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W16 von Bugatti

W16 von Bugatti

Letzte Fahrt für den verrückten Motor

Als Ferdinand Piëch der Welt im Jahr 2000 ein über 400 km/h schnelles 1.001-PS-Auto um eine Million Euro ankündigt, erscheinen die Zahlen verrückt. Nun endet die Geschichte des W16-Motors von Bugatti bei 1.600 PS, sechs Millionen Euro – und vielleicht sogar 500 km/h.
Als Ferdinand Piëch sein Kunstwerk ersinnt, ist von Elektromobilität noch keine Rede. Der Ingenieur und VW-Konzernlenker kann also nicht ahnen, dass seine Idee schon gut drei Jahrzehnte später zum Denkmal werden wird: Im Bereich der Serienautos ist der W16 das spektakulärste Zeugnis der Verbrennungsmotor-Ära, die zumindest in Europa wohl 2035 enden wird.
 
Auf einer Zugfahrt in Japan, zwischen Tokio und Nagoya, fertigt Piëch 1997 eine Skizze an, die die automobile Welt verändern wird. Die Idee geistert damals schon länger in seinem Kopf herum, aber als der Leiter der VW-Aggregateentwicklung, Karl-Heinz Neumann, ihm gegenüber sitzt, zeichnet er sie kurzerhand auf einen Briefumschlag. Das geniale Gekritzel zeigt zunächst einen 18-Zylinder aus drei VR6-Zylinderbänken, die in 60 Grad zueinander stehen. 6,25 Liter Hubraum und 555 PS sollen das Saugmotor-Triebwerk einzigartig machen und ausgesprochene Laufruhe ermöglichen – ein idealer Antrieb für souveräne Coupés und Luxuslimousinen.
 
Was zunächst fehlt, ist die passende Marke für den Antrieb. Als Bentley und Rolls-Royce von BMW weggeschnappt werden (Bentley wechselt später zum VW-Konzern), lenkt Piëchs kleiner Sohn Gregor die Aufmerksamkeit auf Bugatti, als er in einem Souvenirladen auf Mallorca unbedingt das Modellauto eines Type 57 SC Atlantic haben möchte. Ferdinand Piëch kauft zwei Exemplare und bringt eines zur nächsten Vorstandssitzung – mit der Bitte, die Rechte der französischen Marke zu prüfen und bestenfalls zu erwerben. Das Vorhaben gelingt, bald danach werden bereits die ersten Designstudien auf Autosalons gezeigt, zunächst noch als Luxus-Coupé und -Limousine.
Ferdinand Piëch zeichnet seine 18-Zylinder-Idee im Zug auf einen Briefumschlag.Ferdinand Piëch zeichnet seine 18-Zylinder-Idee im Zug auf einen Briefumschlag.
Der Ingenieur und VW-Konzernlenker kann nicht ahnen, dass seine Idee schon gut drei Jahrzehnte später zum Denkmal wird.Der Ingenieur und VW-Konzernlenker kann nicht ahnen, dass seine Idee schon gut drei Jahrzehnte später zum Denkmal wird.
Im März 2000, am Vorabend des Genfer Autosalons, kündigt Ferdinand Piëch der staunenden Autowelt schließlich die Serienfertigung eines Sportwagens der Superlative an. Die genannten Zahlen erscheinen verrückt:

Leistung über 1.000 PS
– Höchstgeschwindigkeit über 400 km/h
– Preis über eine 1 Million Euro

Bereits im September 2000 wird der erste seriennahe Bugatti EB 16·4 Veyron in Paris vorgestellt. Abgeleitet von der Idee des 18-Zylinders entsteht der 16-Zylindermotor aus zwei VR8-Motoren. Im Gegensatz zum 18-Zylinder, der als Saugmotor konzipiert war, ist es nun eine Turbo-Aggregat. Auch die endgültigen Zahlen liegen jetzt am Tisch:

– 16 Zylinder
– 8 Liter Hubraum
– 4 Turbolader
– Allradantrieb
– 1.001 PS
– 1.250 Newtonmeter

2005 wird das Serienauto Bugatti Veyron 16.4, der erste Hypersportwagen der Neuzeit, vorgestellt (siehe Aufmacher-BIld ganz oben). Tatsächlich stehen im Fahrzeugschein 407 km/h und 1.001 PS, der Preis liegt bei rund 1,3 Millionen Euro. Um über 400 km/h zu erreichen, muss der Fahrer mit einem zweiten Schlüssel die Hochgeschwindigkeits-Einstellung freischalten, der Veyron duckt sich dann, nimmt eine leichte Keilform an, schließt die Lüftungsklappen und stellte den Heckspoiler flach.
Die ersten Bugatti-Studien der neuen Ära, hier der EB 118 von 1998,  gehen noch in Richtung Luxus-Coupé und -Limousine.Die ersten Bugatti-Studien der neuen Ära, hier der EB 118 von 1998, gehen noch in Richtung Luxus-Coupé und -Limousine.
Die Bugatti-Sportwagen-Studie 18.4 Veyron von 1999, noch mit 18-Zylinder-Motor, kommt dem Serienmodell optisch sehr nahe.Die Bugatti-Sportwagen-Studie 18.4 Veyron von 1999, noch mit 18-Zylinder-Motor, kommt dem Serienmodell optisch sehr nahe.
Aber wer hätte gedacht, dass 2005 erst der Anfang der Geschichte sein würde. In den folgenden Jahren steigert sich der Veyron auf 1.200 PS und 1.500 Newtonmeter, eine offene Version und zahlreiche extravagante Sondermodelle (z.B. Pur Sang ohne Lackierung oder Fbg par Hermès in Zusammenarbeit mit der Pariser Luxusmarke) werden vorgestellt.
 
2010 stellt der Bugatti Veyron mit 431,072 km/h einen offiziellen Geschwindigkeits-Weltrekord für Serienfahrzeuge auf.
 
Als 2016 der Nachfolgert Chiron kommt, bleibt der W16-Motor an Bord, freilich nach den neuesten Regeln der High-Tech-Kunst aufgebaut. Von Anfang an werden 1.500 PS und 1.600 Newtonmeter aufgerufen, bei einem kombinierten Normverbrauch von 25,19 Litern, Vmax 420 km/h, 0-100 unter 2,5 Sekunden. Der Basispreis beträgt nun 2,4 Millionen Euro. In der Topversion erhöht Bugatti bald auf 1.600 PS. Der Chiron Super Sport 300+ stellt im Sommer 2019 eine Geschwindigkeits-Weltrekord in der Höhe von 490,484 km/h auf.
 
Seit November 2021 gehört Bugatti zu 55 Prozent dem Kroaten Mate Rimac und zu 45 Prozent Porsche. Im August 2022 stellt Bugatti schließlich das letzte Auto mit W16-Motor vor: Vom offenen und 1.600 PS starken W16 Mistral werden ab 2025 insgesamt 99 Stück gebaut (2023 und 2024 sind noch für die Chiron-Produktion reserviert). Knapp sechs Millionen Euro wird das exklusivste Denkmal der bald endenden Verbrennungsmotor-Ära dann kosten – also fast fünf mehr als der erste W16-Bugatti von 2005. Optisch weicht der W16 Mistral relativ stark vom Chiron ab – wer weiß, vielleicht auch, um der ganzen Geschichte eine finale Pointe zu geben: Einen Geschwindigkeits-Weltrekord über 500 km/h.

Die Zukunft gehört dann auch bei Bugatti dem Hybrid- und Elektroantrieb.
Das letzte Auto mit W16-Motor: Vom offenen und 1.600 PS starken W16 Mistral werden ab 2025 insgesamt 99 Stück gebaut.Das letzte Auto mit W16-Motor: Vom offenen und 1.600 PS starken W16 Mistral werden ab 2025 insgesamt 99 Stück gebaut.
Knapp sechs Millionen Euro wird der Mistral kosten – also fast fünf mehr als der erste W16-Bugatti von 2005.Knapp sechs Millionen Euro wird der Mistral kosten – also fast fünf mehr als der erste W16-Bugatti von 2005.
Als 2016 der Nachfolgert Chiron kommt, bleibt der W16-Motor an Bord, freilich nach …Als 2016 der Nachfolgert Chiron kommt, bleibt der W16-Motor an Bord, freilich nach …
… den neuesten Regeln …… den neuesten Regeln …
… … der High-Tech-Kunst aufgebaut.… … der High-Tech-Kunst aufgebaut.
Von Anfang an werden 1.500 PS aufgerufen (bei einem kombinierten Normverbrauch von 25,19 Litern), in der Topversion bald 1.600 PS.Von Anfang an werden 1.500 PS aufgerufen (bei einem kombinierten Normverbrauch von 25,19 Litern), in der Topversion bald 1.600 PS.
Bugatti W16 Mistral - das exklusivste Denkmal der bald endenden Verbrennungs-Motor-Ära.Bugatti W16 Mistral - das exklusivste Denkmal der bald endenden Verbrennungs-Motor-Ära.
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