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GERALD ENZINGER

Toto Wolff, Legende

Mit dem sechsten WM-Titel in beiden Kategorien gelingt Toto Wolff ein einzigartiger Rekord in der Formel 1. Keinem einzigen Teamchef und keinem Rennstall ist das bislang gelungen. Und das im schwierigsten Jahr seiner bisherigen Amtszeit.
Es ist ein historischer Tag für die Formel 1 – einen, wie man ihn in den knapp 70 Jahren ihrer Geschichte noch nie erlebt hat.

Seit den Plätzen 1 und 3 für Valtteri Bottas und Lewis Hamilton beim Kompakt-Grand-Prix (Qualifying und Rennen an einem Tag) ist es fix:
Mercedes GP ist zum sechsten Mal in Serie Konstrukteurs-Weltmeister.
Und zum ebenfalls sechsten Mal in Serie wird ein Mercedes-Pilot Fahrer-Champion – denn ab heute sind nur mehr Hamilton und Bottas im 2019er-Titelrennen.

Und damit ist Toto Wolff etwas Einzigartiges gelungen:
zwar hat schon einmal ein Team sechs Mal in Serie die Konstrukteurs-WM gewonnen – Ferrari von 1999 bis 2004 mit dem Dream-Team Jean Todt – Michael Schumacher – Ross Brawn – Rory Byrne – Luca di Montezemolo.
Aber selbst sie brachten es in dieser großen Ära "nur" zu fünf Fahrer-WM-Titeln in Serie.

Damit überholt Toto Wolff in den Rekordlisten alle – nach nur sieben Jahren als offizieller Teamchef in der Formel 1 hat er sie alle hinter sich gelassen: Ross Brawn, Jean Todt, Colin Champman, Frank Williams, Enzo Ferrari, Ron Dennis, Christian Horner – keiner konnte sich so lange am Stück ganz vorne halten.

Und dieser Titel ist für Wolff, der seine eigene Rennkarriere vor knapp drei Jahrzehnten in einem vom Erbe der Oma finanzieren Seat Ibiza startete und diese 1994 mangels Geld (!) aufgeben musste, sicher der Wertvollste und der am schwierigsten erkämpfte.

- mit Niki Lauda hat Wolff heuer seinen wichtigsten sportlichen Wegbegleiter verloren, der sogar zu seinem Freund geworden  war. Viele Jahre lang hatte Lauda als letztlich kongenialer Partner Wolff in einigen wichtigen Bereichen Arbeit abgenommen. Heuer musste der erstmals ganz ohne ihn auskommen und Nikis Tod hat ihn, wie auch Lewis Hamilton, menschlich tief getroffen. Doch für so was wie Trauerarbeit bleibt in der Formel 1 keine Zeit. Beeindruckend wie das Team gerade in dieser Phase zusammenstand und von Sieg zu Sieg fuhr.

–  erstmals war Mercedes nicht mit dem besten Motor am Start. Ferrari hat in diesem Bereich enorm aufgeholt. Und hatte wohl oft auch das bessere Auto. Doch Mercedes hat definitv das bessere Team und den besseren Teamchef, und auch den fehlerfreiesten aller Top-Piloten.
Wolff zeigte: er führt auch Teams zum Titel, die nicht den mit Abstand besten Motor haben.

sechs Titel in Serie – nicht einmal der letzte britische Hofschreiber würde noch auf die Idee kommen, dass die Erfolge Wolffs in erster Linie der Vorarbeit von Ross Brawn zu verdanken wären. Ganz im Gegenteil: Wolff und Laudas Erfolge basierten bei Mercedes immer darauf, dass sie vieles anders machten als der sture Engländer. So sehr dessen Erfolge und Leistungen bei Benetton, Ferrari und natürlich Brawn GP unbestritten sind, mit Mercedes und dem ganzen deutschen Konzern ist Ross nie zurechtgekommen. Es bedurfte der neutralen Österreicher, um England und Deutschland bei Mercedes zu versöhnen und gemeinsam stark zu machen.

- nicht zu vergessen ist, dass Daimler-Boss Dieter Zetsche in Pension gegangen ist, einer der ein Garant für gut finanzierten Motorsport bei Daimler war. Ohne ihn wird der Rennsport mehr am Prüfstand stehen intern, angesichts der enormen Zukunfts-Herausforderungen für die Auto-Industrie und einigen Diesel-Lasten aus der Vergangenheit ist vieles ungewiss. Zudem musste Wolff sich "nebenbei" auch um den Einstieg in die Formel E kümmern – auch wenn er die Arbeit da, vor allem jetzt, da es operativ zur Sache geht, so stark wie nur möglich an seine Mitarbeiter outsourcen will.

In der Gegenwart ist es für Zeitzeugen oft schwierig, Leistungen richtig einzuordnen.
Fest steht: Vor 13 Jahren war Toto Wolff noch österreichischer Rallye-Vizemeister, vor zehn Jahren erst war er erstmals im Formel-1-Fahrerlager, kurz darauf stieg er bei Williams ein – und nun, 2019, hat er einen atemberaubenden Rekord aufgestellt.

Man kann gespannt sein, wie und wo es für ihn weitergeht. Möglich, dass er ab 2021 auch als Chef der Formel 1 auf eine neue Position wechselt. Oder er bleibt, und führt Mercedes in die nächste Phase des Rennsports. Oder er nimmt sich eine Auszeit. Hoch dekoriert.
Der große Moment in Suzuka, 13. Oktober 2019: Zum sechsten Mal in Serie ist Toto Wolff mit Mercedes GP Team-Weltmeister.Der große Moment in Suzuka, 13. Oktober 2019: Zum sechsten Mal in Serie ist Toto Wolff mit Mercedes GP Team-Weltmeister.
Valtteri Bottas, von Wolff auch an schlechten Tagen unterstützt, holte in Suzuka einen der besten Siege seiner Karriere.Valtteri Bottas, von Wolff auch an schlechten Tagen unterstützt, holte in Suzuka einen der besten Siege seiner Karriere.
Dieses Bild ist schon wieder unaktuell. Mittlerweile sind es sechs (!) Weltmeisterautos, die Mercedes in Serie produziert hat.Dieses Bild ist schon wieder unaktuell. Mittlerweile sind es sechs (!) Weltmeisterautos, die Mercedes in Serie produziert hat.
Wolff entschied sich frühzeitig, Bottas an der Seite Hamiltons zu lassen. Das brachte Ruhe ins Team – auch als andere siegten.Wolff entschied sich frühzeitig, Bottas an der Seite Hamiltons zu lassen. Das brachte Ruhe ins Team – auch als andere siegten.
Bottas brillierte in Japan. Den Finnen hatte Wolff lange vor seinem eigenen Formel-1-Einstieg in der Bottas brillierte in Japan. Den Finnen hatte Wolff lange vor seinem eigenen Formel-1-Einstieg in der "vierten Liga" entdeckt.
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