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Test: Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200

Test: Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200

Sinn und Sinnlichkeit

Der Renault Austral ist ein Familienauto mit erfreulichem Preis-Leistungs-Verhältnis und Platzangebot. Der nahezu stille Antrieb, die aufwändig choreographierte Agilität, der neue Multimedia-Ansatz und die coole Einrichtung kreieren aber auch ein feines Fahrerlebnis. Warum sich der Hybrid ganz anders als ein Diesel anfühlt und doch in einem Bereich ähnlich ist, was sich in der Bedienung grundlegend ändert und welchen Fahrstil der Franzose bevorzugt, erklärt der Test.
Einführung: Was muss man über den Austral wissen?
Renault baut sein Kompakt-SUV mit neuer Technik nach alter Schule. Die Franzosen haben in der Kompaktklasse schon edle, elektrische Designerware auf die Räder gestellt, mit dem Megane E-Tech Electric gar die Premiummarken überrumpelt – noch ist aber nicht jede Neuvorstellung ein Elektroauto. Bei den Kompakt-SUVs heißt es weiter Zapfsäule statt Ladesäule, vor allem für privat genutzte Familienautos ist das weiterhin günstiger und reisefreundlicher. Den Kadjar ersetzt Renault durch den Austral und will im zweiten Anlauf endlich den Tiguan angreifen. Das Potenzial wäre vorhanden: Der Austral baut auf der neuen, von der Konzernallianz entwickelten CMF-CD-Plattform dritter Generation auf, bekommt dadurch Zugang zu High-Tech-Lösungen wie Vollhybrid, Allradlenkung und Multimedia der nächsten Generation. Seit der Mailänder Luca de Meo, den die Branche als exzellenten Markenentwickler schätzt, im Konzern das Steuer übernommen und für Renault den hochbegabten Gilles Vidal als Designer angeheuert hat, liegt auch ein besonderer Focus auf Gestaltung und Einrichtung.
 
Wie wirkt das neue Design?
Es fällt auf. Renault hat dem klassisch-raumorientierten Kompakt-SUV-Aufbau ein sportives Styling gegeben, wie man es im Segment nicht alle Tage sieht. Die Front mit stark gewölbter Motorhaube, spektakulär geformten Scheinwerfern, breitem Kühlergrill und markantem Frontblade taucht bullig im Rückspiegel auf. Seitlich fallen die kurzen Überhänge auf, zudem haben die Designer starke Sicken eingezogen, die Radkästen extra betont und 20 Zoll große Felgen untergebracht. Hinten laufen imposante LED-Lichter aufeinander zu, ohne sich ganz zu treffen, was eine schöne Abwechslung zu den ewig gleichen Lichtbändern ist. Auch die Farbwahl ist speziell: Das Mattgrau des Sportwagens Alpine A110 wird beim Testwagen mit schwarzem Dach und Spoiler-Werk kombiniert – das hat was!
 
 
Wie hat Renault den Austral eingerichtet?
Auch innen ist bei Renault ein cooler neuer Stil eingezogen. Im Testwagen mit der sportiven Ausstattungslinie „Esprit Alpine“ waren die Türinnenseiten, das Armaturenbrett und Teile der Sitze mit kuscheligem Alcantara bezogen. Blaue und teilweise auch blau-weiß-rote Ziernähte, süße Frankreich-Fähnchen und sogar eingestickte Alpine-Logos verzieren den hochwertigen Stoff. Fahrer und Beifahrer legen die Arme auf eine breite, lederbezogene Mittelkonsole, die Hand des Piloten ruht auf einer verschiebbaren, ebenfalls hochwertigen Auflagefläche. Dass Renault auch den Preis im Blick behält, zeigt der Wechsel auf harte Kunststoffe in den unteren Bereichen des Innenraums. Mehr stört uns, dass den Ablagen und Staufächern der rutschfeste Belag fehlt, also das Scharren des dort platzierten Krimskrams mitunter zu hören ist. Feinen Premiumsound produziert dagegen das hochwertige Audiosystem von Harman Kardon.
Renault baut sein Kompakt-SUV mit neuer Technik nach alter Schule: Bei den Kompakt-SUVs heißt es weiter Zapfsäule statt Ladesäule.Renault baut sein Kompakt-SUV mit neuer Technik nach alter Schule: Bei den Kompakt-SUVs heißt es weiter Zapfsäule statt Ladesäule.
Hinten laufen imposante LED-Lichter aufeinander zu.Hinten laufen imposante LED-Lichter aufeinander zu.
Spektakulär geformten Scheinwerfern auch vorne.Spektakulär geformten Scheinwerfern auch vorne.
Cool, oder? Das Mattgrau des Sportwagens Alpine A110 wird beim Testwagen mit schwarzem Dach und Spoiler-Werk kombiniert.Cool, oder? Das Mattgrau des Sportwagens Alpine A110 wird beim Testwagen mit schwarzem Dach und Spoiler-Werk kombiniert.
Eine neue High-Tech-Ära im Cockpit?
Definitiv. Wie beim neuen Megane wird das Cockpit von einem monumentalen L-förmigen Bildschirm dominiert: Hinter hochwertiger Glasoberfläche verschmelzen ein 12-Zoll-Querformat-Instrumendisplay und ein 12-Zoll-Hochformat-Touchscreen – ergibt zusammen 774 Quadratzentimeter Digitalsystem, mehr als in vielen Premiumfahrzeugen. Weitere Anzeigenfläche gibt es im 9,3-Zoll-Head-up-Display, neben der Geschwindigkeit und Navigationspfeilen kann es auch viele Warnhinweise in die Windschutzscheibe projizieren.
Dass Renault im Multimedia-Bereich an der Konkurrenz vorbeizieht, liegt aber vor allem am neuen Ansatz für die Software: Statt sich mit eigenen, geschlossenen IT-Systemen abzumühen, obwohl viele Kunden die Android- oder Carplay-Apps der amerikanischen Software-Giganten bevorzugen, öffnen sich die Franzosen gleich den Tech-Riesen. Das Infotainment-System des Austral heißt „OpenR link“ und basiert auf „Android Automotive OS“, entwickelt wurde es in Zusammenarbeit mit Google. Das wichtigste aller Mobilitäts-Tools, Google Maps, ist dadurch serienmäßig mit größtmöglicher Kartendarstellung integriert, was im Alltag viele Vorteile hat: Nicht nur Straßen, sondern auch Lokale, Shops und andere Sonderziele findet das System blitzartig – durch Tippen ebenso wie durch Zurufe. Die aktuellen, sofort in der Routenführung berücksichtigten Verkehrsinformationen sind unschlagbar genau, in Zeiten der Klima-Kleberei auch in der Stadt immer wichtiger. Über Google Play können viele gängige Apps von Drittanbietern direkt in das System eingebunden werden, Darstellung und Benutzerfreundlichkeit sind dadurch besser. Bedienen lässt sich „OpenR link“ ähnlich intuitiv und schnell wie ein Smartphone. Trotz des sehr digitalisierten Cockpits werden wichtige Bereiche wie Klimatisierung und Audio weiterhin über Schalter in der Mittekonsole und am Lenkrad organisiert, sehr angenehm.
Die Assistenzsysteme lassen sich – das ist inzwischen sehr wichtig – unkompliziert ausschalten. Insgesamt sind 32 dieser Dienstleister verfügbar, zum Beispiel eine teilautonome Fahrhilfe, die jetzt auch Kreisverkehre erkennt und davor die Geschwindigkeit anpasst. Persönlich finden wir aus der ganzen Helferschar das 360-Grad-Einparksystem am sinnvollsten und praktischsten.
 
Ist das Platzangebot gut?
Für eine klassenübliche Außenlänge von 4,51 Metern ist das Platzangebot erstaunlich großzügig und familienfreundlich. Da wirkt sich die neue, optimierte Plattform eindeutig aus. Vorne sitzen Fahrer und Beifahrer angenehm weit auseinander, hinten freuen sich die Passagiere über umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten: Die Rückbank kann – geteilt im Verhältnis 40:60 – insgesamt 16 Zentimeter verschoben werden, um die Beinfreiheit zu vergrößern. Zudem sind die Rückenlehnen dreistufig in der Neigung verstellbar.
In der Fünfsitzer-Konfiguration variiert das Kofferraumvolumen der Vollhybrid-Variante durch die Rückbankverstellung zwischen 430 bis 555 Litern – überzeugende Werte, die allerdings 75 Liter unter dem Austral mit Mild-Hybridantrieb liegen. Beim Einladen ist eine kleine Ladekante zu überwinden. Mit umgeklappter Rücksitzbank erreicht das Fassungsvermögen dann beachtliche 1.455 Liter, wobei die erweiterte Ladefläche beim Übergang zur Rückbank eine Stufe hat. Praktisch sind die Griffe im Kofferraum, mit denen die Rücksitzlehnen aus der Ferne umgeklappt werden können. Auch Haken, Stromstecker und vernünftige Beleuchtung hat Renault in der Lade-Zone verbaut. Die elektrische Heckklappe brauchen wir in dieser Klasse dagegen nicht unbedingt, mit der Hand wäre man immer etwas schneller.
Hinter hochwertiger Glasoberfläche verschmelzen ein 12-Zoll-Querformat-Instrumendisplay und ein 12-Zoll-Hochformat-Touchscreen.Hinter hochwertiger Glasoberfläche verschmelzen ein 12-Zoll-Querformat-Instrumendisplay und ein 12-Zoll-Hochformat-Touchscreen.
Lederlenkrad mit Tricolore-Nähten. Lenkradschaltung mit zartem Hebel.Lederlenkrad mit Tricolore-Nähten. Lenkradschaltung mit zartem Hebel.
Digitales Informationsdisplay für den Fahrer.Digitales Informationsdisplay für den Fahrer.
Bei der sportiven Ausstattungslinie „Esprit Alpine“ sind die Türinnenseiten, das Armaturenbrett und Teile der Sitze mit kuscheligem Alcantara bezogen.Bei der sportiven Ausstattungslinie „Esprit Alpine“ sind die Türinnenseiten, das Armaturenbrett und Teile der Sitze mit kuscheligem Alcantara bezogen.
Die LED-Beleuchtung zieht sich von den Türen bis über das Armaturenbrett.Die LED-Beleuchtung zieht sich von den Türen bis über das Armaturenbrett.
Eingestickte Alpine-Logos verzieren den hochwertigen Stoff.Eingestickte Alpine-Logos verzieren den hochwertigen Stoff.
Dass Renault im Multimedia-Bereich an der Konkurrenz vorbeizieht, liegt aber vor allem an neuen Ansatz für die Software.Dass Renault im Multimedia-Bereich an der Konkurrenz vorbeizieht, liegt aber vor allem an neuen Ansatz für die Software.
LED-Band und Alcantarabezug am Armaturenbrett.LED-Band und Alcantarabezug am Armaturenbrett.
Praktische Fernentriegelung für die Rücksitzlehnen.Praktische Fernentriegelung für die Rücksitzlehnen.
Mit umgeklappter Rücksitzbank erreicht das Fassungsvermögen dann gute 1.455 Liter, wobei die  Ladefläche beim Übergang zur Rückbank eine Stufe hat.Mit umgeklappter Rücksitzbank erreicht das Fassungsvermögen dann gute 1.455 Liter, wobei die Ladefläche beim Übergang zur Rückbank eine Stufe hat.
Kurzer Überblick: Welche Technik kommt im Austral zum Einsatz?
Der Austral setzt auf Mildhybrid- und Vollhybrid-Varianten mit 140 bis 200 PS, die ohne Steckdose auskommen. Diesel hat ausgedient und Allradantrieb, den es im Kadjar noch in konventioneller Form mit Verteilergetriebe gab, ist derzeit nicht im Programm. Für das Fahrwerk wird optional eine Vierradlenkung inklusive Mehrlenker-Hinterachse angeboten, der Aufpreis beträgt 1.600 Euro.

Wie ist das Vollhybridsystem des Testwagens aufgebaut?
Beim Vollhybrid (E-Tech Full Hybrid 200) arbeiten ein Benziner und zwei Elektromaschinen zusammen – ein E-Motor und ein Hochspannungs-Startergenerator, der den Verbrennungsmotor startet, die Gänge wechselt und die Batterie auflädt. Verwaltet wird die Leistung von einem automatisierten Multimode-Getriebe. Die Batterie hat eine Kapazität von 1,7 kWh, der Elektromotor kommt auf auf 50 kW Leistung. Verbrennungsmotor ist ein 1,2-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor mit Turbolader, der 131 PS mobilisiert. Die kombinierte Hybrid-Systemleistung liegt bei 200 PS.
 
Wie fährt sich der Austral mit Vollhybridantrieb und Allradlenkung?
Das 200 PS starke Hybridsystem ist im Alltag ein hochkomfortabler Antrieb. Der Austral fährt elektrisch los und hält schon in tiefen Drehzahlen ein angenehmes Drehmoment bereit, spricht im Vergleich zum Verbrenner auch agiler an. Dazu kommt der akustische Komfortgewinn, weil der Benziner wenig gefordert wird oder das Auto rein elektrisch dahingesegelt. Man bewegt sich ohne Schaltrucke mit einem nahezu stillen Antrieb – besser kann man nicht durch den Alltag gleiten.
Dass ein auf einem Dreizylindermotor basierendes Antriebssystem so komfortabel durch den urbanen Alltag kommt, ist schon erstaunlich. Wirklich beindruckend ist aber, dass das System auch bei stärkerer Beschleunigung souverän zulegt und der kleine Benziner nicht aufdringlich wird. Das Premium-Feeling bleibt somit auch in höheren Geschwindigkeitsbereichen außerhalb der Stadt erhalten. Nicht nur Diesel-Umsteiger wird das Hybridsystem erstaunen, die aber ganz besonders. Beim Verbrauch gibt es indes noch Ähnlichkeiten, wie 6,0 Liter Testverbrauch zeigen. Im Vergleich zum Selbstzünder sind die Ausschläge nach oben und unten etwas anders: Im Stadtverkehr und beim Überland-Gleiten lässt sich der Schnitt leicht unterbieten, auf Bergstrecken und der Autobahn liegt der Verbrauch höher.
Die Lenkradschaltung mit zartem Hebel braucht gewisse Gewöhnungszeit, ist danach aber überzeugend. Dass der Austral nach dem Einlegen des Vor- oder Rückwärtsganges immer noch ganz leicht in die vorhergehende Richtung rollt, stört mitunter beim Einparken. 
Das Fahrwerk federt lange Wellen sehr gut weg und ist auf Reisen generell komfortabel. Bei niedrigem Tempo und kurzen Stößen kann durch die eher harten Federn auch mal etwas Unruhe aufkommen. Mit der Allradlenkung „4Control advanced“, die zusammen mit einer Mehrlenker-Hinterachse verbaut wird, erhält der Austral eine aufwändig choreographierte Agilität. Bei der bereits dritten Generation dieses Systems können die Hinterräder fünf Grad mitlenken. Wenn man noch nie mit der „4Control“ unterwegs war, fühlt sich die zusätzliche Bewegung im Heck anfangs etwas ungewohnt an, aber man gewöhnt sich: Sie gibt dem Auto einer tolle Wendigkeit bei niedrigem Tempo, der Wendekreis sinkt auf Clio-Maß, das Auto fühlt sich sehr beweglich an. Dazu passt die auffallend leichtgängige Lenkung. Bei hohem Tempo wird hinten dann Gegengelenkt und dadurch die Stabilität erhöht, auch das mit spürbarem Effekt. Die flottere Gangart beherrscht der Austral durchaus, Sport-SUV ist er aber keines.
 
Wie schaut es finanziell aus?
Günstig sind die Kompakt-SUVs der neuen Generation generell nicht mehr, der Austral fällt in seiner Klasse aber mit erfreulichem Preis-Leistungs-Verhältnis auf – das zeigt besonders der Testwagen, der mit Topmotorisierung und Topausstattung bei 45.000 Euro landet. Auch unter 35.000 Euro ist ein vernünftiger Einstieg möglich.

Das Fazit?

Mit erfreulichem Preis-Leistungs-Verhältnis und Platzangebot ist der Austral ein sinnvolles Familien-Auto – durch den nahezu stillen Antrieb, die aufwändig choreographierte Agilität, das überlegene Multimedia-System und die Alpine-Einrichtung aber auch ein cooler Typ.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Sinnvolles Familien-Auto mit erfreulichem Preis-Leistungs-Verhältnis und Platzangebot. Durch den nahezu stillen Antrieb, die aufwändig choreographierte Agilität, das überlegene Multimedia-System und die Alpine-Einrichtung aber auch ein cooler Typ.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Sinnvolles Familien-Auto mit erfreulichem Preis-Leistungs-Verhältnis und Platzangebot. Durch den nahezu stillen Antrieb, die aufwändig choreographierte Agilität, das überlegene Multimedia-System und die Alpine-Einrichtung aber auch ein cooler Typ."

DATEN & FAKTEN

Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200

(Mai 2023)

Preis

E-Tech Full Hybrid 200 je nach Ausstattung 40.490 Euro bus 45.020 Euro. Einstiegspreis Austral: 32.250 Euro.

Antrieb

Vollhybridantrieb mit 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo-Benziner (131 PS), zwei Elektromotoren (68 PS) und Multi-Mode-Automatikgetriebe. Systemleistung 147 kW / 200 PS. Vorderradantrieb.

Abmessungen

Länge: 4,51 Meter, Breite: 1,83 Meter, Höhe: 1,62 Meter. Radstand: 2,67 Meter. Bodenfreiheit: 170 Millimeter. Kofferraumvolumen: 430 bis 1.455 Liter.

Gewicht

Leergewicht ab 1.696 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 2.153 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 175 km/h, Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 8,4 Sekunden, Verbrauch nach WLTP 4,6 Liter, CO2-Emission nach WLTP 105 – 110 g/km.

Testverbrauch

6,0 Liter

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

8 Punkte

Vernunft

7 Punkte

Preis-Leistung

8 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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