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ERSTER TEST: MITSUBISHI SPACE STAR (2020)

Vernünftiger geht's beim besten Willen nicht

Neuntausend Euro für ein fertig ausgestattetes Auto mit fünf Jahren Garantie und bestem Qualitäts-Leumund. Der Space Star definiert die Spitze des automobilen Pragmatismus – aber nicht ohne Charme: Warum die dritte Generation besser aussieht und wie gut sie fährt, klärt der erste Test.
Dass Autofahren nicht teuer sein muss, zeigt Mitsubishi mit dem Space Star eindrucksvoll. Wie gefragt ist dieser automobile Pragmatismus?
Ziemlich gefragt, rund 1.700 Österreicher haben sich im Vorjahr einen Space Star zugelegt, in Deutschland waren es 20.000 neue Kunden. Dass jeder vierte neue Mitsubishi in Europa ein Space Star ist, in Österreich sogar jeder dritte, liegt auch an der kleiner werdenden Konkurrenz: Durch die neuen CO2-Strafzahlungen der EU verschwinden groteskerweise die günstigen Kleinwagen, sie werden von den Herstellern wegen zu geringem Ertrag eingestellt oder auf Elektroantrieb umgestellt, was den Preis verdoppelt. Mitsubishi dagegen kann an der Klasse unter 10.000 Euro festhalten, weil der Space Star von Anfang an ein Projekt für die globalen Märkte war, also unabhängiger von europäischen Befindlichkeiten. Und im Gegensatz zur Binnenwahrnehmung von Innenstadt-Grünen ist das Auto ja keineswegs tot, sondern lebt jetzt erst so richtig – der weltweite Jahresabsatz hat sich in den letzten 20 Jahren von 37 Millionen auf 70 Millionen nahezu verdoppelt.
 
Mitsubishi hat mit dem Colt eine lange Kleinwagen-Tradition. Ist der Space Star eigentlich der Nachfolger?
Ja, Mitsubishi hat den Colt über sechs Modellgenerationen und insgesamt 50 Jahre gebaut. 2012 startete dann mit dem Space Star ein neuer Kleinwagen, der nun quasi bereits in dritter Generation unterwegs ist – wobei es sich bei den Updates von 2016 und 2020 nicht um komplett neue Modelle handelt, sondern um umfangreichere Überarbeitungen.
Unter Erwachsenen: Der um fünf Zentimeter auf 3,85 Meter Länge gewachsene Space Star ist ein für die 10.000-Euro-Klasse recht großes Auto.Unter Erwachsenen: Der um fünf Zentimeter auf 3,85 Meter Länge gewachsene Space Star ist ein für die 10.000-Euro-Klasse recht großes Auto.
Jetzt auch lässig: Neues „Dynamic Shield“-Familiengesicht.Jetzt auch lässig: Neues „Dynamic Shield“-Familiengesicht.
Kantiger Stoßfänger: umgeformt, um das Heck breiter wirken zu lassen.Kantiger Stoßfänger: umgeformt, um das Heck breiter wirken zu lassen.
Völlig neu ist der Auftritt des 2020er-Space Star. Was wurde beim Design geändert?
Der erste Space Star war ein Mauerblümchen, der zweite war ein Braver, aber der dritte ist jetzt schon ein bisschen lässig. Das liegt vor allem am sogenannten „Dynamic Shield“-Familiengesicht, das der Kleinwagen von den anderen Mitsubishi-Modellen übernimmt. Und weil die Japaner ein SUV-Spezialist sind, hat jetzt auch der Space Star aus manchen Perspektiven, speziell frontal von vorne betrachtet, ein bisschen SUV-Flair. Lustig für einen Kleinwagen.
Am Heck wurde der kantige Stoßfänger umgeformt, um das Heck breiter wirken zu lassen. Die neuen LED-Rücklichter schauen zwei Klassen moderne als die bisherigen aus. Von Anfang an prominent und schnittig war beim Space Star der Dachspoiler, das ist weiterhin so.
Neben neuen Felgen peppen auch zwei neue Farben den Space Star auf, das fröhliche Sand-Gelb ist eine Metallic-Lackierung (480 Euro Aufpreis), das Diamond-Weiß sogar eine noble Mehrschicht-Lackierung (680 Euro Aufpreis).
Auffällig ist, dass der Space Star serienmäßig einen ordentlichen Auftritt hinlegt. Während bei günstigen Kleinwagen in der Basisversion oft unlackierte Anbauteile verwendet werden, was wirklich nicht schön ist, sind beim Space Star die Stoßfänger, Türgriffe und Außenspiegel immer in Wagenfarbe. Bis auf die 14-Zoll-Stahlfelgen, die sich über den Zubehörkatalog kostengünstig ersetzten lassen, steht das Basismodell also optisch schon sehr gut da. In der zweiten von zwei Ausstattungsstufen sind dann neben den schicken schwarzen 15-Zoll-Alufelgen einige sportive Elemente eingestreut, etwa die schwarze B-Säule, die abgedunkelte Fondscheiben und der rote Streifen am Frontspoiler.
Inhaltlich alles da: Navigation, Apple Car Play, Android Auto, Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Und der gemeinhin vom Aussterben bedrohten CD-Player.Inhaltlich alles da: Navigation, Apple Car Play, Android Auto, Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Und der gemeinhin vom Aussterben bedrohten CD-Player.
Auffallend gut ablesbarer Tacho.Auffallend gut ablesbarer Tacho.
Automatik – für die Stadt ein Tipp.Automatik – für die Stadt ein Tipp.
Lenkrad, auch mit Lenkrad-Fernbedienung.Lenkrad, auch mit Lenkrad-Fernbedienung.
Das Kofferraumvolumen hinter den Rücksitzen beträgt 235 Liter, durch Ziehen an zwei Stofflaschen legt man die Rücksitzbank im Verhältnis 60:40 um.Das Kofferraumvolumen hinter den Rücksitzen beträgt 235 Liter, durch Ziehen an zwei Stofflaschen legt man die Rücksitzbank im Verhältnis 60:40 um.
Setzten wir uns hinein. Was gibt es im Innenraum neues? Wie fühlt er sich an?
Das Interieur wurde im Detail überarbeitet, es kommen neue Materialien für die Sitze und Türverkleidungen zum Einsatz. Während die Basisversion auf ein altbewährtes Radio mit CD-Schlitz setzt – schöne Sache eigentlich –, ist in der höheren Ausstattung das MGN-Multimedia-System mit sechs Zoll großem Screen verbaut. Okay, es gibt coolere Graphiken und Systeme, aber inhaltlich ist alles da: Navigation, Apple Car Play, Android Auto, Bluetooth-Freisprecheinrichtung. Und natürlich gibt es auch hier den gemeinhin vom Aussterben bedrohten CD-Player.
Das Ambiente ist nicht mehr und nicht weniger als zweckmäßig, durch die soliden Materialien und die gute Verarbeitung aber keinesfalls unangenehm. Details wie die besonders gut ablesbaren Armaturen stechen im Vergleich mit den oft verspielteren Lösungen bei der Konkurrenz sogar hervor. Bei den Funktionen geht einem nichts Essentielles ab, es gibt sogar „Luxus“ wie Sitzheizung, beheizbare Außenspiegel, Lederlenkrad, Lenkradfernbedienung und Lichtsensor. Der Regensensor zeigte sich bei den ersten Teste freilich etwas nervös.
Nur ein zusätzlich zur Höhenverstellung auch in der Tiefe justierbares Lenkrad ist nicht verfügbar, den höhenverstellbaren Fahrersitz gibt es in der höheren Ausstattungsstufe.
Löst sich schwungvoll von der Ampel, schwimmt dann gut mit: der Space Star ist auf den Stadt- und Pendlerverkehr ausgelegt.Löst sich schwungvoll von der Ampel, schwimmt dann gut mit: der Space Star ist auf den Stadt- und Pendlerverkehr ausgelegt.
Wie praktisch ist das Auto? Wie schaut es beim Platzangebot aus?
Der durch das neue Design um fünf Zentimeter gewachsene Space Star ist ein für die 10.000-Euro-Klasse recht großes Auto. Mit 3,85 Metern Länge überragt er Kleinwagen wie VW up! und Toyota Aygo um 30 bis 40 Zentimeter, nur der Dacia Sandero ist noch etwas größer. Vier Türen und fünf Sitze sind beim Space Star serienmäßig, beides ist sehr praktisch und keineswegs selbstverständlich im günstigsten Segment.
Das Kofferraumvolumen hinter den Rücksitzen beträgt klassenübliche 175 bis 235 Liter, wobei es unter der Kofferraumabdeckung versteckte Staufächer gibt. Durch Ziehen an zwei Stofflaschen legt man die Rücksitzbank im Verhältnis 60:40 um, die Ladefläche ist dann nicht ganz eben, aber fast. Das Ladevolumen steigt auf über 900 Liter.
Die Zuladung ist mit bis zu 465 Kilo deutlich überdurchschnittlich, auch hier kann von den günstigen Autos wieder nur der Dacia Sandero mithalten.
 
Wie schneidet der Space Star bei der Sicherheit ab?
Wer sich die offiziellen Crashtest-Ergebnisse anschaut, sieht dass der Space Star für einen Kleinwagen sehr gut abschneidet. Zusätzlich hat die kleine Klasse heute Vorsorgesysteme an Bord, die es vor zehn Jahren nicht einmal in der Oberklasse gab: Im Space Star sind das der bei dichtem Verkehr praktische Spurhalte-Assistent und ein in Notfällen lebensrettendes Auffahrwarnsystem mit Notbremsassistent, das auch Fußgänger erkennt.
In der Stadt kommt selbst der kleinere der beiden Dreizylinder-Motoren (71 PS) mit dem 900 Kilo leichten Space Star gut zurecht.In der Stadt kommt selbst der kleinere der beiden Dreizylinder-Motoren (71 PS) mit dem 900 Kilo leichten Space Star gut zurecht.
Und wie fährt sich der Space Star im Alltag?
Er ist natürlich auf den Stadt- und Pendlerverkehr ausgelegt. Dort kommt selbst der kleinere der beiden Dreizylinder-Motoren – es gibt 1,0/71 PS und 1,2/80 PS – mit dem 900 Kilo leichten Space Star gut zurecht und erweist sich als ausreichend. Das liegt vor allem am recht zügigen Antritt von unten raus, man löst sich durchaus schwungvoll von der Ampel und schwimmt dann eben im Verkehr mit. Der Sound ist kernig, aber nicht aufdringlich, nur bei dezidierter Eile und Ausdrehen des Motors ändert sich das etwas. Dafür ist der Space Star aber sowenig vorgesehen wie für Kurven-Räubern, dann spürt man nämlich, dass die Seitenneigung recht groß und die Lenkung nicht wahnsinnig zielgenau ist. Wer den Space Star dagegen als das versteht, was er ist, ein entspannter A-nach-B-Gleiter nämlich, wird am durchaus komfortablen Fahrwerk gefallen finden. Sehr gut ist die Übersicht, was im urbanen Umfeld immer beschleunigend wirkt. Die optionale, in der höheren Ausstattungsvariante verfügbare CVT-Getriebeautomatik ist ein Tipp, wenn man vornehmlich in der Stadt fährt.
Erstaunlich niedrig ist der Verbrauch, bei den ersten Tests kamen wir beim entspannten Dahingleiten in der Peripherie auf 4,5 Liter runter, im Stadtverkehr lag der Schnitt knapp über sechs Liter.
Wow: Nach Abzug der Boni ab 8.990 Euro – wobei es sich eben um kein Lockangebot handelt. Die  Serienausstattung deckt eigentlich schon alles ab.Wow: Nach Abzug der Boni ab 8.990 Euro – wobei es sich eben um kein Lockangebot handelt. Die Serienausstattung deckt eigentlich schon alles ab.
Kommen wir zum Kern der Sache, dem Finanziellen. Ist der Space Star wirklich eines der günstigsten Autos? Bekommt man für sein Geld auch solide Ware?
Unglaublich, wie günstig der Space Star ist. Zwar gibt es mit dem Dacia Sandero ein Modell mit noch niedrigerem Grundpreis, aber ausstattungsbereinigt ist der Space Star wohl das günstigste Auto am österreichischen Markt. Nach Abzug der Boni (2000 Euro Mitsubishi-Bonus, 500 Euro Öko-Bonus, 500 Euro Finanzierungsbonus) kostet die 1,0-Liter-Version 8.990 Euro – wobei es sich eben um kein Lockangebot handelt, sondern um eine Serienausstattung („Inform“), die eigentlich schon alles abdeckt, was man wirklich braucht: Klima, Radio, 40:60 klappbare Rückbank, elektrische Fensterheber vorne, Zentralverriegelung, sechs Airbags, Licht- und Regensensor. Eigentlich fehlt uns nur die Freisprecheinrichtung, die in die zweiten Ausstattungsstufe „Invite“ integriert ist, aber vielleicht ist das ja auch sein Segen, wir sind ohnehin alle zu viel am Telefon.
Wesentlich aufgewertet wird das Angebot von fünf Jahren Garantie, die meisten Konkurrenten, mit Ausnahme von Kia (sieben Jahre), geben nur drei Jahre. Und auch über die fünf Jahre Garantie ­­hinaus ist man bei Mitsubishi sehr gut aufgehoben, die Marke im Allgemeinen und auch der Space Star im Speziellen haben einen ausgezeichneten Qualitäts-Leumund, sie schneiden bei den diversen Qualitäts-Reports überdurchschnittlich gut ab.

Wann startet der neue Space Star?
Verkaufsstart für das neue Modell ist in Österreich im März.
 
Wie fällt das erste Test-Fazit zum neuen Space Star aus?
Wunderbar, dass es solche Autos gibt. Neuntausend Euro für einen fertig ausgestatteten Space Star mit fünf Jahren Garantie und bestem Qualitäts-Leumund – vernünftiger geht Autokauf beim besten Willen nicht. Fahrerisch darf man sich keine Wunderdinge erwarten, aber in der Stadt ist der Kleine gut unterwegs. Und mit dem neuen Design sieht er sogar ganz lässig aus.
Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Wunderbar, dass es solche Autos gibt. Neuntausend Euro für einen fertig ausgestatteten Space Star mit fünf Jahren Garantie und bestem Qualitäts-Leumund – vernünftiger geht Autokauf beim besten Willen nicht.Fazit von Motorprofis-Tester Fabian Steiner: „Wunderbar, dass es solche Autos gibt. Neuntausend Euro für einen fertig ausgestatteten Space Star mit fünf Jahren Garantie und bestem Qualitäts-Leumund – vernünftiger geht Autokauf beim besten Willen nicht."

DATEN & FAKTEN

Mitsubishi Space Star 1,0 MIVEC / 1,2 MIVEC (2020)

(Februar 2020)

Preis

Nach Abzug der Boni (2000 Euro Mitsubishi-Bonus, 500 Euro Öko-Bonus, 500 Euro Finanzierungsbonus) kostet die 1,0-Liter-Version ab 8.990 Euro. Listenpreise: 1,0 ab 11.990 Euro, 1,2 ab 13.590 Euro.

Antrieb

1,0-Dreizylinder-Benziner (71 PS/88 Nm) mit 5-Gang-Schaltgetriebe. 1,2-Dreizylinder-Benziner (80 PS, 106 Nm) mit 5-Gang-Schaltgetriebe oder CVT-Automatik.

Abmessungen

Länge/Breite/Höhe 3.845 / 1.665 / 1.505 mm.

Gewicht

Leergewicht ab 870 – 905 kg. Höchstzulässiges Gesamtgewicht 1.290 – 1.370 kg.

Fahrwerte

Vmax 172 – 180 km/h, 0-100 km/h 12,5 –15,7 sec, Normverbrauch 5,1 – 5,6 Liter.

Testverbrauch

Bei den ersten Testfahrten je nach Fahrweise zwischen 4,5 und 6,5 Litern.
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