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GERALD ENZINGER

Was KTM stark macht

Österreichische Sensation in der MotoGP! In der erst vierten Saison gewinnt KTM schon ein Rennen zur MotoGP – durch Rookie Brad Binder in Brno. Sogar ein Doppelsieg wäre drinnen gewesen. Die Gründe und Hintergründe einer sensationellen Aufstiegs-Story.
Man muss sich das einmal konzentriert anhören:

Valentino Rossi, der größte Star in der Geschichte des Motorradsports, nennt die Leistung von KTM beim MotoGP-Rennen in Brno und deren Leistungslevel vor den beiden Heimrennen am Red Bull Ring wörtlich "beängstigend".

Irgendwer muss in den vergangenen Jahren in Mattighofen bzw. Muntefering einiges richtig gemacht haben.

In nur etwas mehr als drei Saisonen MotoGP vom Anfänger zum Sieger – und das im Duell gegen seit Jahrzehnten etablierte Riesen mit Speichern voll an Geld und an Daten aus Dekaden.
Noch nie hat jemand in der Königsklasse der Motorrad-Weltmeisterschaft eine so beeindruckende Geschichte geschrieben.

Vor allem der Sprung mit der neuesten Variante der RC 16 ist enorm. Denn zwar hatten die Oberösterreicher auch schon im Vorjahr immer wieder aufzeigen können, aber da musste alles passen  – vor allem das Strecken-Layout. Auf Strecken wie in Le Mans, mit Highspeed-Geraden und Ecken danach, konnte man aufzeigen, kaum aber waren zu viele langgezogene schnelle Kurven, war man chancenlos.
Genau so aber sieht es in Jerez aus und genau dort war man schon beim Saisonauftakt 2020 sensationell, auch wenn man durch Pech (Crash Binder-Oliveira) und Pannen das Potenzial noch nicht ganz umsetzen konnte.

In Brünn war das schon anders – zumindest bei Binder. Pol Espargaro hätte im Duell gegen seinen alten Stallrivalen Johan Zarco mehr Geduld gebraucht. "Wäre er ins Ziel gekommen, hätte KTM sicher einen Doppelsieg gefeiert", glaubt Rossi.

Die 2020er-Version der RC 16 hat viele Schwächen der Anfangsjahre nicht mehr – es ist quasi zum ersten Mal ein neues Motorrad seit dem Einstieg. Ein Motorrad, dass diesmal weniger von Stamm-Piloten wie Pol Espargaro quasi "so nebenbei" entwickelt wurden, sondern von einem Top-Team rund um den großen (eigentlich kleinen) Dani Pedrosa. Pol schwärmt: "Es ist das erste Mal, dass wir ein komplett neues Bike haben werden – ein neues Paket mit vielen unterschiedlichen Dingen, die nicht von mir kommen. Dani hatte in diesem Jahr die Aufgabe, das zu erledigen." Früher habe man an den Renn-Wochenenden getestet, oder sich bei den Tests entwickelt, eher Teil für Teil. Nun aber ist alles neu, auch die Mentalität: "Da ist so eine Sieger-Mentalität, die wir mit der RC 16 jetzt spüren."

Es hat sich gelohnt, hier in einen teuren Testfahrer wie Pedrosa zu investieren. Er hat großartige Arbeit geleistet. Zugleich haben Pit Beirer, der Sportchef, und Mike Leitner, der MotoGP-Boss, einfach mit viel Bedacht viele richtige Entscheidungen getroffen. Und dem in der Branche belächelten, aber zur KTM-DNA gehörenden, Stahlrahmen, belassen – gegen den Rat vieler. Immerhin war der Staglrahmen seit dem Sieg von Ducati 2007 mit Casey Stoner schon längst als veraltet im Museum, ehe KTM damit die Bühne betrat.

Die beiden in sich ruhenden Männer Beirer & Leitner habe die Gabe, loyal zu sein. Sie können aber handeln, wenn Dinge sich ändern müssen. Die Trennung von Zarco mitten vergangener Saison wirkte brutal und erinnerte stark an den Formel-1-Stil von Red Bull.
Und sie war richtig. Zarco hatte sich wie einst Bradley Smith nicht mit der zusehends auf den stärkeren Pol zugschnittenen RC16 nicht zurechtgefunden. "Wir hatten in dieser drei Jahren oft schlechte Stimmung auf einer Seite in der Box – das ist nun anders", spürt Beirer.

Und dann setzte man den Rookie Brad Binder für heuer auf dieses Motorrad – direkt als Anfänger, ohne ihn erst beim Quasi-B-Team Tech3 auzubauen.

Die Branche schüttelte genau zwei Mal den Kopf über die KTM-Entscheidung für Binder:
Erst als die meisten diese Entscheidung für Wahnsinn hielten.
Und dann als sie einzelne Rundenzeiten von Binder in Jerez sahen – und das wieder für Wahnsinn hielten. Diesmal aber für wahnsinng gut.

Sensationell, wie schnell der Eigenbau-Pilot aus Südafrika ist. Manchmal mag er noch Fehler machen, aber sein Grundspeed und sein Urvertrauen in ihn als Menschen und in seine Maschine ist enorm.

Und so hat er sein drittes Rennen gewonnen, unglaublich. Dr. Rossi gratulierte noch in der Auslaufrunde persönlich – der Ritterschlag.

KTM setzt im nächsten Jahr auf Binders langjährigen Teamkollegen in unteren Klassen als neuen Piloten im Red-Bull-Team – auf Miguel Oliveira. Der "Star-Einkauf" Danilo Petrucci muss dagegen erst einmal zu Tech3. Das ist zwar technisch nicht viel Unterschied – weil bei KTM, wie bei Yamaha, Werks-und Kundenteam de facto gleichberechtigt sind, es ist aber ein wichtiges Signal: Oliveira hat, wie Binder, sich jahrelang im eigenen Konzern verdient gemacht – Oliveira wird belohnt. So etwas fördert den Geist im Team, weil jeder Mitarbeiter spürt: bei uns zählt auch der Prophet im eigenen Haus, unsere Leistung wird anerkannt.

Pech für Pol Espargaro, dass er gerade 2021 zu Honda wechselt. Wer sieht wie Alex Marquez und Stefan Bradl mit dieser Maschine hintennach fahren, spürt, wie sehr dieses Gerät auf Marc Marquez zugeschnitten ist und wie unfahrbar dieses Motorrad für "normale Menschen" ist.

KTM dagegen hat jetzt ein Motorrad, auf dem sich alle vier Piloten wohl fühlen. Und das in Spielberg – wo vor fünf Jahren alles begonnen hat – weiter Geschichte schreiben kann.
Dank Menschen wie Pit Beirer, Mike Leitner & ihren Mitarbeitern, die einfach zeigen, das sich fokussierte Arbeit einfach lohnt.

Würden Zuschauer zum Red Bull Ring kommen dürfen, man könnte wohl damit rechnen, dass der Rekord von 215.000 Fans gebrochen wird. So aber muss man auf die Fans in Orange verzichten – umso mehr Menschen werden sich beiden nächsten Renn-Wochenenden live im Fernsehen ansehen – ServusTV (mit dem Motorrad-Top-Team Andrea Schlager, Gustl Auinger, Christian Brugger und Alex Hofmann) überträgt alle Sessions live. Der AustrianGP und der StyrianGP finden an den nächsten beiden Wochenenden in Spielberg statt.
Mit der 33 wie Max Verstappen: Brad Binder besiegt Neo-Superstar Quartararo & Co. und holt auf der KTM den Sieg in Brno.Mit der 33 wie Max Verstappen: Brad Binder besiegt Neo-Superstar Quartararo & Co. und holt auf der KTM den Sieg in Brno.
In seinem erst dritten (!) MotoGP-Rennen steht Brad Binder schon als Sieger auf der obersten Stufe des Sieger-Podiums.In seinem erst dritten (!) MotoGP-Rennen steht Brad Binder schon als Sieger auf der obersten Stufe des Sieger-Podiums.
Und so sieht der Mann des Tages ohne Maske aus: Merken Sie sich das Gesicht von Brad Binder, seit heute Teil der österreichischen Motorradgeschichte.Und so sieht der Mann des Tages ohne Maske aus: Merken Sie sich das Gesicht von Brad Binder, seit heute Teil der österreichischen Motorradgeschichte.
Eine Jubelreise...Eine Jubelreise...
...in das nahe Brno....in das nahe Brno.
Eine Sternstunde: Brad Binder bedankt sich beim hervorragenden KTM-Sportchef Pit Beirer, einem wesentlichen Faktor des Erfolges.Eine Sternstunde: Brad Binder bedankt sich beim hervorragenden KTM-Sportchef Pit Beirer, einem wesentlichen Faktor des Erfolges.
Die KTM-Chefetage jubelt über einen der größte Erfolge in der Unternehmensgeschichte.Die KTM-Chefetage jubelt über einen der größte Erfolge in der Unternehmensgeschichte.
Vor allem im Rennen war die KTM die eindeutig schnellste Maschine. Ein sensationeller Erfolg gegen Yamaha, Honda, Ducati, Suzuki & Co.Vor allem im Rennen war die KTM die eindeutig schnellste Maschine. Ein sensationeller Erfolg gegen Yamaha, Honda, Ducati, Suzuki & Co.
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