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NEWEY EXKLUSIV (3)

So ist Mateschitz als Chef

Adrian Newey exklusiv: Wie Red Bull Racing intern arbeitet, was er selbst nie werden will. Und was Dietrich Mateschitz als Chef auszeichnet und von den anderen Machern in der Formel 1 unterscheidet. Ein intimer Blick in die Welt von Red Bull Racing.

Er ist der erfolgreichste Mensch in der Geschichte der Formel 1.
Red-Bull-Designer Adrian Newey ist für zehn WM-Titel bei den Fahrern und für zehn bei den Konstrukteuren verantwortlich gewesen, weil er die Wunder-Autos dazu gebaut hat. Rund um die Veröffentlichung seiner Auto-Biographie "Wie man ein Auto baut" (Pantauro-Verlag) spricht er lange und ausführlich mit motorprofis.at.
Themen heute: Sein Leben mit Dietrich Mateschitz, die Hierachie bei Red Bull - und was er nie werden möchte.




Herr Newey, als Sie zu Red Bull kamen, hieß es, dass die Zeit der Genies vorbei ist und Supercomputer mit gigantischer Rechenleistung über Sieg oder Niederlage entscheiden. Sie haben mit der Red-Bull-Dominanz diesen Trend widerlegt. Hatte das auch mit Dietrich Mateschitz zu tun, dass der als Freigeist trotzdem an Sie geglaubt hat und Ihnen den Freiraum gab?
"Dietrich ist natürlich ein sehr guter Geschäftsmann. Er wird nichts absegnen, wenn es dafür aus seiner Sicht keinen guten Grund gibt. Als ich bei Red Bull angefangen habe, ist mir aufgefallen, dass wir in die Ausrüstung und speziell in die Infrastruktur investieren mussten. Ich habe ihm also gemeinsam mit Christian Horner gesagt, was wir aus sportlicher und aus technischer Sicht benötigen. Und wenn wir gute Argumente hatten, dann hat er immer bei allem zugestimmt. Er hat uns immer das Budget für Dinge zur Verfügung gestellt, die wir uns gewünscht haben.

Wie tickt Mateschitz?
Er ist ein sehr einfacher, geradliniger Typ. Man macht einen einfachen Vorschlag und bekommt ein Ja oder ein Nein als Antwort. In großen Konzernen sind oft endlose Rechtfertigungen notwendig - und das kostet unendlich viel Zeit, die man auch beim Warten verschwendet. Wir haben eine sehr simple und effiziente Arbeitsweise. Das gilt auch für die Fahrerwahl. Bei allen Dingen, die das Team betreffen, ist Dietrich sehr ehrlich, direkt, schnell und sehr einfach im Umgang. Und das ist entscheidend für das Team. Und das ist unglaublich bei ihm und der Grund, warum er so ein großartiger Eigentümer ist."


Nach außen ist Christian Horner das Gesicht des Teams, aber Helmut Marko zieht im Hintergrund die Fäden. Wie würden Sie Markos Rolle und seine Persönlichkeit beschreiben?
"(lacht) Seine Persönlichkeit ist ziemlich einzigartig - und gar nicht so einfach zu beschreiben. Er ist auch sehr direkt und sagt ganz unverblümt seine Meinung. Ob er richtig liegt? Wie jeder von uns hat er nicht immer recht, aber doch recht oft. Und selbst wenn er falsch liegt, dann regt er dich zum Denken an, weil er die Dinge etwas anders betrachtet. Das liegt auch daran, dass er nicht in das Tagesgeschäft involviert ist. Er hat daher mehr die Sicht von außen. Zudem ist er natürlich für das Nachwuchsprogramm zuständig, also bringt er junge Fahrer ins Team. Und er hat eine sehr gute Beziehung zu Herrn Mateschitz, wodurch er auch unser Führungsdreieck komplett macht.

Wie teilen Sie die Themen auf?
Wenn es um kleinere Fragen geht, dann spricht er mit Dietrich. Dann müssen Christian und ich uns keine Sorgen machen. Wenn es um Größeres geht, dann sprechen wir auch mit Dietrich. Das ist keine sehr konventionelle Struktur, aber sie funktioniert außerordentlich gut."

Man hört sehr oft, dass Technikchefs immer auch Teamchefs werden wollen. Hatten Sie das je im Sinn?
"Nein, das war nie mein Interesse. Ich wollte immer Designer sein - im wahrsten Sinne des Wortes. Mir ging es darum, dass schnellstmögliche Auto zu bauen. Wie ich früher gesagt habe, ist die Arbeit mit den Fahrern ein Schlüsselaspekt dieser Arbeit. Das unterscheidet den Motorsport für mich von anderen Ingenieursberufen - dass es um Mensch und Maschine geht. Dass man mit dem Fahrer daran arbeitet, das bestmögliche Paket zu produzieren. Es ist nach wie vor meine Tätigkeit als Ingenieur und das Design, die mich jeden Tag motivieren und dazu bringen, das Bett zu verlassen. Ich sehe mich nicht als Unternehmer oder als Manager. Und das ist es auch nicht, was mich interessiert. Wäre ich also gerne ein Teamchef? Definitiv nicht (lacht)."


Teil 1 des Interviews: http://www.motorprofis.at/motorsport/exklusiv-4
Teil 2 des Interviews: http://www.motorprofis.at/motorsport/adrian-newey-exklusiv

Im vierten Teil unseres Gesprächs mit Adrian Newey wird es um ein großes Thema gehen, dass auch Nicht-Motorsportfans fasziniert: Die Zukunft des Automobils.





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