10. Aber noch nie waren sie für ihn selbst so wertvoll wie heuer.

2018 ist sein Meisterwerk.
Dream-Team: Hamilton und...Dream-Team: Hamilton und...
...Valtteri Bottas...Valtteri Bottas
Mercedes ist einfach überall.Mercedes ist einfach überall.
Hamilton wird zur Legende.Hamilton wird zur Legende.
Hamiltons bester Wingman.Hamiltons bester Wingman.
Mercedes-Bosse Wolff & Zetsche.Mercedes-Bosse Wolff & Zetsche.
Die Marke Mercedes wird....Die Marke Mercedes wird....
...durch diese drei flotter denn je....durch diese drei flotter denn je.
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