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TEST: SEAT LEON ST TGI

TEST: SEAT LEON ST TGI

Wenn der Sprit die Hälfte kostet

Tanken zum halben Preis? Der Leon mit Erdgasantrieb macht es möglich. Wie sich der TGI im Vergleich zu TDI und TSI schlägt und warum er (noch) ein Geheimtipp ist.
Wie kann der Erdgas-Leon an der Tankstelle so günstig wegkommen?
Weil ein Kilo Erdgas 15 Kilowattstunden Energie enthält und in Österreich an der Tankstelle zwischen 80 Cent (Innsbruck) und 1,10 Euro (Wien) kostet – während ein Liter Benzin nur 8,8 Kilowattstunden Energie und ein Liter Diesel 10 Kilowattstunden Enthält liefert, beide Kraftstoffe an der Zapfsäule aber teurer verkauft werden (Grund dafür ist auch die höhere Besteuerung).
Daraus folgt unterm Strich die simple Erkenntnis: 35 bis 50 Prozent weniger Treibstoffkosten beim Erdgasauto.

Wie sieht die Umweltbilanz aus?
Exzellent. CO2-Emissionen sind bei Erdgasfahrzeugen wie dem Leon ST um bis zu 25 % geringer als bei Benzinern. Der Ausstoß der vieldiskutierten Stickoxide ist im Vergleich zum Dieselfahrzeug rund 70 % niedriger. Kohlenmonoxid, Schwefeldioxid-, Ruß und anderen Partikelemissionen wird durch CNG nahezu vollständig vermieden. 
Sollten Fahrverbote oder Öko-Besteuerung wieder ins Gespräch kommen, können sich Erdgasfahrer definitiv entspannt zurücklehnen.
 
Wie merkt man, dass es sich bei diesem Leon um ein Erdgasauto handelt?
Außen verrät ihn nur das TGI-Logo. Öffnet man den Tankdeckel, findet man dort allerdings zwei Einfüllstutzen – einmal für CNG (Compressed Natural Gas), einmal für herkömmliches Benzin. In den Armaturen gibt es folglich zwei Tankuhren und zwei Reichweitenanzeigen. Ein kleines grünes CNG-Symbol leuchtet dort zudem, wenn der Leon mit Erdgas fährt.
Erdgas und Benzin: Zwei Einfüllstutzen hinterm Tankdeckel.Erdgas und Benzin: Zwei Einfüllstutzen hinterm Tankdeckel.
Neues Kürzel: TGI könnte so bekannt wie TDI und TSI werden.Neues Kürzel: TGI könnte so bekannt wie TDI und TSI werden.
Warum hat der Leon TGI zwei Tanks?
Seat wählt das bivalente Konzept aus pragmatischen Gründen, mit dem Benziner als Backup gibt es keine Reichweitenangst. Im Gegenteil: Durch die zwei Tank hat der Leon über 900 Gesamtreichweite. In der Praxis wird man aber natürlich versuchen, immer mit dem günstigeren Erdgas zu fahren, was mit etwas Planung auch gelingt: In Österreich gibt es aktuell 160 Tankstellen.
 
Wie fühlt es sich an, wenn der Leon mit Erdgas fährt?
Genau gleich wie mit dem TSI-Benziner allein. Laut Messungen hat der Leon mit CNG einen minimalen Nachteil beim Durchzug und einen ebenso kleinen Vorteil durch geringere Geräuschentwicklung – in der Praxis sind diese Unterschied freilich nicht zu spüren. Das 1,4-Liter-Turbo-Aggregat mit 110 PS ist ein idealer Antrieb für den Leon ST: In den Drehzahlbereichen, in denen man sich 95 Prozent der Fahrzeit üblicherweise bewegt, ist es sehr leise, nur in den höchsten Drehzahlregionen macht sich der Motor dann etwas bemerkbar. Der Durchzug und auch die Fahrleistungen sind absolut souverän, wir haben im Test niemals das Gefühl gehabt, mehr PS zu brauchen.
Der Verbrauch macht in der Praxis die üblichen Abweichungen: Beim Erdgas auf rund 4,5 Kilo (Norm 3,7 Kilo), beim Benzin auf Sieben-Liter-Werte (Norm 5,4 Liter).

Wie empfehlenswert ist der Leon in der Kombiversion ST insgesamt?
Natürlich ist der kompakte Kombi nicht so trendig wie ein SUV, aber die Vernunft spricht absolut für ihn: Hochwertige Inneneinrichtung (da spart ja so mancher SUV), Fahrkomfort vergleichbar mit nächsthöheren Klassen – und dazu ein großzügiger Kofferraum: auch wenn die Erdgasversion durch den zusätzlichen Tank da 100 Liter einbüßt, 482 bis 1365 Liter sind noch immer ein familienfreundlicher Wert.
Zwei Tankuhren, zwei Reichweitenangaben und eine riesige Gesamtreichweite. Grünes Lichterl für den CNG-Modus.Zwei Tankuhren, zwei Reichweitenangaben und eine riesige Gesamtreichweite. Grünes Lichterl für den CNG-Modus.
Wie schaut es mit den Nachteilen von Erdgasautos aus?
Seit man von Flüssiggas (LPG) auf komprimiertes Erdgas (CNG) umgestiegen ist, gibt es keine Nachteile mehr. Der Tankvorgang dauert nicht länger, Einfahrtsverbote in Garagen gibt es bei CNG keine mehr, erhöhte Gefahren bei Unfällen bestehen nicht. Einziger Nachteil ist vielleicht die Ungewissheit über den Restwert – aber es schaut derzeit so aus, als ob sich Erdgas durchsetzt und folglich keinerlei Einbußen im Wiederverkauf zu erwarten sind. Seat-Österreich-Chef Wolfgang Wurm: „Vernünftige Sachen setzten sich immer durch, und Erdgas ist sehr vernünftig”.
 
Vernunft ist das richtige Stichwort. Wie liegt der Erdgas-Leon preislich im Vergleich zu Benziner und Diesel?
Die Kombiversion des Leon kommt als TGi auf 25.240 Euro und liegt damit am Niveau des gleich starken TDI-Diesel. Allerdings pusht Seat alle seine Erdgasmodelle längerfristig mit 2000 Euro Bonus, wodurch die Erdgasversion beim Leon genau soviel kostet wie der vergleichbare TSI-Benziner.
 
Was tut sich insgesamt im Bereich Erdgasautos? Und warum setzt gerade Seat so stark auf dieses Thema?
Es ist nicht Seat allein, das Erdgasautos für einen fixen Bestandteil der Zukunft hält. Neben Fiat, Opel und Ford engagiert sich vor allem der VW-Konzern – dort sind auch Audi (A4 Avant, A5), Skoda (Citygo, Octavia, Octavia Combi), VW-Nutzfahrzeuge (up!, Caddy, Caddy Maxi) und VW (up!, Polo, Golf, Golf Variant) mit verschiedenen Erdgasmodellen unterwegs. Seat hat mit Mii, Ibiza, Leon und dem getesteten Leon ST derzeit vier Modelle, im Herbst kommt auch ein Erdgasantrieb für den aktuellen Bestseller Arona dazu. Ende des Jahres wird dann der Erdgasantrieb mit 1,4-Liter-TSI auf den neueren 1,5-Liter-TSI mit Zylinderabschaltung umgestellt.
Als Teil einer neuen Strategie im VW-Konzern, bei der alle Marken sich in unterschiedlichen Bereichen spezialisieren sollen, wird sich Seat künftig federführend um die Erdgasentwicklung kümmern – und seine CNG-Technik dann an alle Marken im Konzern liefern.
Noch fahren wenige Erdgasmodelle in Österreich – aber das ändert sich gerade: Die neuen CNG-Generation hat keine Nachteile gegenüber Benziner und Diesel, ist aber deutlich umweltfreundlicher und günstiger im Betrieb. „Vernünftige Dinge setzten sich immer durch, und Erdgas ist sehr vernünftig”, bringt es Seat-Österreich-Chef Wolfgang Wurm auf den Punkt.Noch fahren wenige Erdgasmodelle in Österreich – aber das ändert sich gerade: Die neuen CNG-Generation hat keine Nachteile gegenüber Benziner und Diesel, ist aber deutlich umweltfreundlicher und günstiger im Betrieb. „Vernünftige Dinge setzten sich immer durch, und Erdgas ist sehr vernünftig”, bringt es Seat-Österreich-Chef Wolfgang Wurm auf den Punkt.
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