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WALTER LECHNER

Leb wohl, Walter!

Das Herz des österreichische Motorsports schlägt nicht mehr: Walter Lechner senior, der neben und nach einer schillernden eigenen Karriere Leute wie Toto Wolff, Franz Tost, Roland Ratzenberger, Stefan Bellof oder Alexander Wurz zu Racern geformt hat, ist verstorben. Er hat wie kaum ein anderer Motorsport-Österreich geprägt – und wird in diesen Stunden in aller Welt gewürdigt. Sein Lebenswerk wird von seinen Söhnen weitergeführt.
Es gibt Menschen, da kann man sich nicht mehr erinnern, wann man sie zum ersten Mal persönlich getroffen hat – weil sie so eine Präsenz haben, dass man meint, es habe diese Menschen immer schon gegeben.

Walter Lechner senior ist so ein Fall.

Erinnern kann ich mich aber noch gut an den Moment, als ich ihn im Fernsehen entdeckt habe. Ich war ein Kind und sah einen Beitrag in "Sport am Montag" über den ungewöhnlichen Rennfahrer L. , der vom Ober im noblen Hotel Sacher zum höchst erfolgreichen Rennfahrer mutiert war.
Also aufgestiegen war, wie ich es mir als kleiner Racer so dachte – voller Bewunderung.

Nun ist Walter Lechner tot, gestorben im 72. Lebensjahr. Schon in den ersten Stunden haben Weggefährten aus aller Welt über ihn geschrieben und ihn gewürdigt – darunter auch die großen Reporter-"Stars" der englischen Formel-1-Berichterstattung, die normalerweise nicht so schnell sind, wenn es gilt, Racer vom Kontinent zu würdigen. Eine Art Ritterschlag, der seine internationale Bedeutung zeigt, die viel größer ist, als man das in Österreich wahrgenommen hat.

Gestorben ist er zwei Tage nach dem Grand Prix in Bahrain (seiner zweiten Heimat) und nach einem der üblichen Siege seines Teams im Porsche Cup.

Walter Lechner hat diese Welt im wahrsten Sinn als Gewinner verlassen.

Und er hat Gewinner geformt, wie kaum ein anderer in dieser Branche. 20 (!) Prozent der aktuellen Formel-1-Teamchefs begannen ihre Motorsport-Karriere erst als Schüler und dann als Instruktor bei der Walter Lechner Racing School: Franz Tost und Toto Wolff. Die Fahrerkarrieren von Stefan Bellof, Roland Ratzenberger, Alexander Wurz wurden unter Lechners umsichtiger Führung begonnen, andere – wie jene des späteren DTM-Serienmeisters Rene Rast und von Porsche-Supercup-Serienmeister Michael Ammermüller von Walter erst gerettet, und dann massiv beschleunigt.

Er war es, der Toto Wolff einst geraten hat, "das mit dem Rennfahren sein zu lassen" und der im selben Moment einen für die Formel-1-Geschichte dramatischen Gedanken äußerte: "Aber du könntest einmal ein toller Manager im Motorsport sein."
Bis jetzt ist Toto für 14 WM-Titel in der Formel 1 verantwortlich gewesen, und die Renn-und Lebensschule Lechner hatte dabei vielleicht eine schicksalhafte Rolle. In seiner Zeit als Instruktor bei Lechner hatte Toto sogar einige Monate auf einem Bauernhof beim (heutigen) Red Bull Ring gewohnt.

Von Walter konnte man viel lernen, und die Anzahl von Fahrern und Managern, die ihn in diesen Stunden als "Mentor" bezeichnen, ist lang und wahr. Seine freundliche Art, sein herzliches Wesen, sein begnadetes Talent zum Netzwerken war die Basis seiner unglaublichen Erfolge als Teamchef. Er telefonierte viel und oft mit seinen Fahrern und holte das beste aus ihnen raus.

Rene Rast, der bei Lechner den alles entscheidenden Karriere-Schub bekam, erinnerte sich im Gespräch mit motorsport-total.com: "Ich bin bei Walter im Porsche-Supercup gefahren. Er ist einer derjenigen, die noch eine brutale Persönlichkeit haben, einer vom alten Schlag. Er ist ein Supertyp, mit einem extremen Charakter. Ein netter Mensch, der auch ein ganz toller Freund geworden ist. Er war damals trotz seines höheren Alters in Sachen Motorsport immer noch voll auf Zack. Ich erinnere mich, dass er im Supercup von jeder meiner Runden ein Foto machte, damit ich mir die Sektorenzeiten ansehen kann. So musste ich nicht erst auf die Ausdrucke warten. Er hat mir einfach den Fotoapparat gegeben und jede Runde gezeigt. Und er hat mir Tipps gegeben, was er in meiner Situation machen würde - sei es auf der Strecke, aber auch für die Zukunft. Auch da hat er versucht, mir unter die Arme zu greifen."

Als Teambesitzer war er mit seinen beiden Söhnen Robert und Walter junior gemeinsam sensationell erfolgreich: Den renommierten Porsche Supercup, der im Rahmen der Formel 1 fährt, haben Lechner-Autos in den vergangenen 16 Jahren elf Mal gewonnen, zuletzt sieben Mal in Serie. Zudem war er in Bahrain, das zuletzt seine zweite Heimat geworden war, omnipräsent und längst eine Legende mit seinen Teams und seinen Events. Auch vergangenes Wochenende triumphierten die Lechners in Sakhir.

Obwohl er im Laufe der Jahre ein Talent entwickelt hatte, hochkarätige Gönner und Sponsoren für sich zu gewinnen, hatte er immer ein Herz für Rennfahrer mit wenig Geld. Auch er war so einer gewesen.
1975 hatte er seine Disco verkauft, um mit dem Geld eine Rennfahrerschule zu gründen. Parallel zum Ausbildungsprogramm, eben mit "Lehrern" wie Franz Tost, Walter Penker, Roland Ratzenberger oder Toto Wolff, fuhr er 20 Jahre lang selbst Rennen – bis in die Formel 3. "Spät" wurde er zum Star: 1982 Europameister und Deutscher Meister in der Super V, 1983 Europameister in der damals hochklassigen Sportwagen-Meisterschaft "Interserie". 1985 gewann er mit einem gemieteten Porsche 956 am Österreichring, ein Jahr später kaufte er sich selbst einen Porsche 962. In sechs Jahren gewann Lechner zwei Meisterschaften und sechs Rennen und brachte es in Eigeninitiative bis zu den 24 Stunden von Le Mans.
1995 beendete er nach einem Tourenwagen-Meistertitel in Österreich (errungen im "Senioren"-Duell gegen Dieter Quester) seine Karriere: seine Söhne Robert und Walter standen am Beginn ihrer Formel-Karriere und sie erreichten zum Teil spektakuläre Erfolge in den Nachwuchsklassen: Robert brachte es bis zum Formel-3-Vizemeister und Walter gewann später die LMP2-Klasse in Le Mans.
Längst haben sie gemeinsam (und mit Unterstützung ihres Vaters) ihr eigenes Rennsport-Imperium geschaffen, das vor einiger Zeit mit jenem des Vaters zu Lechner Racing zusammengeführt wurde. Sie gewinnen Meisterschaften und veranstalten Meisterschaften, machen Events und Trackdays.  Lechner Racing ist omnipräsent.

Seine großartigen Söhne ähneln ihm sehr. Nicht nur äußerlich –  auch mit ihrer offenen Art und ihrer Liebe zum Sport. Ab heute gehen sie den Weg alleine.
Aber voller Stolz auf einen Vater, der als das Herz des österreichischen Rennsports und als eine Legende der Leidenschaft noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und der seinen Teil dazu beigetragen hat, dass so mancher Rennfahrer gute Jahre in seiner Karriere hatte, auf die er immer gern zurückblicken wird.

Und wenn Toto Wolff in wenigen Tagen zum siebenten Mal in Serie den Pokal für den Konstrukteurs-Weltmeistertitel bekommt, dann werden seine Gedanken auch bei einem seiner ersten Mentoren sein:

Danke, Walter – oder wie man auf Englisch so passend sagt: Godspeed, Walter!
Walter Lechner – extra cool in der Formel Super V.Walter Lechner – extra cool in der Formel Super V.
Walter Lechner mit Alexander Wurz.Walter Lechner mit Alexander Wurz.
Walter Lechner mit Toto Wolff, der sowohl Schüler als auch Instruktor in der Walter Lechner Racing School war.Walter Lechner mit Toto Wolff, der sowohl Schüler als auch Instruktor in der Walter Lechner Racing School war.
Sein ganzer Stolz: seine Söhne Walter und Robert nach dem Meistertitel mit Thomas Preining, der sich heute liebevoll an seinen Mentor erinnerte, „mit dem man stundenlang telefonieren und reden konnte.“Sein ganzer Stolz: seine Söhne Walter und Robert nach dem Meistertitel mit Thomas Preining, der sich heute liebevoll an seinen Mentor erinnerte, „mit dem man stundenlang telefonieren und reden konnte.“
Und so hat alles angefangen: Walter als 16-jähriger Kellnerlehrling 1965 im berühmten Hotel Sacher.Und so hat alles angefangen: Walter als 16-jähriger Kellnerlehrling 1965 im berühmten Hotel Sacher.
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