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ERSTER TEST: CUPRA ATECA

Eine neue Spielidee aus Barcelona

Ein kompaktes SUV mit dem 300-PS-Fahrerlebnis von Golf R und Co. – das gab es bisher noch nicht. Neu ist auch die Marke dahinter: Der Katalane fährt unter Cupra-Flagge.
Worum geht es?
Letztlich immer noch um die gute alte GTI-Idee: Braver Volkswagen fährt dem Establishment davon. Mit diesem Konzept bespielen die Hersteller inzwischen das halbe Alphabet (AMG, GSi, M, N, R, RS, S…) und bieten dabei bis zu 400 PS auf. Jetzt kommt Seat mit einer neuen Spielart des Themas und tunt erstmals eines der boomenden Kompakt-SUVs zum Leistungssportler. Die Fahrleistungen des neuen Cupra Ateca gab es im SUV-Bereich bisher nur in deutlich größeren und am Ende der Konfiguration wohl doppelt so teuren Modellen wie Porsche Macan und Audi SQ5.
Die korrekte Anrede lautet tatsächlich Cupra Ateca, Seat kommt in der neuen Nomenklatur nicht mehr vor. Die VW-Tochter aus Barcelona löst ihre Cupra-Modelle aus dem eigenen Portfolio heraus und führt sie in einer separaten Sportmarke. Natürlich handelt es sich weiterhin um werksgetunten Seats, aber als Markenlogo fungiert nun ein kupferfarbenes Dreieck im Tattoo-Stil. Chef von Cupra ist ein Mann, der weiß was er tut, Antonio Labate war viele Jahre in leitender Position bei Abart. Dementsprechend geht auch die Positionierung von Cupra in Richtung sportliche Hipstermarke: In der werblichen Bildwelt tummeln sich Mittvierziger mit Bärten und in den Zukunftsplänen spielt der elektrische e-Racer, um den ab 2020 die Elektro-Tourenwagenserie e-TCR starten soll, eine wichtige Rolle.
Ob Cupra so cool werden kann wie Abarth? „Bei Abarth haben wir mit der Geschichte gearbeitet, bei Cupra schreiben wir eine neue Geschichte”, erklärt Labate und meint damit nicht zuletzt elektrifizierte Sportmodelle und Rennwagen. Cupra neben Seat eigenständig zu positionieren, wird eine Aufgabe werden, aber für die Spanier, die so schnell wachsen wie keine andere Marke, scheint derzeit einiges möglich: Hätten Sie vor ein paar Jahren gedacht, dass so mancher Seat mehr Begehrlichkeiten weckt als der vergleichbare VW? Oder das sich Seat auf Platz drei im österreichischen Markenranking vorarbeitet?
Die korrekte Anrede ist Cupra Ateca, Seat kommt in der Nomenklatur nicht mehr vor. Markenlogo im Tattoo-Stil.Die korrekte Anrede ist Cupra Ateca, Seat kommt in der Nomenklatur nicht mehr vor. Markenlogo im Tattoo-Stil.
Was bietet der Cupra Ateca in sportlicher Hinsicht auf?
Aus dem Konzernregal kommen: Zweiliter-Turbobenziner mit 300 PS und 400 Newtonmetern, Siebengang-DSG, Allradantrieb, adaptive Fahrwerksregelung.
Die Felgen haben serienmäßig 19-Zoll-Format (überraschenderweise bleibt trotzdem recht viel Platz zwischen Pneu und Radhaus frei), das SUV wurde 10 Millimeter tiefer gelegt (sie erkennen die Ironie…), optional kommen tolle Schalensitze (empfehlenswert) und noch tollere Brembo-Bremsen (auch empfehlenswert) dazu.
Optisch entfernt sich der Cupra nicht zu stark vom normalen Ateca: Die Stoßfänger wurden dezent verändert und die Seat-Logos rundum durch Cupra-Badges ersetzt. Bei allem Understatement machen freilich die vier – echten – Auspuffendrohre und die Brembo-Bremsanlage unmissverständlich klar, worum es hier geht. Wer mehr Aufmerksamkeit will, bekommt sie mit den, passend zum neuen Logo, kupferfarbenen Felgen optional.
Innen ist das konfigurierbare Digital-Cockpit serienmäßig, für schnelle Etappen ideal ist die Layout-Variante mit riesigem Drehzahlmesser in der Mitte. Die Cupra-Statements kommen über kupferfarbene Ziernähte und Carbon-Dekor, aber alles dezent. Das Understatement des Außendesigns wird also fortgeführt, abermals gibt es mit den Schalensitzen jedoch einen unzweideutigen Hinweis auf die sportlichen Absichten.
Bei allem Understatement, die vier – echten – Auspuffendrohre machen schon unmissverständlich klar, worum es hier geht.Bei allem Understatement, die vier – echten – Auspuffendrohre machen schon unmissverständlich klar, worum es hier geht.
Tolle Schalensitze. Nicht im Bild: Sound der Kultmarke Beats.Tolle Schalensitze. Nicht im Bild: Sound der Kultmarke Beats.
Optional: erhöhte Aufmerksamkeit durch kupferfarbene Felgen.Optional: erhöhte Aufmerksamkeit durch kupferfarbene Felgen.
Konfigurierbares Digital-Cockpit, hier in der sportlich gesehen idealen Layout-Variante mit Drehzahlmesser in der Mitte. Cupra-Statements über kupferfarbene Ziernähte und Carbon-Dekor, aber alles dezent.Konfigurierbares Digital-Cockpit, hier in der sportlich gesehen idealen Layout-Variante mit Drehzahlmesser in der Mitte. Cupra-Statements über kupferfarbene Ziernähte und Carbon-Dekor, aber alles dezent.
Es gibt derzeit kein Auto, das annähernd mit dem Cupra Ateca vergleichbar wäre. Wie dynamisch ist der erste Leistungssportler unter den Kompakt-SUV?
Das Fahrgefühl ist allradgetriebenen Kompakten aus der 300-PS-Liga, wie zum Beispiel Golf R und Leon ST Cupra, sehr ähnlich: Die Beschleunigung ist aufgrund des Mehrgewichts im Zehntelsekundenbereich schlechter, mit 5,2 Sekunden aber immer noch brachial wie in einem Sportwagen. Die Seitenneigung ist durch den höheren Schwerpunkt etwa stärker, aber speziell in den dynamischen Modi (Sport/Cupra) lenkt der Ateca agil ein und realisiert sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten. Der Allrad verhindert Rucken und Zucken, der Cupra Ateca ist in Kurven kein zappeliger Spieler, sondern stoisch schnell. Die Bremsleistung ist mit den Brembo-Zangen herausragend gut.
Fliehkräfte dieser Art sind der Familie in der Regel freilich unzumutbar, woraus sich zwischenzeitlich Bedarf für einen Komfort-Modus ergibt: Darin entspannt sich das Fahrwerk von „sehr hart“ auf „straff“, was den Cupra Ateca nicht zum sanften Gleiter macht, aber definitiv langestreckentauglich. Zumal die Innengeräusche recht dezent sind und der Autobahnverbrauch im Rahmen bleibt, wie würden da nach dem ersten Test mit gut neun Litern kalkulieren.
Sound-Engineering definiert Cupra nicht so exzentrisch wie etwa Abarth. Der Ateca röhrt beim Gasgeben und knallt beim Gaswegnehmen, beides klingt gut, ist aber nicht sehr laut. Sehr gut und laut ist dagegen das Soundsystem der momentan superhippen Kopfhöhrermarke Beats (optional, sehr empfehlenswert).
Beschleunigung? Brachial wie im Sportwagen. Langstrecke? Durchaus, im Komfort-Modus entspannt sich das Fahrwerk von „sehr hart“ auf „straff“.Beschleunigung? Brachial wie im Sportwagen. Langstrecke? Durchaus, im Komfort-Modus entspannt sich das Fahrwerk von „sehr hart“ auf „straff“.
Wie viel kostet der Cupra Ateca. Wann startet er in Österreich?
Österreich-Start Anfang Dezember. Basispreis 46.990 Euro, sehr viel Ausstattung bereits inklusive. Relevante Extras sind nur die Schalensitze (1.955 Euro), das Beats-Soundsystem (745 Euro) und das Performance-Paket mit Edelfelgen und Brembo-Bremsanlage (3.950 Euro). Der Cupra Ateca ist also nicht günstig, aber bisher musste man für echte Sport-SUVs in die höheren Klassen und am Ende doppelt soviel ausgeben.
 
Wie fällt das Fazit aus?
Mit einem Kompakt-SUV an die sportlichen Grenzen zu gehen, ist eine völlig neue Spielart – und sie funktioniert: Der Cupra Ateca ist sportlich gesehen nicht so weit weg von Golf R und Co., bietet aber gleichzeitig familienfreundliche Platzverhältnisse. Und auch wenn man im Familien-Arbeits-Alltag nicht jeden Tag die Gelegenheit zum (Kurven-)Sport hat: An der porscheartigen Beschleunigung oder schönen Devotionalien wie Schalensitzen, Brembo-Bremsen und Vierrohrauspuff kann man sich auch am Weg in die Arbeit oder zum Kindergarten erfreuen.
Motorprofis-Tester Fabian Steiner gefällt die Mischung: „Der Cupra Ateca ist sportlich gesehen nicht so weit weg von Golf R und Co., bietet aber gleichzeitig familienfreundliche Platzverhältnisse. Mit einem Kompakt-SUV an die sportlichen Grenzen zu gehen, ist eine neue Spielart, die funktioniert. Cupra neben Seat eigenständig zu positionieren, wird eine Aufgabe werden, aber für die Spanier, die so schnell wachsen wie keine andere Marke, scheint derzeit einiges möglich.Motorprofis-Tester Fabian Steiner gefällt die Mischung: „Der Cupra Ateca ist sportlich gesehen nicht so weit weg von Golf R und Co., bietet aber gleichzeitig familienfreundliche Platzverhältnisse. Mit einem Kompakt-SUV an die sportlichen Grenzen zu gehen, ist eine neue Spielart, die funktioniert. Cupra neben Seat eigenständig zu positionieren, wird eine Aufgabe werden, aber für die Spanier, die so schnell wachsen wie keine andere Marke, scheint derzeit einiges möglich."

DATEN & FAKTEN

CUPRA ATECA

(Oktober 2018)

Preis

Basispreis 46.990 Euro. Extras u.a.: Schalensitze (1.955 Euro), Beats-Soundsystem (745 Euro), Performance-Paket mit Cupra-Felgen und Brembo-Bremsanlage (3.950 Euro).

Antrieb

4 Zylinder-Turbo-Benziner, TSI-Direkteinspritzung,, 1.984 ccm, 300 PS bei 5.300–6.500 U/min, 400 Nm bei 2.000–5.200 U/min, 7-Gang-DSG-Getriebe mit Start-Stopp, Allradantrieb 4Drive.

Abmessungen

Länge / Breite / Höhe 4.376 / 1.841 / 1.611 mm. Gepäckraumvolumen 485 Liter.

Gewicht

Leergewicht mit Fahrer 1.615 kg, Zulässiges Gesamtgewicht 2.150 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 247 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h 5,2 sec.

Testverbrauch

Verbrauch nach WLTP-Zyklus 8,5–8,9 Liter. Testverbrauch folgt im Intensivtest.
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