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RENAULT-LEGENDE ROB WHITE

"Ricciardo ehrt Renault!"

Rob White ist bei Renault eine Legende. Erst als Motorenchef, jetzt als Operations-Manager. Dabei ist er gar kein Renn-Fan. Bei uns spricht der Engländer über seine Ex-Schützlinge Alonso, Villeneuve, Mansell - und über Renaults große Zukunftshoffnung: Daniel Ricciardo.

Kaum ein Team in der Formel 1 verfügt über eine so flache Hierachie wie RenaultF1 - und kaum eines hat so viele Key-Player, die schon seit Jahrzehnten dabei sind - und es auch waren, als das Team 2005 und 2006 mit Fernando Alonso am Steuer das Beste der Welt war.
Jener Fernando Alonso, der an diesem Wochenende - zumindest vorläufig - aus der Formel 1 zurücktritt und der, was man nie vergessen sollte, alle seine WM-Titel mit Renault erobert hat.
Ein entscheidender Faktor damals war Rob White, geboren 1965. Der kam 2004 nach 17 Jahren bei Cosworth (u.a. betreute er die erfolgreiche Indy-Kampagne von Jacques Villeneuve) zu Renault ins Motorenwerk und da begann der Aufstieg. Mittlerweile ist er von Frankreich nach Enstone in die Formel-1-Fabrik gewechselt und als Operations Manager in führender Funktion im Team aktiv.

Wir alle wissen, dass 2019 für euch ein sehr wichtiges Jahr wird. Der Herbst ist eine sehr heikle Zeit, was die Vorbereitungen angeht. Welches Gefühl habt ihr?
"Sie haben vollkommen recht, es handelt sich um eine Schlüsselphase. In einigen Bereichen der Fabrik ist der Wasserstand in dieser Phase am niedrigsten, denn wir haben mehr oder weniger alle Teile für das diesjährige Auto bereits gefertigt.
Es steht nur noch die Herstellung von einigen Entwicklungsteilen bevor, wir brauchen aber kaum noch Ersatzteile. Wir haben  mit der Arbeit an vielen Teilen für 2019 begonnen, die eine lange Vorlaufzeit brauchen. Wir legen derzeit viel Wert auf die Einhaltung des Projekt-Managements. Der Großteil des Designteams konzentriert sich bereits auf das 2019er-Auto.
Es geht also beim Design um die Einhaltung des Zeitplans: Alles muss passen, damit die Teile rechtzeitig gefertigt und durch die Qualitätskontrolle gehen, ehe sie ans Auto geschraubt werden. Dieser Prozess läuft. Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, denn selbst wenn es so aussieht, als wären wir derzeit voll auf Kurs, können kleine Abweichungen im Winter und Frühling sehr schmerzhaft sein und sich rächen."


 Anfang Juli sah es so aus, als würdet ihr Platz vier in der Konstrukteurs-WM schaffen, aber dann sah plötzlich nicht mehr so gut aus...
"Das ist mir auch aufgefallen (lacht)."


 Es war vielleicht nicht so einfach, den Fokus in dieser Situation komplett auf das 2019er-Auto zu verschieben, als plötzlich Teams wie Haas oder Racing Point Force India den Druck erhöht haben.
"Ja, aber gerade da wurde die Entscheidung viel einfacher. Denn auf das aktuelle Auto konnten wir nun ohnehin nicht mehr viel Einfluss nehmen. Es ist daher im Grunde der einzige Weg, sich auf das 2019er-Auto zu konzentrieren. Es stimmt, dass wir im Sommer über die Verteilung der Ressourcen zwischen den aktuellen und dem künftigen Auto diskutiert haben.
Wir stehen voll in der Pflicht, mit dem 2019er-Auto einen Schritt nach vorne zu machen. Wir hatten also eine Zeitlang Schwierigkeiten, uns auf die richtige Strategie zu verständigen - und der Aufwind, den einige Teams hinter uns und um uns herum hatten, hat dazu geführt, dass wir unsere Taktik ändern mussten. Aber: Wir haben also länger am 2018er-Auto gearbeitet, als uns vor dem Sommer lieb war."

Rob White ist seit Jahrzehnten eine der einflussreichsten Persönlichkeiten bei Renault Sport.Rob White ist seit Jahrzehnten eine der einflussreichsten Persönlichkeiten bei Renault Sport.

Da es sich 2019 um das vierte Jahr seit dem Comeback handelt, ist das 2019er-Auto ein sehr wichtiges. Podestplätze werden ab nun als Ziel definiert. Und ihr habt mit Daniel Ricciardo nun einen absoluten Spitzenfahrer, daher ist es höchste Zeit, die Lücke zu den Top-3-Teams zu schließen. Wie wichtig ist in dieser Situation der Ricciardo-Faktor?
"Erstens ist Ricciardo ein guter Indikator, der zeigt, wie gut unser Paket ist. Denn sein Können ist längst vermessen. Zweitens handelt es sich um den Vertrauensbeweis von einem komplett unabhängigen und glaubwürdigen Beobachter - und zwar Daniel Ricciardo selbst. Das ehrt uns. Und drittens haben wir jetzt gemeinsam mit Nico Hülkenberg eine außergewöhnlich starke Fahrerpaarung, die bei allen im Team sehr beliebt ist. Klar haben wir dadurch mehr Druck. Wir wollen unbedingt Leistung zeigen - für die Fahrer, für die Besitzer und für die Marke."

In Österreich waren alle sehr überrascht, dass er nicht bei Red Bull blieb, sondern bei euch unterschrieben hat. Wie erstaunt seid ihr?
"Ich glaube, dass ich nicht die Berechtigung habe, überrascht oder nicht überrascht zu sein. Ich kenne ihn ein bisschen. Und ich kannte ihn in seiner Zeit bei Red Bull. Er ist ein außergewöhnlich talentierter Formel-1-Fahrer und jedes Team, das ihn in seinen Reihen hat, kann sich glücklich schätzen. Ich bin der Meinung, dass er der wahrscheinlich beste Überholer im Feld ist. Ich bin also eher stolz, als irgendwas anderes, dass Daniel zu uns gekommen ist.
Und ich freue mich, dass es unserem Boss gelungen ist, ihm unser Projekt auf eine Art und Weise näherzubringen, die ihn von uns überzeugt hat. Soweit ich weiß, ist das auf offene und ehrliche Weise und ohne Übertreibung passiert. Wir waren so realistisch wie möglich. Daher ist es eine Ehre und ein Privileg - und eine Herausforderung - für uns, dass Ricciardo an unserem Weg an die Spitze teilnimmt."


 Wir haben gesehen, dass durch den richtigen Fahrer im richtigen Moment einen Ruck durch die Mannschaft gehen kann, weil der das Team inspiriert und sich die Abläufe ändern. Mir fällt da Vettel bei Red Bull ein, denn damals hat das bei Red Bull und bei Adrian Newey etwas ausgelöst. Einen Glauben, mehr erreichen zu können.
"Ja, das kann wirklich für einen Ruck sorgen. Sie haben recht, dass großartige Fahrer bei ihren Teams für einen konkreten und spürbaren Effekt gesorgt haben. Wir wissen das von Schumacher bei Benetton und später bei Ferrari. Außerdem hat er dem Sport für alle Zeiten seinen Stempel aufgedrückt. Sie haben auch Sebastian erwähnt. Und das gilt auch für Fernando.
Wir wissen aber jetzt, dass wir den großartigen Fahrern im Auto nur Rechnung tragen können, wenn wir besser sind als je zuvor.
Einige von uns haben in der Vergangenheit Rennen gewonnen, andere auch Weltmeisterschaften, aber nichts von alldem wird ausreichen, um auch in Zukunft zu gewinnen. Die Formel 1 hat sich weiterentwickelt, die Konkurrenz ist größer, der Wettbewerb härter und die technische Herausforderung schwieriger.  Es handelt sich um einen Sport und nicht um ein Geschäft. Klar, es muss einen Businessplan geben, aber Zeit alleine wird nicht ausreichen, um diesen Plan umzusetzen. Es benötigt dafür Investitionen. Aber selbst das reicht nicht. Wir müssen das Team intern auf Vordermann bringen. Renault hat bislang verdammt viel Geld investiert und plant längerfristig mit der Formel 1. Jetzt ist es unsere Aufgabe, die Erwartungen zu erfüllen."

Alonso: Er holte alle seine Titel nur mit - Renault.Alonso: Er holte alle seine Titel nur mit - Renault.
Ricciardo folgt Sainz als Pilot. Und Alonso als Legende?Ricciardo folgt Sainz als Pilot. Und Alonso als Legende?

Wie anstrengend ist das für den Körper? Schlafen Sie eh genug?
"Schlafen ist eines der wenigen Dinge, in denen ich wirklich gut bin. Ganz ehrlich? Ich schlafe gut, wenn auch vielleicht nicht ganz so lang wie ich es gern hätte. Aber es stimmt, wir sind im Moment nicht dort, wo wir gerne sein würden. Das Saisonfinale wird sehr hart, und wir wissen, dass wir alles hinkriegen müssen, um den vierten Platz zu verteidigen, auch wenn wir diesen bereits gerne im Sack hätten. Es wird ein Kampf bis zum Schluss, aber ich glaube, dass wir es schaffen können. Wir müssen aber auch für 2019 ein Rennauto abliefern. Es ist unser Ziel, einen weiteren Schritt zu machen, der uns hoffentlich außer Reichweite unserer Verfolger bringt."


 Habt ihr im Dezember eine Weihnachtsfeier?
"Ja, haben wir."


 Ich frage Sie, weil Franz Tost mir von der Toro-Rosso-Party Ende August rund um Monza erzählt hat. Sie machen diese Feier statt der Weihnachtsfeier, weil er meint, dass im Dezember keine Zeit bleibt für eine Party. Was sagen Sie dazu? Oder sind Sie der Meinung, dass es wichtig für die Leute ist, ein bisschen Spaß zu haben, damit sie neue Energie tanken können?
"Franz ist ein toller Typ."


 Aber vielleicht kein großer Party-Tiger...
"Ich habe es zufällig erlebt, dass er so gut Party machen kann wie viele von euch Österreichern. Und ich weiß auch, dass eine Weihnachtsfeier für die Belegschaft und die Familien eine sehr wichtige Feier ist. Es ist ein großer Anlass und eine gute Gelegenheit, um die Leute zusammenzubringen, da ja auch das Rennteam im Winter in der Fabrik ist. Da kommen auch die Freundinnen, Freunde, Ehefrauen und Ehemänner. Dieses Jahr haben wir es nicht gemacht, aber alle paar Jahre haben wir einen Family-Day im Sommer. Es stimmt, dass der Dezember eine sehr stressige Zeit ist. Ein Beispiel: Ich hatte im Vorjahr auf dem Weg zur Weihnachtsfeier ein Meeting. Dennoch bin ich hingegangen und hatte dort Spaß. Wir werden also weiterhin Zeit freihalten für unsere Weihnachtsfeier im Dezember. Und möglicherweise werden wir sogar Herrn Todt einladen."


Fernando Alonso verlässt die Formel 1. Sind Sie traurig darüber? Nur Renault war imstande, ihn zum Weltmeister zu machen.
"Alonso ist ein Thema, das mich aus vielerlei Hinsicht interessiert. Ein Grund ist, dass ich wie viele Leute hier gute Erinnerungen an die Alonso-Jahre habe, in denen wir mit ihm zwei Fahrer- und zwei Konstrukteurs-Titel geholt haben. Ich habe seine Karriere, aber auch seinen Kampf im Vorjahr in Indianapolis verfolgt, denn ich habe in der Vergangenheit in den USA an IndyCar-Motoren gearbeitet. Es handelt sich um eine großartige Serie, und es wäre fantastisch, wenn Fernando Indianapolis gewinnt. Und wenn er eine ganze Saison fährt, dann würde er viel bessere Chancen haben, das Rennen zu gewinnen."


Glauben Sie, dass er das macht?
"Ich weiß es nicht. Ich habe keine Hintergrundinfos, aber als Beobachter und als Fan würde ich es toll für ihn und für den Sport finden. Und bin der Meinung, dass es der Formel 1 keinen Schaden zufügen würde. Ich erinnere mich an Piloten, die auf beiden Seiten des Atlantiks Titel geholt haben und war sogar bei Nigel Mansells Titel im Jahr 1993 im Umfeld. Und ich erinnere mich an Mario Andretti, der ein großartiger Formel-1-Fahrer, aber auch ein toller IndyCar-Fahrer war. Umgekehrt gab es weniger Fahrer, die es geschafft haben, aber Jacques Villeneuve war einer. Ich war bei seinem ersten IndyCar-Test vor Ort. Ich hoffe, dass Fernando sein Ziel erreicht, in Indianapolis zu gewinnen und die Triple-Crown schafft. Das haben bislang nicht viele geschafft.
Wissen Sie: Ich bin eigentlich gar kein großer Rennsport-Fan. Wegen meiner beruflichen Verbindung zum Rennsport habe ich aber ein tiefes Interesse dafür, und ich bin froh, dass es Millionen Menschen gibt, die sich die Rennen anschauen. Ich schaue mir die Rennen auch gerne an, aber ich habe den Verdacht, dass ich etwas weniger Interesse hätte, wenn ich nichts damit zu tun hätte."


 Vielleicht schafft ja Nico Hülkenberg die Triple-Crown. Er hat ja Le Mans schon gewonnen. Monaco schafft er mit euch - und dann kann er es in Indianapolis probieren...
"Ja, das stimmt. Ein guter Punkt! Und gut rübergebracht! Das zeigt, warum Sie der Journalist sind und ich ein Ingenieur... (lacht)." 

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