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ADRIAN NEWEY EXKLUSIV (Teil 4)

Die Zukunft des Autos

Er ist der beste Rennwagen-Designer aller Zeiten: Adrian Newey. Aber wie sieht der geniale Visionär die Zukunft des Automobils? Im vierten Teil unseres großen Exklusiv-Interviews denkt der Red-Bull-Weltmeistermacher laut - und gewohnt geistreich.

Adrian Newey ist der erfolgreichste Formel-1-Designer aller Zeiten. Zum Start der neuen Saison führen wir unsere große Interview-Serie mit dem genialen Engländer, der Williams, McLaren und Red Bull zum Weltmeister machte, fort. Thema diesmal: das Automobil, ganz allgemein, und seine Zukunft.

Herr Newey, wie würde Ihre Formel 1 der Zukunft aussehen?
"Die Hybridmotoren sind nicht wirklich für ein Rennauto geeignet. Sie sind sehr schwer und in ihrer Nutzung sehr teuer. Klar, die Hersteller, die am meisten Geld in sie investieren, können am meisten aus ihnen herausholen, aber diese Motoren tragen nichts zur Qualität der Rennen bei. Und das tun sie nicht einmal für die Serienautos. Ich würde also wahrscheinlich viel einfachere Antriebsregeln einführen. Das könnte durchaus ein Turbomotor sein, aber sicher kein Hybrid."

Wie schaut die Alternative aus?
"Ich würde zu einer Motorenformel zurückgehen, die es unabhängigen Herstellern erlaubt, eine konkurrenzfähige Antriebseinheit zu verkaufen - und die viel leichtere, kleinere Autos ermöglicht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Vor ein paar Jahren wogen die Autos noch 505 Kilo, weshalb wir Ballastgewichte genutzt haben. Jetzt wiegen sie 630 Kilo. Und wir geben Unsummen aus, um sie auf dieses Gewichtslimit zu bringen. Es gibt einige Autos, die übergewichtig sind. Die Autos sind also um mindestens 130 Kilogramm schwerer geworden. Dadurch benötigen wir mehr Leistung, was wiederum den Spritverbrauch erhöht, um diese Autos konkurrenzfähig zu machen. Und wir müssen immer mehr Abtrieb generieren, damit die Rundenzeiten besser werden. Das ist der falsche Weg."

Ein klassisches Formel-1-Problem?
Das gibt es auch in der Serie: Die Autos sind sehr groß und schwer geworden. In Wahrheit hat sich das Design des Verbrennungsmotors massiv verbessert, aber der Spritverbrauch ist heute nicht viel niedriger als vor 20 Jahren. Die Autos sind zu schwer."


 

Adrian Newey in der zweiten Testwoche in Barcelona.Adrian Newey in der zweiten Testwoche in Barcelona.
Sehen, denken, überlegen, Schlüsse ziehen, neue Ideen haben.Sehen, denken, überlegen, Schlüsse ziehen, neue Ideen haben.
Gibt es eine Innovation, auf die Sie in der Serie hoffen?
"Keine einzelne Innovation. Es geht eher um Trends. Und ich finde, wir sollten den Trend umkehren, dass die Autos immer größer und schwerer werden. Wenn wir einen alten VW Käfer neben einen VW Beetle stellen - oder nehmen wir eine ein paar Jahre alte Mercedes-E-Klasse und stellen sie neben eine neue -, dann sieht man, wie viel größer die Autos geworden sind. Und auf einer Waage wäre der Vergleich noch schlimmer. Mir ist nicht ganz klar, warum dieser Trend entstanden ist, denn ich halte ihn schlicht nicht für notwendig."

Ist das selbstfahrende Auto eine gute Sache?
"In der Stadt hat es glaube ich seine Vorteile, denn wir sind dazu verdammt, im Stau zu stehen. Da macht das Fahren ohnehin keinen Spaß. Und wenn alle Autos gesteuert werden, dann tun sie das vielleicht auf effizientere Art und Weise. Es gibt aber einige ethische Dilemmas, die das autonome Fahren mit sich bringt: Vielleicht sind die Autos ja ordentlich gesteuert, aber die Fußgänger sind es nicht. Wie geht man mit diesem Problem um?"


Und bei Freilandstrecken?
"Auf offener Straße ist es wieder eine andere Situation. Vielleicht bin ich da ein bisschen altmodisch, aber es löst bei mir immer noch Freude aus, auf einer schnellen Hauptstraße mit flüssigen Kurven zu fahren. Und das gibt es bei selbstfahrenden Autos einfach nicht mehr. Ich wundere mich ja, dass die Hersteller das autonome Fahren so pushen.

Warum sollten Sie es nicht tun?
"In England gibt es das Sprichtwort: 'Turkeys voting for Christmas' (Die Truthähne, die traditionell zu Weihnachten verspeist werden, stimmen für Weihnachten, Anm. d. Red.). Wenn Autos in Zukunft autonom fahren, dann wird es einem wahrscheinlich egal sein, ein eigenes Auto zu besitzen. Es wird zu einer Art persönlichen Straßenbahn, einem reinen Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu kommen. Und dann ist es auch egal, welche Marke es hat und wie es aussieht, man hat keinen persönlichen Bezug mehr dazu."

Folgende Teile sind in unserer Interview-Serie mit Adrian Newey bislang erschienen:
Teil 1   http://www.motorprofis.at/motorsport/exklusiv-4
Teil 2  http://www.motorprofis.at/motorsport/adrian-newey-exklusiv
Teil 3 http://www.motorprofis.at/motorsport/adrian-newey-exklusiv-teil-3


 

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