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FORMEL 1

Revolution in der Formel 1

Es ist das Papier, das die Zukunft der Formel 1 entscheiden könnte. Oder gar, ob der teuerste Sport der Welt überhaupt eine Zukunft hat. Nun wissen wir, wie die neuen Eigentümer die Zukunft des Grand-Prix-Sports planen. Und zwar revolutionär. Aber ohne Scherbenhaufen.
Einige rechneten mit einem "blutigen Freitag", der zum offenen Krieg in der Formel 1 führen könnte, zur Spaltung und vielleicht damit sogar zum Ende des schnellsten und teuersten Weltsports. Denn: In Bahrain war es für die neuen Formel-1-Eigentümer von Liberty Media (höchst) an der Zeit, endlich Klartext zu reden: Wie soll die Formel 1 ab 2021 aufgestellt sein? Nach welchen Regeln wird gefahren, mit welchen Antrieben und wie wird das Geld verteilt? Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht:

Ändert man zu viel, riskiert man den Ausstieg von Giganten wie Ferrari und Mercedes.
Ändert man zu wenig, ist es wohl auf Jahrzehnte unmöglich neue Werke für die Formel 1 zu gewinnen - und wird zudem erleben müssen, wie Privatteams wie Williams, Force India und vielleicht eines Tages sogar McLaren zugrunde gehen.

Nun liegen die Vorschläge vor - und auf dem ersten Blick klingen die Ideen und Angebote wie eine salomonische Lösung, mit der beide Seiten eine Chance haben sollten, sich zur Formel 1 zu bekennen.
Prüfen gerade die Vorschläge: Toto Wolff und Niki Lauda.Prüfen gerade die Vorschläge: Toto Wolff und Niki Lauda.
Sergio Marchionne ist der mächtigste Gegner einer zu großen F1-Reform. Wie wird Ferrari also reagieren?Sergio Marchionne ist der mächtigste Gegner einer zu großen F1-Reform. Wie wird Ferrari also reagieren?
Die wichtigsten Punkte im Schnell-Check.

GELD:
Erstmals soll eine Budget-Obergrenze wirklich kommen - wie sie Ende des vergangenen Jahrzehnts schon mal am Plan war, aber nie umgesetzt wurde. Nun soll sie bei 150 Millionen US-Dollar/Jahr liegen. Zur Orientierung: Force India hat derzeit ein Budget von 110 Millionen. Ausgenommen sind künftig die Gehälter für Fahrer und leitende Angestellte und die Ausgaben für das Marketing. Die Formel 1-Teams sollen sich in zwei Etappen darauf hin arbeiten. Man will den großen Teams die Chance geben, ihre Personaldecke über einen Zeitraum von zwei Jahren abbauen zu können. Ferrari und Mercedes sind ja vor allem aus diesen Grund bislang erbitterte Gegner einer Obergrenze gewesen, Red Bull ist neuerdings ins Lager der Befürworter gewechselt. Um Ferrari bei Laune zu halten, soll das Team wegen "seiner Tradition" künftig 50 Millionen Dollar extra bekommen, bislang waren es rund 100. Davon abgesehen werden die Startprämien aber künftig gerechter verteilt, allerdings bekommen die Motorenhersteller (wohl nicht ganz zu Unrecht) Extra-Gelder.
Das Ziel: Zum einen soll jedes Team in der Lage sein mit selbst organisierten Sponsorengeldern in der Höhe von rund 30 Millionen Euro auf die Obergrenze zu kommen, so hoch sind die Förderungen von der Formel 1, die Prämien  bzw. die TV-Gelder für jeden Rennstall. Der Coup: Wer mehr Geld aufstellen kann, darf das zwar nicht im Sport verwenden, aber er kann es als Gewinn verbuchen. Genau damit will man Ferrari-Chef Sergio Marchionne ködern.

MOTOREN:
Vielleicht der heikelste Punkt. Fix ist: Es gibt ein klares Bekenntnis zur Hybrid-Technologie (ohne die man die Werke wie Mercedes sicher verlieren würde bzw. man kaum neue Konzerne anlocken kann.) Plan:  ein 1,6 Liter V6-Turbo ohne MGU-H, dafür mit einer stärkeren MGU-K. Die Drehzahl, bei der das Triebwerk maximale Leistung erzielt, soll um 3.000 /min erhöht werden. Dadurch wird der Sound besser. Dazu wird das Spritlimit gelockert. Um  sparen kommen Batterien und Turbolader von der Stange. Das aber dürfte Autokonzernen wie Mercedes kaum gefallen.

POLITIK:
Das Vetorecht einzelner Teams gefährdet längst die Formel 1 - Entscheidungen gegen einzelne Rennställe sind nahezu unmöglich, die Politik lähmt den Sport, neue Regeln können kaum durchgesetzt werden. Künftig soll das entscheidene Gremium (bestehend aus Vertretern von Teams und der F1-Führung) auch mit einfacher Mehrheit Änderungen beschließen können, bei "großen" Veränderungen sollen 75 Prozent Ja-Stimmen reichen. Damit will man endlich flexibler werden und rascher auf Fehlentwicklungen reagieren können.

Jetzt wartet man gespannt auf die Gegen-Vorschläge einzelner Teams.
Über die Regeln für das Auto der Zukunft selbst muss erst 2019 entschieden werden, da ist die Vorlaufzeit ja wesentlich kürzer als beim Motor. Die "Innereien" sollen öfters Einheitsteile werden, die sieht der Fan ja sowieso nicht. Fest steht zudem, dass ab 2021 wieder mehr der Fahrer im Mittelpunkt stehen soll und auch das Überholen vereinfacht werden soll.
Aber diese Versprechen haben wir schon öfters gehört.
Ferrari wird auch künftig eine Extra-Prämie bekommen. Aber Ferrari wird auch künftig eine Extra-Prämie bekommen. Aber "nur" mehr 50 Millionen/Dollar im Jahr.
Privatteams wie Williams sollen mit neuen Regeln überleben können. Und irgendwann auch wieder siegen.Privatteams wie Williams sollen mit neuen Regeln überleben können. Und irgendwann auch wieder siegen.
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