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MENSCHEN IN BEWEGUNG (32)

Strietzel Stuck, Legende

Hans-Joachim Stuck ist eine der größten Renn-Legenden: Der Österreicher (!) hat den Motorsport bei Porsche, BMW, Audi oder Ford geprägt, er hat in Le Mans gewonnen, war der erste Sieger beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring und er hat Niki Lauda das Leben gerettet. Nun wird er 70. Klar, dass dieser "Mensch in Bewegung" besonders viel zu sagen hat.
Ein Auto, ein Schlüssel und ein unbegrenzter Tankgutschein: Wohin fahren Sie?
Da muss ich nicht lange überlegen. Ich würde von meinem Haus in Tirol zum Nürburgring fahren und dann auf der Nordschleife Gas geben. Denn ich bin heuer coronabedingt und unglaublicherweise seit Mitte Jänner nicht mehr geflogen – und nur zwei Mal in einem Rennauto gesessen. Einmal für eine Doku von Welt TV bei Porsche in Leipzig, wo ich wieder mal den Porsche 962 gefahren bin – ein unfassbares Rennauto, das ich nachweislich am meisten von allen Rennfahrern getestet habe. Und am Hockenheimring das DTM-Elektroversuchsfahrzeug. Das Auto hat eine unglaubliche Leistung, und das Steer-by-wire-System ohne Lenkstange ist faszinierend. Nie aber bin ich heuer auf meiner geliebten Nordschleife gefahren - nicht mal im GT3 oder bei einer Taxifahrt. Deshalb würde ich als erstes dorthin fahren. Wobei es im wunderschönen Tirol auch unglaublich viele schöne Strecken gibt, die man mit dem Auto erkunden kann.

Das prägendste Auto Ihrer Kindheit?
Ein Porsche 356A. Den hatte mein Vater. Später bin ich mit einem 356 auch selbst das erste Mal gefahren, auf einem Forstplatz hinter unserem Haus. Mein Vater hat sich in einen Klappsitz gesetzt und mir Anweisungen gegeben. Schon damals merkte alle, dass auch ich diese Stuck-Gene habe – wie mein Vater, der ja ein berühmter Rennfahrer war und noch mit 60 Jahren Rennen gewonnen.

Die prägendste Strecke ihrer Kindheit und Jugend?
Die Strecke von unserem Haus in Grainau bis zur Schule. Die ist ungefähr 2,5 Kilometer lang und mein Vater hat mich im Porsche hingebracht. Ich sass auf einem Schlitten, den Papa mit einem Seil mit dem Auto verbunden hatte. Ich lernte also schon leicht mitzulenken und mitzubremsen. Und noch was kam wohl dazu: Ich hörte den Porsche besonders gut – ein Grund, warum ich schon mit acht oder neun Jahren quasi dem Klang von Porsche verfallen bin.

Ihr erstes Traumauto?
BMW 507. Den hatte mein Papa eine Zeitlang als Dienstwagen. Damit verbinde ich allerdings auch einen meiner ersten Fehler. Mein Vater war zu der Zeit Botschafter von BMW und als solcher hat er mal den Fahrlehrer für Elvis Presley, der damals gerade in Deuschland war, gemacht. Ich war an dem Tag dabei und habe mir kein Autogramm geholt. Irgendwie war ich noch zu klein dafür, zu verstehen, was für ein Weltstar das ist. Und dachte mir, es sei ganz normal, mit Elvis zu reden.

Was möchten Sie jetzt fahren?
Ich bin sehr zufrieden mit meinem Touareg V8 Diesel. Dieses Auto hat ein super Gesamtkonzept, ist sparsam trotz 440 PS und bis 270 km/h freigeschaltet. Der Diesel geht super, und es ist Platz für die ganze Familie. Alles in einem Auto, das in keinster Weise protzig wirkt.

Ihre Qualitäten als Beifahrer?
Die sind ganz schlecht! Wobei ich sagen muss, dass meine Frau Uschi hervorragend fährt. Sie ist genau so schnell unterwegs wie ich, allerdings wesentlich sparsamer. Ich kann tun, was ich will – ihre Reichweite ist immer größer als meine.

Was nervt am Steuer?
Leute, die immer links fahren wollen oder die in der Mitte dahinschleichen. Das stört den Fluss beim Fahren total.

Ihr liebster Soundtrack im Auto?
Ich höre alles was gespielt wird, ob Rock-Hits oder Schlager. Oft fahre ich aber auch ohne Radio – wer hört nicht lieber den Sound des Motors, wenn er etwa in einem 911 mit einem Akrapovic-Auspuff unterwegs ist?

Ihre Lieblings-Auto-Farbe?
Rot.

Worauf schauen Sie als erstes beim Autokauf?
Ich bevorzuge Allrad – ich wüsste keinen Grund, ohne Allrad unterwegs zu sein. Einfach toll, wenn sich die Kraft auf Eis und Schnee so verteilt. Neben dem ABS ist das eine der tollsten Erfindungen im Automobilbau.

Ihr Traum-Beifahrer für eine lange Autofahrt?
Meine Frau. Sie schmiert die Brote und dann sind wir acht, neun Stunden unterwegs - immer wieder schön.

Das schönste Auto aller Zeiten?
Ich hatte das Glück, sehr viele schöne zu fahren, aber es ist schon besonders beeindruckend wie der Porsche 911 sich immer verändert und modernisiert hat, und doch immer er selbst geblieben ist. Aber ich denke auch etwa an eine Corvette, wenn es um Schönheit geht.

Ihr Lieblings-Rennfahrer?
Am meisten fasziniert hat mich Ayrton Senna, mein Lieblingsrennfahrer ist aber Derek Bell. Ein großartiger Teamkollege, ein wunderbarer Mensch. Als ich in die Formel 2 gekommen bin, hat er mir selbstlos alles gezeigt und wir haben tolle Erfolge im Porsche gefeiert. Ich konnte mich immer zu hundert Prozent und in jeder Hinsicht darauf verlassen, dass er keinen Blödsinn macht. Wir sind bis heute eng befreundet.

Ihr persönlicher Fuhrpark?
Der bereits erwähnte VW Tourag V8 Diesel und ein Skoda Karoq – der ist wunderbar am Berg. Und dazu kommen noch historische Autos: ein 51er-Brezlkäfer, ein BMW 700 Sport, eine BMW 2002TI Alpina mit der kurzen Achse. Und dazu habe ich noch einen roten Golf 1.



Anmerkung: In der Rubrik "Menschen in Bewegung" erzählen Prominente über ihr mobiles Leben. Darunter waren bislang auch Weggefährten von Hans-Joachim Stuck, etwa Gerhard Berger oder Helmut Marko .

Stuck, der österreichischer Staatsbürger ist (seit Vater Hans Stuck erhielt diese 1936 für seine Erfolge mit Austro-Daimler), lebt in Tirol. Der nächste Event, bei dem er – wenn es möglich ist – auftreten soll, das ist die Planai-Classic, die nun im Februar über die Straßen gehen dürfte.

Hans-Joachim Stuck, den alle Hans-Joachim Stuck, den alle "Strietzel" nennen, wird am 1. Jänner 70. Und ist als Gast bei Events wie der Ennstal-Classic oder der IceTrophy beliebter Star-Gast.
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