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PEUGEOT-CHEF IM INTERVIEW

Elektro und Diesel friedlich nebeneinander

Jean-Philippe Imparato hat Peugeot auf ein neues Level gehoben. Im Interview während der Wien-Visite erklärt der Markenlenker das Rekordjahr 2018 und spricht über die nächsten Topthemen: Warum Elektro- und Dieselantrieb friedlich nebeneinander existieren werden, unter welchen Voraussetzungen die atemberaubende e-Legend-Studie in Serie geht und was zu einer Existenzfrage für die europäische Autoindustrie werden könnte.
Peugeot hat sich nahezu komplett neu aufgestellt. Wie ist infolge dessen das Jahr 2018 gelaufen?
Imparato: „Seit 2013 haben wir uns grundlegend verändert, in Bezug auf Qualität, hinsichtlich Design und der Ausrichtung unserer Modellpalette. Resultat ist, dass wir 2018 erneut als Wachstumsjahr abgeschlossen haben. Unsere Verkäufe sind global das fünfte Jahr in Folge gestiegen – trotz dem Gegenwind, der ökonomisch durch Rückgänge in Märkten wie China und Südostasien, ökologisch durch Einführung der WLTP-Prüfnorm sowie politisch durch den Ausstieg aus dem Iran-Geschäft auf Druck der USA, auf uns zugekommen ist.
Zurückzuführen ist das auf unsere Strategie mit der Konzentration auf die Kernmodelle. Als SUV-Hersteller ist Peugeot als Marke - mit 2008, 3008 und 5008 - Marktführer in Europa. Gleichzeitig konnten wir unsere Werterhaltung, sprich Restwertrate um fünf Prozentpunkte auf fünfzehn steigern. Das ist eine anhaltende Tendenz, zu der neue Modelle wie der 508 und der 508 SW entscheidend beitragen werden.
Insgesamt hat die PSA-Gruppe im Vorjahr 3,878.000 Fahrzeuge verkauft, das ist Rekord. Eine Absatzsteigerung von 6,8 Prozent ebenfalls."
Erfolgsfaktoren: Peugeot ist SUV-Marktführer in Europa…Erfolgsfaktoren: Peugeot ist SUV-Marktführer in Europa…
…und hat die Innenraumqualität auf ein neues Level gehoben.…und hat die Innenraumqualität auf ein neues Level gehoben.
In welche Richtung geht es weiter?
„Mit unserer Elektrifizierungsoffensive. Die erstreckt sich auf alle Mitglieder der PSA-Familie. DS Automobiles macht mit dem DS3 Crossback auf Basis der neuen Multienergy-Plattform (EMP1) den Anfang. Die anderen Marken ziehen im Laufe des Jahres nach. Peugeot 508 und 508 SW kommen im Herbst als Plug-In-Hybride mit einer Kombination aus Benzin- und Strom-Motor, auch den 3008 gibt es dann mit dieser Antriebstechnik. Zur Elektrifizierung und zum Übergang in die Elektromobilität addieren sich eine Reihe weiterer Herausforderungen: Digitalisierung im Online-Handel, in der Forschung- und Entwicklung, in der Produktion. Dazu Konnektivität und Vernetzung sowie Automatisierung. Das alles ist unter der Prämisse der Sicherung der Freiheit individueller, leistbarer - und spontaner - Mobilität zu sehen."
Start der Elektrifizierungsoffensive: 508 SW, 508 und 3008 (v.l.n.r) kommen im Herbst 2019 als Plug-In-Hybride.Start der Elektrifizierungsoffensive: 508 SW, 508 und 3008 (v.l.n.r) kommen im Herbst 2019 als Plug-In-Hybride.
Wie wird die Löwen-Marke der nächst kommenden EU-Norm entsprechen?
„Wir bereiten das genauso gut vor wie wir es bei der Prüfverfahren-Umstellung getan haben, per 1. September war unsere komplette Modellpalette nach WLTP zertifiziert. Alle unsere Antriebe entsprechen der Euro 6d Temp-Norm. Es ist unsere größte Aufgabe für 2019, per 1.1.2020 mit sämtlichen kommenden Reglements kompatibel zu sein. Auf allen Linien. Das beinhaltet nicht nur den EU-Normen entsprechende Verbrenner und elektrifizierte Modelle, sondern ein täglich upgedatetes TCO-Monitoring der neu produzierten und der auf Lager stehenden Fahrzeuge, von den Werken bis zum kleinsten Händler."
 
Wird es, wie es sich bei etlichen anderen Herstellern einbürgert, reine Elektromodelle geben?
„Nein. Auch wenn wir jede unserer Modellreihen elektrifizieren wird es grundsätzlich weiterhin die Wahl des Antriebssystems geben. Und was wir unseren Kunden, ob privat oder im Business-to-Business-Geschäft, bieten wollen, das ist ein Peugeot. Und nicht irgendeine Google-Box. Wir haben auch nicht die Absicht, ein lokal emissionsfreies Modell gegen ein anderes, das die vorgeschriebenen Emissionsgrenzwerte überschreitet, aufzurechnen, um uns um die Vorschriften herum zu schummeln – und dabei Geld zu verlieren, weil solche Modelle aus verschiedenen Gründen, nicht nur wegen des vergleichsweise hohen Preises, nicht gekauft werden."
 
Denkt man bei Peugeot daran, den Diesel auszusortieren?
„Nein. Der Kunde wird weiterhin die Wahl haben, für welche Antriebsart er sich entscheidet, welche für ihn die geeignetste ist. Ob ein Verbrennungsmotor, Benziner oder Diesel, ob ein Hybrid- oder ein reiner Elektro-Antrieb."
Ohne Zwang: Reine Elektromodelle machen für Peugeot-Chef Jean-Philippe Imparato keinen Sinn. Peugeot wird alle Modellreihen elektrifizieren, aber dem Kunden weiterhin die Wahl lassen, ob er Benziner, Diesel, Hybrid- oder reinen Elektro-Antrieb will.Ohne Zwang: Reine Elektromodelle machen für Peugeot-Chef Jean-Philippe Imparato keinen Sinn. Peugeot wird alle Modellreihen elektrifizieren, aber dem Kunden weiterhin die Wahl lassen, ob er Benziner, Diesel, Hybrid- oder reinen Elektro-Antrieb will.
Ist Peugeot mit ausreichend Batterien versorgt und damit auf den Übergang in die elektrische Zukunft vorbereitet?
„Für die kommenden zwei bis drei Jahre: ja. Was die nächsten zehn Jahre betrifft: nein. Das ist eine Angelegenheit, die das gesamte europäische Wirtschaftssystem angeht, denn wie man weiß, liegt die Batterie-Herstellung derzeit fest in asiatischen – chinesischen und koreanischen – Händen. Es sind nicht nur wir, sondern alle europäischen Hersteller gefordert, sich mit dieser Situation zu konfrontieren und sich darauf einzustellen. Es wäre interessant, sich dazu eine gemeinsame Strategie zu überlegen, denn es wirft die Frage nach der Erhaltung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der europäischen automotiven Branche auf.”
 
Denkt man daran, selbst Akkus herzustellen?
„Das könnte sein. Alles muss diskutiert und durchdacht werden. Allerdings ist das auch eine Frage der Ressourcen. Und für uns ist 2019 in erster Linie das Jahr der Vorbereitung auf die Entsprechung der 95-Gramm-CO2-Schwelle und des Übergangs zur Elektromobilität.”
 
Inwieweit ist die Politik gefordert, diesen Übergang voranzutreiben?
„Mit Konkretem wie Infrastruktur. Wir brauchen Ladestationen. Es wird nicht gehen, einerseits von uns Elektrofahrzeuge zu fordern und andererseits keine Möglichkeit zu bieten, diese zu laden. Interessanterweise werden derzeit in ländlichen Regionen mehr Strom-betriebene Autos verkauft als in urbanen, wo sich die Elektromobiliät ja eigentlich etablieren soll. Auf dem Land können Elektroautos in der Regel über Nacht im eigenen Haus geladen werden. In der Stadt, ob klein oder groß – wie Paris und Wien – ist flächendeckendes Laden im dicht besiedelten Gebiet derzeit noch nicht möglich. Speziell für private Käufer. Im B&B-Bereich sieht es etwas anders aus, da kann man möglicherweise tagsüber am Firmenstandort laden.”
Wichtig für Europa. Die Batterieherstellung liegt derzeit fest in asiatischen – chinesischen und koreanischen – Händen, das „wirft die Frage nach der Erhaltung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der europäischen Autobranche aufWichtig für Europa. Die Batterieherstellung liegt derzeit fest in asiatischen – chinesischen und koreanischen – Händen, das „wirft die Frage nach der Erhaltung der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der europäischen Autobranche auf".
Als Hersteller ist die Löwenmarke aus der Rallyecross-WM ausgestiegen. Bedeutet das ein Ende des Motorsports für Peugeot?
„Das würde ich nicht sagen. Das Sport-Engagement in der PSA-Gruppe ist eine Angelegenheit der Marken. DS ist in der Formel E, Citroën in der WRC, und für uns hat die WRX-Serie die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Also verwenden wir jetzt die frei gewordenen Ressourcen für die aktuellen Dringlichkeiten. Wenn wir wieder über Motorsport nachdenken, dann nach 2021. Aber Resultate sind nicht vor 2030 zu erwarten. Und sie werden sich strikt innerhalb der dann gültigen Rahmenbedingungen bewegen. Auch wenn ich den Motorsport – ebenso wie Autos grundsätzlich – liebe, mit allem, was bislang dazugehört hat, V8-Motoren und so weiter... Aber die Zeiten ändern sich. Ich sehe dem positiv entgegen, schließlich haben wir es in unseren bisher 208 Jahre Historie mit mannigfaltigen Änderungen zu tun gehabt. Und ich sehe es als meinen Auftrag, jetzt die nächsten zweihundert Jahre Geschichte vorzubereiten.”
 
Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang das e-Legend Concept?
„Für uns ist es eine Demonstration, wie die Zukunft von Peugeot unter Einbeziehung unserer Geschichte aussehen kann. Der e-Legend hat aber nicht nur mit Elektromobilität etwas zu tun, sondern auch mit der Automatisierung des Fahrens.”
 
Hat dieser Prototyp in irgendeiner Form Chance auf Serien-Realisierung?
”Ich habe nach der Präsentation in Paris unendlich viele Rückmeldungen darauf erhalten. Um dieses Modell in Serie auf die Straße zu bringen müssten wir mit 250 Millionen Euro Kosten kalkulieren und mindestens 20.000 Käufer finden, die zwischen siebzig- und achtzigtausend Euro dafür bezahlen.”
Serienfertigung? Im Interview erklärt Jean-Philippe Imparato den Business Case für das atemberaubende e-Legend Concept (hier neben seiner Inspirationsquelle, dem legendären 504 Coupé): „20.000 Käufer, die zwischen siebzig- und achtzigtausend Euro für das Auto bezahlen.”Serienfertigung? Im Interview erklärt Jean-Philippe Imparato den Business Case für das atemberaubende e-Legend Concept (hier neben seiner Inspirationsquelle, dem legendären 504 Coupé): „20.000 Käufer, die zwischen siebzig- und achtzigtausend Euro für das Auto bezahlen.”
Peugeot hat jetzt fast alle Modell-Linien – bei Pkw und LCV (leichte Nutzfahrzeuge) – entweder komplett neu aufgestellt oder erneuert? Fehlen noch die Subkompakten und die Kompakten. Welches wird das nächste Modell sein?
„Wir werden bis 26. Februar, noch vor dem Autosalon in Genf, zwei neue, aufregenden Modelle präsentieren.”
 
Mit welcher Philosophie geht Peugeot die nächsten 200 Jahre Historie an?
„Mit Freude am Fahren und am Fahrzeug. Mit Gelassenheit beziehungsweise der Sicherheit, dass wir uns in jeder Hinsicht an die Spielregeln halten. Und mit Unkompliziertheit, damit unsere Kunden voll auf unsere Produkte vertrauen können, auf allen Ebenen. Wir wollen das Vergnügen und die Freude an unseren Fahrzeugen erhalten, wie auch immer die künftig aussehen und wie auch immer die in Zukunft angetrieben werden. Spaß müssen sie machen.”
Motorprofis-Mitarbeiterin Beatrix Keckeis-Hiller sprach mit Jean-Philippe Imparato. Der Franzose und deklarierte Auto-Mensch ist seit 2016 CEO von Peugeot.Motorprofis-Mitarbeiterin Beatrix Keckeis-Hiller sprach mit Jean-Philippe Imparato. Der Franzose und deklarierte Auto-Mensch ist seit 2016 CEO von Peugeot.
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