loading...

Erster Test: MG4

Erster Test: MG4

Formkurve ansteigend

Die neu gestartete Marke MG bringt einen klassischen Kompakten mit Elektromotor: Der MG4 verlangt stellenweise Anpassungsfähigkeit, fährt aber souverän und kostet nicht mehr als Verbrenner-Modelle. Warum die Formkurve von MG ansteigt, wie sich das Fahrgefühl ändert und welche Reichweite realistisch ist, erklärt der erste Test.
Wie läuft es für die alte neue Marke MG?
Die ehemals britische Marke gehört heute zum chinesischen Autokonzern SAIC und will sich mit preislich attraktiven Elektroautos neu etablieren. Lokaler Partner ist die Denzel Gruppe, seit vielen Jahren auch Generalimporteur für Hyundai und Mitsubishi. In Österreich gibt es inzwischen 33 Niederlassungen und mehrere Tausend neue MG-Fahrer. Zudem liegen über 3.000 Bestellungen vor, die in den nächsten Monaten abgearbeitet werden. Bei Elektroautos scheint das Vertrauen in neue Marken ungleich höher zu sein, zudem ergeben sich durch die grundsätzlich höheren Anschaffungskosten neuen Chancen für preisgünstige Herausforderer wie MG Motor.
 
Muss man die Namensgebung verstehen?
Sie ist noch nicht stringent. Nach ZS, EHS und Marvel R folgen die letzten Neuheiten aber dem gleichen Schema: Der MG5 ist ein Kompaktklasse-Kombi, der MG4 ein klassischer Kompakter mit Steilheck.
 
Warum ist der neue MG4 eine Zäsur?
Weil er eine neue Plattform verwendet, mit der sich MG erneut weiterentwickelt: Der MSP-Baukasten (Modular Scalable Platform) ist für verschiedenste Autotypen vom Kleinwagen bis zur oberen Mittelklasse geeignet. Limousine, SUVs und auch Sportwagen sollen künftig darauf aufbauen. Der Radstand kann von 2.650 bis 3.100 Millimeter skaliert werden.
 
Wie wirkt das Design auf der Straße?
Der 4,29 Meter lange MG4 ist ein klassischer Steilheck-Kompakter, quasi Golfklasse. Die glatte Front mit großen Scheinwerfern hat eine gewisse Tesla-Anmutung, das gedrungene und getunte Heck eine betont sportliche Stilrichtung.
Ins Auge stechen vorne die sportiven Lufteinlässe, der Einzug auf der Fronthaube und die sechsteiligen LED-Lichtsignaturen. Was man nicht sofort sieht: Der Grill im unteren Teil der Frontschürze ist beweglich und schließt bei geringem Kühlluftbedarf automatisch. Das Heck ist von extremen Proportionen geprägt: Der farblich abgesetzte Diffusor fällt sehr groß aus, das Heckfenster ziemlich schmal. Dazu kommen als weitere Eyecatcher der zweigeteilte Dachspoiler und das dreidimensionale Rückleuchten-Element mit durchgehendem LED-Band und Lichtmuster auf der Oberseite.
Glatte Front mit gewisser Tesla-Anmutung. Ins Auge stechen die sportiven Lufteinlässe und der Einzug auf der Fronthaube.Glatte Front mit gewisser Tesla-Anmutung. Ins Auge stechen die sportiven Lufteinlässe und der Einzug auf der Fronthaube.
Großer Frontscheinwerfer mit sechsteiliger LED-Lichtsignatur.Großer Frontscheinwerfer mit sechsteiliger LED-Lichtsignatur.
Rückleuchten-Element mit durchgehendem LED-Band.Rückleuchten-Element mit durchgehendem LED-Band.
Das gedrungene und getunte Heck mit betont sportlicher Stilrichtung.Das gedrungene und getunte Heck mit betont sportlicher Stilrichtung.
Wie fühlt sich der MG4 im Innenraum an? Wie gut klappt die Bedienung?
Reduziertes Design mit glatten Flächen dominiert den Innenraum. Der MG4 bündelt sehr viele Funktionen im mittigen 10,25-Zoll-Touchscreen und verzichtet am Armaturenbrett vollständig auf Rädchen und Knöpfe. Dass man für die meisten Bedienschritte in die Multimedia-Menüs einsteigen muss, darunter auch Temperatursteuerung und Sitzheizung, verlangt natürlich eine gewisse Anpassungsfähigkeit und Digital-Affinität, jüngeren Fahrer/Usern ist es freilich recht egal. Unstrittig ist aber, dass die Touch-Felder größer sein sollten und nicht alle Menüs rätselfrei sind. Immer wieder glänzt die Software aber auch: Blitzschnell lässt sich zum Beispiel ein Navigationsziel eingeben, mehrere Themenbereiche können nebeneinander angezeigt werden, Android Auto und Apple Carplay verbinden ohne Kabel, für das integrierte Navigationssystem ist Echtzeit-Routenführung verfügbar. Gut funktioniert auch die Kommunikation mit dem 7,0-Zoll-Kombiinstrument über die Lenkradfernbedienung. Praktisch sind die großzügigen Ablagen auf und unter der freistehenden Mittelkonsole. Die Materialqualität ist im normalen Klassenschnitt, die Verarbeitung passt.
Vorne haben größere Fahrer genügend Platz, nur ihr Knie eckt etwas bei der Mittelkonsole an. Hinten sind Bein- und Kopffreiheit auch für Erwachsene überzeugend. Beim Kofferraumvolumen kommt der MG4 auf klassenübliche 363 bis 1.177 Liter beziehungsweise 350–1.165 Liter in der in der Luxury-Variante. Durch das Umlegen der Fondlehnen entsteht eine Kante beim Übergang zur Rückbank, der hintere Bereich der Ladefläche steigt etwas an.
 
Wie fährt sich der MG4?
Mit der neuen, erstmals eingesetzten Plattform steigt die MG-Formkurve deutlich. Während der Kombi MG5 komfortorientiert ist und sich sportlich noch nicht besonders auszeichnet, geht jetzt beides: Der MG4 kombiniert überzeugenden Federungskomfort mit agilem Handling. Zielgenaues Einlenken und durchaus flotte Kurvenfahrten sind möglich. Die MacPherson-Vorderachse und die Mehrlenker-Hinterachse wurden gut abgestimmt, Heckmotor und Hinterradantrieb sorgen für ordentliche Traktion, zudem ist das Auto für einen Stromer nicht schwer. Der Antritt des 204-PS-Antriebs ist kraftvoll und sportiv, wenn auch nicht spektakulär (das holt die geplante Version mit 400 PS+ nach). Die Fahrleistungen bleiben im Alltag stets souverän, auch auf der Autobahn. Das Antriebsgeräusch ist kaum hörbar, generell bleibt es innen recht leise.
Wie in fast allen neuen Autos kommen auch im MG4 viele Assistenzsysteme zum Einsatz. Die Sicherheitswarnstufe ist stets hoch, beispielsweise meldet sich der Müdigkeitswarner oft und der Spurhalteassistent lenkt früh gegen. Viele Systeme lassen sich über das Multimedia-Menü auch abschalten, zwei bis drei Bedienschritte sind notwendig.
Reduziertes Design mit glatten Flächen dominiert den Innenraum. Der MG4 bündelt sehr viele Funktionen im mittigen 10,25-Zoll-Touchscreen.Reduziertes Design mit glatten Flächen dominiert den Innenraum. Der MG4 bündelt sehr viele Funktionen im mittigen 10,25-Zoll-Touchscreen.
Gut unterwegs: Der MG4 verbindet Fahrkomfort und Handling überzeugend. Auch die Praxis-Reichweite von rund 400 Kilometern ist stark.Gut unterwegs: Der MG4 verbindet Fahrkomfort und Handling überzeugend. Auch die Praxis-Reichweite von rund 400 Kilometern ist stark.
Beim Kofferraumvolumen kommt der MG4 auf klassenübliche 363 bis 1.177 Liter.Beim Kofferraumvolumen kommt der MG4 auf klassenübliche 363 bis 1.177 Liter.
Wie groß ist der Akku und welche Reichweite ergibt sich daraus?
Der mit nur elf Zentimetern Höhe sehr flache Akku wird in mehreren Varianten angeboten. Zum Start gibt es 51 kWh mit 170 PS und bis zu 350 Kilometern Reichweite sowie 64 kWh mit 204 PS und bis zu 450 Kilometern Reichweite. Beide Varianten bieten das gleiche maximale Drehmoment von 250 Newtonmeter, unterscheiden sich also im Antritt nicht deutlich. Der kleinere Akku lädt mit 6,6 kW (AC-Wechselstrom) beziehungsweise bis zu 117 kW (DC-Gleichstrom), die größere Variante mit 11 kW (AC) und 135 kW (DC). Im Idealfall treibt man den Akkustand in 35 Minuten von 10 auf 80 Prozent, oder anders gesagt: In gut einer halbe Stunde lassen sich rund 300 Kilometer Reichweite nachladen. Das übliche Lademanagement über eine Smartphone-App wird ebenso angeboten wie eine Lademöglichkeit für externe Geräte wie E-Bikes, Smartphones oder Computer über die Fahrzeugbatterie.
Der Testverbrauch des stärkeren MG4 (204 PS und 64 kWh-Batterie) kam bei rund 10 Grad Außentemperatur und normaler Fahrweise auf 18,5 kWh, also leicht über dem 16.6-kWh-Normverbrauch. Somit kann man in der Praxis ohne größere Anstrengungen mit rund 400 Kilometern Reichweite kalkulieren, auf der Autobahn mit 300 Kilometern.
 
Was hat MG noch in petto?
Eine Long-Range-Variante mit 77-kWh-Batterie und über 500 Kilometern Reichweite soll ebenso kommen wie die erwähnte Sportversion mit über 400 PS und Null-auf-Hundert-Sprint unter vier Sekunden!
 
Wann startet er MG4 und zu welchen Preisen?
Erste Fahrzeuge werden noch 2022 ausgeliefert. Die Preisliste beginnt bei 32.990 Euro, nach Abzug der E-Mobilitätsförderung bedeutet das 27.590 Euro – also eine Kampfansage an die Elektro-Konkurrenz.
 
Das Fazit?
Mit der neuen Plattform zeigt die MG-Formkurve vor allem bei Fahrkomfort und Handling nach oben. Der MG4 fährt sich gut und flott. Auch die Praxis-Reichweite – rund 400 Kilometer mit der größeren Batterie – überzeugt. Dass bei der Bedienung noch Verbesserungspotenzial besteht, lässt sich da wohl verschmerzen. Zumal es ein Elektroauto hier zum Preis eines Verbrenners gibt.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Fahrkomfort und Handling überzeugen, der MG4 fährt sich angenehm und flott. Auch die Praxis-Reichweite – rund 400 Kilometer mit der größeren Batterie – ist gut. Dass bei der Bedienung noch Verbesserungspotenzial besteht, lässt sich da wohl verschmerzen. Zumal es ein Elektroauto hier zum Preis eines Verbrenners gibt.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Fahrkomfort und Handling überzeugen, der MG4 fährt sich angenehm und flott. Auch die Praxis-Reichweite – rund 400 Kilometer mit der größeren Batterie – ist gut. Dass bei der Bedienung noch Verbesserungspotenzial besteht, lässt sich da wohl verschmerzen. Zumal es ein Elektroauto hier zum Preis eines Verbrenners gibt."

DATEN & FAKTEN

MG4 Electric Standard / Comfort / Luxury

(November 2022)

Preis

Standard 32.990 Euro, Comfort 36.990 Euro, Luxury 38.990 Euro. E-Mobilitätsförderung in der Höhe von 5.400 Euro kann abgezogen werden.

Antrieb

Version Standard: E-Motor, Leistung 125 kW / 170 PS (bei 6.500 min), Drehmoment 250 Newtonmeter. 51-kWh-Lithium-Eisen-Phosphat-Batterie, Laden mit max. 6,6 kwh (AC) bzw. 117 kW (DC).
Version Comfort / Luxury: E-Motor, Leistung 150 kW / 204 PS (bei 7.000 min), Drehmoment 250 Newtonmeter. 64-kWh-Nickel-Kobalt-Mangan-Batterie, Laden mit max. 11 kwh (AC) bzw. 135 kW (DC).

Abmessungen

Länge 4.287 mm, Breite 2.060 mm (inkl. Spiegel), Höhe, 1.504 mm. Radstand 2.705 mm. Kofferraumvolumen 363 – 1.177 Liter (Version Standard/Comfort) bzw. 350 – 1.165 Liter (Version Luxury).

Gewicht

Leergewicht 1.685 kg. Zulässiges Gesamtgewicht 2.133 kg.

Fahrwerte

Standard:
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h (abgeregelt). Beschleunigung 0–50 km/h in 3,1 Sekunden, 0–100 km/h in 7,7 Sekunden, WLTP-Reichweite 350 km, WLTP-Verbrauch 17,0 kWh.
Comfort/Luxury:
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h (abgeregelt). Beschleunigung 0–50 km/h in 3,5 Sek, 0–100 km/h in 7,9 Sek. WLTP-Reichweite 450 km (Comfort) bzw. 435 km (Luxury), WLTP-Verbrauch 16,0 kWh (Comfort) bzw. 16,6 kWh (Luxury).

Testverbrauch

18,5 kWh (= Reichweite ca. 400 Kilometer) mit 64-kWh-Batterie.
ZURÜCK ZUR ÜBERSICHT