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HALL OF CHAMPIONS: NIKI LAUDA

HALL OF CHAMPIONS: NIKI LAUDA

Die Legende Niki Lauda

Die Motorsportwelt zittert mit Niki Lauda, der sich im Wiener AKH einer Lungentransplantation unterziehen musste. Aus unserer Reihe "Hall of Champions": Die einzigartige Story des Niki Lauda. Alles Gute, Niki!

ANDREAS NIKOLAUS "NIKI" LAUDA. Geboren am 22. Februar 1949 in Wien. Formel-1-Pilot von 1971 bis 1979 und von 1982 bis 1985. Weltmeister 1975, 1977 (FERRARI) und 1984 (MCLAREN).

Warum ist er in der Hall of Fame?
Weil die Geschichte des Niki Lauda weltweit zu den größten in der Historie des Sports zählt - und mit Grund (erfolgreich) von Hollywood verfilmt wurde. Knapp sieben Jahrzehnte prallen Lebens verdichtet in wenige Zeilen: Sohn aus einer Industriellenfamilie will gegen den Wunsch des mächtigen Großvaters Rennfahrer werden. Deshalb muss er existenzbedrohende Kredite aufnehmen, um sich den Traum von der Formel 1 zu erfüllen. Doch dort schafft er den Durchbruch, er kommt zu Ferrari und schafft es, das berühmteste Team der Welt mit einer noch nie gesehenen fast wissenschaftlichen Testarbeit aus einem Jahrzehnt der Niederlagen zu führen und endlich wieder zum Weltmeister zu machen. Ein Jahr später ist er Seriensieger, als er am Nürburgring crasht und schwerste Verbrennungen erleidet. Er bekommt vom Pfarrer die Letzte Ölung und Zeitungen schreiben, dass er - wenn er überhaupt überleben sollte - erst in drei Jahren wieder unter Menschen könne. Doch 42 Tage später wird Lauda Vierter beim Grand Prix von Monza mit einem Körper voller Brandnarben. Am Ende der Saison verliert er im letzten Rennen die WM an den Playboy James Hunt, weil er im strömenden Regen aufgibt und offen sagt, Angst zu haben. Von allen abgeschrieben wird er im Jahr darauf wieder Weltmeister - und verlässt Ferrari freiwillig, aus Prinzip und aus Ärger, weil das Team und sein Chef nicht an ihn geglaubt haben. Zwei Jahre später verlässt er die Formel 1 mit den Worten "nicht deppert im Kreis fahren zu wollen". Trotzdem kommt er wieder zurück und wird wieder Weltmeister in einem unglaublichen Showdown gegen seinen Teamrivalen Alain Prost. Lauda hört wieder auf, baut eine Fluglinie auf. Die Dramen gehen weiter: 1991 Absturz einer seiner Maschinen über Thailand, 223 Tote. Nikis Nieren gehen kaputt, er bekommt zwei Mal Spendernieren transplantiert, gründet und verkauft eine weitere Fluglinie - um Ende 2012 bei Mercedes anzuheuern und das Team gemeinsam mit Toto Wolff zu acht WM-Titeln in vier Jahren zu führen. Alles in einem einzigen Leben.

Wer sollte in seiner Laudatio unbedingt zitiert werden?
Merkwürdigerweise wahrscheinlich Lauda selbst - denn seine Aussagen sind oft eine Legende für sich. Obwohl er selbst unsere Idee hassen würde, denn er hat uns erzählt was ihn nervt: "Wo auch immer ich hinkomme, muss ich den Leuten was erzählen. Ich komme gar nicht dazu, Fragen zu stellen. Ofr fragt mich meine Frau Birgit dann, warum wir nicht sitzen bleiben? Dann sag ich zu ihr: Ich habe meine Leistung gebracht. Ich will dann nicht mehr, wen ich zum vierzigsten Mal gefragt werde, warum das Kapperl rot ist."
Also gut, dann hier noch einige andere Stimmen für eine "Laudatio" im wahrsten Sinn des Wortes. Etwa von Danielle Audetto, Ex-Teamchef von Ferrari und zu aktiven Zeiten eher ein Störenfried für Lauda: "Ich habe später auch mit Alonso und Senna gearbeitet - aber niemand hat die Formel 1 so stark verändert wie Niki." Inwiefern? "Der Erste, der sein Leben dem Rennsport unterordnete. Der Erste, der richtig Geld machte. Der Erste, der sich um Fitness kümmerte." Vor allem seine Testarbeit ist sagenumwoben: Vor Beginn seiner ersten Saison bei Ferrari (1974) hatte das Team plötzlich mehr Testkilometer am Tacho als alle anderen Teams zusammen.
Legendär ist freilich auch seine Sparsamkeit - doch sogar machte Lauda mit dem Werbesatz "Ich hab nichts zu verschenken." Agnes Carlier, die zu Marlboro-Zeiten seine PR-Frau war: "Nach dem WM-Titel bin ich mit Prost und Lauda wochenlang auf Promo-Tour gewesen. Plötzlich fragt Niki einen Journalisten um ein paar Dollar, um einen Kaugummi zu kaufen. Der Grund: Er hatte mit Prost gewettet auf der ganzen Tour keinen einzigen eigenen Dollar zu verbrauchen. Niki hat gewonnen."
Und drei Quotes von anderen Weltstars haben wir noch. Herbert von Karajan bewunderte Nikis Pianistenhände, Muhammad Ali erstaunte mit etwas konfusen Satz zu Niki: "I am the greatest. And you are the greatest!" Und Maler-Ikone Gottfried Helnwein portraitierte Niki und sagt: "Der Niki war der große Held, der den Österreichern ihren Minderwertigkeitskomplex nahm. Halb verbrannt hat er nicht aufgegeben und die Welt besiegt!"


Was war seine Sternstunde?
Wahrscheinlich Monaco 1973 im BRM. Er brillierte und brachte damit Enzo Ferrari auf die Idee, ihn zu holen. Für den Mythos freilich das Comeback-Rennen in Monza 1976 - 42 Tage nach dem Feuerinferno und gegen die Schikanen im eigenen Team auf Platz 4 gerast. Und dann wohl Zeltweg 1984, der einzige Heimsieg - und die Aufholjagd 1984 in Estoril, die ihn zum Weltmeister machte.

Wo war sein Wohnzimmer?
Monaco - vor allem auch, weil seine Verneigung samt Handkuss für Fürstin Gracia Patrizia zur Legende wurde.

Was hasst er?
Langeweile. Kein Wunder, dass er mit fast 70 noch ein weiteres Mal eine Fluglinie gekauft hat.

Was ist sein Antrieb?
Das hat uns Niki in einem Interview ganz offen verraten. Es war Hans Lauda, sein Großvater, der alles unternahm, um seine Rennkarriere zu verhindern. O-Ton-Niki: "Der dumme Großvater war erst die Triebfeder es besonders gut machen zu wollen." Hans Lauda starb im Jänner 1974, wenige Woche eher der Enkelssohn zum Weltstar wurde. Zur Versöhnung kam es nicht.
Geniales Ferrari-Wiederbelebungsduo: Rennleiter Luca Montezemolo, Niki (1974)Geniales Ferrari-Wiederbelebungsduo: Rennleiter Luca Montezemolo, Niki (1974)
Atemberaubende Erfolge: Mercedes-Bosse Wolff und Zetsche mit Aufsichtsrats-Chef und Teilhaber Lauda.Atemberaubende Erfolge: Mercedes-Bosse Wolff und Zetsche mit Aufsichtsrats-Chef und Teilhaber Lauda.
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