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GERALD ENZINGER

GERALD ENZINGER

Das fünfte Leben des Daniil Kwjat

Es ist nur mehr eine Frage der Zeit: Daniil Wjatscheslawowitsch Kwjat wird wohl wieder Pilot in der Formel 1. Bei Toro Rosso. Präsentation? Vielleicht schon diese Woche in Sotschi bei seinem Heim-GP. Damit wird der Russe Hoffnungsträger für eine verlorene Generation.
Geboren ist Daniil Wjatscheslawowitsch Kwjat in der schlimmsten Woche der Formel-1-Geschichte.
In der Woche, in der Roland Ratzenberger und Ayrton Senna starben. 1994.
Nun schreibt er selbst eine ungewöhnliche Story: als der Mann mit den fünf Leben in der Formel 1.

Und so wird Daniil Kwjat wohl demnächst als neuer, alter Pilot von Toro Rosso präsentiert. 2019 darf er wieder in der Königsklasse antreten. Als der erste Red-Bull-Formel1-Einsatzpilot, der nach seinem Rauswurf wieder zurück in ein Red-Bull-Formel-1-Team kommt.
Brendon Hartley hatte es in seinen frühen Flügeljahren ja nur bis zum Testfahrer geschafft.

Nun also wieder Kwjat.
Wie 2014, als er bei Toro Rosso neben Jean-Eric Vergne fahren durfte: F1-Debüt mit 19.
Wie 2015, als - nach dem Überraschungstransfer von Sebastian Vettel zu Ferrari - plötzlich im langjährigen Weltmeisterteam Red Bull Racing fuhr. Und am Hungaroring zum ersten Mal auf das Podium raste.
Wie 2016, als er in China Dritter wurde.
Doch dann - der Absturz. Im nächsten Rennen schießt der "Torpedo" Ex-Red-Bull-Star Sebastian Vettel ab.

Die Folge?
Kwjat wird per sofort wieder ins B-Team Toro Rosso downgegradet. Statt ihm wechselt Max Verstappen im Tausch nach Milton Keynes und der gewinnt, mit 18, gleich sein erstes Rennen für Red Bull Racing.

Die meisten vermuten, dass Kjat sowieso über kurz oder lang noch in dieser Saison das Feld hätte räumen müssen - der selbstbewusste Verstappen-Clan kannte den Marktwert seines fliegenden Holländers und wollte diesen schnell wie möglich ins A-Team drücken.

Kwjat aber versandete...
Obwohl Red Bull dem Russen so viele Chancen gab wie keinem zuvor: er durfte den Rest von 2016 ebenso bei Toro Rosso fahren wie die Saison 2017 (bis in den Herbst). Obwohl er es nicht mehr schaffte, sein Können zu zeigen.

Er musste wirklich gehen -  und fand für 2018 nur mehr Unterschlupf als Entwicklungsfahrer von Ferrari.
Aber in einer Hackordnung, in der er nur die Nummer 5 war, hinter Leclerc und Giovanazzi.
Aufmunterung bekam DK in dieser Zeit aber von unerwarteter Seite, nämlich vom sonst oft gnadenlosen Dr. Helmut Marko: "Vom Talent her ist Kwjat wohl über Gasly und Hartley zu stellen. Er kann es wieder in die Formel 1 schaffen!"

Was im ersten Moment nach Hohn klang, ist nun der Start in die nächste Karriere.

Denn: Marko wird Kwjat (gemeinsam mit Franz Tost) wohl zurückholen und ihn 2019 bei Toro Rosso einsetzen, wieder einmal.

Nach der Beförderung von Gasly zu Red Bull Racing als Folge des überraschenden Ricciardo-Exits Richtung Renault, braucht Toro Rosso einen echten Qualitäts-Piloten.
Und nachdem man Lando Norris nicht bekommt, und man einen Mercedes-Pilloten wie Esteban Ocon nicht will, nimmt Toro Rosso nun einen Routinier, der aber immer noch als Red-Bull-Erfindung gilt.
Und der gut genug ist, bei einem unerwarteten Versagen von Gasly im Einser-Team einspringen zu können. Eben Daniil Kwjat.

Kwjats Geschichte ist ungewöhnlich.
Meist bekommen die Piloten nur mehr eine Chance.
Dann ist es vorbei und keiner fragt, ob man erst 20, 21 oder 22 Jahre jung ist und das Rennfahrerleben eigentlich noch vor sich hätte.


Viele kamen früh und gingen schnell:
Alguersuari, Vergne, Buemi (der auch ein Comeback bei STR geben könnte, was aber eher unwahrscheinlich ist).
Aber auch bei anderen Teams ist und war es nicht anders mit der kurzen Haltbarkeit: Gutierrez, Nasr, Wehrlein (dem man eine weitere Chance wünschen würde), Maldonado (belächelt, aber doch ein GP-Sieger), Sutil, Vandoorne (der als neuer Weltmeister galt und nach Serien-Niederlagen gegen Alonso wohl auf der Strecke bleibt), Petrow (immerhin auch ein Ex-Podium-Pilot). Sie alle wurden vom Formel-1-Karussell abgeworfen.

Kwjat (und davor Hartley) sind Beispiele, das es - bei günstigen Konstellationen und starken Leistungen abseits der Formel 1 oder zumindest im Simulator, doch ein Zurück geben kann.

Und das ein Leben in der Formel 1 nicht vorbei ist, wenn man es im ersten Versuch nicht schafft.

Das alles gibt auch jenen Hoffnung, die bislang schon an der Schwelle zur Formel 1 gescheitert sind. Mit viel Glück kann man es sehr wohl auch mit 25, 26 oder 27 noch in den Grand Prix Sport schaffen.

Vielleicht gilt das einmal ja auch für den jungen Mann, der sich einst in der Formel 3 gegen Kwjat, Sainz, Verstappen oder Giovinazzi mehr als nur achtbar geschlagen hat: für Lucas Auer.
Ob 2009....Ob 2009....
...oder 2016........oder 2016.....
...bei Red Bull ist Platz für Daniil....bei Red Bull ist Platz für Daniil.
Daniil hat die letzte Strassenbahn zurück in die Formel 1 erwischt...Daniil hat die letzte Strassenbahn zurück in die Formel 1 erwischt...
Bald schon soll Kwjat wieder Toro Rosso fahren.Bald schon soll Kwjat wieder Toro Rosso fahren.
Kwjats Aussichten: nun wieder sehr gut.Kwjats Aussichten: nun wieder sehr gut.
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