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INTENSIVTEST: NISSAN JUKE NISMO RS

Die ultimative Geheimwaffe?

Kaum zu sehen, kaum zu finden: die stärkste Variante von Nissans kleinem Crossover. Dabei schlummern hier erstaunliche Talente.

Sieht scharf aus. Aber ist er auch scharf?
Und ob. Mit 218 PS muss man den Juke Nismo RS zu den stärksten Geschossen des so genannten B-Segments zählen – das sind die Auto rund um die Vier-Meter-Marke. Zum Vergleich: ein zugespitzter Mini John Cooper Works bietet exakt genau so viel Leistung.

Damit lässt es sich wohl fröhlich fliegen?
Allerdings: Die Fahrleistungen sind munter, mit einem Sprint von sieben Sekunden auf 100 kann man schon einige ausgewiesene Sportwagen ärgern. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 220 km/h heutzutage ohnehin ein eher akademischer Wert. Wie bei vielen kleineren Motoren – in diesem Fall ist es ein 1,6-l-Turbo – muss man aber munter drehen, um hurtig voranzukommen. In den unteren Drehzahlen oder kurz nach dem Schalten spürt man auch ein Turboloch – das muss man in seiner Fahrweise mitberechnen.

Wie fühlt sich das Fahren an? Stört der höhere Aufbau und damit Schwerpunkt des Juke nicht in den Kurven ?
Die Nismo-Ingenieure haben beim Fahrwerk einen wirklich guten Job erledigt: Das Fahren macht richtig Laune, das Kurvenverhalten wird von der etwas höheren Karosserie kaum beeinträchtigt. Auch die Traktion liegt auf hohem Niveau, der Juke bringt die Leistung gut auf den Asphalt – zumindest im Trockenen, bei Regen sieht die Sache etwas anders aus – aber das ist ja bei den meisten starken Fronttrieblern so.

Gibt’s Verbesserungspotenzial?
Die Lenkung könnte noch direkter sein und besseres Feedback geben, das Getriebe könnte sich etwas weicher – also weniger knochig – schalten lassen.

Kompakte Shooter sind ja meist keine Zweitautos, müssen also auch im Alltag funktionieren. Tut das der Nismo?
Absolut. Man fühlt sich gut aufgehoben, vor allem in den aufpreispflichtigen Recaro-Sitzen unseres Testautos: straff, aber mit exzellentem Seitenhalt und guter Unterstützung für den Rücken. Man muss halt beim Einsteigen ein wenig aufpassen, damit man sich mit dem Steißbein nicht genau auf eine Seitenwange des Sitzes platziert. Das kann schmerzen. Ansonsten bietet der Nismo auch in der zweiten Sitzreihe ordentlich Platz und seit dem jüngsten Facelift auch einen anständigen Kofferraum in der Größenordnung eines VW Golf. Da kann man nicht klagen.

Über 30.000 Euro sind dann halt doch viel für ein kleines Auto ...
Den Preis muss man relativieren, schließlich ist beim Nismo RS praktisch alles an Bord, das man braucht – und mehr. Sogar die Metallic-Perleffekt-Lackierung ist hier schon serienmäßig, dazu das Navi, der Around-View-Monitor (Darstellung des Autos aus de Vogelperspektive), der Intelligent Key.



Lenkrad mit einer Mischung aus Alcantara und Leder; der sportliche rote Streifen ist Pflicht!Lenkrad mit einer Mischung aus Alcantara und Leder; der sportliche rote Streifen ist Pflicht!
Mit 354 Liter endlich ein vernünftiger Kofferraum – seit dem Facelift für alle Juke-Versionen.Mit 354 Liter endlich ein vernünftiger Kofferraum – seit dem Facelift für alle Juke-Versionen.

Und aus Nismo-Sicht?

Da gibt’s ein geiles, mit Alcantara bezogenes Lenkrad, einen Sportauspuff, 18-Zoll-Felgen, den Bodykit und einen rot hinterlegten Drehzahlmesser. Etwas fragwürdig sind einzig die Zierblenden am Armaturenbrett: Sie wollen Carbon nachempfinden, allerdings so patschert, dass eine einfärbige Lösung hochwertiger wirken würde.

Der Juke ist nun schon einige Jahre am Markt. Hat da schon der Zahn der Zeit genagt?
Tatsächlich ist der Juke nun schon knapp sechs Jahre verfügbar und wir hätten bei der Einführung gewettet, dass man sich an dem außergewöhnlichen Design rasch sattsieht. Stimmt aber nicht: Nach dem dezenten Facelift sieht der kleine Nissan immer noch gut aus, vor allem im Nismo-Sportanzug. Einzig im Innenraum merkt man, dass mittlerweile ein paar Jahre ins Land gegangen sind und das – gut funktionierende – Infotainmentsystem ist von der Grafik ebenfalls nicht mehr taufrisch.

Wann kommt ein neuer Juke?
Im Herbst wird Nissan wohl einen Nachfolger für den Micra präsentieren, ein neuer Juke könnte aber schon 2017 folgen. Wer sich für einen Nismo RS entscheidet, braucht davor aber keine Angst zu haben: dieses spezielle Modell wird möglicherweise als Klassiker die Zeiten überdauern.

Auto Bildergalerie: Nissan Juke Nismo RS

 

DATEN & FAKTEN

Nissan Juke Nismo RS

(August 2016)

Preis

€ 31.240,–

Antrieb

Vierzylinder-Benzinmotor mit Turbo, DOHC und 16V; 1618 ccm, 160 kW (218 PS)/6000, 280 Nm/3600–4800, 6-Gang-Handschalter.

Abmessungen

(L/B/H) 4165/1770/1565 mm, Radstand 2530 mm, Wendekreis 10,8 m, Tankinhalt 46 l, Kofferraum 354–797 l.

Gewicht

Leergewicht 1342 kg, Zuladung 326–418 kg.

Fahrwerte

Vmax 220 km/h, 0–100 in 7,0 s, Normverbrauch 9,5/5,9/7,2 l. CO2 138 g/km.

Testverbrauch

8,5 l/100 km.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

5 Punkte

Preis-Leistung

9 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte

Empfehlenswerte Extras

Die Recaro-Schalensitze – kosten zwar 1700 Euro, sind aber ihr Geld wert und sehen noch dazu sehr fetzig aus. Kleiner Nachteil: Beim Einsteigen muss man vorsichtig sein und darf sich nicht auf die hohen Sitzflanken setzen, sonst droht eine Steißbeinprellung!

Das taugt uns

Der unverwechselbare, mutige Look, die praktischen Seiten, die gute Performance.

Bitte nachbessern

Das Infotainmentsystem funktioniert zwar wunderbar, ist aber in seiner Grafik schon in die Jahre gekommen; die Lenkung könnte direkter sein und besseres Feedback geben.

Unser Extra-Tipp

Es wird nicht mehr lange dauern, bis ein Nachfolger des Juke in Sicht kommt; das könnte man bei den Händlern als Verbesserung der Verhandlungsbasis nützen.
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