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ERSTER TEST: NISSAN LEAF 30kWh

Wie weit fährt der neue Power-Leaf?

Macht eine deutlich vergrößerte Batterie das meistgebaute Elektroauto der Welt zum Duracell-Haserl auf Rädern? Wir machen die Probe aufs Exempel und fahren über einen der berühmtesten Pässe der französischen Seealpen.

Neu sieht er ja nicht aus, der Leaf?
Stimmt, nach gut fünf Jahren am Markt merkt man außen kaum Veränderungen. Da hätten wir uns auch ein bisschen mehr Mut und Veränderungswillen gewünscht. Aber keine Sorge: Es gibt schon wichtige Neuheiten – nur liegt die wichtigste davon,, die Batterie, im Wagenboden. Als Alternative zum weiter erhältlichen 24-kWh-Akku bietet Nissan nämlich ab Jänner 2016 eine 30-kWh-Batterie an.

Mehr Speicherplatz braucht auch mehr Bauraum, oder?
Falsch, mein Lieber. Nissan baut nämlich eine neue Kathode aus Nickel-Kobalt-Magnesium ein (bisher Lithium-Mangan). Damit steigt die Energiedichte im Akku, man kann auf gleichem Raum um ein Viertel mehr Energie speichern. Was steigt, ist das Gewicht, allerdings auch nur moderat: um 21 Kilo.

Okay, mehr Akkuleistung bedeutet mehr Power?
Auch falsch. Der Antrieb bleibt mit 109 PS und 250 Nm gleich, es verlängert sich nur die Reichweite. Aber was heißt: nur? Die Reichweite steigt von 199 auf 250 Kilometer im standardisiertem Messverfahren.

Okay, man weiß ja, was davon zu halten ist ...
Natürlich. Deswegen spricht Nissan ganz offen über eine im Alltag realistischen Reichweite zwischen 175 und 200 Kilometer.

Glauben wir das?
Nicht ohne es zu überprüfen. Und genau das haben wir gemacht. Auf einer ersten Testrunde sind wir sogar vom Meeresniveau über einen Pass in 1608 Meter Seehöhe gefahren. Unzählige Kehren, böse Steigungen, immer wieder beschleunigen: Das ist für ein Elektroauto ein Horrorszenario. Wenigstens kann man beim Bergabfahren wieder ein bissl Energie zurückgewinnen. Am Ende hatten wir nach 126 Kilometer noch eine Restladung von 29 Prozent und eine Restreichweite von 74 Kilometer. Angesichts der absolvierten Bergetappe ein fantastisches Ergebnis.

Aber da war kein sportliches Fahren möglich, oder?
Möglich wäre es schon gewesen, aber es stimmt: Wir sind sehr dezent gefahren, freilich ohne ein rollendes Hindernis zu sein. Aber das elektrische Fahren erzieht auch zu einem vorausschauendem, defensiven Fahrstil. Das muss nichts Schlechtes sein. Außerdem hatten wir aufgrund der Witterung weder die Heizung noch die Klimaanlage eingeschaltet, das hat sicher auch geholfen.



Wie fährt sich der Leaf abseits des Elektrischen?
Um ehrlich zu sein: Das lässt sich nicht trennen. Der Reiz liegt im angenehmen, stillen Fahren. Ohne Schaltübergänge, ohne Ruckelei, ohne Vibrationen: Genau mit diesen Vorzügen hat jahrelang Rolls-Royce für sich geworben. Wenn wir uns ein paar Dinge wünschen dürften, dann wären es straffere Sitze mit mehr Seitenhalt und ein Lenkrad, das man nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Entfernung vom Fahrer justieren kann. Sonst passt eigentlich alles.

Gibt’s auch ein paar elektronische Extrawürsteln für Techies?
Ja, ein neues Infotainmentsystem namens NissanConnect EV. Es ist bei allen 30-kWh-Leaf serienmäßig und lässt sich am Touchscreen auch mittels Fingerwischen und Fingerzoom bedienen. Außerdem ermöglicht es die Fernbedienung per Smartphone: Dort kann man die Vorkühlung oder Vorheizung des Autos steuern – sehr praktisch. Auch den Ladezustand der Batterie kann man am Handy abrufen – und das Auto finden, falls man zur Vergesslichkeit neigt.

So, kommen wir zum Preis: Der Power-Leaf ist sicher sehr teuer?
Ja und nein. Der Basis-Leaf wurde um 730 Euro billiger, die dicke Batterie kostet 2000 Euro Aufpreis. Konkret heißt das: Den 30-kWh-Leaf bekommt man aktuell ab 33.559 Euro. Das kling zunächst teuer, aber bringe einmal einen Golf TDI mit DSG auf eine vergleichbare Ausstattung – da bist du auch rasch auf dem Sümmchen. Außerdem gibt’s noch die Möglichkeit, dass du die Batterie mietest. Je nach vereinbarter Mietdauer und jährlicher Kilometerleistung kostet das ab 79 Euro pro Monat. In der Variante beträgt der Kaufpreis des Power-Leaf ab 27.660 Euro.

Bekomme ich wenigstens eine Förderung fürs Bravsein?
Elektroautos sind von der NoVA und der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Unternehmer können sich die ab Anfang Jänner die Umsatzsteuer zurückholen. Und wenn du Anspruch auf einen Dienstwagen hast, dann brauchst du ab Jänner keinen Sachbezug für den Dienstwagen bezahlen, wenn er rein elektrisch angetrieben wird. Damit ersparst du dir beim Leaf jährlich rund 2400 Euro von deinem Nettogehalt. Nicht schlecht, oder?

Auto Bildergalerie: Nissan Leaf 30 kWh

 
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