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KOMMENTAR GERALD ENZINGER

Der Knall Habsburg

Wie ein junger Österreicher in 15 Runden die Welt eroberte.
Halten Sie mich für pathetisch. Aber ich bin überzeugt: Jeder der vielleicht paar hundert Österreicher, der sich am Sonntag morgen den Livestream des Formel-3-Grand-Prix in Macao angeschaut hat, wird in Jahren noch wissen, wo er das getan hat. Zu epochal war die Finalphase diesen wichtigsten Nachwuchsrennens der Welt. Und zu aufregend die Tatsache, bei der Geburt eines neuen österreichischen Renn-Stars dabei zu sein.
 
Ferdinand Habsburg ist in diesem Rennen Vierter geworden, nur 1,9 Sekunden hinter dem Sieger – das aber auf drei Rädern. Die Art, wie er sich davor von Startplatz 5 in Führung gefightet hat, ist jetzt schon legendär. Überholmanöver, dort wo man gar nicht überholen kann. Zweikämpfe mit dem Herzen eines Löwen. Unfassbar, wie er sich etwa den wirklich guten deutschen Formel-3-Vizemeister Günther hergerichtet hat: "Ich habe während der Gelbphase das Manöver genauestens im Kopf vorbereitet, ich musste es nur noch umsetzen - aus dem Windschatten auf der langen Geraden, links andeuten und rechts vorbei gehen, so dass er nicht mehr verteidigen konnte."
 
Danach war er Zweiter, abgesichert. Doch er hat eine Überdosis von Mut, von Leidenschaft und Hingabe für diesen Job bewiesen und in der letzten Kurve an unmöglicher Stelle die Führung erobert. Es war um einen Tick zu viel – Meter vor dem Sieg krachte er in die Mauer.
 
Danach passierte unglaubliches: Der Mann, der eben auf der Ziellinie den Sieg vergeben hatte (wie man sagen könnte), wurde von seinen Mechanikern mit Standing Ovations beklatscht, als er aus Wrack stiegt. Kurz darauf haben sie einen Lorbeerkranz aufgetrieben und ihn mit Sekt besprüht – denn sie wussten: diese Leistung war mehr Wert als so mancher Sieg und sicher mehr, als der zweite Platz, denn er ohne Attacke sicher hatte.
 
In den Stunden danach war Ferdinand, 20, das Thema in den Benzingesprächen dieser Welt: Rennfahrer aus Brasilien, hochkarätige Experten aus England, TV-Kommentatoren aus Italien, junge Fans aus China, Portugal oder Mexiko – sie alle haben unter dem Hashtag #Habsburg gepostet und sie haben geschrieben, dass er wie kaum ein anderer Rennsport verkörpere und Passion.
 
Glauben Sie nicht, dass nicht auch ich einer der war, der in den vergangenen Jahren oft nach Ferdinand Habsburg gefragt wurde – und eher zu den Skeptikern zählte. Bis er heuer in Spa, auf der Königsstrecke dieses Sports, in der Formel 3 gewonnen hat und in Zandvoort vor meinen Augen brillierte: Erst stark auf der Bremse, sensationell in der Kreation seiner Überholmanöver und im Gespräch bodenständig, aber zugleich von sprühender Leidenschaft für seinen Sport. Geht es um Rennen, dann kann er schon mal eine halbe Stunde ohne Punkt und Beistrich durchreden.
 
Damals, in diesem Gespräch, habe es erstmals gespürt: Dieser Bursche, der hat etwas besonderes und das hat nichts damit zu tun, dass er der Urenkel eines Kaisers ist. Eher mit Liebe, mit Hingabe, oder wie wir im Renn-Englisch sagen: mit Passion.
 
Er war schon im Formel-1-Simulator von Williams, hat den DTM-Audi getestet und wird 2018 wohl wieder Formel 3 fahren. Dann ist die Formel 1 drinnen und zwar so, wie er sich immer gewünscht hat: „Ich will rein, weil man mich als Rennfahrer will. Und nicht des Geldes wegen.“

Das unfassbare Rennfinish von Ferdinand Habsburg in Macao im Video: 
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