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TEST: RENAULT CAPTUR TCE 140 INITIALE PARIS

TEST: RENAULT CAPTUR TCE 140 INITIALE PARIS

Paris kann kommen

Die langjährige Nummer eins in Europas wichtigstem Segment hat sich schick gemacht: Der Auftritt des Captur II ist aus einem Guss, der Innenraum spielt mit neuem High-Tech und Luxus in der Premium-Liga, Komfort und Platzangebot steigen. Das französische Kompakt-SUV ist in der neuen Generation – sehr – erwachsen geworden.
Der Captur zählt zu den großen Aufsteigern der letzten Jahre – was macht ihn stark?
Renault hat früh erkannt, dass kleine SUVs bei den Kunden zu großen Stars werden – und mit dem charmanten, freundlich gepreisten Captur I (interne Bezeichnung Mk1) ab 2013 eine richtig gute Antwort auf die neue Nachfrage gegeben. Viele Jahre war der Franzose die Nummer eins in Europas wichtigstem Segment – dort, wo hohe Begehrlichkeit (nach SUVs) auf hohe Stückzahlen (der kleinen Klasse) trifft.
 
Was ändert sich nun in Generation zwei?
Alles. Der neue Captur (Mk2) basiert auf der neuen Plattform, mit der schon der Clio V kürzlich einen Entwicklungssprung gemacht hat, der deutlich über normale Modellwechsel hinausgeht.

Schon beim Auftreten scheint sich einiges getan zu haben, oder?
Das neue Design ist aus einem Guss und der Captur II ein gutaussehendes, hochwertig wirkendes Auto. Nicht so viele Kompakt-SUVs können wohl davon berichten, dass ihnen oft nachgeschaut wurde. Blickfänger sind die dynamischen Proportionen, die kantig-muskulösen Formen, dazu natürlich edlen LED-Lichter und im Testwagen auch 18-Zoll-Räder. Französischem Stilgefühl steckt zudem in den Lackfarben und Kombinationsmöglichkeiten, das Dach kontrastiert die restliche Karosserie jetzt wahlweise in Schwarz, Grau, Weiß oder Orange.
Ein gutaussehendes, hochwertig wirkendes Auto. Nicht viele Kompakt-SUVs können wohl davon berichten, dass ihnen oft nachgeschaut wurde.Ein gutaussehendes, hochwertig wirkendes Auto. Nicht viele Kompakt-SUVs können wohl davon berichten, dass ihnen oft nachgeschaut wurde.
Blickfänger sind die Proportionen und Farbkombinationen…Blickfänger sind die Proportionen und Farbkombinationen…
…und natürlich die vorne wie hinten edlen LED-Lichter.…und natürlich die vorne wie hinten edlen LED-Lichter.
Neue Liga: Der neue Captur macht einen Entwicklungssprung, der deutlich über normale Modellwechsel hinausgeht.Neue Liga: Der neue Captur macht einen Entwicklungssprung, der deutlich über normale Modellwechsel hinausgeht.

Der Captur ist größer geworden. Zahlt sich das Wachstum auch aus?
Eine Philosophiefrage, grundsätzlich haben wir in der Stadt ja nicht mehr Platz, nehmen also mit größeren Autos mehr davon weg. Das ist aber kein Renault-Thema, fast alle Marken lassen ihre Autos wachsen.
Beim Captur waren es bisher 4,12 Meter Länge, also noch zwischen Kleinwagen- und Kompaktklasse angesiedelt. Der Captur II misst 4,23 Meter, was schon eindeutig Kompaktklasse ist (Megane/Golf sind knapp unter 4,30 Meter lang). Das zahlt sich abgesehen vom erwachseneren Auftritt auf jeden Fall im Innenraum aus, speziell für die Fondpassagiere ist es etwas luftiger geworden, und für das Gepäck stehen nun beachtliche 422 Liter zur Verfügung (knapp 50 mehr als bisher und 40 mehr als zum Beispiel der aktuelle Golf 8 bietet). Mit der um 16 Zentimeter verschiebbaren Rückbank erhöht man die Flexibilität – und das Ladevolumen auf 536 Liter. Die Fondsitze gehen dann aber nur noch für Kinder. Bei umgelegten Fondsitzen geht das Volumen bist fast 1.300 Liter hinauf, die  Ladefläche steigt dann nach hinten nur leicht an.
Auch für Fahrer und Beifahrer fühlt sich der Captur II großzügiger an, für manche Knie könnte nur der Fußraum etwas breiter sein, da ist die Mittelkonsole etwas raumgreifend. Dort gibt es dafür viele Ablagemöglichkeiten, allgemein eine Stärke des Autos, vor allem das Handschuhfach ist größer als so mancher Sportwagen-Kofferraum.
 
Bei der Inneneinrichtung hat sich viel getan – was genau?
In Frankreich haben sie kürzlich damit begonnen, auch kleinere Autos im Stil der Oberklasse einzurichten. Ein netter Zug, denn bisher hatten Kleinwagen ja auch dann keine Premium-Einrichtung, wenn sie zu Premium-Preisen vermittelt wurden (Beispiel Mini). Jetzt greift der Trend zum Upgrade von Paris aus um sich, neben Renault verfolgt ihn auch Citroën-Peugeot. Das zeugt von Weitblick, denn durch die Emissions-Gesetzte der EU werden kleine Autos in den nächsten Jahren teurer werden (sie kommen dann auch nicht mehr um Plug-in-Hybrid und Elektro herum), man sollte also auch was bieten können.
Für Captur-Fahrer tut sich schon mal eine neue Welt auf, mit der Kleinwagenklasse hat das atmosphärisch nichts mehr zu tun. Die neuen Sitze schauen wie von Volvo aus (und das ist wahrlich nicht das schlechteste Vorbild), das Armaturenbrett ist über die ganze Breite weich gepolstert, die Mittelkonsole frei schwebend. Lenkrad und Schaltknauf greifen sich massiv an. Richtig oberklassig wird es – wie im Testwagen – mit der Topausstattung „Initiale Paris“: Die Stühle sind mit hellem Leder (optionale auch in Schwarz) tapeziert, das sich gut angreift. Im Schulterbereich wurden Karomuster gesteppt und an den Seiten braune Zierleisten verarbeitet. Auch Türinnenseiten, Armlehnen, Armaturenbrett und sogar die Mittelkonsole sind beledert.
Dazu kommen einige neue High-Tech-Elemente. Aufrecht und stolz steht der Multimedia-Bildschirm in der Mitte, als wäre er das neue Tablet von Apple. Die mit Metall eingefassten und mit kleinen Bilschirmen gefüllten Temperaturregler erinnern tatsächlich an Jaguar (wieder keine schlechtes Vorbild). Ein hoch auflösendes Display, in das auch die Navigation gespiegelt wird, ersetzt im Blickfeld des Fahrers die analogen Armaturen. Den Sound macht eine Anlage von Bose. Nicht in komplettem Umfang, aber schon über weite Strecken, lassen sich die Feinheiten von „Initiale Paris“ übrigens auch in den anderen Ausstattungen scheibchenweise dazu kombinieren. Nehmen Sie sich einen verregneten Nachmittag und fragen Sie den Konfigurator nach den Details.

Oberklassig wird es mit der Topausstattung „Initiale Paris“: Die Stühle sind mit hellem Leder tapeziert, dazu kommen High-Tech-Elemente.Oberklassig wird es mit der Topausstattung „Initiale Paris“: Die Stühle sind mit hellem Leder tapeziert, dazu kommen High-Tech-Elemente.
Das Armaturenbrett ist weich gepolstert und beledert.Das Armaturenbrett ist weich gepolstert und beledert.
Gesteppte Karomuster Im Schulterbereich. Schöne braune Zierleisten.Gesteppte Karomuster Im Schulterbereich. Schöne braune Zierleisten.
Der kleine Turbomotor und das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bilden jene Sorte Antrieb, der im Alltag ohne spezielle Vorkommnisse bleibt.Der kleine Turbomotor und das Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe bilden jene Sorte Antrieb, der im Alltag ohne spezielle Vorkommnisse bleibt.
Auf der (auch verschiebbaren) Rückbank ist es luftiger geworden.Auf der (auch verschiebbaren) Rückbank ist es luftiger geworden.
Das Kofferraumvolumen hat zugelget, kommt auf 422 bis 1.275 Liter.Das Kofferraumvolumen hat zugelget, kommt auf 422 bis 1.275 Liter.
Alles neu im Cockpit – aber ist die Bedienung auch logisch und benutzerfreundlich?
Renault verlagert nicht alle Funktionen in das Multimediasystem. Essentielle Bereiche wie Temperatur, Sitzheizung und Assistenzsysteme werden über althergebrachte (aber schön gemachte) Tasten und Drehregler bedient, was angenehm und effizient ist. Bestes Beispiel ist der mitlenkende Spurhalteassistent, den man gerne mal spontan ausschaltet, wenn er es zu gut meint mit der Unterstützung.
Das Grundlayout des Multimediasystems ist modern, es können am Touchscreen mehrere Bereiche gleichzeitig angezeigt und bedient werden. Nur die Navi-Graphik kann da optisch nicht mehr ganz mithalten. Längere Übung als frühere Cockpits brauchen die digitalisierten Cockpits auf jeden Fall, stellenweise braucht es auch einfach den einen oder anderen Schritt mehr als früher, aber nach der Eingewöhnungszeit funktionieren die Abläufe normal.
 
Wie fährt sich der Captur?
Mit der neuen Plattform wird der Fahrstil erwachsener. Der weiterhin komfortorientierte Captur liegt satt, die Motorgeräusche werden von den Passagieren abgeschirmt. Man ist angenehm entspannt unterwegs, ohne spezielle Vorkommnisse sozusagen. Das gilt auch für die Langstrecke, wo man gut gleitet, die neuen Sitze schätzt, nur Windgeräusche fallen mitunter auf.
Der getestete 1,3-Liter-Vierzylinder-Turbomotor kommt aus einer Kooperation mit Daimler, ist aber hier tatsächlich besser abgestimmt und komfortabler als in der A-Klasse und im GLA von Mercedes. Das Aggregat bildet zusammen mit dem Sieben-Gang-Doppelkupplungsgetriebe jene Sorte Antrieb, der im Alltag tiefenentspannt agiert und leise vor sich hin schnurrt. Nur bei forscher Fahrweise faucht er schon mal lauter und ein bisschen wild, aber das ist ohnehin nicht die Welt der Kompakt-SUV.
Der Verbrauch lag im Test nur knapp über dem Normwert von 6,3 Litern, ja nach Fahrweise auch darunter. Am Ende waren es 6,6 Liter. Nicht schlecht für eine durchaus flotte Benziner-Automatik-Kompakt-SUV-Konstellation.

Wie fühlen sich die Komfort- und Sicherheits-Assistenten in der Praxis an?
Am auffälligsten ist, dass der Captur durch deutlich merkbare Lenkeingriffe auf seiner Fahrspur zentriert wird, also bei Abweichungen gegenlenkt. Was speziell bei langen Fahrten ein lebensrettendes Feature sein kann, nervt im Alltag mitunter auch. Intelligente Nutzer sind also gefragt: Das System einfach ein- und ausschalten, wie es vernünftig ist.
Sehr angenehm kann fallweise der adaptive Tempopilot sein, er hält automatisch die Distanz zum Vordermann, im Stau oder zähflüssigen Verkehr bremst das System sogar bis zum Stillstand ab und fährt selbstständig wieder los.
 
Für den Captur I gab es immer attraktive Angebote. Sind die Preise nun gestiegen?
Ja schon ein bisschen, der Captur ist aber auch auf einem neuen Level angekommen. Dennoch finden sich bei Renault weiter gute Captur-Aktionstarife ab rund 16.500 Euro. Auch die 30.890 Euro für die getestete Topversion „Initiale Paris“, die wirklich ein Erlebnis ist, sind ein gutes Angebot.

Das Fazit zum Captur II?
Ein sehr erwachsener Auftritt, der Captur II macht einen Entwicklungssprung, der deutlich über normale Modellwechsel hinausgeht. Das Design ist aus einem Guss, der Innenraum spielt dank High-Tech und Luxus in der Premium-Liga, Fahrkomfort und Platzangebot sind gestiegen.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der Captur II ist – sehr – erwachsen geworden. Der Auftritt des französische Kompakt-SUV ist aus einem Guss, sein Innenraum spielt mit neuem High-Tech und Luxus in der Premium-Liga, Komfort und Platzangebot steigen.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Der Captur II ist – sehr – erwachsen geworden. Der Auftritt des französische Kompakt-SUV ist aus einem Guss, sein Innenraum spielt mit neuem High-Tech und Luxus in der Premium-Liga, Komfort und Platzangebot steigen."

DATEN & FAKTEN

Renault Captur TCe140 EDC PF Initiale Paris

(November 2020)

Preis

Testwagen in Topausstattung 30.890 Euro. Einstiegspreis 19.240 Euro. Aktionspreise derzeit ab 16.740 Euro.

Antrieb

1,3-Liter- Vierzylinder- Turbobenziner, 140 PS, 260 Nm bei 1.750 U/min, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Frontantrieb.

Abmessungen

Länge 4.23 m, Breite 1.80 mm, Höhe 1.58 m. Radstand 2,64 mm. Kofferraumvolumen 422 bis 1.275 Liter.

Gewicht

Eigengewicht 1.387 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 1.834 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 196 km/h. 0-100 km/h in 9,2 sec. Normverbrauch nach WLTP-Zyklus 5,8 bis 6,3 Liter. CO2-Emission 132 – 143 g/km.

Testverbrauch

6,6 Liter

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

7 Punkte

Preis-Leistung

8 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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