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DER SPIELBERG-SIEGER IM INTIMEN PORTRAIT

DER SPIELBERG-SIEGER IM INTIMEN PORTRAIT

Dr. Marko in zehn Fakten

Für den 75-jährigen Dr. Helmut Marko war es eine Achterbahn-Woche: Erst "Opfer" seiner beiden Streithähne Verstappen und Ricciardo, dann als Ehrenbürger von Graz gefeiert - und am Ende kam das das Beste: der erste Heimsieg für sein Red-Bull-Team.
Er hat auf dieser Rennstrecke Geschichte geschrieben: 1969 war Helmut Marko der erste Pilot, der auf dem Österreichring getestet hat, dann der erste, der hier ein (Sportwagen-)Rennen gewann. Nun durfte sich der Grazer, eben 75 geworden, über den ersten Heimsieg von Red Bull Racing freuen. Ein Portrait, erzählt in zehn Fakten.
 
1. Seine Eltern waren strikt gegen den Rennsport.
Helmut Markos Vater war Elektro-Großhändler, er hatte null Verständnis für die Renn-Leidenschaft seines Sohnes. Der reagierte auf für ihn typische Weise: konzentriert zog er sein Jus-Studium schnell durch (Promotion 1967), dann begann er trotzdem seine Renn-Karriere. Das Verhältnis mit dem Vater besserte sich nie mehr. Der offene Machtkampf gegen die Vorfahren - nicht die einzige Parallele mit Niki Lauda.
 
2. Helmut Marko hat in Le Mans Geschichte geschrieben.
Als er 1971 im im wahrsten Sinn des Wortes brandgefährlichen Porsche 917 (mit Magnesium-Legierung) gewann, fuhr er nicht weniger als 14 (!) der 24 Stunden. Der Grund: "Ich war klar schneller als mein Teamkollege Gijs van Lennep und er hat diese Hierachie so akzeptiert." Gemeinsam stellten die beiden einen Streckenrekord auf, der erst im Jahr 2010 (!) überboten wurde.

3. Helmut Marko wäre beinahe Niki Lauda geworden.
Die Leben von Niki Lauda und Helmut Marko sind auf schicksalshafte Weise miteinander verbunden. Denn es war Helmut Marko, der bereits rund zwei Jahre vor Lauda die Aufmerksamkeit von Enzo Ferrari bekommen hatte. Der Vertrag war bereits ausformuliert, ehe Markos Karriere 1972 in Clermont-Ferrard binnen einer Sekunde zerstört wurde. Der vor Marko fahrende Ronnie Peterson schleuderte mit seinem March einen Stein auf, der Marko genau im Auge traf. Das Auge konnte nicht mehr gerettet werden, die Laufbahn war abrupt vorbei. Bis heute leidet der Grazer immer wieder unter starken Schmerzen. Lauda aber bekam 1974 den immer noch nicht standesgemäß besetzten Sitz und er wurde zum Weltstar, indem er aus dem chaotischen Riesen Ferrari wieder ein Weltmeister-Team machte.
Marko ist nun Ehrenbürger von Graz (neben Bgm.Nagl)Marko ist nun Ehrenbürger von Graz (neben Bgm.Nagl)
Der Red Bull Ring ist (auch) Markos Werk.Der Red Bull Ring ist (auch) Markos Werk.
4. Nur zwei Mal in seinem Leben dachte Marko daran, dem Rennsport für immer den Rücken zu kehren.
Nach seiner Verletzung wurde Marko schnell reich, er investierte in Hotels und in (sehr viele) Inmobilien. Dem Rennsport gab er aber nie auf, er beriet schnell verschiedene Kollegen - und machte das, nicht zuletzt in seiner Rolle als Jurist, exzellent. Nur zwei Mal dachte er daran, den Sport aufzugeben: "Das war bei den Todesfällen von Helmut Koinegg 1974 und Markus Höttinger 1980." Dem Burgenländer Höttinger hatte Marko intensiv gefördert, das Formel-1-Debüt 1980 in Zeltweg war fix. Doch der Pilot starb vier Monate davor bei einem bizarren Unfall in der Formel 2: der Engländer Derek Warwick war gecrasht, ein herumfliegender Reifen traf den Österreicher an jenem 13. April am Kopf.

5. Marko brachte Gerhard Berger und Karl Wendlinger in die Formel 1.
Berger debütierte 1984 in Zeltweg im ATS, Wendlinger war der erste "Werkspilot" von Mercedes in der Formel 1 (wenngleich an Sauber verliehen), er stand vor einer großen Karriere, eher er in Monaco 1994 schwer crashte.

6. Juan Pablo Montoya begann seine Weltkarriere in Graz.
Den Kolumbianer hatte Marko einst in der britischen Formel 3 entdeckt und in sein Formel-3000-Team "RSM Marko" geholt. Montoya lebte in Graz in einer ganz kleinen Wohnung am Mehlplatz, mitten im Szene-Viertel "Bermuda-Dreieck". Doch er ging selten fort, und wenn, dann nur in Häuser mit einem großen "M". Marko: "Er kannte jeden McDonalds in Graz."

7. Ein erfolgloser Rennfahrer wurde für Marko zum Glücksgriff.
Markus Friesacher, Hotelier aus Salzburg und nicht verwandt mit dem schnelleren Patrick Friesacher, hat die Geschichte der Formel 1 verändert. Denn der begnadete Netzwerker war es der seinen Sponsor und Freund Dietricj Mateschitz mit dem Rennstallbesitzer Helmur Marko verkuppelte, um selbst einen Platz in der Formel 3000 zu bekommen. Friesachers Karriere war nach wenigen Wochen dank eines höchst beeindruckenden Realitätssinns vorbei ("Ich bin einfach nicht schnell genug, es macht keinen Sinn in mich als Rennfahrer zu investieren"), die neue Verbindung Marko-Mateschitz aber wurde zu einer der engsten und konstantesten im Formel-1-Zirkus. Und, nach einigen Anfangsfehlern, zu einer der erfolgreichsten in der Historie der Historie des Sports.

8. Die beste Investition von Marko bei Red Bull kostete einen Pfund.

Als Marko 2004 für Red Bull um fünf Millionen Euro einen Platz bei Jaguar kaufte, um Christian Klien eine Saison lang fahren zu lassen, "haben wir bemerkt, dass Eigentümer Ford das Team eigentlich los werden will." Ein paar Monate später kaufte das Mateschitz das Formel-1-Team um einen symbolischen Pfund und machte daraus "Red Bull Racing". Dieses Team wurde, mit dem heimlichen Chef Marko, der sicher mehr Einfluss hat als Teamchef Christian Horner, binnen weniger Jahre zum Weltmeisterteam.

9. Der größte Moment seiner Karriere? Abu Dhabi 2010.
An jenem 15. November wurde "sein" Schützling Sebastian Vettel Weltmeister, ohne davor einmal in der WM geführt zu haben und im extrem engen Kampf gegen Alonso, Hamilton und Webber. Der wiederum sah sich jahrelang von Marko bei Red Bull Racing benachteiligt - dieser wollte offensichtlich das ein echter "Red Bull Junior" den Titel holte. Freilich: Die Geschichte hat Marko Recht gegeben, der voll auf Vettel gesetzt hatte - und so einen vierfachen Weltmeister schuf.

10. Der Doktor denkt nicht an Rücktritt.
Marko will auch mit 75 weitermachen, so sehr er sein Privatleben auf einem Hof am Plabutsch genießt, samt extrem frühen Morgen-Spaziergängen im Wald und dem intensiven Hobby des Kunstsammelns (die man in seinen Hotels auch bestaunen kann). An Rücktritt wird kein Gedanke verschwendet: "Dafür ist Leidenschaft zu groß für diesen Sport. Und erst wollen wir, dass Max Verstappen der jüngste Weltmeister aller Zeiten wird." Dass diese Aussage seinen anderen Piloten Dani Ricciardo nicht gerade das Herz erwärmt, ist Marko egal.
Zitat: "Ich bin kein Politiker, ich muss keine Wahlen gewinnen - und brauche nicht beliebt sein."

Marko-Schüler: Verstappen und Ricciardo.Marko-Schüler: Verstappen und Ricciardo.
Mit Mit "Lebensmensch" Lauda & "Ziehsohn" Vettel.
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