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GERALD ENZINGER ÜBER GEORGE RUSSELL

GERALD ENZINGER ÜBER GEORGE RUSSELL

Russells Jugend: Red Bull- Mechaniker, DTM im BMW

George Russell ist ab Freitag für das beste Team der Welt im Einsatz – im Weltmeisterrennstall von Mercedes wird der Brite der neue Mann an der Seite von Lewis Hamilton. Eigentlich ist er ein "Eigenbauspieler", der von Mercedes massiv gefördert wurde. Dabei hat er auch eine Vergangenheit bei den beiden größten Rivalen von Mercedes: George Russell war Mechaniker bei Red Bull Racing – und DTM-Pilot von BMW. Die Storys dazu in unserer neuen Formel-1-Rubrik "Enzos Boxenstopp", in der wir mit Ihnen durchs Fahrerlager der Formel 1 gehen.
George Russel war 2013/14 in einem Ausbildungsprogramm von Red Bull Racing. Hier beim Boxenstopp-Üben. Am Rad: Sophia Flörsch, die dieses Bild 2013 auf ihren Social-Media-Kanälen postete.George Russel war 2013/14 in einem Ausbildungsprogramm von Red Bull Racing. Hier beim Boxenstopp-Üben. Am Rad: Sophia Flörsch, die dieses Bild 2013 auf ihren Social-Media-Kanälen postete.
Er ist die neue, große Hoffnung im Weltmeisterteam Mercedes: George Russell.

Sonntag wird er erstmals "geplant" für den Rennstall von Toto Wolff am Start sein – nachdem er 2020 bei seinem Mercedes-Debüt als Ersatzmann des damals Corona erkrankten Lewis Hamilton brilliert hatte und lange in Führung gelegen war.
Der Engländer soll auch langfristig zur neuen Nummer 1 aufgebaut werden, sollte Hamilton – etwa nach einem achten WM-Titel heuer – in die Rennfahrerrente gehen.

Nur wenigen ist dabei eine skurrile Randnotiz bewusst: Der große Hoffnungsträger war jeweils einmal und nur für ganz kurze Zeit auch für den jeweils größten Konkurrenten von Mercedes aktiv.
Und zwar quasi als Mechaniker bei Red Bull Racing – und als große Zukunftsaktie von BMW, dem großen Mercedes-gegner im "echten Leben" bei den Straßenautos.

Story Nummer 1, dokumentiert durch das Bild oben, das Sophia Flörsch einst auf ihren Social-Media-Kanälen gepostet hatte, verblüfft am meisten: Russell, der nunmehrige Anti-Red-Bull-Fighter, beim Boxenstopptraining als Mechaniker am Red-Bull-Racing-Boliden von Sebastian Vettel!
Der Hintergrund: Russell wurde Ende 2013, wie auch andere Kart-Talente wie eben Flörsch, in ein Red-Bull-Nachwuchsprojekt eingebunden – und zwar ins SIMULATOR´S DRIVER PROGRAMME (SDP). Dort bekamen die jungen Piloten und Pilotinnen die Chance, ins Weltmeisterteam von Red Bull Racing hineinzuschnuppern. Flörsch erzählte damals, was das bedeutet: "Ein Highlight war der Besuch in der F1-Fabrik in Milton Keynes! Aber das Beste ist, dass ich fast jeden Monat einmal dorthin eingeladen werde, um Simulator zu fahren und ein spezielles  Fitnesstraining zu absolvieren." George zog damals sogar nach Milton Keynes.
Heute würde man Russel wohl nicht mehr durch jeden Raum in der Red-Bull-Fabrik in den englischen Midlands führen – das wäre ein Spionage-Fall.

Wobei: so sehr Russell als "Wunderkind" gefeiert wird, so war seine Karriere nicht so Senkrechtstarter-typisch wie jene von Lando Norris. Ende 2015 schien daher sogar seine weitere Formel-Karriere in Gefahr, weshalb er nach einem bescheidenen Jahr in der Formel 4 mit einem Wechsel in die DTM spekulierte – und das sehr konkret!

Denn Russell, 2015 "nur" Sechster der Formel-3-Euroserie (hinter Rosenqvist, Giovinazzi, Jake Dennis, Leclerc und Stroll) merkte, "dass sich die Formel-1-Teams nicht gerade um mich prügeln."
Daher stand eine Abkehr von der Formel-Karriere im Raum und ein Angebot von BMW kam da für den noch 17-jährigen genau zur rechten Zeit. BMW bot ihm an, einen BMW M4 DTM zu testen!

Und so checkte "Georgie Boy" Anfang Dezember 2015 in Jerez ein, um an den dreitägigen DTM-Testfahrten teilzunehmen. Ebenfalls mit dabei: Jesse Krohn, Alexander Sims, Louis Delétraz. Als Referenzfahrer kam Tom Blomqvist mit, parallel testeten Dirk Werner und Jens Klingmann den GT3-BMW.

Russell schlug sich hervorragend und er beeindruckte BMW mit Top-Zeiten bei milden Temperaturen.
Am Ende bilanzierte er sichtlich überdreht und happy: "Es war das erste Mal, dass ich so ein Auto mit so einer Kraft gefahren bin – was für ein großartiges Erlebnis. Der Test ist richtig, richtig gut verlaufen und ich habe es richtig genossen, den BMW am Limit zu bewegen. Unglaublich ein Auto mit Dach – und zugleich mit so viel Grip! Vor allem die Downforce habe ich richtig genossen – ein so großes Auto, so schwer, und dann doch so viel Bodenhaftung. Aber auch ein Auto, dass viele Parallelen mit einem Formel 3 hat, auch von der Art des Fahrens. Daher habe ich nicht lange gebraucht, um auf Touren zu kommen."

Heute sagt Russel, dass ihm BMW in die DTM schicken wollte – erst 2016 als eine Art "inoffizieller Ersatzfahrer", 2017 dann mit einem Fixplatz. Er war kurz davor zu unterschreiben, das angebotene Gehalt sei "enorm" gewesen.

Dann aber kam alles anders, und wieder einmal im Leben eines erfolgreichen Sportlers war Timing alles. "Ich lag gerade in der Badewanne – kein Witz. Plötzlich ruft mich ein Franzose namens Gwen Lagrue an."  Lagrue war neu bei Mercedes als Leiter des Nachwuchsprogramms  - und der Erste, den er wollte, war Russell.
Auch weil Toto Wolff das förderte, den hatte Russell mit einem Bewerbungsmail überrascht. "Er hatte einfach meine email-Adresse herausgefunden und einfach geschrieben", sagt Toto heute noch beeindruckt.

Später zeigte ihm Russell die Bewerbungsunterlagen, die er an Claire Williams geschickt hatte. Sie lud ihm ein und er erklärte mit einem Projektor die Details seiner Karriere, seinen möglichen Input, seine Stärken und Ziele.
Er wurde engagiert und wegen der engen Beziehung zu Mercedes blieb er zugleich im Mercedes-Programm.

"Ich habe gehofft, schon vor 2022 zu Mercedes F1 zu kommen – aber, egal, nun bin ich da!" Ab nun muss er sich mit dem besten Rennfahrer aller Zeiten im selben Team messen. Ein Risiko? Ja – und eine Jahrhundertchance.

Fun Fact: Auch sein jetziger Stallrivale Hamilton war 2007 ein Thema bei BMW gewesen, allerdings nur als Leihgabe von McLaren und im Formel-1-Team. Dann entschied sich McLaren-Boss Ron Dennis aber sofort selbst auf seinen Schützling Lewis zu setzen – und nicht auf Gary Paffett, dem logischen Ersatzmann. Der kam nie in die Formel 1 und wurde woandes zum Star. Nämlich in der DTM.
Eine Weltkarriere im Blick: seit 2017 wird George Russell von Mercedes gefördert, ab nun ist er Stammfahrer im Weltmeisterteam der Formel 1.Eine Weltkarriere im Blick: seit 2017 wird George Russell von Mercedes gefördert, ab nun ist er Stammfahrer im Weltmeisterteam der Formel 1.
George Russell beim DTM-Test für BMW mit Krohn, Blomqvist und Deletraz.George Russell beim DTM-Test für BMW mit Krohn, Blomqvist und Deletraz.
George Russell – damals im BMW, heute beim Erzrivalen Mercedes.George Russell – damals im BMW, heute beim Erzrivalen Mercedes.
George Russell – einst im DTM-Auto sauschnell, in den nächsten Jahren mit einem megaschweren Auftrag: Daimlers Antwort auf Max Verstappen zu werden.George Russell – einst im DTM-Auto sauschnell, in den nächsten Jahren mit einem megaschweren Auftrag: Daimlers Antwort auf Max Verstappen zu werden.
Happy George: Russell mit seinen Kurzzeit-Teamkollegen und Landsleuten Blomqvist und Sims.Happy George: Russell mit seinen Kurzzeit-Teamkollegen und Landsleuten Blomqvist und Sims.
George Russell. Bis heute ist er Fan der DTM, wie auch Max Verstappen und Co..George Russell. Bis heute ist er Fan der DTM, wie auch Max Verstappen und Co..
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