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FABIAN STEINER

Tesla und Toyota – ein verrückter Vergleich

Erstmals sind an der Börse kleine Zweifel an Tesla aufgekommen. Warum, zeigt zum Beispiel der Vergleich mit dem Branchenprimus Toyota.
In den letzten Tagen ist der Tesla-Aktienkurs erstmals spürbar nach unten abgebogen. Wer die Börse kennt, weiß: das kann natürlich eine Momentaufnahme sein. Zuletzt erholte sich der Kurs schon wieder. Fakt ist aber auch: Der Aufstieg in den S&P 500, der die Aktien der größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen umfasst, ist Tesla erst einmal verwehrt geblieben. Den Vorzug bekamen Firmen mit deutlich geringerem Börsenwert, aber häufigeren Quartalsgewinnen.
 
Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Tesla und die Börse ja eine veritable Liebesbeziehung pflegen. Zuletzt überholte der US-amerikanische Autobauer beim Börsenwert sogar den Brancheprimus Toyota – und das ist wirklich ein bisschen verrückt, wie ein Vergleich zeigt:

– In etwas mehr als einem Monat verkauft Toyota so viele Autos wie Tesla in seiner bisherigen Geschichte (Tesla: rund 1 Mio. gesamt seit 2008, Toyota: rund 10 Mio. pro Jahr)

– Den Jahresabsatz von Tesla verkauft Toyota in weniger als zwei Wochen (Tesla 2019: rund 365.000; Toyota 2019: rund 10 Mio).

– Toyota verdient in zwei bis drei Tagen soviel wie Tesla in seinen guten Quartalen (Tesla z.B. Q2 2020: 104 Mio. Dollar; Toyota im abgelaufene Geschäftsjahr von 1. April 2019 bis 31. März 2020: 17,16 Mrd. Euro). Zuletzt gab es Meldungen, dass die Tesla-Gewinne auf den Verkauf von C02-Zertifikaten an FiatChrysler und GM zurückgehen.
 
Verstehen könnte man die Diskrepanz zwischen Börsenwert und realen Verkaufszahlen, wenn etwa Toyota keine technische Perspektive hätte – aber wenn es um die Mobilität der Zukunft geht, gehören die Japaner zu den spannendsten Unternehmen überhaupt:

– Mit über 15 Millionen Hybridautos hat Toyota bisher über 120 Millionen Tonnen CO2 eingespart (im Vergleich zu konventionell angetriebenen Modellen mit Benzinmotor), soviel wie ganz Österreich in knapp zweieinhalb Jahren produziert. Der Marktanteil dieser Antriebsform wird in den nächsten Jahren weiter steigen

– Bei der Brennstoffzellen-Entwicklung ist Toyota neben dem Kia-Hyundai-Konzern die treibende Kraft in der Autobranche. Die zweite Generation des Serienmodells Mirai kommt im Herbst.

– Während es Toyota bei der Elektromobilität bewusst langsam angeht (Ende des Jahres kommt mit dem Lexus UX 300e das erste Serienauto zu uns), stecken die Japaner, wie man hört, 23 Milliarden Euro in die Entwicklung von Festkörper-Batterien (an denen auch Tesla forscht). Die sollen viel mehr Reichweite haben, in 30 Jahren nur zehn Prozent ihrer Kapazität verlieren und nicht brennen können. Erste Autos mit dem Super-Akku sollen bei Olympia in Tokio fahren, die Kleinserienproduktion 2025 beginnen.
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