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ERSTER TEST: SEAT ATECA

Können die Spanier jetzt auch SUV?

Seat hat sich mit Leon und Ibiza etabliert. Jetzt will die spanische VW-Tochter bei den SUV angreifen. Beim ersten Test sind Tiguan und Audi ein Thema, es gibt eine echte Überraschung, aber es fehlt auch was. Ist das spanische SUV-Debüt gelungen?

Seat galt lange als Problemfall im VW-Konzern. Wie geht es der Marke derzeit?
Die Spanier haben schwierige Jahre hinter sich, geprägt von stagnierenden Absatz- und roten Ergebniszahlen. Das ist vorbei: Den Umschwung brachte vor drei Jahren der Leon, der Kompakte entwickelte sich zur zweiten Säule neben dem Ibiza.


Was macht Seat heute anders als noch vor ein paar Jahren?
Die Spanier sind frech geworden. Sie bringen flottes Design, das die Jungen anspricht und mit aufwändigen Details ähnlichen Premium-Charakter wie VW und Audi hat. Zudem warten sie in Barcelona jetzt nicht mehr, bis sich VW und Audi im Konzernbaukasten bedient haben, sondern greifen sofort zu, manchmal sogar vor den Schwestermarken.


Wie groß ist der Ateca? Gegen wen tritt er an?
Mit 4,36 Metern Länge ist er nur 13 Zentimeter kürzer als der neue Tiguan, also eine echte Alternative mit günstigerem Preis. Zu den optisch und technisch stärksten Gegnern zählen auch Nissan Qashqai, Hyundai Tucson, Kia Sportage, Renault Kadjar. Wir würden aber auch BMW X1 und Audi Q3 in die gleiche Liga einordnen.

Ein Seat soll BMW und Audi gefährlich werden? Ist das nicht etwas übertrieben?
Wenn man sich das Markenimage wegdenkt, ist es nicht übertrieben. Bester Beweis ist das Design: Schöne Proportionen und scharf herausgearbeitete Kanten in der Seitenlinie. Aufwändiges Flächenspiel am Heck, das für uns die schönste Seite des Ateca ist. Dazu edles Lichtdesign vorne und hinten, schmale Spaltmaße und auffallend präzise Verarbeitung. Sich dieses Auto als Audi vorzustellen, ist nicht abwegig.

ERSTER TEST: SEAT ATECA. Können die Spanier jetzt auch SUV?

 
Steigen wir ein. Fühlt man sich wie in einem SUV oder eher wie in einem hochgestellten Leon?
Seat hat die Sitzposition gegenüber dem Leon gerade soweit angehoben, dass man auf herkömmliche Autos ein wenig herunterschauen kann. Man hebt sich etwas ab, ohne aber ausgesprochen hoch zu sitzen. Das ist praktisch beim Einstieg, weil man nicht nach oben klettern muss, eine vom Rest entrückte Sitzposition wie bei den größerer SUV’s hat man hier aber nicht. Ähnlich das Raumgefühl auf den vorderen Sitzen: Doch etwas geräumiger als im Leon, aber auch nicht grundlegend anders. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Design vom hauseigenen Kompaktklassemodell übernommen wurde. Wie üblich im VW-Konzern ist die Ergonomie tadellos und die Bedienung vollkommen rätselfrei. Die verwendeten Materialien wirken noch einen Tick hochwertiger als im Leon.

Und das Platzangebot? Wie familienfreundlich ist ein Ateca?
Eine vierköpfige Familien bringt ihr Gepäck locker unter: 515 Liter Kofferraumvolumen sind ziemlich großzügig, die Allradversion bietet mit 485 Litern nur eine Spur weniger Platz. Auch das maximale Ladevolumen ist mit rund 1600 Litern sehr ordentlich. Nur eine verschiebbare Rückbank gibt es nicht.
 
Sind die Multimedia-Systeme auf Höhe der Zeit?
Absolut. Der Touchscreen hat bis zu 20,3 Zentimeter Durchmesser. Alle modernen Funktionen sind verfügbar, inklusive Apple CarPlay, Android Auto und MirrowLink für die umfassende Smartphone-Einbindung.

Sportler oder Komfortkutsche – wie fährt sich der Ateca?
Das Ateca-Fahrwerk ist eine solide Mischung ohne Überraschungen. Grundsätzlich ist es eher auf der strafferen Seite, wodurch kurze Stöße manchmal durchdringen, vor allem auf der Langstrecke ist der Ateca aber ein guter Reisebegleiter. Er gleitet komfortabel über die Autobahn und es bleibt Innen ziemlich leise. Auch in den Kurven wurde auf Ausgewogenheit geachtet: Natürlich neigt sich der Ateca bei Richtungswechseln etwas mehr als der Leon, viel weniger flott geht er deshalb aber nicht durch die Kurven. Eine adaptive Dämpferverstellung, die den Spagat zwischen Sport und Komfort weiter dehnt, steht nicht in der Extraliste, Seat wird sie aber 2017 nachreichen.
 
Welche Motor- und Ausstattungsvariante ist zu empfehlen?
Das ist wirklich überraschend! Entgegen der Erwartungen ist uns der 150 PS starke Turbo-Benziner mit Handschaltgetriebe am sympathischsten: der 1,4 TSI ist speziell bei niedrigeren Drehzahlen extrem laufruhig, gleichzeitig zieht er von unten raus gut an. Auch das Sechsgang-Handschaltgetriebe ist sehr angenehm zu schalten und lässt das Auto noch etwas spontaner und agiler wirken als mit der DSG-Automatik. Wir schätzen den Mehrverbrauch gegenüber dem gleich starken Diesel auf rund 1, 5 Liter, unter Strich dürfte man bei gut sieben Litern im Gesamtschnitt landen. Damit ist der 1,4 TSI auch wirtschaftlich sinnvoller, denn er ist 2.200 Euro günstiger als der 2,0 TDI mit 150 PS. Ebenfalls aus Kostengründen würden wir auf Allrad verzichten, die 2WD-Version fährt genauso souverän und Schneefahrbahnen sind bei uns selten geworden.
 
Wie viel kostet diese Variante?
Der 1,4 TSI mit Schaltgetriebe, Frontantrieb und Style-Ausstattung kommt auf 26.590 Euro, dazu empfiehlt sich das Österreich-Paket um 1.390 Euro. Man bleibt gesamt unter 28.000 Euro und hat ein hochwertiges Auto mit Feinheiten wie feschen 17-Zoll-Alufelgen, edlen Voll-LED-Scheinwerfer, adaptivem Tempomat und großem Multimediasystem mit 20,3-Zoll-Bildschirm.

Und wenn es doch ein Diesel sein soll? Sind die TDI angenehm zu fahren?
Der 2,0 TDI mit 150 PS ist akustisch präsenter als der gleich starke Benziner, aber nie laut. Tolle Verbrauchswerte zwischen fünf und sechs Litern sind in der Praxis zu erzielen. Die optionale DSG-Automatik ist in der normalen Konfiguration etwas defensiv abgestimmt, drückt man die Sporttaste, passt die Abstimmung besser. Allrad? Gibt es für den 2,0 TDI mit 150 PS nur als Handschalter, die DSG-Variante folgt nächstes Jahr. Für die Kombination Allrad-Diesel-Automatik muss man bis dahin auf zum 190-PS-TDI in Topausstattung Xcellence greifen, da wird es mit 37.490 Euro allerdings schon ziemlich teuer.
 
Seat spricht von 19.990 Euro Einstiegspreis, gibt es in dieser Preisregion auch eine Variante, mit der man glücklich wird?
Die Einstiegsmotorisierung 1,0 TSI stand leider noch nicht für Tests zur Verfügung, daher können wir nicht sagen, ob der kleine Motor eine Überlegung ist: Bei der Leistung von 115 PS machen wir uns eigentlich keine Sorgen, aber vor allem akustisch muss man sehen, wie sich der Dreizylinder im Ateca macht. Falls der 1,0 TSI überzeugt, wäre das jedenfalls gut für den Gelbeutel: Nimmt man das Österreich-Paket um 1.390 Euro dazu, hätte man die essentiellen Dinge wie 2-Zonen-Klimaautomatik, 16-Zoll-Alufelgen, Einparkhilfe und Tempomat auch an Bord – und nur 21.380 Euro ausgegeben.

Ein letztes Wort noch: Was bleibt vom Ateca-Debüt?
Seat ist der Einstieg in das SUV-Segment sehr gut gelungen: Design und Fahreindruck sind souverän wie bei einem Routinier. Ob es der jugendlichen Marke Seat gelingen wird, auch die Jungen in das nicht ganz billige, von älteren Kunden dominierte Kompakt-SUV-Segment zu bringen, bleibt abzuwarten. Die Älteren werden auf jeden Fall zuschlagen.
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