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Emanuele Cappellano über FaSTLAne 2030

Emanuele Cappellano über FaSTLAne 2030

„Wir erneuern 95 Prozent der Modelle“

Europa-Chef Emanuele Cappellano im Interview über die neue Stellantis-Strategie: Warum die europäischen Marken alles haben, was sie brauchen, aber in Amerika mehr verdient werden kann. Warum es nicht um Geld geht, sondern um intelligentes ausgeben. Und worin künftig der Unterschied zwischen Peugeot und Opel besteht.
Der Stellantis-Konzern hat im Mai 2026 eine pragmatisch anmutende Strategie für die Jahre bis 2030 vorgestellt. Zuvor waren Wertberichtigungen von über 25 Milliarden Euro notwendig geworden, weil die forsche Elektro-Strategie von Ex-Chef Carlos Tavares vor allem in den USA auf zu wenig Nachfrage traf. Auch in Europa ist die Auslastung der Werke insbesondere in Italien gering. Der neue Konzernchef des zweitgrößten europäischen Autokonzerns, Antonio Filosa, reagiert nun mit einem Konsolidierungskurs. Der Umsatz soll in den kommenden fünf Jahren wieder auf 190 Milliarden steigen, den Wert von 2023. Während in den USA Margen von zehn Prozent angestrebt werden, rechnet man in Europa bescheidener mit drei bis fünf Prozent Gewinnspanne.
 
Der neuen Strategieplan „FaSTLAne 2030“ sieht Investitionen von 60 Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahre vor. Davon fließt der größere Teil in die USA, aber auch für Europa sind 25 neue Modelle und 25 Facelifts geplant. Bei den Marken wurde neu sortiert: Neben RAM sind Jeep, Peugeot und Fiat künftig international ausgerichtet und technisch die Leitmarken. Citroen, Opel, DS, Alfa Romeo und Co. sind regionaler unterwegs. Die Marken sollen ihre Marktabdeckung erhöhen, also mehr Modelle anbieten, wobei man sich weiter klar auf die Segmente A bis C, also von den Kleinstwagen bis zur Mittelklasse, konzentriert. Ab 2027 gibt es mit der STLA One eine zentrale Plattform, bei der sich alle Marken bedienen und damit die wesentlichen Segmente abdecken. Das modulare Baukastensystem wird wieder ein Multi-Energy-Konzept sein und neben Elektroantrieben auch Hybrid- und Range Extender-Lösungen enthalten. Günstigere Lithium-Eisenphosphat-Batterien sollen verstärkt eingesetzt werden, aber auch 800-Volt-Technik für schnelleres Laden kommen.
 
In Europa verkauften die Stellantis-Marken aktuell 2,5 Millionen Autos. Um die Werke besser auszulasten, wird die Produktionskapazität von derzeit 3,8 Millionen um 800.000 Fahrzeuge reduziert. In Italien bringt der neue Fiat 500 Hybrid schon Kapazitätssteigerungen, zuvor gab es den Beststeller nur noch als Elektro. Dazu kommt künftig ein vollelektrischer Kleinwagen, der unter 15.000 Euro startet, und von mehreren Marken angeboten wird. Weitere Auslastungssteigerungen bringt ein Joint Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng mit dem Ziel, die Premium-Elektromarke Voyah in Europa zu vertreiben, aber auch deren Modelle in bestehenden Stellantis-Werken zu bauen. Mit Leapmotor, dem zweiten Partner aus China, wird diese Prinzip bereits praktiziert, Leapmotor wird auch ein Modell – geplant ist ein kompaktes Crossover – für Opel entwickeln. 
 
Was die Pläne für die europäischen Marken wie Peugeot, Citroen, Fiat, Alfa Romeo, Opel und DS bedeuten, hat Stellantis Europa-Chef Emanuele Cappellano im Interview mit Motorprofis.at präzisiert.
Stellantis Europa-Chef Emanuele Cappellano (rechts, neben Peugeot-Chef Alain Favey): „Der Investitionsplan für Europa ist sehr umfangreichStellantis Europa-Chef Emanuele Cappellano (rechts, neben Peugeot-Chef Alain Favey): „Der Investitionsplan für Europa ist sehr umfangreich".
„Ein Großteil der Investitionen ist für eine übergreifende Technologieplattform und Motoren vorgesehen. Davon werden alle profitieren.„Ein Großteil der Investitionen ist für eine übergreifende Technologieplattform und Motoren vorgesehen. Davon werden alle profitieren."
„Der einzige Unterschied zwischen Peugeot und Opel: Das erste Fahrzeug mit neuer Technologie wird von Peugeot sein. Einige Monate später folgt der Opel.„Der einzige Unterschied zwischen Peugeot und Opel: Das erste Fahrzeug mit neuer Technologie wird von Peugeot sein. Einige Monate später folgt der Opel."
Herr Cappellano, nach dem kürzlich vorgestellten Strategieplan „FaSTLAne 2030“ investiert Stellantis in Nordamerika mehr als in Europa. Wäre es nicht besser, den größeren Teil des Kapitals in Europa zu investieren, wo mit 2,5 Millionen Stück auch die meisten Fahrzeuge verkauft werden?
Emanuele Cappellano: „Der Investitionsplan für Europa ist sehr umfangreich. Bei der Verteilung müssen wir einige Punkte berücksichtigen: Erstens ist ein Großteil der Investitionen für eine übergreifende Technologieplattform und Motoren vorgesehen. Davon werden alle profitieren. Wir haben für Europa 25 neue Modelleinführungen und 25 Modellüberarbeitungen angekündigt, dazu die Erweiterung des C-Segments, die Erweiterung der Antriebspalette inklusive Hybridantrieb und Range Extender sowie neue Batterien für Elektrofahrzeuge. Wir verfügen also über alle notwendigen Investitionen. Das Thema ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern deren intelligentere Verwendung. In den letzten drei bis vier Jahren hat Europa bereits viel investiert, beispielsweise in die Entwicklung neuer Plattformen. Im Vergleich zu Amerika haben wir wahrscheinlich mehr ausgegeben. Wir werden also in die Plattform, die neuen Modelle, das neue Design und die neuen Motoren investieren. Es ist eine andere Herausforderung, in Europa nachhaltig und profitabel zu wirtschaften.
 
Sind Sie zuversichtlich, dass Sie alle ihre Pläne bis 2030 durchziehen können?
Emanuele Cappellano:
„Ja, wir wissen für Europa, das die A-, B- und C-Segmente sehr relevant sind. Wir wissen, dass wir eine Reihe von Hybridfahrzeugen, batterieelektrischen Fahrzeugen und Batterien benötigen. Wir werden 95 Prozent der aktuellen Fahrzeugpalette erneuern, 95 Prozent! Gestern haben wir beispielsweise Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro in Toulouse für drei neue Peugeot-Modelle angekündigt. Wir haben also in Europa wirklich alles, was wir brauchen.”
 
Die Ziele in Europa wirken eher bescheiden, was den prognostizierten Umsatz und die erwartete Gewinnmarge von 3 bis 5 Prozent angeht, verglichen mit bis zu 10 Prozent in den USA …
Emanuele Cappellano: „Wir haben uns entschieden, bei der Festlegung unserer Ziele für Europa sehr bewusst vorzugehen, weil das Umfeld ohnehin sehr, sehr volatil ist. Die regulatorischen Rahmenbedingungen sind noch nicht eindeutig. Das Gesetz zur Förderung der industriellen Beschleunigung (EU Industrial Accelerator Act; Anm. der Red.) ist zwar definiert, aber noch nicht in Kraft getreten. Der Übergangsprozess bei den elektrischen Antrieben (per Flottengrenzwert gibt die EU den Herstellern einen durchschnittlichen CO₂-Ausstoß aller neu zugelassenen Fahrzeuge vor; Anm. der Red) wird nun unter Berücksichtigung der Nachfrage angepasst, aber wir wissen noch nicht genau, wie. Daher ziehen wir es vor, sehr realistisch zu bleiben und den Marktdurchschnitt und die Zukunftsprognosen zu berücksichtigen. Ich denke, es war eine bewusste Entscheidung, bodenständig zu bleiben und das zu liefern, was das europäische Umfeld zulässt.“
„Wir verfügen in Europa über alle notwendigen Investitionen. Das Thema ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern die intelligentere Verwendung.„Wir verfügen in Europa über alle notwendigen Investitionen. Das Thema ist nicht die Höhe der Ausgaben, sondern die intelligentere Verwendung."
„Wir müssen eine klare Differenzierung der Markenpositionierung erreichen. Mit anderem Design, anderer Ausstattung, anderer Produktpositionierung.„Wir müssen eine klare Differenzierung der Markenpositionierung erreichen. Mit anderem Design, anderer Ausstattung, anderer Produktpositionierung."
„Ziel ist 75 Prozent Marktabdeckung in der Branche mit A-, B-, C-Segment. Bei der Produkt-Expansion konzentrieren wir uns vor allem auf das C-Segment„Ziel ist 75 Prozent Marktabdeckung in der Branche mit A-, B-, C-Segment. Bei der Produkt-Expansion konzentrieren wir uns vor allem auf das C-Segment".
Sie sagten, Sie würden die Marken nicht in besser“ und „schlechter“ einteilen. Aber es werden die vier definierten Leitmarken Jeep, RAM, Peugeot und Fiat neue Technologie als erste erhalten. Befürchten Sie nicht, dass andere Marken wie Opel und Citroën dadurch etwas von ihrer Wettbewerbsfähigkeit verlieren könnten?
Emanuele Cappellano: „Nein, und ich werde erklären, warum. Der einzige Unterschied zwischen beispielsweise Peugeot und Opel besteht darin, dass das erste Fahrzeug mit neuer Plattform, neuen Motoren, also neuer Technologie, von Peugeot sein wird. Die Wettbewerbsfähigkeit wird nicht schlechter, im Gegenteil, der Hauptunterschied liegt darin, dass wir ganz klar verstanden haben, dass wir eine klare Differenzierung der Markenpositionierung erreichen müssen. Das ist alles. Einige Monate nach dem Marktstart des ersten Peugeot wird der erste Opel folgen, jedoch mit anderem Design, anderer Ausstattung und anderer Produktpositionierung, denn genau das schafft Wert für die Marke. Unsere Marken sind unser Kapital. Jede Marke hat ein ganz spezifisches und unverwechselbares Kunden-Angebot. Unser Ziel ist es, Überschneidungen zu vermeiden.
Apropos Opel: Opel wird im Rahmen des Joint Ventures mit Leapmotor eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung eines zusätzlichen Modells im C-Segment einnehmen und damit sein bestehendes Angebot erweitern. Die Priorisierung zielt also keineswegs darauf ab, eine Rangliste der Marken zu erstellen, sondern lediglich darauf, das Volumen schnell zu steigern und jede Marke mit einer jeweils spezifischen Produktpositionierung und einem individuellen Design zu diversifizieren.”
 
Welche Vorteile hat Stellantis von den Partnerschaften mit Leapmotor und Dongfeng? Und fürchten Sie nicht, dass ihre chinesischen Marken den europäischen Marken Kunden wegnehmen?
Emanuele Cappellano: „Der Grund für unsere Partnerschaften in Europa sind die sich bietenden Chancen. Wir schaffen Mehrwert durch höhere Produktionskapazitäten, gemeinsame Projekte und gemeinsamen Vertrieb. Ich ziehe es vor, dass Leapmotor mit einer anderen chinesischen Marke konkurriert, anstatt mit beispielsweise Peugeot. Wir konzentrieren uns darauf und nicht auf den Wettbewerb innerhalb unserer Marken.“
 
Sie haben angekündigt, die Produktpalette der Marken zu erweitern. In welchen Segmenten sehen Sie die größte Nachfrage?
Emanuele Cappellano: „Unser Ziel ist eine Marktabdeckung von 75 Prozent in der Branche, also im A-, B- und C-Segment, Pkw und Transporter. Bei der Produkt-Expansion konzentrieren wir uns vor allem auf das C-Segment, weil es sowohl hinsichtlich der Rentabilität als auch des Anteils an batterieelektrischen Fahrzeugen sehr interessant ist.
Es ist aber auch sehr interessant, dass wir wieder in das Preissegment unter 15.000 Euro zurückkehren, denn dieses Segment war fast verschwunden. In den letzten drei Jahren haben wir in Europa drei Millionen Einheiten Produktionskapazität verloren, und das hauptsächlich im Niedrigpreissegment. Daher halte ich es für sehr sinnvoll, diesen Marktbereich gezielt anzusprechen, aber auf eine Weise, die profitabel und nachhaltig ist.”
Emanuele Cappellano ist seit 2025 Chief Operating Officer (COO) von Stellantis Enlarged Europe & European Brands und Head of Stellantis Pro One.Emanuele Cappellano ist seit 2025 Chief Operating Officer (COO) von Stellantis Enlarged Europe & European Brands und Head of Stellantis Pro One.
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