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GERALD ENZINGER

Bottas: Die richtige Wahl

Die wichtigste Entscheidung der Formel-1-Transferzeit ist gefallen, Toto Wolff hat sie getroffen, wie es zu erwarten war: Valtteri Bottas darf weiter im besten Team der Welt fahren. Ocon geht zu Renault, Russell bleibt bei Williams, Alonso in der Pension. Für Wolff und Mercedes ist das die einzig richtige Entscheidung – und natürlich auch für Hamilton
Der beste freie Platz in der Formel 1 ist vergeben.

Valtteri Bottas bleibt auch im Jahr 2020 bei Mercedes – "zumindest", wie Teamchef Toto Wolff sagt, der damit auch klar stellt, dass der Finne kein Pilot auf Abruf ist, der garantiert schon bald einem Eigenbau-Talent wie Esteban Ocon oder George Russell weichen wird müssen.

Toto Wolff hat sich im Familienurlaub in Italien intensiv mit dieser zentralen Zukunftsfrage beschäftigt und auch sehr aktiv an einer Lösung für Ocon, dessen Karriere er schon in Jugendjahren gerettet hat, gearbeitet. Ocon wird wohl, mit einem Jahr Verspätung, doch zu Renault gehen. Diesen Platz hatten ihm Renault-Chefs schon für 2019 versprochen – ehe sich Dani Ricciardo spontan doch für die Franzosen entschieden hatte und Renault Ocon deshalb ohne Job übrig gelassen hat, nachdem dieser schon McLaren abgesagt hatte.

Jetzt wird es im zweiten Anlauf funktionieren mit der französischen Affäre Ocon - Renault. Der Deal wurde kurz nach der Valtteri-Verlautbarung offiziell.

Bottas bleibt, wo er ist. Trotz diverser Rallye-Tests (u.a. im Ford und bei Toyota), die für einige Abgangs-Spekulationen gesorgt hatten.

Mit der Verlängerung zeigt Wolff, der im November wohl zum erfolgreichsten Teamchef aller Zeiten wird (sechs Titel in Serie!) einmal mehr Führungsqualität. Er entscheidet rational und kühl und lässt sich nicht von Hypes blenden.
Und nicht von Forderungen von Fans, die eine Chance für Ocon erzwingen wollen, unter Druck setzen.

Und er hat Recht.
Denn in einer Formel 1, in der Fahrer wie Hamilton und Verstappen so outstanding sind, geht es vor allem darum, dem Nummer-1-Piloten ein perfektes Umfeld zu geben.

Nico Rosberg war kein Überdrüber-Fahrer wie Hamilton, Verstappen oder Vettel in seiner besten Zeit – er hatte aber die Stärke, Hamilton mit kleinen psychologischen Tricks langsamer und fehlerhafter zu machen. Damit ist einem Team aber nicht geholfen.
So wie Rosberg 2016 gegen Hamilton intern kämpfte kann man als Team nur Erfolg haben, wenn man überlegene Autos hat, so wie es damals bei Mercedes der Fall war. Deshalb ging damals alles gut aus.

In einer Formel 1, die aber wieder enger geworden ist, und wo Red Bull mit Verstappen einen grandiosen Nummer-1-Piloten hat, kann sich auch Mercedes keine Experimente leisten.
Und man hat sie auch nicht nötig.

Hamilon fühlt sich neben Bottas wohl, der Finne ist menschlich schwer okay und er macht keine Politik. Manchmal ist er zornig ("To whom it may concern: F... you!"), manchmal macht er Fehler (Hockenheim), aber er ist anständig schnell und lässt Hamilton in seiner Mitte.

Ocon oder Wehrlein (der Kandidat vor Ocon) mögen mehr Talent haben (um einen Tick), aber sie sind komplizierter in einer Gruppe.

Es spricht viel dafür, dass der Erfolg von Mercedes auch 2020 weitergeht.
Auch dank Bottas – einem Piloten, den Wolff (und das sollte man nicht vergessen) schon 2008 in der Formel Renault entdeckt und gefördert hat.
Bottas wurde früh von Wolff gefördert – hier bei seinem Formel-3-Sieg in Zandvoort mit Wittmann, Sims und Ehrengast Vettel.Bottas wurde früh von Wolff gefördert – hier bei seinem Formel-3-Sieg in Zandvoort mit Wittmann, Sims und Ehrengast Vettel.
Teamplayer Valtteri Bottas ist im Mercedes-Rennstall menschlich hoch geschätzt – auch von seinem Weltstar-Kollegen Lewis Hamilton.Teamplayer Valtteri Bottas ist im Mercedes-Rennstall menschlich hoch geschätzt – auch von seinem Weltstar-Kollegen Lewis Hamilton.
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