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Test: VW Tiguan Allspace 2,0 TDI

Test: VW Tiguan Allspace 2,0 TDI

Klassik für gehobene Ansprüche

Der Tiguan bleibt das Paradebeispiel eines praktischen Familienautos und ist weiter in den Top 10 der Zulassungsstatistik zu finden. Die Langversion kann es in Auftritt und Ausmaßen auch mit der oberen SUV-Liga aufnehmen. Warum die VW-Dieselmotoren zu alter Stärke gefunden haben, wie der 200-PS-TDI mit Allrad zum großen Tiguan passt und was diese Variante zum Luxus macht, erklärt der große Test.
15 Jahre Tiguan – wie hat sich das Kompakt-SUV entwickelt?
Der erste Tiguan war ein Riesenerfolg, mit ihm nahm der SUV-Boom ab 2007 so richtig Fahrt auf. Beim Modellwechsel von 2016 hat der VW-Bestseller mit dem Modularen Querbaukasten (MQB) aufgerüstet und optisch zwei Klassen zugelegt. 2017 konnte er sich durch die Langversion Allspace noch einmal höher positionieren. Im Jahr 2022 präsentiert er sich als ausgereifter, frisch überarbeiteter Klassiker, der weiter in den Top 10 der Zulassungsstatistik zu finden ist (Platz 9 im Zeitraum Jänner – September 2022), obwohl es mit ID.4, ID.5 und ID. Buzz wachsende Elektro-Konkurrenz aus dem eigenen Haus gibt.
 
Wie steht der VW-Bestseller optisch da?
Erneut zeigt sich, dass das klassische VW-Design lange aktuell bleibt, der Tiguan ist nach wie vor ein fesches SUV. Der stolze Auftritt der über 4,70 Meter langen XL-Version konnte es schon bisher mit der oberen SUV-Liga aufnehmen, jetzt kommen noch ein paar Premium-Insignien dazu: Optional gibt es erstmals luxuriöse LED-Matrix-Scheinwerfer (IQ.LIGHT), mit im Pakt sind dynamische Blinker mit fließender Lichtbewegung und aufwendig gestaltete LED-Rückleuchten. Auch die durchgehende Lichtleiste im Kühlergrill und die neue Lichtsignatur machen den Tiguan Allspace eleganter.
Optisch immer eine gute Idee ist die sportliche R-Line-Ausstattung, die mit dem „Black Style“-Designpaket kombiniert werden kann. Das Gesamtergebnis zeigt der Testwagen.
Der Auftritt der über 4,70 Meter langen XL-Version konnte es schon bisher mit der oberen SUV-Liga aufnehmen, jetzt kommen weitere …Der Auftritt der über 4,70 Meter langen XL-Version konnte es schon bisher mit der oberen SUV-Liga aufnehmen, jetzt kommen weitere …
… Premium-Insignien dazu: Aufwendig gestaltete LED-Rückleuchten …… Premium-Insignien dazu: Aufwendig gestaltete LED-Rückleuchten …
… und LED-Matrix-Scheinwerfer mit neuer Lichtsignatur, unter anderem.… und LED-Matrix-Scheinwerfer mit neuer Lichtsignatur, unter anderem.
Die sportliche R-Line mit durchgehender Lichtleiste im Kühlergrill – in diesem Fall kombiniert mit dem „Black Style“-Designpaket.Die sportliche R-Line mit durchgehender Lichtleiste im Kühlergrill – in diesem Fall kombiniert mit dem „Black Style“-Designpaket.
Was wird im Cockpit geboten?
Zunächst mal gute Qualität. Der Tiguan gehört noch zu jener VW-Generation, die besonderen Wert auf Materialauswahl legt. Es ist viel Kunststoff verbaut, dieser ist aber hochwertig weich und sehr gut verarbeitet. Stilistisch ist der Innenraum ein VW-Klassiker, konservativ im besten Sinn, also penibel aufgeräumt und dezent elegant. Dazu passen die grauen R-Line-Sitzbezüge, die sich beim Muster sogar eine kleine Muster-Extravaganz leisten. Wer das Ambiente gerne schriller hat, kann zumindest bei der Ambiente-Beleuchtung aus 30 Farben wählen.
Auf dem Infotainment-System läuft frische Software (MIB3 der neusten Generation), die viele Online-Dienste ermöglicht. Die Benutzeroberfläche ist via App personalisierbar und dem Smartphone ähnlicher geworden. Apple CarPlay und Android Auto verbinden kabellos, die Sprachsteuerung kann mehr als bisher.
Der Fahrer blickt auf ein volldigitales Kombiinstrument mit 8,0-Zoll-Display. Dort kann er sich zum Beispiel eine riesige Navigationskarte direkt in das Blickfeld holen oder die Musiksammlung mit Plattencovers einblenden. Der mittige 9,2-Zoll-Multimedia-Touchscreen überzeugte im Test mit klarem und großflächigem Layout, Menüstruktur und Bedienschritte sind weitgehend logisch. Nervig ist aber, dass es für Musiklautstärke keinen Drehregler mehr gibt und das Ausschalten des Lane Assist mehrere Bedienschritte erfordert. Dass die (oft benutzte) Lenkradfernbedienung und die (selten benutzte) Temperatursteuerung nun als digitale Touch-Felder ausgeführt sind, ist bedientechnisch kein Fortschritt – man gewöhnt sich daran, aber mit den Knöpfen und Rädern war es intuitiver.
Sehr hilfreich kann die Navigation mit Echtzeitdaten sein, wobei wir weitreichende Routenentscheidungen in der Praxis immer gerne via Android Auto bei Google Maps gegenchecken. Die Anbindung an die „We Connect App“ ermöglicht auch Online-Zielimporte in das Navigationssystem.
 
Wie gut ist das Platzangebot?
Extrem gut. Vorne fühlen sich auch sehr große Fahrer wohl, hinten sitzen normal große Erwachsene bequem und blicken auf Wunsch durch ein riesiges Glasdach. Vor allem die Beinfreiheit im Fond ist durch den gestreckten Radstand und die verschiebbare Rückbank beachtlich. Anders herum, also wenn die Rückbank in vorderster Position ist, beträgt das Basis-Kofferraumvolumen stolze 760 Liter. Wie geräumig der Tiguan Allspace ist, offenbart das Maximal-Ladevolumen von 1.920 Litern bei umgelegten Rücksitzlehnen. Auch die Flexibilität ist vorbildlich, alle drei Teile der Rückbank lassen sich einzeln verschieben und vom Kofferraum aus umklappen. Das Abdeckrollo lässt lässt sich ohne Schistelei ausbauen. Die erweiterte Ladefläche ist nahezu eben, der höhenverstellbare Kofferraumboden ebnet die Ladekante. Auch wenn der Laderaum SUV-bedingt etwas erhöht liegt, bei soviel Platz und Praxistauglichkeit hebt man doch gern ein paar Zentimeter höher. Auch die Zuladung ist mit fast 600 Kilo vorbildlich. Der Tiguan ist und bleibt das Paradebeispiel eines praktischen Familienautos.
Qualität 1A: Der Tiguan gehört noch zu jener VW-Generation, die besonderen Wert auf Materialauswahl legt.Qualität 1A: Der Tiguan gehört noch zu jener VW-Generation, die besonderen Wert auf Materialauswahl legt.
Volldigitales Kombiinstrument mit 8,0-Zoll-Display und Kartendarstellung.Volldigitales Kombiinstrument mit 8,0-Zoll-Display und Kartendarstellung.
Der mittige 9,2-Zoll-Multimedia-Touchscreen, hier mit Kachel-Layoutvariante.Der mittige 9,2-Zoll-Multimedia-Touchscreen, hier mit Kachel-Layoutvariante.
Die Beinfreiheit im Fond ist durch den gestreckten Radstand und die verschiebbare Rückbank beachtlich.Die Beinfreiheit im Fond ist durch den gestreckten Radstand und die verschiebbare Rückbank beachtlich.
Konservativ im besten Sinn: Penibel aufgeräumt und dezent elegant.Konservativ im besten Sinn: Penibel aufgeräumt und dezent elegant.
Die grauen R-Line-Sitzbezüge mit kleiner Muster-Extravaganz.Die grauen R-Line-Sitzbezüge mit kleiner Muster-Extravaganz.
Wie geräumig der Tiguan Allspace ist, offenbart das Maximal-Ladevolumen von 1.920 Litern bei umgelegten Rücksitzlehnen.Wie geräumig der Tiguan Allspace ist, offenbart das Maximal-Ladevolumen von 1.920 Litern bei umgelegten Rücksitzlehnen.
Wie fährt sich der Tiguan Allspace mit dem stärksten TDI?
Über die Twindosing-Technologie haben die VW-Dieselmotoren wieder zu alter Stärke gefunden. Der 200-PS-TDI harmoniert gut mit dem 7-Gang-DSG und macht mit seinen 400 Newtonmetern ordentlich Druck. Dabei kommt er gut aus tiefen Drehzahlen und treibt den Tiguan Allspace zu sportiven Fahrleistungen, nur in Einzelfällen ruckt es ein bisschen.
Das Fahrwerk ist ausgewogen abgestimmt, der Tiguan ist weder eine Sänfte noch hat er einen ausgeprägtem Hang zum Sport. Durchaus flott über Landstraßen bewegen lässt er sich aber jederzeit. Der beflissene Allradantrieb mit Differenzial ist schon bei Nässe angenehm, bei Schnee und Eis erst Recht. Außerdem erhöht er die Anhängelast (gebremst) auf 2,5 Tonnen.
In der Großstadt zeigt sich, dass der Tiguan nicht so breit wie manch andere Groß-SUVs ist, in der Praxis ein enormer Vorteil vor allem beim Parken. Ein Handicap kann dagegen in Einzelfällen der relativ große Wendekreis sein.
Eine Idealbesetzung ist der Tiguan auf der Langstrecke, wo er mit niedrigen Innengeräuschen bei hohem Tempo, mit überzeugendem Abrollkomfort, mit enormen Reichweiten jenseits der 800 Kilometer und mit sehr niedrigem Verbrauch überzeugt. Im Test sind wir mit 6,3 Litern pro 100 Kilometer gereist, was unter dem Normverbrauch liegt und für ein 4,72-Meter-Auto ein Topwert ist. Inklusive Stadt lag der Testverbrauch bei 6,7 Litern.
 
Was gibt es Neues bei den Assistenten?
Assistiertes Fahren ist nun bis 210 km/h hinauf möglich, der Travel Assist ist bei Lenken, Bremsen und Beschleunigen behilflich und ermöglicht teilautonomes Fahren auf hohem Niveau – funktioniert gut, muss man aber mögen.
 
Wie hoch sind die Kosten?
Wer sich mit 150 PS begnügt und selbst schaltet, steigt um 38.180 Euro (TSI) beziehungsweise 40.500 Euro (TDI) ein. Für den 200-PS-TDI muss man deutlich tiefer in die Tasche greifen und mindestens 57.820 Euro hinlegen. Zum einen, weil 4Motion-Allradantrieb, DSG-Automatik und die sportliche Topausstattung R-Line dann fix dabei sind. Zum anderen, weil der Preissprung zur ähnlich konfigurierten 150-PS-TDI-Variante happige 5.780 Euro beträgt, also doch ein Luxus ist. Ob 33 bis 38 Prozent Gesamtbesteuerung (Mwst + NoVA) für ein Familienauto nicht ein bisschen zu gierig sind, muss man in diesem Zusammenhang schon fragen. Mit Blick auf den Preis wäre die niedrigere, aber auch reichhaltige Life-Ausstattung, die inklusive Allrad, DSG und 150-PS-TDI auf 47.440 Euro kommt, eine schlüssige Alternative.
 
Das Fazit?
Der Tiguan bleibt das Paradebeispiel eines praktischen, reisefreudigen Familienautos, gerade in der Langversion Allspace, die es auch optisch mit der oberen SUV-Liga aufnehmen kann. Der 200-PS-Diesel mit Mini-Verbrauch ist eine feine Sache, preislich ist die 150-PS-Variante logischer – zumal die VW-Dieselmotoren über die Twindosing-Technologie generell wieder zu alter Stärke gefunden haben.

 

Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Bleibt das Paradebeispiel eines praktischen Familienautos, gerade in der Langversion Allspace, die es auch optisch mit der oberen SUV-Liga aufnehmen kann. Der 200-PS-Diesel mit Mini-Verbrauch ist eine feine Sache, preislich ist die 150-PS-Variante logischerFazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Bleibt das Paradebeispiel eines praktischen Familienautos, gerade in der Langversion Allspace, die es auch optisch mit der oberen SUV-Liga aufnehmen kann. Der 200-PS-Diesel mit Mini-Verbrauch ist eine feine Sache, preislich ist die 150-PS-Variante logischer".

DATEN & FAKTEN

VW Tiguan Allspace 2,0 TDI 200 P SCR 4MOTION R-Line

(November 2022)

Preis

57.820 Euro. Einstiegspreis mit TDI/Handschalter/Frontantrieb 40.500 Euro, mit TDI/DSG/Allrad 47.440 Euro. Einstiegspreis Tiguan Allspace: 38.180 Euro.

Antrieb

4-Zylinder Common-Rail-Turbo-Dieselmotor, 1.968 ccm, 147 kW / 200 PS, 400 Nm bei 1.750 – 3.500 U/min. 7-Gang-Automatik (Doppelkupplungsgetriebe DSG). Allradantrieb 4MOTION.

Abmessungen

Länge 4.728 mm, Breite 1.859 mm, Höhe 1.686 mm; Radstand 2.789 mm. Kofferraumvolumen 760 bis 1.920 Liter.

Gewicht

Eigengewicht ca. 1.790 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 2.380 kg.

Fahrwerte

Höchstgeschwindigkeit 216 km/h, 0-100 in 7,8 sec. WLTP-Normverbrauch 6,6 – 7,5 Liter, C02-Emission 174 – 195 g/km.

Testverbrauch

6,7 Liter.

MOTORPROFIS WERTUNG

Fahrspass

7 Punkte

Vernunft

9 Punkte

Preis-Leistung

7 Punkte

Gesamturteil

8 Punkte
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