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Dacia-CEO Katrin Adt im Interview

Dacia-CEO Katrin Adt im Interview

„Wir sind die günstigste Gesamtrechnung“

Katrin Adt steht seit einem Jahr an der Spitze von Dacia. Im Interview spricht sie über die neue Preis-Konkurrenz aus China und ungleiche Wettbewerbsbedingungen, aber auch die strategischen Vorteile ihrer Marke. Und sie kündigt mehr große Dacias an.
Bei den Käufern, die ihre Autos selbst bezahlen, steht Dacia weiter hoch im Kurs: Im Segment der Privatkunden ist der Sandero die Nummer eins und die Marke mit drei Modellen in den Top 10 vertreten. Das liegt nicht allein am Preis, unter dem inzwischen zum Modekonzern Kering (Gucci, Saint Laurent, Balenciaga) abgewanderten Renault-Konzernchef Luca de Meo hat sich auch Dacia gewandelt und eine gewisse Coolness angeeignet. Technisch sind Hybrid- und Allradantriebe zu vernünftigen Preisen inzwischen wesentliche Säulen des Erfolgs.
 
Wie der erfolgreich gestartete Bigster und der neue Striker zeigen, setzt die Marke verstärkt auf größere Modelle im C-Segment. Die Mehrheit der verkauften Dacias wird auch zum Ende des Jahrzehnts noch Antriebe auf Verbrenner-Basis haben, gleichzeitig kommen zusätzlich zum neuen Spring bis 2030 drei weitere Elektromodelle ins Programm. Die Wahlmöglichkeit bei den Antrieben bleibt Dacia wichtig – auch die Neuauflage des Bestsellers Sandero ab 2028 wird es mit Elekro- und Hybridantrieb geben.
 
Seit 2025 ist Katrin Adt neue CEO von Dacia. Zuvor war sie über 25 Jahre lang in leitenden Positionen bei Mercedes-Benz, darunter CEO der Marke smart und Chefin des Mercedes-Eigenvertriebs. Motorprofis.at fragte Adt beim Österreich-Besuch über ihre Pläne für Dacia und die neue chinesische Herausforderung für etablierte europäischen Marke.
 
Frau Adt, ist die neue chinesische Konkurrenz, die mit teilweise sehr günstigen Preisen antritt, für eine Preis-Leistungs-Marke wie Dacia nicht besonders unangenehm?
Katrin Adt: „Die chinesischen Marken kommen in unsere Segmente hinein und insofern schauen wir da auch mit Respekt hin. Auf der anderen Seite wir haben Dinge bei Dacia, die man nicht so leicht nachmachen kann. Wir sind eine europäische Marke und seit über 20 Jahren auf dem Markt. Wir sind als Marke etabliert und habe ein Händler- und Servicenetz, das etabliert ist. Wir haben ein Markenversprechen, was wir bei jedem Fahrzeug erfüllen, und wir haben eine Qualität, auf die man sich verlassen kann. Und wir haben vor allem auch Restwerte, die zu den höchsten in der Automobilindustrie zählen. Wenn man dann die gesamte Rechnung macht, dann sind wir deutlich die beste und günstigste Lösung für Mobilität am Markt. Insofern haben wir Respekt vor Wettbewerben, aber Wettbewerb macht ja auch besser.“
 
Dacia bleibt also Dacia?
Katrin Adt: „Wenn das Automobilumfeld sich verändert, müssen wir uns ebenfalls ändern. Aber am Ende wollen wir weiter die Marke für echte Kunden sein, also für Kunden, die arbeiten und das Auto selber bezahlen aus ihrer eigenen Tasche. Ihnen wollen wir das beste Angebot machen und ein zuverlässiger Partner sein.“
Der Bigster ist erfolgreich gestartet. Dacia setzt künftig verstärkt auf größere Modelle im C-Segment.Der Bigster ist erfolgreich gestartet. Dacia setzt künftig verstärkt auf größere Modelle im C-Segment.
Dacia-CEO Katrin Adt beim Österreich-Besuch mit Ralf Benecke, Managing Director von Dacia Österreich.Dacia-CEO Katrin Adt beim Österreich-Besuch mit Ralf Benecke, Managing Director von Dacia Österreich.
Der Striker ist ein 4,62 Meter langer Lifestyle-Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit und Hybrid-Allrad-Automatik-Kombination. Marktstart im ersten Quartal 2027.Der Striker ist ein 4,62 Meter langer Lifestyle-Kombi mit erhöhter Bodenfreiheit und Hybrid-Allrad-Automatik-Kombination. Marktstart im ersten Quartal 2027.
Braucht es in Europa mehr beziehungsweise höhere Zölle auf chinesische Autos?
Katrin Adt: „Diese Frage ist schwierig für mich zu beantworten, weil ich nicht natürlich nicht alles weiß, aber wir haben gesehen, dass die EU schon Zölle auf Elektrofahrzeuge veranlasst hat, weil es in einem Dumpingverfahren die Bestätigung gab, dass es kein fairer Wettbewerb ist. Wir wissen, dass chinesische Automobilhersteller andere staatliche Subventionierungen bekommen als wir das in Europa so kennen.
Wir können natürlich auch sehen, wie sich der chinesische Markt entwickelt: er geht runter. Wir sehen zugleich, wie sich die Produktion in China entwickelt, und sie geht nicht runter. Das heißt, der Druck irgendwo Absatzmärkte außerhalb von China zu finden ist groß, die Wertschöpfungen sind sehr integriert in China. All das führt sicherlich dazu, dass wir nicht komplett die gleichen Wettbewerbsbedingungen haben. Und ja, dass führt dann letztendlich auch zu einem schwierigen Wettbewerb.”
 
Wie kann Dacia weiterwachsen?
Katrin Adt: „Wir haben eine Loyalitätsrate von 70 Prozent, sieben von zehn Kunden kaufen also wieder bei uns. Gleichzeitig haben wir eine Eroberungsrate von 60 Prozent. Für uns geht natürlich schon darum, weiter zu wachsen. Wir konzentrieren uns als Marke bewusst auf Europa, deshalb auch der Sprung in das wichtige C-Segment mit Bigster und Striker. Bis 2030 soll der Anteil des C-Segments bei Dacia von rund 20 auf knapp 35 Prozent steigen.“
 
Es wird viel über schlechte Produktionsbedienungen in Europa geklagt. Sie haben die Spring-Produktion von China nach Europa zurückgeholt. Wie geht die Rechnung für Dacia auf?
Katrin Adt: „Wir sind eine ursprünglich rumänische Marke, haben einen großen Teil unserer Produktion in Rumänien und sind dort sehr wettbewerbsfähig. Natürlich steigen auch in Rumänien die Kosten, wir müssen da immer mehr schauen, dass wir effizient sind.
Für uns hat eine Spring-Produktion in Europa sehr viel Sinn gemacht. Einerseits, weil wir uns dabei viel mit dem Twingo teilen. Andererseits, weil das Werk in Novo Mesto in Slowenien schon viel Expertise in Elektromobilität hat und ein sehr effizientes Werk ist. Und natürlich führen die Rahmenbedingungen, die im Moment auf EU-Ebene diskutiert werden, auch dazu, dass wir das Gefühl haben, dass es gut ist, wenn man Fahrzeuge innerhalb der europäischen Union produziert.“

 

Technisch sind Hybrid- und Allradantriebe zu vernünftigen Preisen inzwischen wesentliche Säulen des Dacia-Erfolgs. Der Duster kombiniert beides.Technisch sind Hybrid- und Allradantriebe zu vernünftigen Preisen inzwischen wesentliche Säulen des Dacia-Erfolgs. Der Duster kombiniert beides.
Ein vollwertiger Elektro-Kleinwagen um 18.000 bis 21.000 Euro ist eine Ansage: Der Spring behält seinen Preis, ist aber künftig ein erwachseneres Auto.Ein vollwertiger Elektro-Kleinwagen um 18.000 bis 21.000 Euro ist eine Ansage: Der Spring behält seinen Preis, ist aber künftig ein erwachseneres Auto.
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