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TEST: ALLRAD VON SEAT

Spanier lieben den Winter

Seat hat sich zur Allradmarke entwickelt: Moderne Konzerntechnik soll die Autos aus Barcelona auch im Winter zu Schienenfahrzeugen machen. Wir haben Tourenwagen-Europameister Mario Dablander beim 4Drive-Test auf Eis und Schnee begleitet.
Bekommt man bei Seat ein modernes Allradsystem?
4Drive, wie Seat seinen Allradantrieb nennt, basiert auf der fünften Generation des Haldex-Systems. Das wird in dieser Form unter anderem auch von VW (Golf, Passat), Skoda (Octavia, Kodiaq) und Audi (A3, TT) eingesetzt.

Wie funktioniert 4Drive konkret?
In der Regel fließt die Kraft zu den Vorderrädern, sobald dort Grip fehlt, schalten sich die Hinterräder zu. Durch die Umverteilung in Millisekunden kann ein Traktionsverlust nahezu ausgeschlossen werden. Neben der Haldexkupplung, die als Längssperre wirkt, wird über die (ESP-)Elektronik auch innerhalb der Achse reguliert. In schnellen Kurven zum Beispiel: da bremst 4Drive die inneren Räder ab, sobald sie zu sehr entlastet werden. So wird das Lenkverhalten optimiert.
 
Wir fragen den Rennfahrer am Steuer, Tourenwagen-Europameister Mario Dablander: Mario, welche Vorteile hat 4Drive gegenüber dem Frontantrieb?
Mario: „4Drive macht das Auto vor allem sicherer, auf Schnee und Eis wie hier beim Test, aber auch das ganze Jahr über bei Nässe, das darf man nicht vergessen. Das Anfahren, Bergaufpassagen und vor allem Kurven sind Situationen, in denen der Allrad Stabilität reinbringt“.
Europameister beim Allrad-Test: Mario Dablander ist der Seat-Spezialist unter den österreichischen Rennfahrern.Europameister beim Allrad-Test: Mario Dablander ist der Seat-Spezialist unter den österreichischen Rennfahrern.
Ist das nur in Extremsituationen relevant oder auch im Alltag? Wir fragen nach einem Beispiel aus der Praxis: Mario, wie merkt der Fahrer den Allradvorteil konkret?
Mario: „Ein Beispiel: Während der Kurvenfahrt kannst Du bei Schneefahrban, aber auch bei Nässe, schnell ins Untersteuern kommen. Dann kann die Vorderachse die Kraft nicht mehr Übertragen, das Auto rutscht geradeaus. Beim Allradauto wird in diesem Moment die Kraft von der Vorderachse genommen und nach hinten umgeleitet. Für den Fahrer heißt das: Statt in einem rutschenden Auto zu sitzen, fährt er wie auf Schienen um die Kurve.“

Wobei die Physik natürlich auch einem Allradauto Grenzen setzt?
Mario: „Natürlich, wer viel zu schnell in die Kurve fährt, kriegt immer Probleme. Und ein wichtiger Aspekt für den Grip bleibt natürlich auch der Reifen, die einzige Verbindung zwischen Auto und Fahrbahn. Gute Reifen sind sehr wichtig.“

Hat der Allrad bei Seat auch eine sportlichen Aspekt?
Mario: „Zunächst in der Beschleunigung, in den ersten drei Gängen wird die Kraft besser übertragen. Und speziell bei starken Modellen wie dem Leon Cupra hilft der Allrad auch in Kurven“.
Seat bietet 4Drive für den Leon ST Cupra (300 PS; imBild) an, aber auch für den „normalenSeat bietet 4Drive für den Leon ST Cupra (300 PS; imBild) an, aber auch für den „normalen" Leon ST, den Ateca und den Alhambra.
Du würdest den 300 PS starken Leon Cupra – den es wahlweise mit Front- oder Allradantrieb gibt – also mit 4Drive nehmen?
Mario: „Ja. Trotz der Sperren stößt man beim Cupra mit Frontantrieb schneller an die Grenzen der Physik. Da ist der Allrad-Cupra dann schneller. Mehrgewicht und Mehrverbrauch sind bei modernen Allradsystem auch sehr moderat. Also ja, ich würde Allrad nehmen.“

Den Leon Cupra gibt es aber derzeit nur als Kombi?
Mario: „Für mich als Familienvater passt das ja wunderbar. Ich würde mir aber wünschen, dass Seat die Cupra-Varianten von Fünftürer und Coupé auch mit Allrad-Option anbietet“.

Danke für die Testfahrt, Mario!
Mario: „Gerne, waren super Bedingungen hier, hat Spaß gemacht“.
Europameister Mario Dablander: „Allrad ist Sicherheit, hat zum Beispiel beim Cupra aber auch sportliche AspekteEuropameister Mario Dablander: „Allrad ist Sicherheit, hat zum Beispiel beim Cupra aber auch sportliche Aspekte".
Schauen wir jetzt noch auf das 4Drive-Angebot. Für welche Seat-Modelle ist Allrad eigentlich verfügbar?
Für den Leon ST, also die Kombiversion des Kompakten, gibt es 4Drive in Kombination mit dem 150-PS-TDI sowie Schaltgetriebe oder Automatik. Bei der im Offroad-Look gestylten Variante Leon ST X-PERIENCE kann man Allrad auch mit 184-PS-Diesel und Automatik ordern. Für den Van Alhambra gibt es 4Drive ebenfalls mit 150 oder 184 Diesel-PS, die schwächere Variante als Handschalter, die stärkere mit Automatik. Bei den SUV verzichtet der neue Arona – wie auch die kleinen Crossover der Konkurrenz – auf Allradantrieb, im größeren Ateca gibt es Allrad für die Benzinmodelle (150 PS, Schalter und Automatik) und die Dieselmodelle (150 PS mit Schalter, 190 PS mit Automatik).
 
Wie schaut es preislich aus? Wie hoch ist der Allrad-Aufpreis und wie viel muss man für Allradautos bei Seat einplanen?
Der Allrad-Aufpreis ist moderat, er liegt bei Seat im Bereich 1.800 bis 2.200 Euro. Beim Kombi Leon ST kostet das günstigste Allradmodell 27.640 Euro. Der 300 PS starken Leon ST Cupra kostet mit 4Drive 44.540 Euro. Beim Ateca ist Allrad ab 29.690 Euro an Bord. Der Allrad-Einstig beim Alhamabra liegt bei 38.590 Euro.


Mario Dablander ist der Seat-Spezialist unter den österreichischen Rennfahrern: 2013 war er auf Seat Tourenwagen-Europameister (FIA European Touring Car Champion), drei Jahre fuhr er im Seat-Markenpokal (SEAT Leon Supercopa). Weitere Engagements könnten folgen – Marios Rennhunger ist längst nicht gestillt.
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