loading...

INTENSIVTEST: VW TIGUAN 2,0 TDI 4MOTION

Wie edel ist der neue Tiguan wirklich?

Der Tiguan im Wandel: Aus dem gemütlichen Kumpel ist in der zweiten Generation ein schicker Begleiter geworden. Sogar Vergleiche mit dem großen Touareg werden angestellt. Dabei erinnert der Tiguan im Intensivtest mehr an einen anderen VW.
Der erste Tiguan war das Auto von Nebenan. Wer den Golf schon kannte und mit den Jahren etwas solventer wurde, fand in ihm einen neuen Kumpel. Stimmt der Eindruck, dass Generation zwei ein anderer Typ ist?
Optisch auf jeden Fall. Der neue Tiguan ist zwar nur sechs Zentimeter länger als sein Vorgänger, hat aber optisch um zwei Klassen zugelegt. Aus dem gemütlichen Kumpel von Nebenan ist ein schicker Begleiter für alle Anlässe geworden. Das sportliche R-Line-Paket des Testwagens verstärkt diese Ausrichtung: Mit mächtigen 19-Zoll-Felgen und markanten Styling-Elementen gibt es dem Tiguan noch mehr Präsenz und rückt ihn an den großen Touareg heran.
 
Statt Kombi und Van wollen viele Kunden jetzt ein SUV. Wie praktisch ist der neue Tiguan? Und ist er eine echte Option für Familien?
Der Einstieg ist sehr bequem, weil die Sitze in einer dafür guten Höhe sind. Wer dann am Fahrersitz Platz genommen hat, wird den Blickwinkel auf die Armaturen etwas ungewohnt finden und auch bald spüren, woran es liegt: VW hat die Stühle der ersten Reihe ziemlich hoch positioniert, offensichtlich wollt man das beim Vorgänger fehlende SUV-Gefühl erzeugen. Viele Kunden werden die größere Übersicht des Hochsitzes mögen, aus fahrdynamischer Sicht ist der Sitz aber zu hoch. Sehr beachtlich für ein knapp 4,50 Meter langes Auto ist das Platzangebot: Sechs Zentimeter mehr Länge, sieben Zentimeter mehr Radstand die geschickte Raumausnutzung von VW wirken sich deutlich aus. Selbst über 1,90 Meter große Passagiere haben in beiden Reihen viel Platz. Weil auch die Sitze sehr bequem sind und seltene Features wie der Klimaregler im Fond verwöhnen, ist der Tiguan ein hochwertiges Reiseauto für vier Erwachsene. Wenn im Fond dagegen Kinder sitzen, kann man die 18 Zentimeter längs verschiebbare Rücksitzbank ganz nach vorne rücken: Der Basis-Kofferraum wächst dann von 520 auf riesige 615 Liter. Wird auch die neigungsverstellbare Lehne vollständig umgeklappt, steigt das Volumen auf 1.655 Liter. Alle Werte liegen spürbar über denen des Vorgängers und machen den Tiguan zum vollwertigen Familienauto. Noch mehr Laderaum bietet allerdings der VW Passat Variant, der seinerseits wieder vom neuen VW Touran geschlagen wird.



Der Tiguan hat optisch ein völlig neues Level erreicht. Das sportliche R-Line-Paket rückt ihn noch näher an den großen Touareg heran.
..
Bleiben wir noch im Innenraum. Wie edel ist er, wie gut funktioniert das Multimedia-System, wie übersichtlich sind die neuen digitalen Armaturen?
Verarbeitungs- und Materialqualität sind, wie von VW gewohnt, top. Es gibt Premiumanbieter, die nicht so sorgfältig und hochwertig arbeiten. Beim Design hat VW allerdings nichts riskiert und bleibt konservativ. Unterm Strich bewegt man sich atmosphärisch auf Passat-Niveau. Mit seiner neuen Multimedia-Generation hat VW in diesem Bereich einen riesigen Sprung gemacht, das System ist den meisten direkten Konkurrenten in Sachen Graphik und Darstellung überlegen. Über MirrorLink, Apple CarPlay™ und Android Auto kann man das eigene Handy spiegeln. Einzig die Steuerung des Touchscreens funktioniert nicht immer einwandfrei, weil man beim Smartphone-artigen Wischen und Drücken nicht immer sofort das gewünschte Ziel trifft. Nachdem die hervorragende Lenkradfernbedienung viele Aufgaben übernehmen kann, fällt dieses Manko allerdings nicht so stark ins Gewicht. Ab der Highline-Ausstattung sind die Armaturen nicht mehr als Uhren ausgeführt, sondern als hochauflösendes Display mit 31 Zentimetern Durchmesser. Ob das schöner ist, sei dahingestellt, benutzerfreundlicher ist es in jedem Fall: verschiedene Themenbereiche wie zum Beispiel die Navigation können direkt in das Blickfeld geholt werden.



Ab Highline sind die Armaturen als hochauflösendes Display mit 31 Zentimetern Durchmesser ausgeführt. Ob das schöner ist, sei dahingestellt, benutzerfreundlicher ist es.
..
Durch die optischen Ähnlichkeiten wird der Tiguan manchmal mit dem Touareg verglichen. Gilt das auch für das Fahrgefühl?
Nein, der Touareg ist schon noch eine eigene Liga. Der neue Tiguan-Fahrstil erinnert allerdings im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr an den kompakten Golf, sondern vielmehr an das edle Komfortniveau des Passat: Vom Dieselmotor hört man nur ein sanftes Brummen und spürt keine Vibrationen. Das hochwertige Fahrwerk sorgt für satte Straßenlage bei hohem Tempo, zudem sind die Windgeräusche auf der Autobahn gering. Der 150 PS starke Dieselmotor ist eine in allen Lagen souveräne Kraftquelle, angenehm in der Stadt und auf dem Land, weil man aus tiefen Drehzahlen heraus schön gleichmäßig beschleunigt. Beim Verbrauch wird in der Regel ein Sechser vor dem Komma stehen, was für diese Fahrleistungen großartig ist. Natürlich würde zum Tiguan eine Automatik gut passen, allerdings ist das optionale Doppelkupplungsgetriebe beim Anfahren und Einparken mitunter nicht so sanft wie eine Wandlerautomatik. Im Testwagen war ein Sechsgang-Schaltgetriebe verbaut, das gut zum 2,0 TDI passt uns angenehm zu schalten ist.



Der neue Tiguan-Fahrstil erinnert im Gegensatz zum Vorgänger nicht mehr an den kompakten Golf, sondern vielmehr an das edle Komfortniveau des Passat.
..
Mit dem R-Line-Paket wurde der Testwagen auf Sport getrimmt. Wie dynamisch ist der Tiguan insgesamt?
Zunächst war der Federungskomfort beim Testwagen durch das R-Line-Paket mit sportlicherer Fahrwerksabstimmung und großen 19-Zoll-Felgen doch etwas eingeschränkt. Auch dass das adaptive Fahrwerk (DCC) in Kombination mit R-Line nicht erhältlich ist, finden wir schade, denn optisch ist das R-Line-Paket ja höchst attraktiv (siehe erstes Kapitel). Natürlich wird der Tiguan durch das R-Line-Paket knackiger, wie viele VW ist er in Kurven unaufgeregt schnell. Echter Sportler ist er aber keiner. Die grundsätzliche Ausrichtung ist klar: Wer Komfort und Luxus sucht, wird eher zum Tiguan greifen. Die Sportler wählen den kompakteren Konzernbruder Seat Ateca, der agiler ist und im Grenzbereich später untersteuert.

Ein letztes Wort: Ist der Tiguan sein Geld wert?
Der Testwagen mit 150-PS-Diesel, Schaltgetriebe, Allradantrieb und Topausstattung Highline hat einen Grundpreis von 41.750 Euro, mit den zahlreichen Extras klettert sein Preis auf 49.542 Euro. Das ist um einiges mehr als bei Mazda, Kia, Nissan oder Seat – allerdings ist keiner dieser Konkurrenten derzeit technisch so feingeschliffen und optisch so edel. Fürchten sollten sich daher auch BMW, Audi und Mercedes.

INTENSIVTEST: VW TIGUAN 2,0 TDI 4MOTION

 

DATEN & FAKTEN

VW Tiguan 2,0 TDI 4MOTION Highline

(August 2016)

Preis

€ 41.750,–

Antrieb

Vierzylinder-Common-Rail-Dieselmotor, 1968 ccm, 110 kW (150 PS) bei 3500 – 4000 U/min, 340 Nm bei 1.750 – 3000 U/min, 6-Gang-Handschalter.

Abmessungen

(L/B/H) 4486/1839/1632 mm, Radstand 2681 mm, Wendekreis 11,5 m, Tankinhalt 60 l, Kofferraum 615 l – 1655 l.

Gewicht

Leergewicht 1641 kg, Zuladung 629 kg.

Fahrwerte

Vmax 201 km/h, 0–100 in 9,3 s, Normverbrauch 5,3 l. CO2 139 g/km.

Testverbrauch

6,6 l/100 km.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

7 Punkte

Preis-Leistung

6 Punkte

Gesamturteil

7 Punkte

Empfehlenswerte Extras

Highline-Ausstattung, wenn es sich finanziell ausgeht: Dann bekommt man das große Multimedia-System, die digitalen Armaturen (holen zum Beispiel die Navi direkt ins Blickfeld), die edlen LED-Scheinwerfer, den Parkpiloten und den adaptiven Tempomaten. Das R-Line-Paket, wenn man coole Optik möchte, aber nicht wenn man höchsten Komfort möchte (wegen des Sportfahrwerks).

Das taugt uns

Dass der Tiguan optisch ein völlig neues Level erreicht. Dass sein Innenraum sogar hochwertiger als bei der Premium-Konkurrenz ist. Dass das Platzangebot jetzt voll familientauglich ist. Dass das Niveau insgesamt so hoch ist: Der Tiguan fährt so edel und ist so feingeschliffen wie zum Beispiel ein Passat – da liegt VW über der Konkurrenz um Mazda, Nissan, Kia und Seat.

Bitte nachbessern

Die Sitzposition ist aus fahrdynamischer Sicht zu hoch. Beim Bedienen des Touchscreens verrutscht man während der Fahrt manchmal – die tolle Lenkradfernbedienung schafft dann Abhilfe, noch perfekter wäre freilich ein Dreh-Drück-Knopf wie bei BMW und Mercedes. Und eine Wandlerautomatik wäre komfortabler als das Doppelkupplungsgetriebe.

Unser Extra-Tipp

Mit Schaltgetriebe und 150-PS-TDI ist man im Tiguan ideal aufgestellt, ob man Allrad überhaupt braucht, sollte man sich aus finanziellen Gründen überlegen. Wenn der Preis niedriger ausfallen soll: Durchaus mal den guten 1,4-Liter-Benziner mit Schaltgetriebe probefahren, ist keine schlechte Alternative und braucht nicht zuviel. Gut 30.000 Euro für einen feschen Tiguan sollte man aber auch dann einplanen.

ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT