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GERALD ENZINGER

DTM: Hoch soll sie leben!

500! Die DTM wird am Sonntag ihr 500. Rennen erleben. Kaum eine Rennserie auf dieser Welt kann packender sein und purer, die neuen Autos strotzen vor Power und die Zweikämpfe sind brilliant. Man kann Gerhard Berger, der diese Serie gerettet hat, nur weiter viel Erfolg wünschen – der Schwierigkeitsgrad seiner Aufgabe ist verdammt hoch.
Als ich kürzlich bei Philipp Eng in Mondsee zuhause war, um ein großes Portrait über ihn zu recherchieren, das heute in der aktuellen AUTOREVUE erscheint (siehe: www.autorevue.at), da musste ich den BMW-Werkspiloten immer wieder verbal einfangen. Vor allem dann, wenn er über die DTM zu reden begann.

„Die Autos schauen extrem cool aus mit dem breiten Flügeln. Es ist ein wunderschönes Rennauto. Und:  es ist ein richtiges Rennauto.“ Der 600PS-2-Liter-Turbomotor erregt die Sinne. Und gibt Kraft.  „Jedes Mal, wenn ich aus der Box rausfahre, denke ich mir: Spinnst du, das Ding schiebt an.“
Man merke es deutlich im Auto: „Das 2019er-Modell ist viel schneller, hat ein enormes Drehmoment, alles ist leichter. Eine echte Rennmaschine.“

Gerhard Berger habe alles richtig gemacht mit den DTM-Regeln: „Das Heizdeckenverbot, der Indy-Restart, die 100 PS mehr – der Fahrer zählt jetzt extrem viel und die Rennen sind ein Spektakel.“

Ich habe es beruflich mit Rennfahrern aus fast allen Top-Serien zu tun, aber man spürt, dass DTM-Piloten besonders sehnsüchtig auf das Wochenende warten und auf den Moment, wo sie ihre Biester wieder zu zähmen versuchen. Die Augen eines Robin Frijns schauen vor einem DTM-Rennen definitv anders aus als vor einem Formel-E-Rennen, obwohl er in beiden lässigen Serien erfolgreich ist.

Gerhard Berger mag die Formel E nicht – und natürlich ist seine, die einst reine Hersteller-Meisterschaft, vom Massenandrang der Konzerne hin zur Elektro-Serie bedroht.

Vielleicht aber, wenn Bergers Spiel aufgeht, wird sie gerade dadurch befreit.
Die Leistungen des WRT-Teams, eines privaten Audi-Rennstalls, geben Hoffnung: man kann es als selbständiger Rennstall schaffen, in der DTM vorne mitzufahren.

Und die DTM wird mittelfristig nur überleben können, wenn es sich auch für private Teams mit großen Namen rechnet, selbstständig ein DTM-Jahr zu budgetieren. Und man dort auch Chancen auf Siege hat.

Private Teams lösen zwei große Probleme auf einmal: zum einen, dass Berger & seine Mitstreiter nicht auf Gedeih und Verderb den Werken ausgeliefert sind und deren manchmal nicht sehr sportaffinen Vorständen.

Zum anderen würde mehr Macht für die privaten und auch für die semi-privaten Teams das mit weitem Abstand nervigste Problem der DTM einbremsen, die unerträglichen Stallorder-Vorgaben schon vom zweiten oder dritten Rennwochenende weg. Wo man in Konzernen einfach nicht versteht, dass ein Sieg in der Kommunikation nichts wert ist, wenn seine umstrittene Entstehungsgeschichte wochenlange Debatten bei Medien und Fans auslöst.

Gerade bei jenen Fans, die pures Racing so leidenschaftlich lieben, echte Duelle und starke Charaktere, mit nicht immer politisch polierten Aussagen.

Berger, der selbst so ein echter Racer war, weiss, dass die DTM als bewusster und sehr stark zugeschnittener Gegenpart zu Formel E, Polit-Formel-1 und Co. am ehesten überleben wird, ja unverzichtbar ist. Dafür braucht sie ein klares Profil.

Viele Regeländerungen funktionieren prächtig, wie es auch Philipp Eng ausgeführt hat. Die Rennen sind großartig, die Autos endlich wieder wahre Monster mit enormen Drehmoment. Um mehr als 100 PS stärker sind die Motoren heuer. Und sie klingen trotz Turbos prächtig.

Das was wir jetzt noch brauchen, ist ein fairer Titelkampf, in der jeder so schnell rast wie er will.
Nicht nur der, der so heisst, nämlich Rast.
Der aber, allem Stallorder-Ärger zum Trotz, und das muss klar gesagt werden mit seiner unglaublichen Klasse eine echte Bereicherung ist für die DTM.

Wie auch Philipp Eng. Ein DTM-Fan seit vielen Jahren, der einst stolz war, dass sein Name für einen Fimdreh auf einem BMW-Auto stand. Und der nun, nur zwei, drei Jahre später, noch im Rennen um die Meisterschaft ist.

Happy Birthday, DTM. Bleib pur!

Auch Michael Schumacher fuhr einst in der DTM, der besten Tourenwagen-Meisterschaft der Welt.Auch Michael Schumacher fuhr einst in der DTM, der besten Tourenwagen-Meisterschaft der Welt.
Sein ewiger Rivale Mika Hakkinen fuhr im Gegensatz zu Schumacher erst am Ende seiner Karriere in der DTM.Sein ewiger Rivale Mika Hakkinen fuhr im Gegensatz zu Schumacher erst am Ende seiner Karriere in der DTM.
So attraktiv sah die DTM von Beginn an aus: Beate Nodes wurde 1986 Dritte beim Avus-Rennen in Berlin.So attraktiv sah die DTM von Beginn an aus: Beate Nodes wurde 1986 Dritte beim Avus-Rennen in Berlin.
Eine Sternstunde der Frauen-Bewegung: Ellen Lohr gewinnt ein DTM-Rennen, Teamkollege Keke Rosberg zeigt, was er davon hält.Eine Sternstunde der Frauen-Bewegung: Ellen Lohr gewinnt ein DTM-Rennen, Teamkollege Keke Rosberg zeigt, was er davon hält.
Renn-Bilder aus verschiedenen...Renn-Bilder aus verschiedenen...
...Jahrhunderten in der DTM. Hier führt grad Philipp Eng....Jahrhunderten in der DTM. Hier führt grad Philipp Eng.
Mit vier Siegen ist Lucas Auer der bislang erfolgreichste Österreicher in der Geschichte der DTM.Mit vier Siegen ist Lucas Auer der bislang erfolgreichste Österreicher in der Geschichte der DTM.
Ferdinand Habsburg ist einer der beiden aktuellen DTM-Österreicher...Ferdinand Habsburg ist einer der beiden aktuellen DTM-Österreicher...
...und der wohl logische Ansprechpartner für Fürst Albert, wenn der mit Gerhard Berger über ein DTM-Rennen in Monaco debattiert....und der wohl logische Ansprechpartner für Fürst Albert, wenn der mit Gerhard Berger über ein DTM-Rennen in Monaco debattiert.
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