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ERSTER CHECK: JAGUAR F-TYPE 21MY

Der elegante Dramatiker

Seit einigen Jahren dringt ein britischer Sportwagen in Porsche-Gefilde ein. Jetzt hat Jaguar den F-Type überarbeitet und mit einem größeren Eingriff dessen britische Eleganz feingeschliffen. Technisch soll es noch dramatischer werden: Den Abschiedsschmerz vom V6 lindert ein V8 zum gleichen Preis und die stärkste Variante geht jetzt aufs Ganze. Motorprofis.at hat den neuen F-Type bei der Premiere unter die Lupe genommen und mit Designer Adam Hatton über seine Änderungen gesprochen.
Hui, der Ort der F-Type-Premiere ist ziemlich spektakulär. Wo sind wir?
Im Süden von München, hier hat Jaguar Land Rover kürzlich sein weltweit größtes Autohaus eröffnet. Bei den 4.700 Quadratmetern Ausstellungsfläche handelt es sich um eine museumsartige Erlebniswelt, die neben der gesamten Modellpalette auch seltene High-End-Modelle (SVO) und neuwertige Klassiker (Reborn) umfasst. Das ist auch ohne Kaufabsicht einen Besuch wert.
Die Briten setzen dieses bauliche Statement natürlich nicht zufällig in der Heimat von BMW und Audi. Beflügelt vom Erfolg ihrer Range Rover-Flotte greifen sie die deutschen Premiummarken inzwischen ja auf zahlreichen Ebenen an – auch im Sportwagenbereich, wo der F-Type in Porsche-Gefilde eindringt.
 
Wie neu ist der nun vorgestellte neue F-Type wirklich? Was hat es mit der Zusatzbezeichnung 21MY – für Modelljahr 2021 – auf sich?
Nach fünf Jahren wird der F-Type umfassend überarbeitet, der Eingriff ist durchaus substanziell und sicher der größte im Lebenszyklus des Modells. Dass der F-Type schon 2019 als 2021er-Jahrgang auftritt, ist eine britische Eigenheit: Neue Modelljahre beginnen im Regelfall nach den Sommer-Werksferien. Manchmal aber, bei einer signifikanteren Änderung des Fahrzeugs, lässt man ein neues Modelljahr schon früher vom Stapel. In diesem Fall läuft das „21MY“ (twentyone model year) von der Markteinführung im Februar 2020 bis Sommer 2021. Wobei die Änderungen der jüngsten Evolutionsstufe natürlich weit darüber hinaus wirken.
Der neue F-Type beim ersten Fotoshooting in der Edelgarage des weltgrößten Autohauses von Jaguar Land Rover in München.Der neue F-Type beim ersten Fotoshooting in der Edelgarage des weltgrößten Autohauses von Jaguar Land Rover in München.
Jaguar greift vor allem vorne relativ deutlich in die Optik des F-Type ein. Was haben die Designer geändert und warum?
Die bisher markant in die Motorhaube integrierten Scheinwerfer sind weiter nach unten gerückt und extrem schmal geworden. „Dadurch wirkt die Motorhaube jetzt länger, obwohl sie gleich lang wie bisher ist“ erklärt Exterieur-Designchef Adam Hatton beim Treffen mit Motorprofis.at. Durch die große fließende Oberfläche und weniger markante Lufteinlässe wird die Motorhaube insgesamt puristischer. Hatton: „Wir haben ein paar Linien rausgenommen“. Der Kühlergrill behält seine Proportionen, ist aber größer und weiter nach unten ausgeformt, „um den F-Type breiter wirken zu lassen und die Präsenz auf der Straße zu steigern“, wie Hatton beschreibt. Unterstützt wird die Breitenwirkung beim gezeigten F-Type R durch neue große Lufteinlässe mit schwarzer Einfassung. Grundsätzlich unterscheiden sich die Stoßfänger je nach Modellvariante nun stärker.

Wie deutlich wirkt sich die neue Front auf die Optik des F-Type aus?
Designer Adam Hatton sagt, man habe „das Auto dramatischer wirken lassen“ wollen, was auf die Proportionen und den Kühlergrill anspielt.
Wir empfinden es so: Die durch die Designänderungen gestreckter wirkende Karosserie macht den Auftritt erwachsener. Das Design ist insgesamt ruhiger und weniger aggressiv, der F-Type betreibt damit Feinschliff an seiner britischen Eleganz – und die ist für einen britischen Sportwagen immer eine gute Idee (zumal Aston Martin sich ihr inzwischen etwas weniger verpflichtet fühlt).
Extrem schmale Scheinwerfer mit vier edlen LED-Blöcken, J-Signatur und Monogram-Muster innen. Desigener Adam Hatton (li.) erklärt den neuen F-Type.Extrem schmale Scheinwerfer mit vier edlen LED-Blöcken, J-Signatur und Monogram-Muster innen. Desigener Adam Hatton (li.) erklärt den neuen F-Type.
Jaguar-Designer Adam Hatton (li.) mit Motorprofis-Redakteur Fabian Steiner. Die neue Front lässt die Motorhaube länger wirken, streckt das ganze Auto.Jaguar-Designer Adam Hatton (li.) mit Motorprofis-Redakteur Fabian Steiner. Die neue Front lässt die Motorhaube länger wirken, streckt das ganze Auto.
Gibt es weitere Designänderungen? Wie wirken sich die neuen Details in der Praxis aus?
Designer Adam Hatton hebt beim Rundgang um das Auto die vielen edlen Details hervor. Beispielsweise hat der Grill ein neues Muster mit sechseckigen Zellen, die von der Form des historischen Jaguar-Logos abgeleitet sind. Die Schweinwerfer zeichnen eine markentypische J-Lichtsignatur und haben im Inneren ein Monogramm-Muster „wie die Luxus-Modemarken“. Seitlich fallen die neue 20-Zoll-Felgen – „von einem unsere jungen Designer gemacht“ – und der in die Lufteinlässe integrierte Jaguar auf.
Das Heck ist nicht nur für Hatton „ein ganz starker Part des Autos“. Retuschiert wurde hier aber nur ganz dezent: Die superschlanken Schweinwerfer sind durch die Schikanen-Lichtsignatur und ein weiteres Monogramm-Muster im Inneren noch edler geworden. Logo und Schriftzug werden bei Bestellung des „Black Pack“ nun auch in Schwarz ausgeführt – ein Novum bei Jaguar.

Was hat sich im Innenraum getan?
Die bisherigen Rundinstrumente weichen einem 12,3-Zoll großen TFT-Bildschirm. Was Puristen beklagen, kann im Alltag natürlich ein Vorteil sein: Man holt sich in der Stadt die volle Kartenbilddarstellung in das Blickfeld, auf der Bergstraße stattdessen den Drehzahlmesser.
Interieur-Designer Alister Whelan ging es vor allem um noch hochwertigere Materialien und Details. Lenkradwippen und Mittelkonsole sind aus Aluminium. Edles Windsor-Leder wird noch breiter eingesetzt, beispielweise in brauner oder roter Variante, und durch aufwendige Monogramm-Stichmuster in den Sitzen und Türen verfeinert. Bei den Stühlen wählt man zwischen „Sport“ und „Performance“ – letztere gewichtsoptimiert, besonders ergonomisch und ganz schlank, aber dennoch mit Heiz- und Kühlfunktion. Der F-Type bemüht sich überall um die Verknüpfung von Leistungssport und Luxus.
Alu-Mittelkonsole und ganz viel braunes Windsor-Leder.Alu-Mittelkonsole und ganz viel braunes Windsor-Leder.
Neues Monogram-Muster und weiße Ziernähte im Leder.Neues Monogram-Muster und weiße Ziernähte im Leder.
Verweis auf die R-Version mit 575 PS.Verweis auf die R-Version mit 575 PS.
Aus Aluminium gefräste Schaltwippen.Aus Aluminium gefräste Schaltwippen.
Neue TFT-Bildschirm-Armaturen.Neue TFT-Bildschirm-Armaturen.
Die Motorenpalette wurde neu geordnet. Was ändert sich? Und mit welchen Porsche-Modellen lassen sich die einzelnen F-Type-Varianten vergleichen?
Der V6-Motor fällt aus dem Programm und wird ein Opfer der schärferen Abgasvorschriften. Der Abschiedsschmerz ist durchaus groß, das drehfreudige Aggregat war sehr beliebt und so etwas wie die goldene Mitte der Palette. Jaguar gibt aber eine überraschend coole Antwort und bietet eine neue V8-Variante zum Preis des bisherigen V6 an: Zwar fallen die günstigeren V6 mit Basisausstattung weg, vergleicht man Vorgänger und Nachfolger aber in der gleichen R-Design-Ausführung, so gibt es künftig 450 PS um knapp 112.000 Euro, bisher waren es 380 PS zum selben Tarif. Diese Variante zielt klar auf den Porsche 911 ab.
Die Spitze der Palette bildet der F-Type R mit 575 PS starkem V8 und massiv hochgerüsteter Technik, der gar in die Regionen des 911 Turbo vordringt, preislich aber 30.000 Euro darunter bleibt.  
Das F-Type-Einstiegsmodell mit 300 PS und rund 75.000 Euro Startpreis wiederum bewegt sich im Bereich des 718 Cayman/Boxer. Porsche und Jaguar setzten in dieser Klasse inzwischen unisono auf Zweiliter-Vierzylinder-Motoren, um den Verbrauch zu drücken, kommen damit aber dank Turboaufladung sogar auf mehr PS als früher.
Darüber hinaus schenken sich Porsche und Jaguar auch bei den Wahlmöglichkeiten nichts, es gibt Allrad und Heckantrieb sowie Coupé und Cabriolet. Geschichte ist bei Jaguar mit dem Wegfall des V6 allerdings auch das Schaltgetriebe, beim Porsche gibt es die Option auf verstärkte Mitarbeit noch im 718er, im 911er auch nicht mehr.

V8 statt V6 – wie wirkt sich der Umstieg im Detail aus?
Den Wegfall der V6-Motoren kompensiert eine neue, zweite V8-Variante: Mit 450 PS hat sie 100 Pferde weniger als der bisherige Achtzylinder, überflügelt die bisherigen Sechszylinder, die 340 und 380 PS hatten, aber deutlich. Vom Drehmomentzuwachs – von 460 Newtonmeter bei 3500 U/min auf 580 Newtonmeter bei 2500 U/min – gar nicht zu reden. Der Sprint auf Hundert gelingt in 4,6 Sekunden (bisher 4,9 bis 5,1), die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 285 km/h (bisher 275). Durch angepasste Kennfelder schaltet die Automatik noch schneller hoch und runter.
Auch wenn wir die V6 geliebt haben – ein V8 mit fünf Litern Hubraum und (wahlweise) Heckantrieb klingt auch nach einer wunderbar dramatischen Aufführung.
Ein guter Deal für 575 PS: Der F-Type R übernimmt die Extremtechnik des teureren SVR , bleibt selbst aber preislich gleich.Ein guter Deal für 575 PS: Der F-Type R übernimmt die Extremtechnik des teureren SVR , bleibt selbst aber preislich gleich.
Entscheidender als der Leistungszuwachs wird das Upgrade des...Entscheidender als der Leistungszuwachs wird das Upgrade des...
…R-Fahrwerks sein, es kommt in seiner verschärfte Form ebenfalls vom SVR.…R-Fahrwerks sein, es kommt in seiner verschärfte Form ebenfalls vom SVR.
Tiefgehende und spannende Änderungen gibt es auch für das R-Modell. Welche genau?
Der „R“ ist nun das alleinige Topmodell. Der Clou an der Sache: Er übernimmt weitgehend die Technik des bisherigen „SVR“, der aus der Sonderabteilung „Special Vehicles Operations“ kam und mit über 180.000 Euro sündhaft teuer war. Der F-Type R bleibt aber preislich bei seinem bisherigen Wert von rund 150.000 Euro.
Dafür gibt es 575 PS (bisher 550) und 700 Newtonmeter, das bedeutet 3,7 Sekunden auf Hundert und Mitgliedschaft im Club 300 – wobei der Topspeed genau dort elektronisch limitiert ist, dadurch kann der „R“ auf den großen feststehenden Heckspoiler des SVR verzichten und seine makellose Hecklinie behalten.
Entscheidender als der Leistungszuwachs wird das technische Upgrade des Fahrwerks sein, es wird in seiner verschärfte Form mit angepassten adaptiven Federn, Dämpfern und Stabis sowie verstärkten Achs- und Kugelgelenken vom „SVR“ in den „R“ übernommen.
Zusätzlich kümmert sich ein elektronisch geregeltes Hinterachsdifferenzial um die Drehmomentverteilung des auch bei Allradantrieb hecklastig ausgelegten F-Type, während ein Torque Vectoring durch Bremseingriffe am kurveninneren Rad das Untersteuern minimiert.

Wie fällt das erste Fazit zum neuen F-Type aus?
Mit der neuen Front forciert Jaguar die britische Eleganz seines Sportwagens. Das Auto wirkt erwachsener und souveräner. Technisch wird es noch dramatischer: Der Wegfall des V6 schmerzt, aber mit einem deutlich stärkerer 5,0-Liter-V8 zum gleichen Preis reagiert Jaguar mehr als angemessen. Dass es auch dessen 450 PS wahlweise mit Heckantrieb gibt, zeugt von den herzhaften Absichten. Gleiches gilt für den F-Type R, der die Extremtechnik des teureren SVR übernimmt, selbst aber preislich gleich bleibt.
Erstes F-Type-Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die Kombination von britischer Eleganz und dramatischer Technik ist noch schlüssiger geworden“.Erstes F-Type-Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Die Kombination von britischer Eleganz und dramatischer Technik ist noch schlüssiger geworden“.
Österreich-Start ist im Februar 2020, bei 74.736 Euro eröffnet die Preisliste. Das Topmodell F-Type R kostet 153.248 Euro.Österreich-Start ist im Februar 2020, bei 74.736 Euro eröffnet die Preisliste. Das Topmodell F-Type R kostet 153.248 Euro.
Neues Digital-Armaturen und noch edler verarbeitetes Leder im Innenraum. Im Bild die Performance-Sitze, die Heizung und Kühlung haben.Neues Digital-Armaturen und noch edler verarbeitetes Leder im Innenraum. Im Bild die Performance-Sitze, die Heizung und Kühlung haben.
Erster Blick auch auf das neue F-Type Cabriolet, das alle Änderungen übernimmt und ebenfalls mit Heck- oder Allradantrieb zu haben ist.Erster Blick auch auf das neue F-Type Cabriolet, das alle Änderungen übernimmt und ebenfalls mit Heck- oder Allradantrieb zu haben ist.

DATEN & FAKTEN

F-TYPE / F-TYPE R-Dynamic / F-TYPE R – Coupé und Cabriolet

(Dezember 2019)

Preis

Coupé 74.736 Euro bis 153.258 Euro. Cabriolet 82.945 Euro bis 162.375 Euro.

Antrieb

• P300: 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbo, 300 PS, Heckantrieb
• P450: 5,0-Liter-V8-Kompressor, 450 PS, Heck- oder Allradantrieb
• R: 5,0-Liter-V8-Kompressor, 575 PS, Allradantrieb

Abmessungen

Länge 4,47 m / Breite 1,92 m / Höhe 1,31 m. Radstand 2,62 m. Kofferraum: Coupé 299 bis 509 l, Cabrio 233 l.

Gewicht

1.520 kg – 1.763 kg.

Fahrwerte

Vmax: 250 km/h (P300). 285 km/h (P450), 300 km/h (R). 0 – 100 km/h: 3,7 sec (R), 4,4 sec (P450), 5,7 sec (P300); Normverbrauch 8,1 l (P300), 10,6 – 11, 0 l (P450), 11,0 l (R). C02-Emissonen: 184 g/km (P300), 244 g/km (P450), 254 g/km (R).
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