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INTENSIVTEST: MERCEDES A 220 d 4MATIC

Zahlt sich der Baby-Benz aus?

Wie viel Mercedes steckt im kleinen Benz? Lohnt sich die Investition? Die überarbeitete A-Klasse mit 177 PS starker Diesel-Automatik-Kombination, AMG-Paket und Allrad im Motorprofis-Intensivtest.
Schaut irgendwie flotter als bisher aus, die A-Klasse. Woran liegt es?
Zum einen an den Detailänderungen, die Mercedes beim Facelift vorgenommen hat: Die geänderte Lichtgraphik mit vertikalem Lichtband entschärft das für unseren Geschmack etwas zu rundliche Heck. Der jetzt serienmäßige Diamantgrill verleiht der Front mehr Präsenz. Auch die kleinen Änderungen bei den Schürzen sind gut gelungen. Neben dem Facelift profitiert der Testwagen vom AMG-Line-Paket, das die 2445 Euro Aufpreis (netto) allemal wert ist: Die Kollegen aus Affalterbach trimmen das Auto mit zahlreichen hochwertig ausgeführten Detailänderungen auf Sport, bleiben dabei aber stilvoll und übertreiben nicht. Wer sich unbedingt austoben möchte, kann das mit dem AMG Aerodynamik-Paket und dem AMG-Heckflügel machen, unseren Segen hat er dann aber nicht mehr.

Wie wirkt sich das AMG-Paket während der Fahrt aus?
Zunächst mal durch ein recht straffes Fahrwerk. Dass Mercedes der A-Klasse beim Facelift ein komfortableres Fahrwerk spendiert und adaptive Dämpfer in die Aufpreisliste genommen hat, spürt man im AMG-Trimm nicht wirklich. Das Fahrwerk hat uns im Test nicht genervt, aber doch immer wieder spüren lassen, dass es tiefergelegt und mit sportiven 18-Zöllern bestückt ist. Das Handling ist knackig: Die präzise, aber nicht zu spitze Lenkung lädt zu flotten Manövern ein. Die Straßenlage ist toll, Kurven werden flott absolviert, bevor die A-Klasse im Grenzbereich in sicheres Untersteuern wechselt. Die Bremsen packen gut zu.

Zahlt sich die Investition in den 4MATIC-Allradantrieb aus?
Grundsätzlich nicht, wenn man nicht in besonderen Höhenlagen unterwegs ist. Im Falle des immerhin 177 PS starken 220d ist der Allrad aber schon eine feine Sache, zumindest wenn man ein forscher Fahrer oder auf nasser Fahrbahn unterwegs ist – das Auto fährt wunderbar souverän, ohne dem satten Drehmoment auch nur das geringste Zerren oder Quietschen zu gönnen.
Das Feeling im Innenraum ist für uns das stärkste A-Klasse-Argument. Danke für die Lenkradschaltung, wunderbar!Das Feeling im Innenraum ist für uns das stärkste A-Klasse-Argument. Danke für die Lenkradschaltung, wunderbar!
Das Handling ist knackig: Die präzise, aber nicht zu spitze Lenkung lädt zu flotten Manövern ein.Das Handling ist knackig: Die präzise, aber nicht zu spitze Lenkung lädt zu flotten Manövern ein.
Wie stellt sich die Diesel-Automatik-Kombination im A 220d an?
Der um sieben PS stärker gewordene 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel (jetzt 177 PS) marschiert großartig, die Fahrleistungen sind absolut sportlich. Die Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe beherrscht die entspannte Gangart im Komfort-Modus, zum Beispiel in der Stadt. Nur vereinzelt würde man sich einen etwas spontaneren Antritt wünschen. Den bietet der Sport-Modus, aber der ist im Alltag für unseren Geschmack etwas zu kribbelig. Dass der Diesel einen recht rauhen Klang hat, hören die Passanten, der Fahrer merkt es grundsätzlich nicht stark. Beim Ausdrehen spürt man es dann aber auch im Auto.
 
Und der Innenraum? Praktisch? Fühlt man sich wohl?
Das Platzangebot ist relativ logisch für eine sportiv gezeichnete Kompaktklasse: Vorn sehr gut, hinten eher eng, Kofferraum im Klassenschnitt. Das Feeling im Innenraum ist für uns das stärkste Argument für die A-Klasse: Mit einem völlig neuen Armaturenbrett-Design lässt der Baby-Benz seine direkten Mitbewerber alt aussehen. Da müssen BMW und Audi im Design nachlegen. Ganz wunderbar ist auch der hinterm Lenkrad platzierte Schalthebel (nicht größer als ein Blinkerhebel) für die Automatik. Man fragt sich wirklich warum nicht alle Marken diese intutive, vollkommen logische Lösung umsetzen. Und auch das Multimedia mit sehr großem Display, Smartphone-Spiegelung (Carplay und Mirror Link) und Dreh-Drück-Knopf ist sehr gut gelungen.
 
Und – ist der Baby-Benz ein echter Mercedes? Ist er sein Geld wert?
Klar ist: Beim Fahrkomfort beginnen sich die Premiummarken BMW, Audi und Mercedes erst ab der Mittelklasse entscheidender abzusetzten, in der Kompaktklasse noch nicht wirklich. Beim Design und vor allem im Innenraum bietet die A-Klasse aber schon um einiges mehr als ein Durschnitts-Kompakter. Ob man dafür die stolzen Preise zahlen will, muss jeder für sich selbst ausprobieren – und ausrechnen. Einige Extra-Tausender muss man in jedem Fall locker machen.
Der Dieselmotor marschiert großartig, beherrscht auch die entspannte Gangart, klingt aber recht raub.Der Dieselmotor marschiert großartig, beherrscht auch die entspannte Gangart, klingt aber recht raub.
Detailänderungen wirken sich aus: Der jetzt serienmäßige Diamantgrill verleiht der Front mehr Präsenz.Detailänderungen wirken sich aus: Der jetzt serienmäßige Diamantgrill verleiht der Front mehr Präsenz.
Die neue Lichtgraphik mit vertikalem Lichtband entschärft das für unseren Geschmack etwas rundliche Heck.Die neue Lichtgraphik mit vertikalem Lichtband entschärft das für unseren Geschmack etwas rundliche Heck.
INTENSIVTEST: MERCEDES A 220 d 4MATIC

Bildergalerie: MERCEDES A 220 d 4MATIC

 

DATEN & FAKTEN

Mercedes A 220 d 4MATIC

(Oktober 2016)

Preis

Grundpreis 37.500 Euro. Testwagen-Preis 49.171 Euro.

Antrieb

Vierzylinder-Diesel , 2143 ccm, 177 PS (130 kW) bei 3600–3800/min, max. Drehmoment 350 Nm bei 1400–3400/min, Siebenganggang-Doppelkupplungs-Getriebe, Allrad­antrieb

Abmessungen

L/B/H 4299/1780/1433 mm, Radstand 2699 mm, Wendekreis 11,0 m, Kofferraumvolumen 341–1157 l.

Gewicht

Leergewicht 1545 kg, zul. Gesamtgewicht 2060 kg.

Fahrwerte

Vmax 220 km/h, 0–100 km/h 7,5 sec.

Testverbrauch

6,4 Liter/100 km.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

7 Punkte

Preis-Leistung

5 Punkte

Gesamturteil

7 Punkte

Empfehlenswerte Extras

AMG-Line – viele schöne Sachen in einem Paket.

Das taugt uns

Das Feeling im Innenraum: Design, Multimedia und Lenkradschaltung sind top – in keinem anderen Kompaktwagen sind wir so gern an Bord.

Bitte nachbessern

Das Heck taug uns nicht hundertprozentig, wurde aber eh durch die neuen Lichter entschärft. Der Klang des Diesel könnte sanfter sein.

Unser Extra-Tipp

Der A 200 d mit Frontantrieb und Handschalter ist statte acht Tausender günstiger.
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